Rauchen ist unsexy! "Kissing a smoker is like licking an ash-tray!"

 

Wie aber stoppen?!

  • Lesen Sie meine Einschüchterungen, was Sie sich mit Rauchen antun NICHT!
    Und denken Sie auch darüber nach, was viel schädlicher ist als Nikotin: der neue Zeitgeist der Nulltoleranz!

  • Gehen Sie in sich und suchen Sie nach bildhaften Erinnerungen von Situationen, in denen Sie gesund gelebt und sich gut dabei gefühlt haben. Vielleicht war es ein Urlaub als Sie Kind waren: Sie machten lange Strandwanderungen mit einem Freund, und abends sass man auf der Düne und sah in den Sonnenuntergang. Sie rannten als Kind um die Wette und spielten ausgelassen. Lassen Sie diese Bilder in sich leben und führen Sie sich vor Augen, dass dabei der Atem ganz frei lief, ohne das eine Zigarette im Spiel war.

  • Dann vergegenwärtigen Sie sich alle Heilungsschritte, die nach dem Rauchstopp sofort eintreten.

  • ...und werden Sie dann als Mensch wesentlich!

 

Ein Drittel der Männer und ein Fünftel der Frauen in der Schweiz und in Deutschland rauchen, sind also nikotinabhängig. Damit ist Rauchen unsere grösste Sucht - und sie ist auch die gefährlichste. Die im Tabakrauch bislang etwa 5000 analysierten verschiedenen Chemikalien neben Nikotin verursachen eine endlose Reihe gesundheitlicher Störungen. Man kann heute ruhig behaupten, dass jede Zelle und jedes Organ im menschlichen Körper durch Rauchen geschädigt wird.

 

Der Leitsatz von Paracelsus, dass jedes Gift auch eine Heilwirkung hat und dies nur von seiner Dosis abhängt, darf so vom Tabakrauch nicht behauptet werden. Auch kleinste tägliche Mengen Zigaretten schädigen und helfen in nichts. Selbst die Hilfe gegen Stress ist bereits als reiner Mythos entlarvt: Wie Andrew Parrot von der Universität East London nachwies, hilft Nikotin absolut nicht gegen Stress - faktisch ist die vermeintlich entspannende Wirkung des Rauchens vielmehr unmittelbarer Ausdruck der Sucht, da Rauchen dem immer als stressig erlebten Entzug eines abfallenden Nikotinspiegels "danach" wie alle Abhängigen mit erneuter Stoffaufnahme begegnen. Rauchen "entspannt" also nur insoweit, als es den Entzugsstress mindert. Da es aber gleichzeitig den faktischen (Sucht-)Stress für den Organismus erhöht oder auf dauernd hohem Niveau hält, bleibt der süchtige Raucher immer in einem Teufelskreislauf gefangen. Raucher manipulieren ihr endogenes Opiatsystem. Der Nikotinentzug entspricht dem Opiatentzug. Ohne Endorphinausschüttung verliert jedes Leben seine Freuden. Raucher sind folglich tatsächlich nur noch mit Nikotin einigermassen genussfähig. Doch sind durch das Rauchen immer alle fünf Sinne mehr oder weniger besetzt oder ausgeschaltet: man schmeckt nur noch wenig, riecht schlecht, der Rauch reizt die Augen und das Halten der Zigarette besetzt die Tastfunktion der Finger und auch das Gehör altert durch die mangelnde Durchblutung viel rasanter.

 

Was man sich mit Rauchen antut:

Allgemein gesagt, altert unser Körper mit jeder Zelle und jedem Organ viel schneller: gut sichtbar wird dies an einer Raucherhaut, die jünger welk und faltig wird. 30% aller Todesfälle bei den 35- bis 69-Jährigen sind nikotinbedingt.

 

Krebsfördernd (bisher über 50 karzinogene Stoffe im Tabakrauch analysiert): Lunge, obere Atemwege, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse, Blase, Magen, Leber, Niere, Leukämie, Dickdarm, Prostata, Lymphom, Plasmozytom, Gebärmuttermund

 

Bedingt oder mitbedingt: Lungentuberkulose, chronisch obstruktive Lungenkrankheit, Pneumonie, ischämische Herzerkrankungen (Herzinfarkt, Angina pectoris,...), Aortenaneurysma, Arteriosklerose, Hypertonie, Hirnschlag, Hirnblutung (verdoppeltes Risiko für intrazerebrale Hämorrhagien und Subarachnoidalblutungen - T.Kurth et al., Stroke 2003;34:1151-1155), Magengeschwüre, Schilddrüsenunterfunktion, Durchblutung (kalte Hände und Füsse), chronische Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung).
Rauchen öffnet einem bakteriellen Angriff Tür und Tor: invasive Pneumokokken-Infektionen (Bakteriämie, Meningitis, etc. bei Immunkompetenten) treten fast nur bei Raucher auf! Auch das Risiko einer akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) korreliert mit der Anzahl der gerauchten Zigaretten.
Rauchen verstärkt auch die chronische Darmentzündung M.Crohn - dort ist jede Zigarette zuviel!
Rauchen beschleunigt  und verschlimmert den Verlauf einer MS (Arch Neurol 66(7):858-864, July 2009)!

