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  • Wie kann ich gelassener werden und Inneren Frieden erreichen?

    Wie kann ich gelassener werden und Inneren Frieden erreichen?

    Ein Leben ist nur dann erfüllt und sinnvoll, wenn es um seiner selbst willen geführt wird. Gelassenheit meint das Ablassen von äusseren Zwecken („Worumwillen“) und eine Zuwendung zum Inneren, das allen Menschen zugänglich ist. Die Begründung: Mit der Geburt Jesu wurde Gott nicht nur ein individueller Mensch, sondern Teil der inneren „menschlîche natûre“. Wer sein Leben also auf einen äusseren Zweck ausrichtet, der entfernt sich gerade von jener wirklichen Sinnhaftigkeit, die uns und unseren Handlungen stets innewohnt.
    (Meister Eckhart, ca. 1320)

    Gelassenheit?

    Wie kann ich die Stärke meiner Gelassenheit messen und diese verbessern? Finde heraus, wie oft du an einem einzigen Tag gestört wirst. Ich meine damit diese kleinen Störungen durch alltäglichen Ärger, Sorgen oder Trauer.

    Alltäglicher „kleiner“ Ärger, Sorgen oder Trauer

    Nun, es gibt keine „kleinen“ Aufregungen. Sie alle stören den Frieden meines Geistes gleichermassen. Sie alle verhindern, dass ich jemals etwas gelassener werde. Wir alle kennen Menschen, die chronisch besorgt, wütend oder traurig sind. Und… sie sind sich dessen meist nicht mal bewusst. Nur wenn ich wachsam bin, komme ich dahinter, was mich stört. Das ist es, was ich Meditation nenne. Sobald auch nur die geringste Welle meinen Gelassenheitspool stört, hinterfrage ich, was ich jetzt glaube – besser: was sich jetzt für einen Glaubenssatz hinter dem Störgefühl verbirgt. Glaubenssätze können sein: „Ich werde nicht bemerkt.“ oder „Ich bin dumm.“ oder „Ich bin zu schwach.“ „Ich bin es nicht wert.“ usw… Das Wunderbare ist nun, dass die Störung sofort ihre Stärke und Wirkung verliert, wenn ich den Glaubenssatz dahinter entdecke. So kann wirklich Frieden einkehren.

    Wut, Ärger und Empörung als Deck-Emotion eines Bedürfnisses oder Glaubenssatzes

    Wut überdeckt meist andere Gefühle. Es wird daher auch von der „Deck-Emotion“ oder sekundären Emotion gesprochen. Die primäre ist dann meist Scham, Überforderung, Ohnmacht, Minderwertigkeit, Traurigkeit oder Verzweiflung. Niemand kann dich wütend machen – ausser Du selbst! (Fritz Perls). Um Ärger „gewaltfrei“ auszudrücken, müssen wir uns bewusst machen, dass es niemals die andere Person ist, die uns ärgerlich macht. Ärger wird durch Denken verursacht. Es geht nicht darum, die Wut zu unterdrücken. Es geht viel mehr darum, sich tiefer auf die Wut einzulassen und bis zu ihrer Wurzel zu gehen. Dort finden wir immer unsere unerfüllten Bedürfnisse. Und sobald ich mich mit meinen Bedürfnissen verbunden habe, spüre ich keine Wut mehr und finde meinen Frieden. Ich kann nur wütend sein, wenn ich mich vom Leben abschneide. Man kommt dann zum Beispiel vom Deck-Ärger „Er sollte die Wohnung besser sauber halten.“ zum primären Bedürfnis „Ich bin frustriert, weil ich mein Bedürfnis nach Respekt nicht erfüllt sehe, wenn die Wohnung nicht aufgeräumt ist.“ – oder zum Glaubenssatz „Ich werde nie gesehen und respektiert!“. Dieser Satz war in der Kindheit noch real, gilt jetzt als Erwachsener schon lange nicht mehr. Dieses Bewusstwerden von alten Bedürfnissen wecken mich auf und sagen mir, dass ich nicht am Leben bin, sondern dass ich mit diesem Spiel beschäftigt bin, jemanden oder mich fertig zu machen. Dies macht definitiv keinen Spass und nimmt mir meinen inneren Frieden.

    Katja Berlin „Torten der Wahrheit“ in die ZEIT, 06/2023
    Seinlassen

    Seinlassen

    Gelassenheit resultiert aus dem Gegenteil von „Loslassen“, was landläufig oft mit Gelassenheit assoziiert wird. Echte Gelassenheit würde ich eher als „Seinlassen“ bezeichnen. Seinlassen heisst, dass wir nicht versuchen, es zu ändern oder uns zu einem Einverständnis zu zwingen. Vielmehr erkennen wir einfach an, was da ist, und sagen ja dazu. Es muss uns nicht gefallen, aber wir müssen es auch nicht als Feind sehen. Wir müssen nur bereit sein, eben das zu erleben, was unser Leben genau jetzt ist.
    „Es isch wie‘s isch!“, wie wir so gelassen in der Schweiz sagen.

    Eine Methode zum Erlangen von Gelassenheit besteht darin, kleine positive Erlebnisse, die man im Alltag erlebt – wie etwa ein freundliches Lächeln, das einem jemand schenkt, oder ein Akt der Hilfsbereitschaft – in Ressourcen umzuwandeln. Wir nehmen eine kleine heilsame Erfahrung wahr, die wir gerade machen. Bleiben zehn, zwanzig Sekunden dabei, damit sie wirklich tief einsinken kann, und machen dies ein paar Mal am Tag, immer wieder. So bauen wir Widerstandskraft, Selbstmitgefühl und einen Sinn für unseren persönlichen Wert auf, was die Gelassenheit massiv stärkt.

    Weitere Wege zur Gelassenheit

    „Sich erinnern!“, d.h. an das Kind, das wir mal waren:
    * im Lachen
    * im Tanzen und in der Bewegung…
    * im Spielen

    Sich mit unserer „Buddha-Natur“ verbinden (mit unserer Urkraft):
    * in der Natur („es ist einfach“)
    * im Flow (es fliesst mich)
    * in der Entspannung (es lässt los)
    * in der Meditation (es ist)
    * in der Kreativität (es spielt, schreibt, komponiert…) …und alles nicht zu ernst nehmen.

    Der Zustand der „ziellosen Präsenz“ hat für mich auch viel mit Gelassenheit zu tun. Gelassenheit entsteht überall dort, wo wir lernen zu »warten«, ohne etwas Bestimmtes zu erwarten. Das Warten ist »einfach die Ruhe« und erlaubt die Offenheit des Denkens im Unterschied zu einer bestimmten Vorstellung.

    Fünf Hindernisse für ein gelassenes Leben

    Etwas geschieht. Etwas, das wir uns anders erhofft haben. Schnell lassen wir uns mitreissen, ärgern uns, verzweifeln, fürchten den Weltuntergang.

    Doch „passieren“ bedeutet eigentlich „vorbeifahren“.
    Wenn etwas passiert, zieht es an uns vorbei, es überrollt uns nicht, sodass wir den Boden unter den Füssen verlieren.
    Wir müssen es nur zulassen.

    Statt aufzuspringen, können wir das Geschehen betrachten, bis es von selbst vorübergeht.

