Autor: Dr. med. Thomas Walser

  • Diabetes Typ 2

    Diabetes Typ 2

    Was tun? Neue Ansätze, um den Diabetes zu verzögern und Risiken zu senken

    • Gewicht abnehmen
    • Mediterrane Küche mit Oliven-, Lein- oder Rapsöl, Nüssen (eine Handvoll täglich) und viel Gemüse, Obst (nur 2 Handvoll!) und v.a. viel Hülsenfrüchte – wenig Fleisch.
      In Kürze hier in meinem Blog.
    • KEIN BROT! KEINE FRUCHTSÄFTE!
    • Keine Zwischenmahlzeiten: maximal nur 2 bis 3mal täglich essen – mit mindestens 4.5 Stunden Intervall (aber auch nicht nur einmal!).
      Längere Zeitabschnitte (am besten 16 bis 72 Stunden) ohne jegliche Hartnahrung: Kurz- oder Intervallfasten (16:8 oder 14:10).
    • Die ideale Reihenfolge während einer Mahlzeit ist:
      1. zuerst die Ballaststoffe (Gemüse, Salat, Nüsse), dann
      2. die Proteine (Käse, Hülsenfrüchte, Fisch, Ei) und nur zum Schluss eventuell
      3.) die Stärke (Brot, Pasta) und wenig Zucker (als Dessert!).
      .
    • Kein oder wenig Grillieren von rotem Fleisch.
    • Grüntee (4 Tassen/d) – Zimt (1 bis 6 Gramm pro Tag) – Hafer (3 oder mehr Esslöffel Flocken täglich – an 2 Tagen im Monat nur Haferprodukte essen mit viel Tee und Wasser)
    • Kaffee (3 bis 4 täglich – auch ohne Koffein)
    • Ein Ei täglich essen.
    • Ferritin (Eisenspeicher) senken – Blut spenden, Konsum an rotem Fleisch senken!
    • Selten stark verarbeitete, nicht naturbelassene Nahrungsmittel (Fertigpizza)
    • Keinerlei Süssstoffe
      .
    • genügende Schlafdauer
    • Metformin (bei einem BMI über 30 ev. auch als Prävention?)
    • Falls man Blutdruckmedikamente schlucken muss: ABENDS einnehmen.

    Pro 1 Kilogramm Gewichtsverlust ergibt sich eine Reduktion des Diabetes um 13 Prozent. Bei Gewichtsverlust von 20 kg verschwindet der Diabetes mellitus-Typ II in 95 Prozent.

    Die Ergebnisse der untenstehenden Studie liefern klare Hinweise, dass ein Typ-2-Diabetes – der nicht länger als 6 Jahre bekannt ist – keine lebenslange Erkrankung ist. Mit einer Gewichtsreduktion kann die diabetische Stoffwechsellage bei einem erheblichen Teil der Patienten normalisiert werden. (Lean MEJ et al. Primary care-led weight management for remission of type 2 diabetes (DiRECT): an open-label, cluster-randomised trial. Lancet 2018; 391: 541-51)

    Das metabolische Syndrom und der Typ-2-Diabetes als Wegbereiter des Herzinfarktes >>> siehe hier

    „Prädiabetes“ – Wie steigert man in der Gesellschaft die Anzahl „prä-kranker“ Menschen?

    Kommentar zum Systematic Review im BMJ über Prädiabetes (Barra E. et al. Efficacy and effectiveness of screen and treat policies in prevention of type 2 diabetes: systematic review and meta-analysis of screening test and interventions. BMJ 2017; 356: i6538):
    „Diese Studie ist ein Beispiel dafür, was Eugen Bleuler (Psychiater, Direktor an der Psychiatrischen Uniklinik Zürich) vor 100 Jahren mit dem Titel seines Buches „Das autistisch-undisziplinierte Denken in der Medizin und seine Überwindung“ angesprochen hat.
    Es wird ein neuer – eine Krankheit andeutenden – Begriff kreiert, von wem auch immer, der einen nicht unbeträchtlichen Teil der Menschen als zumindest prä-krank klassifiziert. Zu alledem kommt noch, dass diese „Prä-Krankheit“ nicht einmal klar definiert ist, also je nach Interesse einmal so oder so definiert wird. Wissenschaftliche Medizin setzt voraus, dass Begriffe und Kategorien klar definiert werden.
    Die Undiszipliniertheit ist noch nicht überwunden. Man sollte sich nicht wundern, wenn die Bevölkerung den krankmachenden Institutionen und Behörden nur noch den Rücken zeigt!“ (www.evimed.ch/journal-club/artikel/detail/prae-diabetes-wie-steigert-man-in-der-gesellschaft-die-anzahl-praekranker-menschen/ – aus dem Horton-Zentrum für evidenzbasierte Medizin der Universität Zürich)

    Beim «Altersdiabetes» oder Typ-2-Diabetes ist nicht nur der Kohlehydratstoffwechsel gestört

    In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die zum Typ-2-Diabetes führenden Veränderungen im Kohlehydratstoffwechsel zusammen mit Übergewicht, Bluthochdruck und abnormen Blutfettwerten Ausdruck einer komplexen metabolischen Störung sind. Zum metabolischen Syndrom, wie die Kombination dieser kardiovaskulären Risikofaktoren heisst, kommt es durch Wechselwirkung von genetischen und Umweltfaktoren.