 

Auch wenig Rauchen ist schlecht fürs Herz:  Frauen, die "nur" drei bis fünf Zigaretten pro Tag rauchen, verdoppeln bereits ihr Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Dasselbe Schicksal erleiden Männer, die sechs bis neun Zigaretten täglich rauchen. Schon kleine Tabakmengen, so das Fazit einer grossangelegten dänischen Studie (12'000 Männer und Frauen während 22 Jahren), können die Gesundheit erheblich schädigen! Prescott E, Scharling H, Osler M, Schnohr P., Importance of light smoking and inhalation habits on risk of myocardial infarction and all cause mortality, J Epidemiol Community Health. 2002 Sep;56(9):702-6.

 

"Man nimmt doch mit Rauchen ab - und dies ist doch gesund?!"
Im Gegenteil: Obwohl RaucherInnen einen kleineren BMI haben als Nichtraucher, haben sie eine metabolisch gefährlichere Fettverteilung, d.h. sie haben eher mehr Bauchfett, also eine Apfelform des Körpers (siehe www.dr-walser.ch/metabolisches_syndrom.htm!). Obesity Research 13:1466-1457.August 2005.

 

Sehen: Bei Rauchern kann bereits das Rauchen einer Zigarette die Blutzufuhr zum Sehnerv drastisch reduzieren. Raucher leiden deshalb hochsignifikant mehr unter degenerativen Augenerkrankungen (z.B. der Makuladegeneration, die zur Erblindung führt). Daneben spielt hier auch die Neurotoxizität der Zigaretten eine Rolle.

 

Schlafen: Rauchen führt zu Einschlafstörungen: Nichtraucher schlafen nach einer guten Viertelstunde ein. Die Raucher schaffen dies erst nach mehr als 25 Minuten, und wer mehr als 20 Zigaretten raucht, bezahlt das pro Stück mit einer weiteren halben Minute! Ausserdem setzt bei den Rauchern nachts häufiger kurz der Atem aus (Schlaf-Apnoe-Syndrom), und ihre Beinmuskeln zucken häufiger. Von beidem wacht man meist nicht auf, ist aber morgens weniger ausgeschlafen. Diese Symptome sind intensiver, je länger jemand geraucht hat und je mehr es täglich war.

 

Hören: Eine grosse Studie bei ca. 4000 Personen zwischen 48 und 92 Jahren ergab, dass Raucher ein 1.7fach höheres Risiko haben, vorzeitig einen Hörverlust im Alter zu erleiden. Das Innenohr reagiert eben sehr empfindlich auf ungenügende Sauerstoffzufuhr.(R.G. Matschke, HNO Berlin 1999: 47, 599-601)

 

Impotenz und Unfruchtbarkeit: Jede Zigarette wirkt wie ein Tritt in die Weichteile. Obwohl die Tabakwerbung immer noch mit dem Klischee von Männlichkeit arbeitet, ist Nikotin ein Potenzkiller ersten Ranges: es fördert Potenzprobleme, da es Blutgefässe verengt und die Blutzufuhr zum besten Mannsstück proportional mit der Zigarettenanzahl fällt. Wie stark Rauchen potenzschädigende Einflüsse hat, zeigt eine Studie der Boston University Medical School. Während nur 25 Prozent der männlichen Bevölkerung rauchen, waren von 1000 erektionsgestörten Männern 78 Prozent Raucher. Und selbst wenn sie "es" schaffen: Bei Rauchern leidet die Spermaqualität und -quantität ganz beträchtlich (http://www.jr2.ox.ac.uk/bandolier/band102/b102-5.html).

 

Rauchende Männer haben vermehrt Haarausfall. Der Zigarettenkonsum zerstört die Haarfollikel. Auch die Papillen werden beschädigt, die Blut und Hormone für das Haarwachstum liefern. Rauchen könnte aber auch die Produktion von Östrogenen erniedrigen, die den Effekten der männlichen Sexualhormone, der Androgene, entgegenwirken (Archives of Dermatology, Bd.143, S.1401).

 

Knochen: Das beste, was man für seine Knochen tun kann, ist - Nichtrauchen. So zeigen Studien, dass Raucher durchschnittlich 276 Tage benötigten, bis ihre gebrochenen Schienbeine wieder heil waren; Nichtraucher gesundeten doppelt so schnell und konnten nach genau 146 Tagen wieder richtig laufen. Raucher müssen zudem mit einem vierfach grösseren Risiko leben, dass ihre Knochen nicht richtig zusammenwachsen. Rauchende Frauen haben vermehrt Osteoporose im Alter.

 

Tabak macht ungeschickt! Nikotinkonsum mindert die feinmotorische Geschicklichkeit (New Scientist, Vol.164, No.2214, 1999, S.25).

 

Kinder und Passivrauchen: Eine rauchende Schwangere hat mehr Früh-, Fehl- und Totgeburten. Es besteht eine höhere perinatale Sterblichkeit und mehr Missbildungen (auch bei alleinigem väterlichen Rauchen) und ein um ca. 200 g niedrigeres Geburtsgewicht. Im Säuglingsalter ist das Risiko für den plötzlichen Kindstod massiv erhöht. Im Kleinkindesalter: mehr Mittelohrentzündungen und häufigere akute Erkrankungen der Atemwege. Ältere Kinder leiden häufiger an chronischen Erkrankungen der Atemwege, Asthma und haben ein höheres Allergie- und auch Krebsrisiko (Non-Hodgkin-Lymphom, akute lymphoblastische Leukämie, Wilmstumor). Selbst im Erwachsenenalter haben Personen ein höheres Lungenkrebsrisiko, die in der Kindheit Passivrauchen ausgesetzt waren und bei Frauen zeigt sich eine etwa um die Hälfte reduzierte Fruchtbarkeit, wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft geraucht haben.