    So wie in Theodor Fontanes Gedicht „Überlass es der Zeit“:

    Erscheint dir etwas unerhört,
    Bist du tiefsten Herzens empört,
    Bäume nicht auf, versuch’s nicht mit Streit, 
    Berühr es nicht, überlass es der Zeit. 
    Am ersten Tag wirst du feige dich schelten,
    Am zweiten lässt du dein Schweigen schon gelten,
    Am dritten hast du’s überwunden,
    Alles ist wichtig nur auf Stunden,
    Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
    Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

    Wenn wir den Dingen ihren Lauf lassen, finden wir Ruhe.
    Dazu brauchen wir Achtsamkeit: wahrnehmen, was ist, uns dem Leben, dem Moment, den Gefühlen und Gedanken öffnen, ohne festzuhalten.
    Achtsamkeit lässt sich üben, doch begegnen wir dabei Hindernissen, die unser Leben in Gelassenheit erschweren.

    Es folgen fünf dieser Hindernisse:

    1. „Mir fehlt die Zeit“
      Achtsamkeit raubt keine Zeit, sie lässt uns die Zeit erst wirklich erleben – egal, womit wir uns gerade beschäftigen.
      Womit bist Du so beschäftigt, dass Du Dir nicht einmal zehn Minuten am Tag gönnst – nur für Dich, für Deinen inneren Frieden?
      Je weniger Zeit Du dafür zu haben glaubst, desto dringender solltest Du sie Dir nehmen.
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    2. „Mir fehlt die Geduld“
      Um achtsamer zu werden, sollten wir uns Zeit lassen. Doch viele von uns werden schnell ungeduldig. Gerade Achtsamkeit erfordert Geduld: Einen Moment bist du vollkommen bewusst, im nächsten unachtsam. Erkenne einfach, dass du unachtsam bist. Vermeide den Gedanken: „Unachtsamkeit muss Achtsamkeit werden. “ Das schafft nur Konflikte, in denen Bewusstheit und Achtsamkeit verschwinden.
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    3. „Mich auf das einzulassen, was ist, tut mir zu weh“
      Du wirst wütend. Oder traurig. Oder ängstlich und besorgt. Gerade deshalb solltest du deine Gefühle und Gedanken wie Vögel vorbeiziehen lassen, damit sie sich nicht in deinem Kopf einnisten. Sich mit aller Kraft gegen sie zu wehren, führt auf Dauer zu nichts. Du kannst sie weder vertreiben noch vor ihnen fliehen. Es gibt keine falschen Gefühle oder Gedanken – nur solche, die dich umso stärker beherrschen, je mehr du gegen sie ankämpfst. Lass sie zu, aber gib ihnen nicht die Kontrolle. Dann ziehen sie von selbst weiter.
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      Immer öfter wird in neueren Psychotherapieformen (und schon lange Zeit im Zen-Buddhismus) deshalb nicht mehr der Inhalt der Gedanken und Gefühle als das eigentliche Problem betrachtet, sondern die Art und Weise, wie wir mit diesen umgehen und nach welchen Prinzipien unser Verstand funktioniert. Nicht was wir denken ist das Problem, sondern wie wir unsere Gedanken beurteilen.

    4. Achtsamkeit bedeutet, den Weg zu schätzen, nicht das Ziel – denn ein Ziel jenseits des Moments, jenseits dessen, was ist, gibt es nicht. Selbst wenn wir nur entspannt feststellen, dass wir unachtsam waren, üben wir Achtsamkeit.
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      Das Schöne daran: Indem wir beim Üben geduldig mit uns selbst sind, wachsen Geduld und Gelassenheit auch in anderen Lebensbereichen. Manche fürchten: „Ich will doch nicht gleichgültig werden – ich habe Ziele! “ Doch Gelassenheit heisst nicht, die Zukunft zu ignorieren. Gelassenheit nimmt das Leben ernst, aber nicht schwer.Ziele sind nichts Schlechtes, solange sie nicht aus einem Gefühl des Mangels entstehen.


      Ich finde Gelassenheit, wenn ich mit dem, was ist, zufrieden und glücklich bin. Die meisten Ziele setzen wir uns doch, um „glücklicher“ zu werden. Doch oft erreichen wir sie nicht und bleiben unglücklich. Oder wir erreichen sie, sind kurz glücklich und streben dann nach neuen Zielen. So entsteht immer wieder eine Lücke zwischen dem, was wir haben und geniessen könnten, und dem, was wir uns anders wünschen.

    5. „Ich will die Kontrolle nicht verlieren“„Klar, das Leben spielt seine eigenen Spiele, aber wenigstens beherrsche ich mich selbst! “, denkst du vielleicht. Die Kontrolle verlieren? Auf keinen Fall. Doch stimmt das wirklich? Beherrschst du dich tatsächlich?Wenn ja, dann richte für eine Minute deine volle Aufmerksamkeit auf deinen Atem, ohne abzuschweifen. Gar nicht so leicht, oder?Wenn dir schon diese einfache Aufgabe schwerfällt, wie viel Kontrolle hast du dann wirklich über dich? Erst durch Achtsamkeit gewinnst du Kontrolle und Sicherheit inmitten der Unsicherheiten, die dich umgeben.

    Die Kontrolle abgeben erfordert viel Vertrauen, Grundvertrauen in die Mitmenschen.

    Gelassenheit erleben durch psychedelische Drogen

    „Auf jeden Fall vermute ich, dass ich bereits gefunden habe, wonach ich gesucht habe: einige neue Erkenntnisse und zumindest ein bisschen Gelassenheit. Zwar bin ich nach wie vor unsicher, was die letztendliche Struktur der Welt angeht, aber ich habe auch neue Neigungen und neue Sympathien für Darstellungen, die ich zuvor für völlig uninteressant gehalten hatte. Diese Erweiterung ist selbst eine Art von neu gefundenem Wissen, auch wenn sie keine neuen Gewissheiten enthält. Was die Gelassenheit betrifft, so gibt es wirklich nichts Besseres als eine eindringliche Erfahrung der Illusion von Zeit, um die Angst vor der Kürze und scheinbaren Sinnlosigkeit dessen, was wir als unseren zeitlichen Aufenthalt erleben, zu verringern. Und es gibt wirklich kein beruhigenderes Gefühl, als sich der allgegenwärtigen und dichten Präsenz anderer Wesen wie der eigenen bewusst zu werden – oder zumindest einen Zustand zu erreichen, der die Existenz solcher Wesen zu bestätigen scheint.“ (This Is a Philosopher on Drugs, Justin E. H. Smith in WIRED, Mar 7, 2023: I was at the lowest point in my life. I needed a mind-altering jolt. In the end, everything—even the meaning of “everything”—changed.)

    aus Philosophie Heute

    Gelassenheit und Selbstoptimierung

    Jeder rennt ins Yoga-Studio und regt sich trotzdem auf, wenn ein Fahrradfahrer falsch abbiegt. „Es existiert ein Missverhältnis zwischen der Gelassenheit, die man erreichen möchte, und der Selbstoptimierung, die man verfolgt. Man will Störquellen ausschliessen, nach dem Motto, ich bin ruhebedürftig, mich nervt das Kind, der Hund, das Handyklingeln. Wir neigen dazu, Dinge aus dem normalen Leben als Belästigung zu begreifen, die es abzuschaffen gilt. Letztlich steckt hier auch eine Ursache für Intoleranz gegenüber allem Fremden: sich darüber aufzuregen, was jemand anders macht, wie der aussieht, wie der sich benimmt.“ (Juli Zeh im Interview mit dem Tagesspiegel, 5.11.18)