    Der Diabetes mellitus Typ 2 (früher auch Altersdiabetes genannt) hat laut wiederkehrenden Meldungen epidemische Ausmasse erreicht – die Zahl der Zuckerkranken, die heute weltweit auf gut 150 Millionen geschätzt wird, soll sich bis ins Jahr 2025 gar verdoppeln. Neben den direkten Kosten durch die Diabetes-Therapie und der Tatsache, dass das Leiden eine wichtige Ursache der Erblindung, des chronischen Nierenversagens sowie von Amputationen darstellt, wird das gegenüber Nichtdiabetikern ganz erheblich erhöhte Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten betont – Diabetiker erleiden nämlich doppelt bis viermal so häufig einen Herzinfarkt. Besonders beunruhigend ist, dass die arteriosklerotischen Veränderungen oft schon Jahre vor dem Ausbruch der Krankheit nachgewiesen werden können, offenbar verursacht durch bestimmte Stoffwechselstörungen, wie sie im Rahmen des sogenannten metabolischen Syndroms auftreten. Dieser Symptomkomplex umfasst eine Reihe von Merkmalen, die allesamt Risikofaktoren für kardiovaskuläre Krankheiten sind. Das offenkundigste Zeichen des metabolischen Syndroms, die Fettleibigkeit (Adipositas), gilt denn auch als eigentliche Ursache der weltweiten Diabetes-Epidemie.

    Studiendaten haben in letzter Zeit eine reziproke Wechselwirkung von Glukosemetabolismus und Lipidstoffwechsel suggeriert: Personen mit genetisch bedingt tiefem LDL-Cholesterin haben ein höheres Diabetesrisiko als Personen mit hohem LDL-Cholesterin. Eine Statintherapie (=Fettsenker) scheint hier zusätzlich zu interferieren und erhöht entsprechend das Risiko für einen neu diagnostizierten Diabetes mellitus, wobei es sich vorwiegend um einen Typ-2-Diabetes handelt.

    Der Bauchumfang ist der Indikator für das Diabetesrisiko

    Allein der Bauchumfang kann vorhersagen, ob jemand an Diabetes erkranken wird. So haben Frauen mit einem Bauchumfang von mehr als 89 cm ein 32-fach erhöhtes Diabetesrisiko im Vergleich zu Frauen mit weniger als 80 cm.
    Und Männer mit einem Bauchumfang von mehr als 102 cm sind 22-mal stärker Diabetes-gefährdet als Männer mit weniger als 94 cm Bauch!

    Alles beginnt oft schon im Kindesalter

    Siehe dazu den sehr informativen offenen Brief der foodwatch.org an die deutsche Regierung!

    Insulinresistenz, Hyperinsulinismus und Betazell-Dysfunktion

    Die Einsichten in die dem Typ-2-Diabetes zugrunde liegenden genetischen und biochemischen Veränderungen und deren enge Verknüpfung mit der Fettleibigkeit und der Entstehung von Herz- Kreislauf-Krankheiten haben sich in den letzten Jahren erheblich gewandelt. Diabetes, Bluthochdruck, Fettleibigkeit oder abnorme Blutfettwerte werden heute nicht mehr als eigenständige Risikofaktoren betrachtet, sondern gelten allesamt als Ausdruck einer komplexen Stoffwechselstörung, deren metabolisches Leitsymptom die sogenannte Insulinresistenz ist: das ungenügende oder fehlende Ansprechen der Muskel-, Fett- und Leberzellen auf die Wirkungen von Insulin. (Wird vom Hausarzt mittels des oralen Glukosetoleranztests gemessen).

    Bis vor nicht allzu langer Zeit glaubte man, dass der Diabetes mellitus Typ 2, an dem rund 90 Prozent aller Zuckerkranken leiden, Ausdruck eines Defektes der Insulinrezeptoren an den Körperzellen sei. Doch nur in ganz seltenen Fällen findet sich tatsächlich eine Mutation auf Rezeptorebene. Viel eher scheinen zahlreiche, vom im übermässig vorhandenen Bauchfett abgegebene Substanzen, vermehrt im Blut zirkulierende Fettsäuren sowie möglicherweise auch Störungen im Eisenstoffwechsel, die an der Vermittlung der Insulinwirkung beteiligten intrazellulären Proteine und Mechanismen zu beeinflussen, so dass es zur Insulinresistenz kommt. (Der Typ-1-Diabetes dagegen ist eine Autoimmunerkrankung.)