 

Starke Raucher nehmen (im Zigarrenrauch mit Radon, etc.) Radioaktivität auf, die jährlich ca. 250 Lungen-Röntgenbildern entsprechen!!

 

Rauchen kann Schmerzen verstärken: Raucher klagen bis zu 50 Prozent häufiger über starke Schmerzen in Gelenken und Muskeln als Nichtraucher. Dies fand ein Forscherteam des Southampton General Hospital bei der Befragung von rund 13000 Personen heraus. Selbst Ex-Raucher leiden unter stärkeren Schmerzen als Nie-Raucher. Die Forscher vermuten, dass entweder Nikotin die Schmerzwahrnehmung im Hirn nachhaltig verändert oder dass der Tabakrauch verschiedene Körpergewebe direkt schädigt.
Auch Migräne oder Cluster-Kopfschmerzen werden nach Rauchstopp stark gebessert.

 

Passivrauchen macht auch Katzen krank! Die Stubentiger atmen den Zigarettenrauch nicht nur ein, sie lecken sich die giftigen Substanzen auch noch aus dem Fell. Katzen in Raucherhaushalten erkranken laut US-Forschern mehr als doppelt so häufig wie ihre Artgenossen in rauchfreien Wohnungen, unter anderem an Lymphdrüsenkrebs. (Elizabeth R.Bertone et al., Am J Epidemiol 2002; 156:268-273)

 

Falls man sich liebt, tut man sich das an?!

Heilungsschritte:
Alle obigen Risiken steigen mit der täglichen Dosis linear, mit der Zeitdauer aber exponentiell. Deshalb ist eine Reduktion der Zigarettenmenge oder Wechseln auf eine "schwächere" Zigarette nur wenig wirksam, jedoch ein Stopp (oder Pause - siehe Länge bis Besserungen unten) enorm viel wirksamer!
Sobald die letzte Zigarette geraucht ist, beginnt im Körper eine Reihe Veränderungen: Innerhalb von 20 Minuten erniedrigen sich der Blutdruck, die Körpertemperatur und die Herzschlagfrequenz auf die Werte, welche man als Nichtraucher hätte. Die Temperatur der Hände normalisiert sich. Die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit steigt.  Der Altersschwund der Sehschärfe verringert sich. Die Zähne erhalten nach der Reinigung ihre normale Farbe zurück. Nach acht Stunden ist der Raucheratem verschwunden und das Giftgas Kohlenmonoxid ist in den roten Blutkörperchen durch Sauerstoff ersetzt worden. Die Muskeln werden leistungsfähiger. Schon nach 24 Stunden ist das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, gesunken. Nach 48 Stunden finden Veränderungen in den Nervenenden statt, welche den Geruchs- und den Geschmackssinn wieder verfeinern. Die Blutgefässe in Magen und Darm arbeiten wieder optimal - dadurch verbessert sich die Nahrungsaufnahme. Das Risiko für Magenkrebs sinkt bereits.
Innerhalb von drei Tagen wird man wieder besser atmen können. Innerhalb zwei oder drei Monaten verbessert sich die Blutzirkulation. Damit wird das Gehen erleichtert, und die Lungenkapazität erhöht sich um bis zu 30 Prozent. Zwischen einem und und neun Monaten verebbt die chronische Reizung der Nasennebenhöhlen, und die feinen Härchen in den Lungen, welche Fremdstoffe entfernen helfen, sind wieder nachgewachsen, was dem Raucherhusten ein Ende bereitet. man ist allgemein wieder leistungsfähiger. Schlafstörungen verschwinden, der Schlaf wird tiefer. Zwischen 6 bis 12 Monate nehmen auch die Durchblutungsstörungen (Kribbeln, Schmerzen) der Hände und Füsse ab.
Nach einem Jahr ist das Risiko einer Erkrankung der Herzkranzgefässe halb so gross wie das eines Rauchers. Die gelben Ränder an den Händen verschwinden. Zwischen 1 bis 2 Jahre sinkt die Thrombosegefahr in den Venen der Beine auf 50 Prozent. Nach zwei Jahren fällt das Risiko eines Herzinfarktes auf nahezu normale Werte. Die Parodontose (Zahnfleischentzündung) geht zurück. Nach 4 Jahren sinkt das Risiko für Lippen-, Mundhöhlen- und Zungenkrebs auf 50 Prozent. Nach fünf Jahren nimmt das Risiko eines Schlaganfalles ab, das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, ist wesentlich geringer gegenüber früher, das Risiko für Krebserkrankungen der Speiseröhre ist nur noch halb so gross wie das des Rauchers. Nach zehn Jahren sterben so wenige frühere Raucher an Lungenkrebs wie Nichtraucher. Die präkanzerösen Zellen sind von gesunden Zellen ersetzt worden. Nach 15 Jahren ist auch das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung nicht mehr grösser als das eines lebenslänglichen Nichtrauchers.

Also: Wer starkes Rauchen für nur ein Jahr unterbricht, hat bereits wieder eine viel bessere Lungenfunktion - und senkt das Risiko, früher zu sterben. Dies sagen auch Margit Pelkonen und ihr Team von der finnischen Universität in Kupio. Sie untersuchten während 30 Jahren finnische Raucherinnen und Raucher. Messungen des Lungenvolumens zeigten, dass eine einjährige Pause genügte, um die Lunge zu regenerieren. Allerdings noch nicht vollständig. Die besten Lungen hatten die kategorischen Nichtraucher. Die Forscher wollen damit Raucher mit missglücktem Aufhörversuch ermutigen, es erneut zu versuchen. Auch wenn sie wieder rückfällig würden, sei das noch lange kein Grund, frustriert zu sein.