    Der Innere Frieden

    „Wenn du deprimiert bist, lebst du in der Vergangenheit. Wenn du besorgt bist, lebst du in der Zukunft. Wenn du in Frieden bist, lebst du in der Gegenwart.“ Lao Tse

    Frieden hat viel mit Hingabe zu tun. Sich hingeben an den Moment, an das Hier und Jetzt. Auch die Hingabe an all unsere Ängste und Widerstände bringt Frieden. Man sagt dazu so schön (und ich finde dies eine treffende Formulierung):
    Seine Ängste nicht nur an der Hand, sondern in die Arme nehmen.
    Der Weg durch die eigenen Widerstände hindurch ist anstrengend und schmerzhaft. Es ist aber eine grosse Hilfe, den Automatismen und Widerständen in sich selbst zu begegnen, die zur Katastrophe, zum Unfrieden und zum Leiden geführt haben. Diesen steinigen Weg auch bis zum Ende zu gehen und nicht beim ersten oder zweiten Widerstand auszuweichen und abzubrechen, ist wichtig. Dranbleiben und nicht alles auf einmal gelöst haben wollen – bleiben, bis sie sich durch Zeit und Atem selbst verändern, vielleicht sogar zur (Auf-)Lösung und Heilung kommen.

    Was kann helfen, den inneren Frieden zu fördern?

    • Ich höre auf, mich zu bekämpfen.
    • Ich bin im Hier und Jetzt.
    • Ich nehme mir Zeit für mich.
    • Ich tue, was sich für mich richtig anfühlt.
    • Ich setze Grenzen.
    • Ich lasse Andere sich selbst sein.
    • Ich akzeptiere mich, wie ich bin. Ich sage JA zu mir.
    • Ich sage, was ich fühle und denke.
    • Ich akzeptiere den IST-Zustand.
    • Ich schliesse Frieden mit meiner Vergangenheit.
    • Ich bin authentisch.

    Innerer Frieden und Lebendigkeit

    Ich kann nur dann wirklich lebendig sein, wenn ich im Frieden bin. Das Ego, oder zumindest mein Ego, hat eine andere Vorstellung: „Du bist nur lebendig, wenn du Aufregung spürst, einen Adrenalinstoss hast, eine grosse Flasche Wein öffnest…“. Frieden ist aus der Sicht des Egos jener kurze, leuchtende Moment, in dem ich kurzzeitig frei von Verlangen bin. Sekunden, oder Stunden, oder einen Tag später kommt das Ego, die Wunschmaschine, die es ist, mit dem nächsten Wunsch. Es ist also klar, dass der Schlüssel zu einem dauerhaften Frieden des Glücks darin liegt, frei von allem Verlangen zu sein.

    Bewusstheit der Sinne und Empfindungen

    Seine eigenen Sinne ganz bewusst wahrnehmen, ist sehr hilfreich, um ganz in seine eigene Kraft zu kommen. Das innere Friedensgefühl kann sich so über die Bewusstheit der Empfindung immer mehr einstellen. Anfangs nur für kurze Momente, mit der Zeit vielleicht sogar über längere Abschnitte. Allein ein Momentfriedensgefühl ist anzustreben. Geht es hier doch weniger um einen Dauerfriedenszustand (was für viele von uns vielleicht erstrebenswert scheint, aber uns auch schnell unter einen grossen Erwartungsdruck setzt). Es geht hier vielmehr um die kurzen Friedensmomente im Leben, in den kleinen Zwischenräumen des Alltags, die uns stimmig berühren und nähren und die sich schlicht friedenswert in uns selbst anfühlen. Sei dies im Miteinander mit anderen Menschen oder auch beim ganz Mit-Sich-Selbst-Verweilen.
    Wichtig scheint mir bei der Annäherung an dieses innere Friedensgefühl auch, dass ich immer wieder in die eigenen Kraftzentren von Fähigkeiten und Stärken eintauche. Bin ich mir immer tiefer bekannt, weiss ich was ich will und was mir gut tut, wo meine Wünsche und Bedürfnisse sind, fällt es mir leichter, mir in Frieden zu begegnen. Dies bedeutet auch, sich nicht nur den eigenen Ängsten und Widerständen hinzugeben, sich ihnen zu stellen, sondern auch den Werten in sich selbst mehr bewusst zu werden. Darin ruht ein grosses Stück Friede, Friede zu sich selbst, Friede in sich selbst.

    Erwartungslosigkeit

    Frieden entsteht aus Erwartungslosigkeit. Ohne Erwartungen befreie ich mich vom übermässigen Tun und finde Ruhe im Sein. Wenn ich wenig plane und geschehen lasse, was kommt, gewinne ich Freiheit. So kann ich mich ganz dem friedlichen Gefühl des Augenblicks hingeben.

    Struktur am richtigen Ort und in der rechten Situation ist wichtig. Wollen wir aber mehr unsere innere ruhende Kraft nähren, mehr Friede in uns selbst erreichen, hilft spontanes, reiches Im-Moment-Sein mehr.

    6 Schritte um die inneren Störungen abzustellen

    Eine wunderbare Methode um aus dem Teufelskreislaf des „kleinen Ärgers“ zu entkommen und den Inneren Frieden zu erlangen, ist der 6-Schritte-Prozess, von Diederik Wolsak („Choose Again. Six Steps to Freedom“):

    Schritt 1: Störung als dies wahrnehmen

    Schritt 1 ist hier mitten in der Nacht nicht so schwierig: Ich bin in einem Konflikt, einer Störung – es triggert mich etwas!
    Bei der Lösung eines psychischen Konflikts – unabhängig davon, ob es sich um eine leichte Irritation oder einen heftigen Wutausbruch handelt – geht es zuerst darum, ihn überhaupt wahrzunehmen und nicht zu bagatellisieren („ist ja nur halb so schlimm“) oder zu verdrängen.
    Wir erinnern uns an den Schluss meines letzten Blogbeitrags: Alle Menschen wollen im Grunde genommen immer nur 3 Dinge: Geliebt Werden (Lieben), Glücklichsein und Inneren Frieden. Deshalb sind schon kleinste Störungen der „Beginn des Elends“ (siehe mein Beitrag über den „kleinen Ärger“).

    Schritt 2: Ich übernehme die Verantwortung

    Der Konflikt hat nichts mit etwas ausserhalb von mir zu tun, sondern einzig und allein mit mir selbst. Das ist sehr radikal und das Schwierigste überhaupt im ganzen Prozess (hier mitten in der Nacht aber eigentlich auch einfacher…). Fritz Perls hat dies schon treffend zusammengefasst: Niemand kann dich ärgern, ausser Du dich selbst!
    Ohne diesen Schritt wird es weder zur Erfahrung von Frieden noch Verbundenheit kommen. Schritt für Schritt wird mir klar, dass der Konflikt mich von dem abhält, was ich zutiefst wünsche: Glück und Liebe.

    Schritt 3: Welches Gefühl habe ich während des Konflikts?

    Es ist vielleicht überraschend zu merken, dass es gar nicht so einfach ist, festzustellen, wie ich mich wirklich fühle. Hier ist Ehrlichkeit gefragt. Denn nur wenn ich das Gefühl benennen kann, ist der nachfolgende Schritt möglich.
    Wut und Ärger überdecken dabei meist andere Gefühle. Es wird daher auch von der „Deck-Emotion“ oder sekundären Emotion gesprochen. Die primäre ist dann meist Scham, Überforderung, Ohnmacht, Minderwertigkeit, Traurigkeit oder Verzweiflung.