    Typ-2-Diabetes ist auch eine Entzündungskrankheit

    Es existiert eine klare Interaktion zwischen dem Stoffwechsel und dem Immunsystem. Steroidhormone (Kortison!) als potente Immunsuppressoren sind schon lange auch für ihre hyperglykämische Wirkung bekannt. Die Insulinresistenz und der Insulinsekretionsdefekt ist in wesentlichen Aspekten eine pathologische Reaktion des Immunsystems – auch die wichtigsten Komplikationen des Diabetes: Herz-Kreislauf, Nieren- und Augen-Krankheiten.

    Dieser Zusammenhang von Immunsystem und Stoffwechsel (auch Immuno-Metabolismus genannt) beschreibt Jacques Philippe schön in einem Artikel der Schweiz Med Forum 2018 (aber auch die Ernüchterung einer antientzündlichen, medikamentösen Therapie dagegen).

    Auch die Zusammensetzung unserer Darmflora spielt in diesem Zusammenhang wahrscheinlich eine sehr grosse Rolle bei der Entstehung der Insulinresistenz (siehe dazu weiter unten).

    Diabetes und Psyche: Angst vor Folgekrankheiten ist die grösste Belastung

    Diese Angst und eine folgende Depression kann auch die Zytokine erhöhen und damit die Entzündungsneigung erhöhen – und dies wiederum den Diabetes verstärken: ein unheilvoller Teufelskreislauf!

    Diabetes und die Entzündung des Nervensystems

    Dies ist der gemeinsame Nenner von vielen Krankheiten, die mit dem Diabetes kombiniert auftreten können: Weiterlesen >>>

    Hyperinsulinismus – stets zu viel Insulin im Blut

    Während langer Zeit kann das verminderte Ansprechen von Muskulatur, Fett- und Lebergewebe mit einer gesteigerten Insulinproduktion kompensiert werden, denn die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse vermögen ihre Leistung um das Zehnfache zu steigern. Dadurch bleiben die Blutzuckerspiegel vorerst normal bei allerdings gleichzeitig erhöhten Insulinwerten.
    Dieser sogenannte Hyperinsulinismus ist wahrscheinlich mitbeteiligt an der Entstehung des Bluthochdrucks und beeinflusst zudem die Verteilung der Blutfette ungünstig – beides wohlbekannte kardiovaskuläre Risikofaktoren. (Ich muss betonen, dass ich hier nicht von der sehr seltenen genetischen Stoffwechselstörung spreche, von der es auf der Erde wenige 100 Familien gibt, die ein HI-Kind haben. Diese Kinder leiden stark unter dem erhöhten Insulin, dass zu ständigen Hypoglykämien führt und dadurch Hirnstörungen verursachen kann. Diese Kinder müssen  trotz Essstörungen entweder mit Peg-Sonde oder mit Zwang mit Kohlehydraten ernährt werden, da die Kinder sonst nicht überleben. Diese Kinder kommen häufig mit einem Blutzuckerspiegel von 0 auf die Welt: mehr Infos darüber unter www.hyperinsulinismus.de).
    In der Praxis ist der Insulinspiegel jedoch nicht zuverlässig messbar. Einen Hinweis auf die Insulinsekretion bzw. auf ein Insulinresistenzsyndrom erhält der Arzt aus dem Body-Mass-Index (über 25) sowie dem Quotienten aus Triglyceriden und dem HDL-Cholesterin (TG/HDL-Ratio > 3,5).
    Nach Jahren vermag die Bauchspeicheldrüse schliesslich den immer grösseren Insulinbedarf nicht mehr zu decken: Die Betazellen erschöpfen sich und gehen teilweise zugrunde. Die Blutzuckerspiegel steigen an, der Diabetes wird manifest. Die Inselzellen brennen also einerseits regelrecht aus. Andererseits scheinen sie aber auch direkt durch die vermehrt zirkulierenden Fettsäuren sowie chronisch erhöhte Glukosespiegel geschädigt zu werden.