 

 

Fagerström-Test für Nikotinabhängigkeit:

Um besser und standardisiert beurteilen zu können, wie sehr ein Mensch vom Nikotinkonsum abhängig ist, wird von behandelnden Ärzten zunehmend der Fagerström-Test verwendet. Beantworten Sie die Fragen, indem Sie die richtigen Kontrollkästchen antippen und die Punkte werden automatisch zusammengezählt. Zeigen Sie das Ergebnis Ihrem Arzt:

1. Wann nach dem Aufstehen rauchen Sie Ihre erste Zigarette?

  • innerhalb von 5 Minuten
  • 6 bis 30 Minuten
  • 31 bis 60 Minuten
  • nach 60 Minuten

2. Finden Sie es schwierig, an Orten, wo das Rauchen verboten ist (z.B. Kirche, Bücherei, Kino usw.) das Rauchen zu unterlassen?

  •  Ja
  • Nein

3. Auf welche Zigarette würden Sie nicht verzichten wollen?

  • die erste am Morgen
  • andere

4. Wie viele Zigaretten rauchen Sie im allgemeinen pro Tag?

  • bis 10
  • 11 bis 20
  • 21 bis 30
  • 31 und mehr

5. Rauchen Sie am Morgen im allgemeinen mehr als am Rest des Tages?

  • Ja
  • Nein

6. Kommt es vor, dass Sie rauchen, wenn Sie krank sind und tagsüber im Bett bleiben müssen?

  • Ja
  • Nein

Ihr Punktetotal:   

0 bis 2 Punkte stellt keine bzw. eine nur sehr geringe Nikotinabhängigkeit dar

3 bis 4 Punkte: geringe Nikotinabhängigkeit

5 bis 10 Punkte: mittlere bis hohe Nikotinabhängigkeit.

 

Wie schaffe ich es aufzuhören?

Mit dem Rauchen aufzuhören, ist nicht einfach, aber Millionen Menschen haben es geschafft, und so können Sie es auch. Hier ein paar Tipps: 

Vorbereiten auf die Entwöhnung 

  • Man muss dazu sagen, dass auch ein spontaner, rascher Entschluss sehr erfolgreich sein kann! Nach einer neueren Studie zeigte es sich , dass nicht vorausgeplante Stoppversuche sogar mit höherer Wahrscheinlichkeit zum Erfolg führen als solche, die von langer Hand zu einem späteren Zeitpunkt geplant waren: http://bmj.bmjjournals.com/cgi/content/full/332/7539/458 .
  • Setzen Sie ein Datum fest, an dem Sie mit dem Rauchen aufhören wollen. 
  • Versuchen Sie, einen Freund/eine Freundin zu überzeugen, ebenfalls, mit Ihnen, mit dem Rauchen aufzuhören. So können Sie sich gegenseitig unterstützen.
  • Mit Rauchen zu stoppen ist eine ganz natürliche Entwicklung, falls man jeden Tag beginnt etwas zu laufen! Leicht wird das selbstverständlich nicht, aber Rauchen und tägliches Lauftraining passen einfach nicht zusammen.  Und das Laufen hilft sehr, die Entzugserscheinungen zu überwinden oder schon gar nicht aufkommen zu lassen (z.B. keine Gewichtszunahme!). Sich mehr zu Bewegen und dann das Rauchen aufzugeben bedeutet den symbolischen Abschied von seinem früheren Leben.
  • Notieren Sie sich, wann, wo und wie Sie rauchen. Schreiben Sie auf, bei welchen Gelegenheiten Sie gewöhnlich eine Zigarette anzünden: beim Frühstück, nach dem Essen, beim Autofahren oder... Dahinter schreiben Sie Ihre jeweilige Stimmungslage.
  • Ändern Sie Ihre Rauchgewohnheiten. Legen Sie Ihre Zigaretten an einen anderen Platz. Halten Sie sie nicht in der Hand, die Sie meistens benutzen. Nehmen Sie die Schachtel nicht überallhin mit, so dass Sie beim Lesen, Autofahren, Telefonieren und so weiter rauchen müssen. 
  • Bestimmen Sie eine Stelle, an der Sie rauchen und nirgendwo anders. 
  • Wenn Sie rauchen möchten, warten Sie einen Moment ab, bevor Sie die Zigarette anzünden. Versuchen Sie zunächst etwas anderes zu machen, wie Kaugummi zu kauen oder ein Glas Wasser zu trinken und warten Sie, ob das Bedürfnis vergeht. 
  • Kaufen Sie nur jeweils eine Schachtel.
  • Fragen Sie Ihren Arzt nach Medikamenten; die die Entzugssyndrome mildern und das Verlangen nach Nikotin reduzieren. Sie können beispielsweise Nikotin-Pflaster oder Kaugummi für die ersten «Nichtraucherwochen» bekommen. (siehe weiter unten)
  • Planen Sie bereits gut, wie Sie sich viel mehr bewegen können (damit Sie nicht nach dem Rauchstopp zunehmen). Markieren Sie dreimal in der Woche grüne Balken von je einer Stunde in Ihrer Agenda und planen Sie darin diejenige Art von Bewegung, die Sie auf lange Zeit lustvoll tun wollen.

Am ersten Entwöhnungstag 

  • Werfen Sie alle Zigaretten fort und stelIen Sie die Aschenbecher weg.