    Schritt 4: Hatte ich dieses Gefühl schon früher einmal? Wann?

    Ist mir dieses Gefühl vertraut? Erscheint dabei eine frühere Kindheitserinnerung, bei welcher jemand etwas sagte oder tat, das genau dieses Gefühl hervorgerufen hatte.

    Schritt 5: Ich finde heraus, welches Urteil ich über mich in jenem Moment fällte

    Wie habe ich jene Situation interpretiert? Was sagte das über mich aus, als jene Person so sprach oder handelte? Was urteilte ich damals über mich? Welches Kind verdiente es, so zu fühlen?

    Schritt 6: Das Einzige was wir verändern oder wählen können, sind unsere Gedanken und Glaubenssätze

    Ich spüre im Glücksfall, dass ich meine eigene Welt laufend durch solche früheren Urteile schaffe. Dies tut jeder für sich, in jedem Moment, auf seine eigene Weise! Man kann sagen: Projektionen (dieses meines Innenlebens auf die äussere Welt) kreiert meine Wahrnehmung! Ich sehe nicht die Welt, wie sie ist, sondern wie ich bin!

    Wie schaue ich auf diese Welt? Welchen Gedanken höre ich zu? Welchen Wolf füttere ich?

    Nun lasse ich meine alte Sichtweise los. Mein damaliges Urteil über mich war falsch. Die Meinung, welche ich über mich selbst gefällt habe, ist falsch und dient mir nicht mehr. Nun kann ich diese korrigieren. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Beispielsweise mit Affirmationen (Ich bin ganz. Ich bin zum Glück heute nicht mehr… Ich bin unschuldig. Ich habe meinen Platz. Ich kann nichts verlieren.).
    Oder mit einem „Vergebungsprozess“ für sich selbst, indem ich mir sage: „Vergib mir, dass ich (noch immer) glaube, ich sei unwert (oder schwach oder ungeliebt oder unsicher oder schuldig etc).“ Die meisten von uns haben mehrere solcher einschränkender Glaubenssätze. Am Ende dieser Übung gehe ich nochmals zu der Situation zurück, welche das Gefühl ausgelöst hat (oder eben das endlose Drehen in der Nacht). Ich fühle nochmals hinein. Wenn ich jetzt friedlich und ruhig bin, ist die Übung beendet. Wenn nicht, wird sie wiederholt.

    Zwischen Reiz und Reaktion liegt die Entscheidung

    Es gilt, das Gelernte im Alltag anzuwenden und umzusetzen. Erinnere Dich an das Bild mit dem Erlernen einer Fremdsprache oder irgend einer anderen Fähigkeit. Je mehr geübt wird, desto deutlicher lassen sich die Ergebnisse der neuen Fähigkeiten im Leben erkennen. Wenn Du eine „alltägliche, kleine“ Aufregung, Ärger oder Unfrieden verspürt, so nimm das damit zusammenhängende Gefühl wahr, aber mach es nicht wahr. Zwischen Reiz und Reaktion liegt die Entscheidung!

    Amerikanische Studie dazu, wie sich und seinen Mitmenschen zu vergeben, für besseren Schlaf sorgt (Loren Touissant et al.).

    Copyright Psychologie Heute

    Weiterlesen:

    Bedürfnishierarchie

    Um es klarzustellen: Wir bewegen uns hier an der Spitze der Maslowschen Bedürfnispyramide, da in unserer Ersten Welt die Basisstufen satt befriedigt sind. Wir können uns also (elitär?) mit Werten wie „Selbstoptimierung“ oder Selbstverwirklichung“ befassen…

    Dynamische Darstellung der Bedürfnishierarchie – Überlappungen sind dabei möglich und zu einem Zeitpunkt oft mehrere Bedürfnisse (aus verschiedenen Kategorien) aktiv. (aus Wikipedia).

    Quellen:
    D.T. Wilson et al.: „Just think: The challenges of the disengaged mind“, Science 345 (6192), 2014
    E.C. Westgate et al.: With a little help for our thoughts: Making it easier to think for pleasure“, Emotion 17 (5), 2017
    W. Wolff et al.: „Bored into depletion?“, Perspectives on Psychological Science, 15 (5), 2020
    Tim Schlenzig in myMonk (5 Hindernisse)

    Foto von Keegan Houser auf Unsplash

    Letzte Aktualisierung von Thomas Walser:
    01. Januar 2026

  • Optimale Eisentherapie

    Immer zuerst oral!

    Leiden Sie an einer Eisenmangel-Anämie, sollten Sie auf jeden Fall zuerst ein orales Eisenpräparat versuchen. Nur 10% haben dabei auch wirklich Magen-Darm-Nebenwirkungen (Verstopfung,…). 90% ertragen die Mittel also sehr gut. Man muss wissen, dass heute in der Medizin – meiner Ansicht nach – viel zu häufig und viel zu schnell Eisen in der Infusion intravenös gegeben wird. Dies ist meist überflüssig, da zu viel Eisen, welches ein Schwermetall (!) ist, unseren Körper stark belasten kann und viel mehr und stärkere Nebenwirkungen produziert (Infektion oder Tätowierung bei der Einstichstelle – bis zur lebensgefährlichen Allergie). Eine Eisenüberladung des Körpers kann zu einer Infektionsneigung führen. Deshalb hat man wohl in der Schwangerschaft einen leichten Eisenmangel, der dann einen Schutz vor Infektionen schafft.

    Eiseninfusion ist ein „Superplacebo“

    Man soll sich mal das Bild vergegenwärtigen, welches das Ritual einer Eiseninfusion in uns erweckt: Man liegt hier und lässt sich einen magischen, schwarzen Zaubersaft direkt ins Blut einflössen… Es ist fast unmöglich, dass dies keine Wirkung auf uns hat! Nichts gegen ein Placebo. Es gibt aber Placebos, die sehr viel billiger und weniger schädigend sind.

    Morgens nüchtern – nur jeden zweiten Tag eine einzelne Dosis – während Periodenblutung gleich jeweils doppelte Dosis

    Zur guten Aufnahme des Eisens über den Mund sollen ein paar Dinge beachtet werden. Üblicherweise werden nur 10% wirklich ins Blut resorbiert – bei starkem Eisenmangel aber 20%. Der Stuhl wird also auf jeden Fall schwarz werden – und die Frau nimmt das Eisen am besten in doppelter Dosis während der Periodenblutung. Mit der Erkenntnis, dass das Hormon Hepcidin tief sein muss, um eine optimale Eisenaufnahme zu gewähren, sollten die Tabletten nur einmal täglich – und nur an jedem zweiten Tag eingenommen werden.

    Da sich Eisen im Magen schnell an gewisse Nahrung (vor allem Milchprodukte und Müesli) bindet und nicht mehr aufgenommen wird, schluckt man es

    • morgens ganz nüchtern (gleich nach dem Aufstehen) –
    • am besten mit 100mg Vitamin C (enthalten in 200ml Orangensaft), welches seinerseits die Aufnahme verbessert.
    • Vor allem nicht mit Kaffee und möglichst langer zeitlicher Abstand zum Frühstück;
    • nicht am Nachmittag.
    • Nur jeden zweiten Tag.