    Doch die Insulinresistenz ist nicht alleinige Ursache der zunehmenden Überforderung der Insulin produzierenden Zellen. Vielmehr dürfte eine vorbestehende, vererbte Schwäche der Betazellen durch die erhöhten Anforderungen demaskiert werden. So ist bei Personen, die später einen Diabetes mellitus entwickeln, die sogenannte Frühphase der Insulinsekretion bereits Jahre vor Ausbruch der Krankheit (meistens unerkannt) gestört – die Bauchspeicheldrüse ist also schon frühzeitig nicht mehr in der Lage, die Spitzen der Blutglukosewerte, wie sie unmittelbar nach einer Mahlzeit auftreten, aufzufangen.
    Ein ganzes Paket an Studien weist sogar darauf hin, dass die Hyperinsulinämie an der Entstehung unterschiedlicher Krankheitsbilder wesentlich mitbeteiligt ist. Sie scheint ein „Missing Link“ zu sein, der begründet, warum beispielsweise Übergewicht zu höheren Fallzahlen von Brust-, Dickdarm- oder Prostatakrebs führt. Daneben kann eine Fettleber (nicht-alkoholische) entstehen, polyzystische Ovarien und eine Schlafapnoe!
    Beste und einfachste Massnahme gegen den Hyperinsulinismus: Längere Zeitabschnitte (am besten 16 bis 72 Stunden) ohne jegliche Hartnahrung: Kurz- oder Intervallfasten (16:8 oder 14:10), dann kann der Insulinspiegel regelmässig wieder sinken und auf Null zurückgehen. Der gesamte Insulinstoffwechsel erholt sich!

    Wechselwirkung von Genen und Umwelt

    Unterdessen ist klar, dass in der Entstehung des Typ-2-Diabetes eine Vielzahl von genetischen und Umweltfaktoren wie Fehlernährung und mangelnde Bewegung zusammenspielen, die schliesslich zur zunehmenden Entgleisung des Stoffwechsels führen. Auf Grund von Tiermodellen, den raren Fällen des dominant vererbten, sogenannten Mody-Diabetes sowie Untersuchungen bei verschiedenen ethnischen Gruppen mit unterschiedlicher Diabetes-Häufigkeit konnten in den letzten Jahren verschiedene Gendefekte festgemacht werden, die mit einem erhöhten Diabetes-Risiko einhergehen. Doch weder bei den verschiedenen Typen des Mody-Diabetes noch bei den Pima-Indianern in Arizona, die im Rahmen der zunehmenden «Verwestlichung» immer dicker geworden sind und unterdessen die weltweit höchste Diabetes-Prävalenz aufweisen, gibt es ein eigentliches «Diabetes-Gen». Auch in diesen Fällen scheinen Mutationen in verschiedensten Genen in jeweils unterschiedlicher Kombination zu den fatalen Stoffwechselstörungen zu führen.
    Dass die Gene beim Typ-2-Diabetes eine grosse Rolle spielen, zeigt die Tatsache, dass zuckerkranke Patienten in rund 40 Prozent der Fälle mindestens einen Elternteil haben, der ebenfalls an einem Diabetes mellitus Typ 2 leidet. Und bei eineiigen Zwillingspaaren beträgt die Konkordanz gar fast 90 Prozent. Zudem zeigen Kinder diabetischer Eltern oft schon früh Zeichen der Insulinresistenz und erhöhte Insulinwerte im Blut, selbst wenn sie nicht übergewichtig sind.

    Ob dicke Personen mit einer Insulinresistenz tatsächlich eine genetische Ausstattung haben, die ihnen vor Jahrtausenden das Überleben auch bei äusserst knapper Nahrung ermöglicht hätte, wie dies eine gängige Theorie postuliert, muss offen bleiben. Ebenso spekulativ ist der unter anderem auf Grund der Analyse von knapp 70 000 Frauen (im Rahmen der sogenannten Nurses Health Study) vermutete Zusammenhang zwischen einem niedrigen Geburtsgewicht (was auf einen vorgeburtlichen Nährstoffmangel schliessen lässt) und einem späteren Diabetes. Nur diejenigen der untergewichtigen Kinder, so die Idee, die besonders gut mit den knappen Ressourcen umgehen können, überleben. Tatsache aber ist, dass dieser evolutionär möglicherweise vorteilhafte Genotyp heute zur oft tödlichen Bürde geworden ist.

    Mediterrane Ernährung für DM2

    Italienische und UK Forscher verglichen den Effekt von low- carb Mediterrane Ernährung mit low-fat Diät mit dem Verbrauch von Antidiabetes-Medikamenten bei Patienten mit neulich diagnostizierten Diabetes mellitus Typ II.
    Sie fanden: „After 4 years, 44% of patients in the Mediterranean- style diet group and 70% in the low-fat diet group required treatment (absolute difference -26.0 percentage points, hazard ratio 0.63, hazard ratio adjusted for weight change 0.70). Participants assigned to the Mediterranean- style diet lost more weight and experienced greater improvements in some glycemic control and coronary risk measures than did those assigned to the low- fat diet.“
    Die Autoren schlossen daraus: „Compared with a low-fat diet, a low- carbohydrate, Mediterranean-style diet led to more favorable changes in glycemic control and coronary risk factors and delayed the need for antihyperglycemic drug therapy in overweight patients with newly diagnosed type 2 diabetes.“ (Annals of Internal Medicine 151(5):306-314, 1 September 2009 © ; Effects of a Mediterranean-Style Diet on the Need for Antihyperglycemic Drug Therapy in Patients With Newly Diagnosed Type 2 Diabetes-A Randomized Trial. Katherine Esposito et al.)