  • Ändern Sie Ihre morgendlichen Gewohnheiten, besonders Ort und Zeit, an denen Sie normalerweise frühstücken. Oder frühstücken Sie auswärts.

  • Wenn Sie unbedingt rauchen müssen, tun Sie stattdessen irgend etwas anderes. Plagt Sie die Lust auf eine Zigarette, sollten Sie einen kurzen, strammen Spaziergang um den Häuserblock machen. Der Grund: Bewegung aktiviert das Belohnungszentrum im Hirn. Das hebt die Stimmung und hilft gegen Entzugssymptome!

  • Stecken Sie sich etwas in den Mund wie Kaugummi, harte Bonbons oder Zahnstocher.

  • Markieren Sie bereits einen dieser einstündigen grünen Balken in der Agenda für einen lustvolle Bewegung. Denn leichte sportliche Betätigung mindert die Entzugserscheinungen enorm.

  • Belohnen Sie sich am Ende des Tages. Schauen Sie sich einen Film an oder essen Sie Ihr Lieblingsgericht.

Nicht-Raucher bleiben

  • Treiben Sie regelmässig Sport: Gehen Sie spazieren, fahren Sie Rad oder treiben Sie den Sport, der Ihnen gefällt. Bereits ein fünfminütiger Spaziergang aktiviert das Belohnungszentrum im Hirn und senkt das Verlangen nach Zigaretten und mildert die mit der Rauchentwöhnung oft einhergehenden Symptome wie Stress, Beklemmung und Konzentrationsschwierigkeiten. 
  • Denken Sie an die positiven Wirkungen des Nichtrauchens, beispielsweise an Ihr positives Selbstbild: Sie sind in der Lage, mit schlechten Gewohnheiten zu brechen. Denken Sie auch an den gesundheitlichen Gunsten, den Sie und Ihre Familie davontragen, wenn sie in einer rauchfreien Umgebung leben und schliesslich an das Vorbild, das Sie anderen setzen.
  • Wenn Sie Stress spüren, denken Sie über das Problem nach und versuchen Sie es zu lösen. Sagen Sie sich, dass durch Rauchen nichts wirklich besser wird. 
  • Essen Sie regelmässig, so, dass Sie nie hungrig sind. Niemals das Hungergefühl mit einer Zigarette ablenken. 
  • Stecken Sie das Geld, das Sie für Zigaretten ausgeben würden, in eine Spardose und beobachten Sie, wie sich der Betrag vermehrt. Planen Sie, sich etwas Besonderes davon zu kaufen.
  • Erzählen Sie anderen Leuten, dass Sie mit dem Rauchen aufgehört haben. Ihre Freunde, die immer noch rauchen.. möchten wissen, wie Sie es geschafft haben.
  • Wenn Sie trotz alledem mal eine Zigarette rauchen müssen, geben Sie Ihr Vorhaben, Nichtraucher zu werden, nicht gleich vollständig auf. Selbst schon kürzere Pausen bringen Ihrer Gesundheit sehr viel Nutzen! Viele ehemalige Raucher haben mehrere Versuche gebraucht, bevor sie es endgültig geschafft haben, Nichtraucher zu werden. Machen Sie weiter! Auch Sie schaffen es! 
  • Entwerfen Sie Strategien gegen die diversen möglichen Nikotinentzugssymptome:

 

Medikamente zur Nikotinentwöhnung

 

Nikotinersatzpräparate: siehe ausführlich hier!

 

Der partielle Nikotinrezeptoragonist Vareniclin (CHAMPIX) erhöht bei gesunden motivierten Rauchern die Chance, ein Jahr lang nicht zu rauchen, gegenüber Plazebo auf das Zweieinhalbfache. Das bedeutet andererseits, dass trotz umfangreicher psychologischer Begleitmassnahmen, die unter Alltagsbedingungen in der Regel nicht in diesem Ausmass zu realisieren sind, drei von vier Anwendern weiter rauchen. Ob Vareniclin dem Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer Bupropion (ZYBAN) langfristig tatsächlich überlegen ist, bleibt abzuwarten: In firmengesponserten Untersuchungen schneidet das Konkurrenzprodukt häufig schlechter ab (a-t 2003; 34: 62-3). Vergleiche mit Nikotinersatztherapie liegen bislang nicht vor. Der Vorteil einer verlängerten Einnahme von Vareniclin über 24 statt 12 Wochen erscheint dürftig. Vareniclin ist schlecht verträglich: 30% klagen über Übelkeit, ebenso viele über Schlafstörungen. Unseres Erachtens kommt der Nikotinagonist allenfalls als Mittel der letzten Reserve in Betracht, wenn eine medikamentöse Unterstützung bei der Nikotinentwöhnung erforderlich ist und Nikotinersatztherapie fehlgeschlagen hat. (arznei-telegramm 2007; 3: 26).

Ein Nachteil von Champix gegenüber den Nikotinersatzpräparaten ist auch, dass es eine Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp nicht bremst. Ob Vareniclin sinnvoll mit einer anderen Pharmakotherapie (z.B. Nikotinpflaster) kombiniert werden kann, ist vorläufig unbekannt.

Zudem lesen Sie auch mein "Nachwort für Schnellschiesser" auf www.dr-walser.ch/medi.htm, was auch auf Champix anwendbar sein muss!