    Eisenmangel schützt vor Infektionen

    Schon sehr spannend und auch etwas tröstlich, wie man als junger Hausarzt etwas irgendwo aufschnappt und zuerst mit Inbrunst vertritt – später, mit den Jahren dann etwas leiser, bescheidener – und zum Schluss von der Wissenschaft eingeholt und diesmal ganz und gar bestätigt wird…

    Irgendwo aus dem wilden Dschungel der Komplementärmedizin habe ich in meinen medizinischen Anfängen aufgeschnappt, dass eine Blutarmut (Anämie) auch ein gewisser Infektionsschutz bedeutet – und deshalb auch einen Sinn hat. Ich: „Eisen ist ein Schwermetall und kann auch unser Immunsystem belasten!“.

    So war ich immer sehr zurückhaltend mit Eisentabletten und vor allem Eiseninfusionen – vor allem auch während der Schwangerschaft, in der ja das Serumeisen typischerweise etwas tiefer wird. Und gerade in dieser belasteten Lebenszeit ist ja ein Infektionsschutz sehr wichtig – und den gibt man wohl mit schnellen Eisengaben wieder auf…

    Zudem sah man, dass ein Mensch mit chronischen Infektions- und Entzündungsgeschehen sein Eisen immer schlechter wieder los wird und es immer mehr ansteigt.

    Viele Ernährungsweisen, die als gesund gelten (fleischlos, vegetarisch oder vegan, mediterran, Kurzfasten, Fasten…) gehen mit weniger Eisenaufnahme durchs Essen und mit einer Abnahme des Eisenspeichers einher.

    Und nun die bestätigende Nachricht aus der Forschung:

    https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2786031

    Schul- meets Komplementärmedizin

    Wir Mediziner sollten also unsere „Normalwerte“ vom Bluteisen (Ferritin) nochmals genau prüfen und nach unten korrigieren. Wir müssen auch die – in den letzten Jahren – hypemässig explodierende Eiseninfusions-Euphorie, sprich: Eisengeschäfte in sogenannten „Eisenzentren“ überdenken.

    Quellen:
    Infomed online: infomed.ch
    Am J Hematol. 2023, doi.org/10.1002/ajh.26987.
    Lancet Haematol. 2017, doi.org/10.1016/S2352-3026(17)30182-5.

    Letzte Aktualisierung durch Dr.med. Thomas Walser:
    30. Januar 2025

  • Lebendigsein

    Lebendigsein

    „Man sagt, dass wir einen Sinn des Lebens suchen… Ich glaube, was wir wirklich suchen, das ist die Erfahrung des Lebendigseins, so dass unsere physische Existenz mit unserem innersten Sein und unserer innersten Wirklichkeit zusammenklingt und wir tatsächlich fühlen, was es heisst, lebendig zu sein.“ Joseph Campell

    Lebendigkeit im Stoizismus

    Die Stoiker verstehen die Natur als lebendig. Ein mächtiges Prinzip durchdringt sie, das viele Namen trägt: Feuer, Lebenshauch, schliesslich „Gott“.

    Wichtiger als die Göttlichkeit der Welt ist den Stoikern aber die Erkenntnis, dass der Mensch besonders vom Göttlichen geprägt ist. Diese innere Göttlichkeit ist seine Natur. Die „innere Stimme“ des Menschen trägt etwas Göttliches in sich.

    Die Stoiker entwickelten das Konzept der inneren Zitadelle. Diese Festung schützt die Seele. Physisch verwundbar und dem Schicksal ausgeliefert, bleibt unser innerster Bereich uneinnehmbar. Marc Aurel sagte: „Dinge können die Seele nicht berühren. “ Doch die Geschichte zeigt, dass man Festungen von innen öffnen kann. Angst, Gier oder Geiz lassen Feinde ein. Das geschieht, wenn wir die Nerven verlieren und der Angst zu viel Raum geben. Meister Eckhart sagte: „Es gibt einen Ort in der Seele, wo man nie verwundet wurde. “

    Ungeachtet meiner Geschichte, der Intensität früher Traumata oder aktueller Dramen, ungeachtet aller Umstände, bleibt der Kern meines Wesens die heitere Gegenwart Buddhas oder Jesus, die lächelnd auf mich warten, bis ich von meiner Reise in den Wahnsinn zurückkehre und mich ergebe.
    Damit ist der Weg zur Lebendigkeit frei geworden.

    >>> Stoizismus für mehr Inneren Frieden und Lebendigkeit

    Frei sein macht lebendig

    Virginia Satir, eine US-amerikanische Psychotherapeutin und Mutter der Familientherapie, beschrieb fünf Aspekte der Freiheit des Menschen und erklärte, dass wer diese lebt, die grösste persönliche Macht in seinem Leben besitzt – und wahre Lebendigkeit spüren kann:

    • Die Freiheit, das zu sehen und zu hören, was wirklich da ist, statt was sein sollte, war oder sein wird.
    • Die Freiheit, das zu sagen, was ich fühle und denke, statt das Erwartete.
    • Die Freiheit, zu meinen Gefühlen zu stehen, statt etwas vorzutäuschen.
    • Die Freiheit, um das zu bitten, was ich brauche, statt auf Erlaubnis zu warten.
    • Die Freiheit, Risiken einzugehen, statt immer auf Nummer Sicher zu gehen.

    Innerer Frieden und Lebendigkeit

    Ich lebe nur wirklich, wenn ich Frieden finde. Mein Ego sieht das anders: „Du lebst nur, wenn du Aufregung spürst, Adrenalin fliesst, du eine grosse Flasche Wein öffnest…“. Für das Ego ist Frieden ein kurzer, leuchtender Moment. Sekunden, Stunden oder einen Tag später meldet sich das Ego, diese Wunschmaschine, mit dem nächsten Begehren.
    Frieden entsteht aus Erwartungslosigkeit. Ohne Erwartungen befreie ich mich vom übermässigen Tun und finde Ruhe im Sein. Wenn ich wenig plane und geschehen lasse, was kommt, gewinne ich Freiheit. So kann ich mich ganz dem friedlichen Gefühl des Augenblicks hingeben.

    Lebendigkeit und der Glanz des Lebens

    Der „Glanz des Lebens“ verbindet sich eng mit lebendigen Momenten, die im Gedächtnis bleiben. Was sind das für Augenblicke? Als Kinder staunen wir ständig. Alles fasziniert uns, ob Seifenblase, Feuerschlucker oder Schnecke. Kinder begegnen allem mit Ehrfurcht. Diese Fähigkeit verlieren wir oft als Erwachsene, weil wir glauben, die Welt zu kennen. Doch genau hier liegt der springende Punkt: Ein tiefes Staunen entsteht erst, wenn wir vieles verstanden haben. Der Sternenhimmel beeindruckt mehr, wenn wir die Weite und das Alter des Universums begreifen. Gespräche werden intensiver, wenn wir einander verstehen und nuanciert kommunizieren. Wenn wir die Grausamkeit der Menschen erkennen, berührt uns ihre Grosszügigkeit umso mehr.

    In den mittleren Jahren drängen Beruf, Familie und alternde Eltern oft die grossen Gefühle und intensiven Erlebnisse in den Hintergrund. Wo bleibt der Glanz, die durchgetanzten Nächte, die Intensität der Jugend? Vielleicht fehlt das, was man im Englischen „awe“ nennt: ein tiefes Staunen, eine existenzielle Ehrfurcht. Diese Momente lassen sich nicht erzwingen, doch gerade in hektischen Zeiten sollten wir sie wiederentdecken.