    Die mediterrane Ernährung wirkt auch der Verarmung der Darmflora entgegen, was einen Diabetes massiv bessern kann:

    Viel Fett lässt die Darmflora verarmen und führt zu Adipositas und Insulinresistenz

    Es hat sich auch gezeigt, dass eine Verarmung unserer Darmbakterien mit Adipositas und auch einer Insulinresistenz einhergeht. Menschen, die mehr Gemüse und Früchte (Obst aber nur 2 Handvoll täglich) – und auch Vollkornprodukte essen, haben dagegen eine reichere Darmbesiedlung.
    Vielleicht ist dies auch ein weiterer Grund gegen zuviel Antibiotikatherapie, vor allem im Kleinkindesalter. Auch Kaiserschnittkinder und solche, die Flaschennahrung (anstatt Muttermilch) erhielten, haben übrigens weniger Bakterienvielfalt im Darm.

    10% mehr Fertigpizza macht 15% mehr Diabetes

    Das Risiko, einen DM zu entwickeln steigt massiv mir der Einnahme von nicht naturbelassenen Lebensmittel der schlechtesten Gruppe NOVA 4.
    Was allerdings für die möglichen negativen Wirkungen der stark verarbeiteten Lebensmittel verantwortlich sein könnte, kann bisher niemand genau sagen. Man müsste die Zusatzstoffe alle einzeln untersuchen. Das kann man mit Beobachtungsstudien nicht und die Interventionsstudien, die man dazu bräuchte, die gibt es kaum.
    Zum Teil lassen sich Effekte möglicherweise dadurch erklären, dass bereits bekannte Risikofaktoren wie Softdrinks ebenfalls zu den stark verarbeiteten Lebensmitteln gehören oder dass Schutzfaktoren wie Ballaststoffe in Fertigmahlzeiten seltener vorkommen. Das kann allerdings nicht komplett die berechnete Wirkung erklären.
    (jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/article-abstract/2757497)

    Auch Gewichtszunahme wurde in einer Interventionsstudie bereits mit stark verarbeiteten Lebensmitteln in Verbindung gebracht. Ein höheres Körpergewicht gilt ebenfalls als Risikofaktor für Typ-2-Diabetes.
    Die Autoren vermuten allerdings, dass noch weitere Inhaltsstoffe oder Eigenschaften der stark verarbeiteten Lebensmittel eine Rolle spielen. Wegen der meist langen Haltbarkeit könnten mehr Stoffe aus Verpackungsmaterial in stark verarbeiteten Lebensmitteln und Getränken zu finden sein. Menschen, die mehr Softdrinks trinken, trinken diese oft aus Plastikflaschen, da könnten auch Weichmacher eine Rolle spielen.

    Süssstoffe lässt auch die Darmflora verarmen

    Frühere Studien lieferten bereits Hinweise, dass ein hoher Süssstoff-Konsum mit einer schlechteren Blutzucker Kontrolle verbunden ist und dass der HbA1c-Wert mit zunehmendem Konsum süssstoffhaltiger Getränke ansteigt.

    Kalorienfreie Süssstoffe beeinträchtigen offenbar die Aufnahme und die Kontrolle des Blutzuckers, indem sie das Darmmikrobiom durcheinanderbringen, wie australische Forscher erstmals zeigen konnten. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass künstliche Süssstoffe sich möglicherweise auch verheerend auf die blutzuckersenkende Medikation von Patienten mit Diabetes auswirken könnten [54th Annual Meeting of the European Association for the Study of Diabetes (EASD), 1. bis 5. Oktober 2018, Berlin].

    Und hier:
    Eine sehr umfassende und sorgfältige Studie findet, dass diverse, bisher als metabolisch neutral angesehene künstliche Süssstoffe zu charakteristischen Veränderungen des kolorektalen (intestinalen) Mikrobioms und damit zusammenhängenden sekundären Veränderungen bei einer Reihe von systemisch zirkulierenden Metaboliten («Metabolom») führen. Die Folge davon war, was man eigentlich verhindern möchte: Die Glukosetoleranz verschlechterte sich signifikant, wobei die interindividuellen Unterschiede recht gross waren. Die klinischen Implikationen künstlicher Süssstoffe könnten also negativer Art sein, die Ernährungsberatung mithin (nochmals) schwieriger.
    Cell. 2022, doi.org/10.1016/j.cell.2022.07.016

    Welche süssen Lebensmittel kommen dann für Diabetiker überhaupt in Frage?