 

Antidepressiva erleichtern den Rauchstopp? - Ich rate davon schwerstens ab!:
Von den gängigen Antidepressiva haben sich lediglich Bupropion und Nortriptylin als umstrittene Entzugsbegleiter erwiesen. Ihnen gemeinsam ist die noradrenerge Wirkkomponente, die ebenso wie eine dopaminerge offenbar den Verzicht aufs Rauchen erleichtert. Serotonerge haben dagegen bislang enttäuscht (die üblichen SSRI).
Was bislang aber noch überhaupt nicht untersucht wurde: ob vielleicht auch die Nebenwirkungen dieser Substanzen zum Entwöhnungserfolg beitragen. So macht Bupropion einem Teil der Konsumenten den Mund trocken - mag sein, dass die Zigarette dann einfach nicht mehr schmeckt.
Eine neuere Studie zeigt, dass Bupropion als Zusatztherapie zu herkömmlichen Raucherentwöhnungsprogrammen (Nikotinsubstitution und Beratung) die Raucherabstinenzrate nicht erhöht (www.evimed.ch/cgi-bin/WebObjects/nuSite.woa/evimed/journal_club.html?rubricseq=120&tocexternalid=853)!

"Wenn eine medikamentöse Hilfe angezeigt erscheint, stellen Nikotinpräparate wegen ihrer vergleichsweise geringen Risiken die erste Wahl dar." (pharma-kritik, 28; 12/2006; 45-48)


Viel schwerer wiegt aber Folgendes:
BUPROPION (ZYBAN) ZUR NIKOTINENTWöHNUNG - EIN TÖDLICHES RISIKO?
In Grossbritannien sind 18 Menschen in Verbindung mit der Einnahme des Raucherentwöhnungsmittels Bupropion (=Amfebutamon, ZYBAN) gestorben. Insgesamt 3.457 Verdachtsberichte zu unerwünschten Wirkungen sind erfasst (1,2). In Kanada wurden bereits vor einem Jahr drei Tote in Verbindung mit dem Mittel erwähnt (3) (a-t 2000; 31: 59-60). In Deutschland gibt es einen erfassten Todesfall. Der betroffene 68-jährige Mann hätte das Mittel nicht bekommen dürfen, wird eine Sprecherin des Herstellers GlaxoSmithKline zitiert (4). Er litt an arterieller Hypertonie und Herzinsuffizienz. Allerdings finden wir in der aktüllen Fachinformation (5) keine entsprechende Gegenanzeige für das Raucherentwöhnungsmittel.
Der Hersteller verweigert nähere Auskünfte zu den Todesfällen: "Daten über das Auftreten von Nebenwirkungen oder Todesfällen, wie Sie sie anfordern, werden von uns grundsätzlich nur den Behörden zur Verfügung gestellt" (6) und verstösst damit unseres Erachtens gegen seine Informationspflicht gegenüber Fachkreisen. Nach höchstrichterlichen Entscheidungen beispielsweise zu ESTIL (a-t 1985; Nr. 9: 72-3) hat der Hersteller im Rahmen der Produzentenhaftung bei begründetem Verdacht alle Risikoinformationen öffentlich zu machen und Anwender und Verbraucher zu warnen. GlaxoSmithKline spielt hingegen die potenzielle Bedrohung durch ZYBAN gezielt herab. Die Firma verweist auf "andere Faktoren, andere Erkrankungen und andere Arzneimittel" als mögliche Ursache und verschleiert dabei, dass üblicherweise nur 1% bis 2% der Ereignisse tatsächlich gemeldet werden. Will die Firma zudem andeuten, dass Todesfälle unter ZYBAN deshalb vertretbar seien, weil es "gut dokumentiert" sei, dass "einer von vier Rauchern im mittleren Alter an raucherbedingten Erkrankungen" sterbe (7)?
Der Nutzen von Bupropion ist unzureichend belegt (a-t 2000; 31: 59-60). Neben Herzinfarkt und Schlaganfall treten bedrohliche Störwirkungen auf einschliesslich Krampfanfall, Halluzination, Psychose, Suizidgedanken u.a., die zum Teil der amfetaminartigen Wirkstruktur der Substanz entsprechen.
Angesichts der dürftigen Datenlage, der Verharmlosungsstrategie und der Weigerung der Firma, Fachkreise über unerwünschte Wirkungen gewissenhaft zu informieren, ist eine korrekte Aufklärung der Verbraucher über das Gefährdungspotenzial von ZYBAN derzeit nicht möglich. Wir raten daher von der Verordnung von ZYBAN ab.
1    BBC News vom 18. Februar 2001
2    DOBSON, R.: BMJ 2001; 322: 452
3    Can. Adv. Drug React. Newsletter 2000; 10: 3-5
4    Express vom 21. Febr. 2001
5    Glaxo Wellcome: ZYBAN Fachinformation, Stand Juni 2000
6    GlaxoSmithKline: Schreiben vom 23. Februar 2001
7    Sprecherin von GlaxoSmithKline, zit. n. DOBSON, R.: BMJ 2001; 322: 452
Redaktion arznei-telegramm
A.T.I. Arzneimittelinformation Berlin GmbH
Bergstr. 38 A, Wasserturm, D-12169 Berlin, Fax: +30-79 49 02-20
www.arznei-telegramm.de, E-Mail: ati@berlin.snafu.de

 

 

weitere interessante Links von Etzel Gysling (aus infomed-screen Feb.2000):

Tobacco Control
Das Rauchen von Tabak - meistens in Form von Zigaretten entspricht einer krankhaften Sucht mit ungewöhnlich dramatischen Folgekrankheiten. Betroffene Individuen sind dieser Krankheit in den meisten Fällen hilflos ausgeliefert, die Gesellschaft ist daran gewöhnt, das Suchtverhalten zu tolerieren und die Behörden und Regierungen begünstigen mit ihrer passiven Haltung in unerhört zynischer Weise das vorzeitige Ableben der Süchtigen. Diese Realität, die offensichtlich der Tabakindustrie seit langem bekannt ist, ist wohl vielen Ärztinnen und Ärzten zu wenig bewusst. Dank dem umfangreichen Antitabak-Aktivismus im Internet offeriert dieses Medium eine ausgezeichnete Informationsbasis zum Problem des Rauchens.