    Solche Erfahrungen entstehen nicht auf Knopfdruck. Im Leben geht es oft um Unverfügbarkeit und das Geschehenlassen. Deshalb gefällt mir die Metapher der Wanderung für den Lebensweg. Beim Wandern haben wir nicht alles unter Kontrolle. Wir verirren uns, geraten auf Abwege und stehen im ständigen Austausch mit der Landschaft. Wir passen uns an, je nachdem, ob der Weg steil ist oder nicht. Unsere Umgebung beeinflusst uns, und sie kann sich verändern, während wir unterwegs sind. Auf einer solchen Wanderung brauchen wir keinen Ratgeber, sondern eine Karte, die die Umgebung erkundet.

    Dieser Blog versucht, die Landschaften des Lebens zu kartografieren.

    Wie komme ich wieder zu meinem „Lebendigsein“?

    • Graben Sie ihre ersten Fotos der Jugend aus. Sicher finden Sie solche, auf denen Sie übermütig und eigen-mächtig mit überschäumender Lebensfreude in die Welt hinaus rennen. Alles war möglich!
    • Jeden Tag etwas ganz Neues, Ver-rücktes tun!
    • Tanzen Sie vermehrt – wild.
    • Gehen Sie so oft barfuss wie möglich.
    • Lassen Sie sich massieren – und massieren Sie ihren Partner. Massieren Sie sich selber: ihre Füsse nach einem Fussbad – ihre Lippen – ihre Kopfhaut – mehr…
    • Singen Sie wieder mal für sich – oder mit anderen. Melodien, die nur in dir schlummern, finden und aus-singen.
    • Schwimmen Sie in Seen und Flüssen –
    • und spielen Sie mit Kindern.
    • Im Sommerregen über die Wiese rennen –
    • zusehen wie die Wolken vorbei ziehen –
    • Sonnenuntergänge bestaunen –
    • auf Berge steigen und lang in die Weite schauen –
    • das Glitzern im Wasser sehen –
    • Loswandern, ohne zu wissen wohin –
    • Ziellos durch die Stadt flanieren –
    • die Augen schliessen beim Rückwärtsgehen – die Unsicherheit geniessen – …

    Wieder mal vor Freude und Lebendigsein zittern

    Lebendigsein heisst aber nicht nur Lebens-Freude – es ist auch Lebens-Trauer, etc… sogenannte Stärken und Schwächen, tief und eigen-mächtig gelebte Gefühle, Konzepte und Glaubenssätze. Das was uns auch „mitten im Feuer“ im Innersten zusammenhält, wenn alles „Äussere“ wegfällt… Ein eigentliches Verliebtsein ins Leben.

    Die Kunst des Liebens

    „Was gibt ein Mensch dem anderen? Er gibt etwas von sich selbst, vom Kostbarsten, was er besitzt, er gibt etwas von seinem Leben. Das bedeutet nicht unbedingt, dass er sein Leben für den anderen opfert –sondern dass er ihm etwas von dem gibt, was in ihm lebendig ist; er gibt ihm etwas von seiner Freude, von seinem Interesse, von seinem Verständnis, von seinem Wissen, von seinem Humor, von seiner Traurigkeit –von allem, was in ihm lebendig ist.

    Indem er dem anderen auf diese Weise etwas von seinem Leben abgibt, bereichert er ihn, steigert er beim anderen das Gefühl des Lebendigseins und verstärkt damit dieses Gefühl des Lebendigseins auch in sich selbst. Er gibt nicht, um selbst etwas zu empfangen; das Geben ist an und für sich eine erlesene Freude. Indem er gibt, kann er nicht umhin, im anderen etwas zum Leben zu erwecken, und dieses zum Leben Erweckte strahlt zurück auf ihn; wenn jemand wahrhaft gibt, wird er ganz von selbst etwas zurück empfangen. Zum Geben gehört, dass es auch den anderen zum Geber macht, und beide haben ihre Freude an dem, was sie zum Leben erweckt haben. Im Akt des Gebens wird etwas geboren, und die beiden beteiligten Menschen sind dankbar für das Leben, das für sie beide geboren wurde…“ (Erich Fromm, die Kunst des Liebens)

    Hier ein wunderbarer Kurzfilm, der zeigt, was unserer Gesellschaft fehlt…
    die Farbe! Die Lebendigkeit!

    Quellen:
    Barbara Bleisch, Mitte des Lebens. Eine Philosophie der besten Jahre, Verlag: Carl Hanser Verlag, München, 2024; ISBN: 978–3‑446–27968‑1
    Virginia Satir, 5 menschliche Freiheiten

    Foto von Rarindra Prakarsa

    Letzte Aktualisierung durch Thomas Walser:
    30. Januar 2025

  • Unsere natürlichen Rhythmen

    Unsere natürlichen Rhythmen

    Rhythmus prägt unser Leben: Atmung, Herzschlag, Stoffwechsel, das vegetative Nervensystem. Unsere natürlichen Rhythmen folgen dem Wechsel von Kontakt und Rückzug, Aussen und Innen, Spannung und Entspannung, Aktivität und Ruhe, Essen und Fasten, Genuss und Selbstkontrolle, Arbeit und Freizeit, Sprechen und Schweigen, Ein- und Ausatmung.

    Auch die biologischen Rhythmen des Menschen sind entscheidend. Die Natur gibt den Takt vor: Mondphasen, der Wechsel von Tag und Nacht, die Jahreszeiten.

    Halten wir im Tages-, Wochen- und Jahresverlauf die nötigen Erholungspausen ein, synchronisiert unser Organismus seine Funktionen wie ein Computer beim Neustart. So gleicht er Abweichungen vom Sollzustand aus, etwa das unkontrollierte Wachstum von Zellen, das das Immunsystem bekämpft. Vernachlässigen wir diese Pausen, vergrössern sich die Abweichungen, und der Organismus verliert die Fähigkeit, sich selbst zu ordnen.

    Unsere biologischen Rhythmen dauern tagsüber etwa neunzig Minuten, ähnlich den Tiefschlafphasen. Ideal wäre, alle 60 bis 90 Minuten eine 5- bis 15-minütige Pause einzulegen. So finden wir vom „Hamsterrad“ zurück zur heilsamen Ruhe und stärken unser Immunsystem.

    Zyklizität dieser Rhythmen vs. Linearität unserer Wirtschaft

    Die Welt des Lebendigen mit seinen Rhythmen und Zyklen (Atmung, Puls, Tag/Nacht, Jahreszeiten…) steht nun im Widerstreit mit dem modernen Projekt des linearen Fortschritts und des unaufhörlichen Wachstums unserer Wirtschaft, also mit unserer Arbeit. Es braucht einen neue Versöhnung dieser gegensätzlichen Prinzipien, eine Arbeitswelt, in der auch die zyklische Regeneration von uns Menschen, aber auch der Natur um uns Platz hat.

    Der Philosoph Byung-Chul Han nennt dies „Lücken“ im Leben: „Glück heisst ursprünglich „Gelücke“. Es hat mit Lücken zu tun. Vielleicht ist die Lücke sogar wesentlich für das Leben…“

    aus „Making Space“ von Paola Quintavalle und Miguel Tanco

    – und weiter: „Kommunikation ohne Lücke ist Lärm. Wir ertragen heute keine Lücke, keine Stille mehr.“
    Jede Lücke wird sofort mit dem Zücken des Smartphones gefüllt. Man verträgt keine Lange-Weile mehr.

    aus „Making Space“ von Paola Quintavalle und Miguel Tanco

    Lücken kann man auch durch Frühlingsputz und Ausmisten schaffen >>>

    Die Zwischenräume im Alltag sind Lücken >>>

    Leicht reisen >>>

    Licht und Nahrung synchron

    Ein geregelter Tagesablauf mit festen Essenszeiten ist entscheidend. Licht und Nahrung steuern unsere innere Uhr und sollten idealerweise im Einklang stehen. Deshalb empfiehlt es sich, täglich eine Hauptmahlzeit und ein bis zwei kleinere Mahlzeiten zu festen Zeiten einzuplanen. Am besten essen wir nur bei Tageslicht, da sich mit Einbruch der Dunkelheit der Stoffwechsel verlangsamt und Fett sowie Kohlenhydrate schwerer abgebaut werden.