    Datteln, Rosinen und Granatapfelsaft lassen den Blutzucker kaum ansteigen. Sie enthalten viele gesunde Pflanzenstoffe. Deshalb eignen sie sich auch zum Süssen von Speisen wie Müesli oder Desserts. Betroffenen, denen der Verzicht auf Süsses schwerfällt, haben mit diesen Lebensmittel eine gute Alternative. Studien haben gezeigt, dass Granatapfelsaft, Datteln und Rosinen den Blutzucker nicht erhöhen.
    Mit Datteln und Nüssen kann man feine Energiebällchen zubereiten. Am besten isst man die Bällchen nach dem Mittagessen. Dann ist der Blutzuckerspiegel schon erhöht, und man kann die zusätzlichen Kalorien im Lauf des Tages besser verwerten.

    Häufiges Grillieren von rotem Fleisch ist auch nicht günstig

    Unabhängig von der Menge an verzehrtem roten Fleisch ist die Häufigkeit, mit der man Fleisch bei hohen Temperaturen im Herd oder auf dem Grill zubereitet, mit einem höheren Diabetesrisiko verbunden:
    Mehr als 2-mal in der Woche ein Stück rotes Fleisch im Ofen zu grillen, ist mit einem um 30% höheren Diabetesrisiko verbunden,
    bei Zubereitung auf dem Grill erhöhte sich das Risiko um 25%,
    beim Braten im Ofen um 10% – jeweils im Vergleich zu jemandem, der diese Garmethoden seltener als einmal im Monat nutzt.
    Die Häufigkeit von Schmoren/Kochen ist dagegen nicht mit dem Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden.
    (http://care.diabetesjournals.org/content/early/2017/05/31/dc17-0204)

    Nüsse statt Kohlenhydrate

    Typ-2-Diabetiker, die Kohlenhydrate in ihrem täglichen Diätplan durch gemischte Nüsse ersetzen, schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe! Sie verbessern nicht nur ihre Blutzuckerkontrolle, sondern auch ihr Lipidprofil (Blutfette). In einer randomisierten kanadischen Studie (Diabetes Care, doi: 10.2337/dc11-0338) nahmen Diabetiker mal 3 Wochen lang täglich 475 kcal (= 75g/Tag) ihrer insgesamt 2000 kcal enthaltende Diät als gemischte Nüsse, Muffins oder jeweils die Hälfte von beiden zu sich. Wichtigster Endpunkt war die Veränderung des HbA1c-Wertes. Dieser sank statistisch signifikant nur in der Gruppe, welche die volle Nuss-Portion erhalten hatte. Auch das LDL-Cholesterin nahm nur in dieser Gruppe signifikant ab.

    Kaffee wirkt prophylaktisch gegen den Diabetes Typ II

    Menschen, die 3 bis 4 Kaffee täglich trinken haben gemäss einer grossen Studie 37% weniger Risiko einen Diabetes zu entwickeln, als diejenigen die nur einen Kaffee täglich tranken.
    Auch konnten die Leute mit täglich eineinhalb Kaffee mehr ihr Risiko um 11% senken.
    Übrigens half auch genau so gut entkoffeinierter Kaffee!
    (Bhupathiraju SN, Pan A, Manson JE, et al. Changes in coffee intake and subsequent risk of type 2 diabetes: three large cohorts of US men and women. Diabetologia. 2014;57:1346-1354. Abstract

    Grüntee verbessert Diabetes

    Täglich viel Grüntee senkt signifikant in einer japanischen Studie das HbA1c, welcher als wichtigster Laborparameter für den Diabetes mellitus gilt. Der Grüntee muss aber medizinisch richtig zubereitet werden, damit alle Polyphenole (Catechine) erhalten bleiben:

    Was muss ich beachten, wenn Grünteetrinken wirklich einen medizinischen Wert haben soll:
    – Ein bis eineinhalb Liter täglich trinken.
    – Drei gehäufte Esslöffel Pulver auf einen Liter.
    – Pestizidfreien Grüntee wählen („Bio“).
    – Kalziumarmes Wasser benützen.
    – Zwischen 60 und 80 Grad warmes Wasser zum Aufguss benützen.
    – Fünf bis zehn (ev. bis zwanzig!) Minuten einwirken lassen.
    – Ein paar Tropfen Zitronensaft im Tee schützt die Polyphenole vor den Verdauungssäften.
    (European Journal of Clinical Nutrition 62:953-960, August 2008)

    Wer regelmässig Grüntee trinkt, kann sein Diabetes-Risiko reduzieren, melden auch chinesische Forscher. Sie analysierten die Daten aus 17 Studien mit insgesamt 1100 Personen. Es zeigte sich, dass der Konsum von Grüntee den Nüchtern-Blutzucker signifikant senkte («American Journal of Clinical Nutrition», Bd. 98, S. 340). Mit vier Tassen Grüntee pro Tag liess sich das Diabetes-Risiko um 20 Prozent vermindern. Verantwortlich für den Effekt dürften auch hier die im Grüntee enthaltenen Catechine sein.