So kann man beispielsweise mit dem Editorial «Nicotine Addiction» im British Medical Journal ( http://www.bmj.com/cgi/content/full/320/7232/391 ) beginnen und sich anschliessend über eine der zahlreichen Antitabak-Sites ein sehr umfassendes Bild verschaffen, wie die Industrie vorgegangen ist und auch heute noch vorgeht, wenn es darum geht, junge Leute süchtig zu machen.

Zum Beispiel: Zigarettenproduzenten extrahieren das Nikotin zunächst aus dem Tabak, um es dann in bis zu vierfacher Konzentration wieder beizufügen. Dies fördert das Süchtigwerden von Erstrauchern und schafft neue Kunden.

Die interessantesten internationalen Adressen sind die folgenden:
http://www.library.ucsf.edu/tobacco/cigpapers/
Dies ist die Adresse, wo sich die berühmt-berüchtigten «Cigarette Papers» finden, Industriedokumente, die belegen, dass die Zigarettenindustrie schon zu Beginn der 1960er Jahre wusste, dass Tabak süchtig macht, diese Tatsache aber noch bis in die 80er Jahre bestritt. Gleichzeitig faszinierend und brechreizerregend.

www.tobaccofactfile.org 
das Tobacco Control Resource Centre der britischen Ärztegesellschaft - sehr informativ!

http://www.cdc.gov/tobacco/
Die «Tobacco Information and Prevention Source» der amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention.

http://www.tobacco.org/
«Tobacco BBS»: eine sehr vielfältige Site mit einer Riesenauswahl von aktuellen News.

http://www.cctc.ca/ncth/guildford/
Die «Guildford Papers», eine weitere Sammlung von Dokumenten der British American Tobacco Company.

http://www.hc-sc.gc.ca/ehp/ehd/tobacco/  
http://www.health.usyd.edu.au/tobacco/
Kanadische bzw. australische «Tobacco Control»-Sites, mit verschiedenen Links, Nachrichten und Hinweisen auf Hilfe

http://www.who.int/toh/fctc/fctcintro.htm
Die «Tobacco Free Initiative» der Weltgesundheitsorganisation

http://tc.bmjjournals.com/
Die Adresse der Zeitschrift «Tobacco Control (ein Abo ist notwendig)

Ergänzend noch ein paar Schweizer Adressen:

http://www.at-schweiz.ch/
Die Adresse der Arbeitsgemeinschaft Tabak-Prävention Schweiz

http://www.proaere.ch/
Pro Aere, die schweizerische Gesellschaft für rauchfreie Luft und gegen die Tabaksucht

http://www.admin.ch/bag/sucht/drog-pol/tabak/d/index.htm
Die «Tabakseite» des Bundesamts für Gesundheit.

http://www.stop-tabac.ch/de/welcome.html
Ein computergestütztes Entwöhnungsprogramm

Die Liste könnte Seiten füllen!

 

 

Chemie-Cocktail in der Zigarette:

Zigaretten sind hochkomplexe Chemie-Cocktails. Erstmals in der Schweiz nahm das Institut für Rechtsmedizin in Bern die Mischung unter die Lupe. Mit erschreckendem Resultat.

Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit», das weiss inzwischen jedes Kind. Manche Raucher achten deshalb darauf, nur Zigaretten mit möglichst tiefem Teer- und Nikotingehalt zu rauchen. Doch diese beiden Angaben sind nur die Spitze des Eisberges. Zigaretten enthalten daneben unzählige giftige Substanzen, die ebenfalls der Gesundheit schaden.

 

 

Eine komplexere Mischung als Designerdrogen

Die Konsumentenmagazine Kassensturz, A bon entendeur und saldo liessen zwölf Zigarettenmarken im Institut für Rechtsmedizin in Bern (IRM) untersuchen. Das Ergebnis ist erschreckend: Das Labor entdeckte rund 50 chemische Substanzen. 35 Chemikalien mischt die Zigarettenhersteller möglicherweise absichtlich in den Tabak. Selbst bei der beliebten Marke American Spirit, die auf der Packung mit «100 Prozent zusatzfreiem natürlichem Tabak» wirbt, hat das Institut Substanzen gefunden, die vermutlich beigemischt wurden.

Werner Bernhard, Direktor der chemischen Abteilung am IRM, ist von der hohen Zahl an Stoffen überrascht: «In Heroin beispielsweise finden wir bei Routineanalysen bis zu sieben chemische Stoffe. Nicht mal bei Designerdrogen stossen wir auf eine so hochkomplexe Chemikalienbombe.»

Besonders bedenklich findet der Chemiker die in dem Chemie-Cocktail gefundenen Amine: «Nicht alle davon kommen im natürlichen Tabak vor. Die Hersteller müssen sie in den Tabak gemischt haben. Dank ihnen wird mehr Nikotin freigesetzt und aufgenommen. Im Hirn können sie die Nikotinwirkung verstärken.»