    Ein gut abgestimmter Tagesrhythmus, besonders ausreichend Schlaf, spielt eine zentrale Rolle im Umgang mit chronischer Müdigkeit, Stoffwechselstörungen und Übergewicht. Übermüdung beeinträchtigt das Frontalhirn und fördert unkontrolliertes Essverhalten, während zu viel Schlaf Bewegungsmangel begünstigt. Studien zeigen, dass ein Schlafpensum von 7 bis 8 Stunden pro Nacht das Normalgewicht unterstützt. Schlafmangel hingegen steigert das Hungerhormon Ghrelin und senkt das Sättigungshormon Leptin – mit der Folge, dass der Appetit zunimmt.

    Frauenzyklen

    Frauen kennen ihre rhythmischen Lebensveränderungen um Menstruation und Eisprung. Werden Sie sich diesen Zyklen bewusster und leben Sie mehr danach.
    (Literatur dazu: „Back to the roots – zyklisch leben mit immenser Freude“ von Josianne Hosner, Quittenduft-Verlag)

    Im 3in3-Rhythmus – mässig, aber regelmässig und im Wechsel mit kurzen Intensivbelastungen – gesund werden

    In vielen medizinischen Studien hat man entdeckt, dass erst eine gewisse Dauer an moderater Bewegung – und zwar nur „rhythmisch“ (mässig und regelmässig) – die Voraussetzung für Prophylaxe und Heilung bei Krankheiten schafft:

    Die Gesamtdauer beträgt immer ungefähr 3 Stunden (150-180 Min) pro Woche mässige Bewegung und regelmässig auf mindestens 3 Portionen verteilt.
    Deshalb nenne ich die daraus folgende Regel „3in3“ oder besser den „3in3-Rhythmus“, will heissen: 3×1 Stunde oder 6×30 Minuten, …
    Es sollte nicht intensiver und lang dauernder Sport sein, sondern die Bewegung kann kurz und moderat, jedoch dann täglich und häufig sein – dies aber noch besser im Wechsel mit schnellen, kurzen Intensivbelastungen von nur 10 bis 20 Sekunden Länge (Treppe raufrennen, kurze Sprinteinlagen – auch nur auf der Stelle daheim oder im Büro).

    Bewegung in Rhythmen lassen besser denken

    Schon in den antiken Wandelhallen, dann in der Kreuzgängen der Klöster, auch Schüler, die im Gehen Vokabeln büffeln, Schauspieler, die beim Rollenlernen herumlaufen – alle sie wussten es, was nun in den Neurowissenschaften benannt werden kann, dass im Gehen gewisse Hirnregionen (vor allem der Hippocampus) besser arbeiten können.
    Der Rhythmus, vor allem regelmässige von mittlerer Geschwindigkeit sind gut zum Lernen geeignet. Regelmässige, langsame für Meditation und tranceartige Zustände.
    Man kann sogar behaupten, dass das abstrakte Denken nur eine verfeinerte Nutzung der praktischen Funktionen unseres Gehirns ist, die darin besteht, den Körper in angemessener Art und Weise zu bewegen. Deshalb ist die Affinität des Denkens zur Bewegung und des Gehens vorhanden.
    (Mehr darüber hier >>>)

    „Sozialer Jetlag“

    Wer am Wochenende einen völlig anderen Schlafrhythmus hat als unter der Woche, kann leicht eine chronische Müdigkeit entwickeln. Somit gerät auch sein Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht.
    Je grösser dieser „soziale Jetlag“ ist, desto grösser ist auch das Übergewichtsrisiko. (Deutsche Studie mit Analyse von Schlafmuster und  BMI von rund 65’000 Menschen: Social Jetlag and Obesity, Till Roenneberg et al, Current Biology – 10 May 2012)

    Gesund werden heisst häufig unser Leben „Rhythmisieren“

    Letzte Woche waren sechs Menschen bei mir zum Gespräch über ihr Leben – und alle sechs litten an „Rhythmusstörungen“:

    Unsere Gespräche drehten sich um Ernährung: zentral dabei die Essens- und Fastenzeiten, um den Rhythmus von Kontakt und Rückzug, Spannung und Entspannung, Aktivität und Ruhe, Lärm und Stille, Trennung und Liebe, Standhalten und Nachgeben, Arbeit und Pause,…

    Häufig reicht auch, allem etwas mehr Raum zu geben:
    Atempausen, Zeit um Auszuatmen, Schauen was ist…
    Leben ist das langsame Ausatmen der Vergangenheit und das tiefe Einatmen der Gegenwart, um Luft für die Zukunft zu haben.

    Menschen mit einem „Burnout“, der Seuche unserer lückenlosen Zeit, rate ich auf 80 Prozent Arbeit zurück zu gehen – und zwar mit der mitt-wöchlichen „Lücke“: also jeden Mittwoch ganztags frei zu nehmen. Der Rhythmus von Einatmung (Mo/Di Arbeit), Ausatmung (Mi), Ein (Do/Fr) und Aus (Sa/So) macht uns erst wieder lebendig, gesund und glücklich.

    Es wäre sinn- und wertvoll, für sich einen guten Rhythmuswechsel zu finden, bei dem man sich gesund, fit und wohl fühlt. Rhythmen können helfen, dass sich Körper, Geist und Seele immer wieder entspannen und wir fliessend mit unserem ureigenen Lebensrhythmus mitgehen.
    Dies heisst also nicht, sich ständig zu kontrollieren, ob diese Rhythmen streng eingehalten werden – denn damit verliert man zum Schluss weitgehend seine Lebenslust.

    Tumorentstehung durch gestörte innere Uhren

    Zahlreiche Studien belegen, dass Störungen der zirkadianen Uhr die Tumorbildung fördern. Sowohl die Entstehung als auch das Fortschreiten von Tumoren hängen eng mit einer gestörten zirkadianen Regulation zusammen.

    In Tumorgewebe verschiedener Krebsarten fanden Forscher verringerte Mengen sogenannter Uhr-Gene – teils durch Mutationen, teils durch Herunterregulation. Diese Veränderungen gingen oft mit einer schlechteren Prognose einher. Beim kolorektalen Karzinom etwa zeigte sich eine reduzierte Aktivität der Gene BMAL1, CRY1, CRY2 sowie PER1 bis PER3, was mit einer verkürzten Überlebenszeit verbunden war.

    Nächtliches Licht: Ein unterschätztes Risiko

    Seit Mitte der 1970er-Jahre ist die Zahl der Darmkrebsfälle bei jüngeren Erwachsenen zwischen 15 und 39 Jahren deutlich gestiegen. Gleichzeitig änderten sich die Lebensgewohnheiten, etwa durch vermehrte nächtliche Exposition gegenüber künstlichem Licht (Artificial Light at Night, ALAN).