    Ein Ei täglich vermindert Risiko für Diabetes

    Männer, die ein Ein pro Tag essen, haben ein 40% geringeres Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln (diabetes-und-eier.pdf).
    Eier sind eine reichhaltige Quelle für bioaktive Substanzen wie Carotinoide und Cholin, die sich positiv auf Faktoren wie Insulinresistenz, Entzündungen, Lipidoxidation oder den Stoffwechsel auswirken.
    Man sollte dabei beachten, dass dieser hohe Eierkonsum zusammen mit einem kleinen Fleischkonsum, einem kleinen BMI, keinen Zigaretten und viel Bewegung daher kommt.

    Haferflocken gegen Diabetes

    Haferflocken wirken sich positiv auf  den Blutzuckerspiegel aus. Hafer verschleimt den Nahrungsbrei im Darm, macht ihn dickflüssiger und verzögert dadurch die Aufnahme des Zuckers. Das kann nicht nur beim Abnehmen helfen, sondern auch bei Diabetes, wie eine Studie der Universität Heidelberg zeigt. Patienten konnten ihren Bedarf an Insulin bis zur Hälfte reduzieren und ihre Wert des Blutzuckers verbessern, wenn sie an zwei Tagen im Monat nur Haferprodukte assen und Tee oder Wasser tranken. Da sie weniger Insulin spritzen müssen, haben sie weniger Hunger und nehmen nicht zu. Haferflocken eignen sich auch zur Vorsorge für Menschen, die wegen ihr Übergewicht ein höheres Risiko für Diabetes haben oder an einer frühen Form der Krankheit leiden. Sie können so den drohenden Diabetes abwenden. Allerdings müssen die Betroffenen bemüht sein, auch sonst gesund zu essen und zu leben. Für Gesunde reicht zum Vorbeugen eine tägliche Portion von 35 Gramm Haferflocken aus. Das entspricht etwa 3 Esslöffel. Gegen erhöhte Fettwerte oder gar Diabetes empfehlen die Studien das Doppelte bis Dreifache. Die Nahrungsmittel Industrie bietet mittlerweile viele Fertigprodukte aus Haferflocken an. Allerdings verändert sich mit zunehmendem Verarbeiten der Gehalt an Nährstoffen und Fasern. Deshalb: Wenn jemand von den Vorteilen von Hafer profitieren will, dann wäre es wünschneswert, falls er eine möglichst wenig verarbeitete Quelle vorzieht. Haferflocken sind immer aus dem vollen Korn. Ob Haferflocken, Haferkleie oder Haferkörner macht keinen grossen Unterschied. Hafer lässt sich gut in den Alltag integrieren. Als Müesli zum Frühstück, als Suppe beim Mittagessen, als Zwischentrunk oder als warmen Porridge am Abend.
    Allerdings: Wer bereits Diabetes hat und dagegen Medikamente nimmt oder Insulin spritzt, spricht am besten vor der Haferkur mit seinem Arzt. Denn es besteht das Risiko einer Unterzuckerung.

    Blutspenden bessert Diabetische Stoffwechsellage

    Regelmässige „Aderlasse“ mit kostenfreien, grosszügigen und altruistischen Blutspenden bessert Hyperferritinämie mit Eisenüberlastung, wie man sie bei Hämachromatose und auch bei Diabetes sieht (übrigens auch Hyperferritinämie ohne Eisenüberlastung bei Metabolischem Syndrom, NASH oder polyzystischem Ovarialsyndrom). Es erhöht sich dabei die Insulinsensitivität, was beim Diabetes Wunder wirkt:
    Leute geht Blutspenden (auch prophylaktisch)!

    Viel Sitzen ist ganz schlimm

    Je länger Menschen am Stück sitzen, ohne zwischendurch aufzustehen und herumzugehen, desto schlechter reagiert ihr Organismus auf das Hormon Insulin und umso „süsser“ wird ihr Blut nach der Zufuhr erhöhter Glukosemengen. Erwartungsgemäss stand auch die im Laufe des Tages akkumulierte gesamte Sitzdauer in einer engen Beziehung zum Zuckerstoffwechsel. So tendierte der Metabolismus umso stärker in Richtung eines Diabetes, je mehr Sitzstunden pro Tag zusammen kamen.
    Versuchspersonen, die trotz allem noch körperlich aktiv waren, schnitten zwar besser ab als Bewegungsmuffel. Weder Sport noch andere vor Diabetes schützende Faktoren, darunter vor allem ein gesundes Körpergewicht, konnten die verhängnisvollen Bande zwischen Dauersitzen und Entgleisungen des Zuckerstoffwechsels allerdings auflösen.