Dank den Aminen macht die Tabakindustrie die Raucher schneller und stärker süchtig. Selbst bei so genannten leichten Zigaretten mit einem niedrigen Nikotingehalt erreichen die Hersteller mit Aminen, dass der Körper mehr Nikotin aufnimmt als bei unbehandelten Zigaretten mit einem hohen Nikotingehalt. Auch Light-Zigaretten machen deshalb schnell süchtig.

In der Chemiemixtur der Zigarettenindustrie entdeckte das Institut viele weitere, zum Teil giftige Substanzen, wie Rückstände von Herbiziden oder Lösungsmitteln. Xylol etwa, das unter anderem als fettlösendes Putzmittel gebraucht wird, fand das Labor in 8 der 12 untersuchten Zigaretten. Dieser Stoff ist laut Lebensmittelverordnung in Zigaretten verboten. Oder Pyridin, eine hochgiftige, möglicherweise zugesetzte Substanz.

Dazu Edgar Oehler, Präsident der Vereinigung der Schweizerischen Zigarettenindustrie: «Das Pyridin besteht aus zahlreichen Substanzen, die als natürliche Stoffe in der Tabakpflanze vorkommen. Die Mitglieder unserer Vereinigung - Philip Morris SA, Japan Tobacco International AG Dagmersellen, British American Tobacco Switzerland SA - bestätigen, dass sie den Zusatz Pyridin nicht als Additiv verwenden.»

 

 

Bundesamt ist alarmiert und will intervenieren

Beim Bundesamt für Gesundheit in Bern (BAG) zeigt man sich ob der erschreckenden Resultate alarmiert: «Unter den im Tabak festgestellten Zusatzstoffen befinden sich allem Anschein nach solche, die laut Verordnung nicht zugelassen sind», sagt Thomas Zeltner, Direktor des BAG. «Wir werden die Resultate bestätigen lassen und dann bei den Zigarettenherstellern intervenieren.»

Neben den illegal vorhandenen Stoffen gelangen mit dem Rauch einer Zigarette aber auch offiziell zugelassene Stoffe in den Körper, von denen man aber nicht weiss, wie sie sich im Verbrennungsprozess verändern und welchen Schaden sie im Körper anrichten.

Benzaldehyd beispielsweise, im künstlichen Bittermandelaroma enthalten, überdeckt den herben Geruch des Tabaks. Kakao soll insbesondere Jugendlichen - ähnlich wie der Zucker in Alcopops - das Rauchen versüssen. Und der beliebte Zusatz von Menthol (nicht auf den Packungen deklariert), das auf die Schleimhäute eine betäubende Wirkung hat, überdeckt die Reizung der Atemorgane und erleichtert dem Konsumenten das tiefe Inhalieren des süchtig machenden Nikotins.

Überhaupt scheint es, dass die Hersteller mit allen Mitteln, die ein chemisches Labor zur Verfügung stellt, versuchen, den Tabak zu überdecken, das Rauchen rauchfrei und die Konsumenten schneller süchtig zu machen. 600 solche Substanzen mussten die Hersteller bei Gerichtsprozessen in den USA 1998 offen legen.

Clive Bates, Direktor der britischen Organisation Action on Smoking and Health in London, findet klare Worte für die Chemie-Cocktails der Tabakhersteller: «Die Verwendung der Zusatzstoffe und die chemische Veränderung des Rauches ist ein zentraler Teil der Marketingstrategie der Zigarettenhersteller.»

 

 

«Bund muss Grenzwerte und Verbote festlegen»

Angesichts der Tendenz der Tabakhersteller, den Chemie-Cocktail in ihren Zigaretten immer noch komplexer zu machen, fordert Werner Bernhard vom IRM jetzt ein Eingreifen des Gesetzgebers. «Für einige natürlich vorkommende Stoffe und für die Zusätze brauchen wir Grenzwerte im Gesetz, andere müssen ganz klar verboten werden.»

 

 

Äusserst komplexe Mixtur

Die Resultate des Institutes für Rechtsmedizin in Bern geben Hinweise auf den Zusatz einer Vielfalt von Substanzen, welche nicht erlaubt sind. Einige sind nicht 100-prozentig nachweisbar, was auf den Zusatz äusserst komplizierter Mischungen von Chemikalien während der Herstellung der Zigaretten hinweist. Weitere Analysen zur Bestätigung und Feststellung der Konzentration der Zusätze sind laut Untersuchungsleiter Werner Bernhard notwendig.

- Pyridin: Kann die Verfügbarkeit des Nikotins erhöhen und eine zusätzliche Wirkung auf das Zentralnervensystem ausüben. Ist laut Verordnung des Bundes nicht zugelassen. Unangenehm riechendes Lösungsmittel, wirkt haut- und schleimhautreizend.

- Xylol: Entfettendes Lösungsmittel. Steht im Verdacht, Krebs zu erregen.

- Benzaldehyd: Künstliches Bittermandelaroma, wie es in Parfüms verwendet wird.

- Menthol: Alkohol, der die Wahrnehmung der Schleimhautreizung dämpft.

- Phenolderivate: Zusatzstoffe, die dafür sorgen, dass Plastik nicht spröde wird.

Monika Balmer
Copyright © Saldo, 17.2001, 24. Oktober 2001

 

 

Smoke Attack (Das Fun-Spiel vom Spielentwickler Phenomedia (Catch the sperm und Mohrhuhn) zum Gratis-Download ist hier auf der Seite des BAG für PCs verfügbar.)

 

 

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Last updated 19.08.2010


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