    Bildschirme von Fernsehern, Smartphones und Computern hemmen die Melatoninproduktion, stören den Schlaf und verschieben den zirkadianen Rhythmus. Eine Metaanalyse mit über 170.000 Teilnehmenden zeigte, dass hohe nächtliche Lichtexposition das Risiko für östrogenrezeptorpositiven Brustkrebs bei prämenopausalen Frauen erhöht. Ähnliche Effekte fanden sich bei Schilddrüsenkrebs. Sogar der Wohnort in unterschiedlichen Zeitzonen scheint das Krebsrisiko beeinflussen zu können.

    Warum der Darm besonders empfindlich ist

    Der Darm reagiert besonders sensibel auf zirkadiane Störungen. Die Zellen der Darmschleimhaut erneuern sich schnell und kontinuierlich – ein Prozess, der streng von der inneren Uhr gesteuert wird. Auch das Mikrobiom zeigt sich anfällig für chronobiologische Dysregulation.

    Zudem spielt die Nahrungsaufnahme als zentraler Zeitgeber eine entscheidende Rolle. Unregelmässige Mahlzeiten oder Essen entgegen dem natürlichen Rhythmus könnten das Risiko für Darmkrebs erhöhen. Ein direkter Zusammenhang ist jedoch noch nicht eindeutig bewiesen und erfordert weitere Forschung.

    Weiterlesen
    zu Schlafrhythmen: www.dr-walser.ch/schlaf/
    zu Nahrung und Licht: www.dr-walser.ch/ernaehrung/
    zu Stoffwechselrhythmusstörungen: www.dr-walser.ch/metabolisches_syndrom/
    Rhythmen im Gehen/Wandern/Flanieren aktiviert unser Hirn zum Denken und zum Meditieren: gehen-spazieren-flanieren/
    Übergänge und Zwischenräume im Alltag

    Saisonal leben (Winter – Sommer)
    Im Takt des Gartens, der Natur: Gärtnern hat etwas Therapeutisches, denn es verankert uns im Rhythmus des Lebens. Gartenarbeit folgt dem Takt der Jahreszeiten -und es ist schon deshalb eine Auszeit vom Sprint auf dem Zeitstrahl (in Psychologie-Heute).

    Veröffentlicht am 01. Februar 2020 von Dr. med. Thomas Walser
    Letzte Aktualisierung:
    06. August 2025

  • Was gefährdet unsere Gesundheit wirklich?

    Was gefährdet unsere Gesundheit wirklich?

    Gefühlte versus reale Risiken für die Gesundheit! Beispiel: „Pestizide in Lebensmittel machen mich krank…“

    Welche Themen für uns persönlich und subjektiv die grössten gesundheitlichen Risiken darstellen, sind meist überhaupt nicht die wahren Gefahren! Wahrnehmungsunterschiede sind vor allem abhängig von Medienberichten darüber, Gewöhnlichkeit des Risikos (der häufigen Dinge, wie Rauchen, Strassenverkehr, …) sowie Schrecklichkeit des Ereignisses. Deshalb sind für uns die terroristischen Anschläge und die Angst vor dem Terrorismus immer so drastisch und eindrücklich (Panikmache in den Medien, Schrecklichkeit der Ereignisse) :

    (aus Tagesanzeiger vom 26.03.2016, Constantin Seibt, Fürchte dich nicht)

    Es zeigt sich also deutlich, man stirbt nicht an den Dingen, vor denen man sich fürchtet.

    1 Mikromort = 1:1’000’000 Wahrscheinlichkeit zu sterben

    Ein Mikromort ist eine Masseinheit für Risiko und bezeichnet eine Wahrscheinlichkeit von eins zu einer Million, dass man stirbt. Wie riskant eine Tätigkeit ist, kann man in Mikromort angeben. Man kann als Beispiel 40 Kilometer mit dem Motorrad fahren oder 15 Kilometer auf dem Rad oder 43 Kilometer zu Fuss gehen, und schon erreicht man ein Mikromort. Weitere Beispiele:

    • Fallschirmspringen? Sieben Mikromort pro Sprung.
    • Bergsteigen im Himalaja? 12’000 Mikromort.
    • Ein Kaiserschnitt schlägt mit 170 Mikromort zu Buche.
    • Drei Zigaretten täglich rauchen: ein Mikromort.

    Am Steuer mit dem Handy telefonieren ist so gefährlich wie mit 0,7 Promille im Blut fahren. Neugeborene und Greise haben übrigens für einen Tag das gleiche Sterberisiko: 1300 Mikromort. Das hat damit zu tun, dass die Geburt so gefährlich ist.

    risiko2

     

    Screenshot
    Katja Berlin, Torten der Wahrheit, DIE ZEIT

    Die grossen Risiken für unsere Gesundheit

    • Zu schnelles und abgekürztes Denken!
    • Völlerei
    • Bewegungsmangel
    • Rauchen und
    • der alltägliche Strassenverkehr (Im Jahre 2011 starben in Deutschland im Strassenverkehr 3991 Personen = 11 Tote durch PKW-Unfälle täglich – „So etwas passiert anderen, nicht mir!).

    Was mindert diese wahren Risiken?

    Wir können weitgehend selbst bestimmen, wie wir altern
    Was unterscheidet Menschen, die im Alter von 60 bis 80 zufrieden und gesund sind (happy-well) von den traurigen Kranken (sad-sick) fragten sich George E. Vaillant (Untersuchung der Harvard Medical School, 60 Jahre Beobachtung (Grant Study of Adult Developement): Aging Well.). Sieben Faktoren sind wichtig: 

    Primär können Sie all dies also weitgehend selbst verändern! Sie sind dabei Ihr eigener Super-Spezialist oder sollten es unbedingt werden. Und wir Hausärzte haben Sie dabei schon immer begleitet. Dies gehört zu unserem Kerngeschäft, das wir in unserer jahre- bis lebenslanger Betreuung immer schon einfliessen liessen.

    Ein gewaltiges „Musterbeispiel“ einer Risikofehleinschätzung ist die Impfverweigerung bei Covid-19. Hier fallen sehr viele in einen der häufigsten Denkfehler des heutigen Menschen, dem Glaubenssatz, dass alles „Natürliche“ (eben auch eine Covid-Erkrankung) immer besser ist, als etwas „Wissenschaftlich-Technisches“ (die Impfung dagegen…): Siehe zum Beispiel unter Long-Covid! Und… „Post Vac“: Long-Covid-Verläufe nach Impfungen kommt 500mal weniger häufig, als nach einer Covid-Erkrankung!

    Die gefährlichsten Dinge in Haus und Garten:

    1. Treppen – v.a. mit Lastentragen kombiniert (gemäss SUVA-Statistik: 30’000 Fälle/Jahr in der Schweiz)
    2. Betten, Badewannen, Tische, Stühle, Schränke  (Anstossen, Einklemmen, Runterfallen…) (22’000/Jahr)
    3. Stolper- und Sturzunfälle – v.a. mit Lastentragen kombiniert (14’000/Jahr)
    4. Scherben und Geschirr (13’000/Jahr)
    5. Handwerkzeuge (Messer, Scheren, Schraubenzieher, Zangen…) (13’000/Jahr)
    6. Tiere! (11’000/Jahr)

    What do people die from in different countries?

    Weiterlesen über qualitativ gutes Leben und Lebensverlängerung >>> hier und hier

    Letzte Aktualisierung durch Thomas Walser:
    13. Mai 2026