    Stehpult verbessert Blutwerte

    BRISBANE (AUS) – Wer den ganzen Tag sitzt, läuft eher Gefahr, Herzkrankheiten oder Diabetes zu bekommen. Jetzt zeigt eine Studie: Büroangestellte, die einen Teil der Arbeit am Stehpult leisten, leben gesünder. Australische Mediziner untersuchten rund 700 Personen. Dabei fanden sie heraus, dass Personen, die zwei Stunden pro Tag stehen, bessere Cholesterin- und Blutzuckerwerte haben. (European Heart Journal )

    Schlaf und Diabetes

    Eine „kurze Nacht“ führt zu einem Blutzuckeranstieg – chronisch kurze Nächte fördern die Entwicklung und Verschlechterung eines Diabetes. Ein Risikofaktor kommt selten allein. Entsprechend überrascht es nicht, dass eine kurze Schlafdauer mit einem höheren Risiko eines metabolischen Syndroms verbunden ist. Längere Schichtarbeit und die aufgezwungene Störung der zirkadianen Rhythmik prädisponieren typischerweise zu Diabetes.

    Regelmässiges Kurzfasten gegen Diabetes

    In der letzten Zeit erlebt das Fasten, insbesondere das Kurzfasten – d.h. nur 16 bis maximal 72 Stunden lang nichts Festes essen und nur kalorienfreie Getränke trinken – selbst in der eher konservativen „Schulmedizin“ ein eigentliches Revival.
    Mit dieser Kürze der Fastenzeit vermeidet man viele starke Nebenwirkungen des längeren Nichts-Essens, wie die Übersäuerung der Gelenke (mit Gichtanfällen als Extrem) oder die Verstopfung und auch den nachträglichen Jo-Jo-Effekt, der bei regelmässigem Kurzfasten kaum auftritt.
    Das Kurzfasten ist – wie in meiner Hausarztpraxis x-fach erprobt – recht einfach realisierbar und meist sozial verträglich. Nehmen Sie dazu immer den Tag der Woche, an dem Sie meist am wenigsten Einladungen haben: zum Beispiel jeden Donnerstag.
    Man kann natürlich auch eine gemilderte Form einflechten: als Früchtetag, also einen ganzen Tag nur Früchte essen.
    Wieder entdeckt wurden die heilenden Seiten des Kurzfastens in der Onkologie (Tumortherapie) zur Verbesserung und Modulierung des Immunsystems vor Chemotherapien. Das positive Resultat, kurz skizziert, besteht aus mehr Wirkung der Medikamente gegen den Krebs mit weniger Nebenwirkungen auf andere Körperzellen!
    Wiederholtes kurzfristiges Fasten führt zu „zellulärem Selbstmord“ von Krebszellen! In neueren Studien findet man dabei, dass wiederholtes kürzeres Fasten effektiver und praktikabler ist als langfristiges. Das Fasten löst eine Art zellulären Stress aus. Bei gesunden Zellen führt dies zu Reaktionen, die gegen Schäden durch Sauerstoffradikale schützen. Solche Moleküle entstehen bei Hunger vermehrt. Ihre Produktion wird aber auch durch viele Chemotherapeutika (Medikamente gegen Krebs) angeregt und gilt als Hauptursache von deren starken Nebenwirkungen. 24 bis 72 Stunden Fasten vor der Chemotherapie bereitet normale Körperzellen offenbar gut auf hohe Konzentrationen von Sauerstoffradikale vor. Sie sind deshalb eher in der Lage, sich gegen die aggressiven Moleküle zu wehren. Krebszellen hingegen sind kaum fähig, diese Schutzmechanismen anzuschieben. Sie stellen sogar selber zusätzlich noch reichlich aggressive Moleküle her. Das führt dann dazu, dass sie letztlich „zellulären Selbstmord“ begehen.
    Diesen Effekt kann nun auch für Jedermann/-frau als einfache Verbesserung der Abwehr bei wiederkehrenden Infektionen diverser Ursachen benützt werden.
    Dann schlussendlich auch zur „Stoffwechsel-Erschütterung“ und als Wende bei schweren Krankheiten, wie Diabetes. Dazu hilft hier natürlich auch der „garantierte“, gleichzeitige Gewichtsverlust.

    Medikamente: Metformin zuerst – Insulin ist eher umstritten

    Von allen internationalen Gremien werden als initiale Therapie des Typ-2-Diabetes Lifestylemassnahmen sowie eine Medikation mit Metformin empfohlen. Metformin wurde ursprünglich aus der Geissraute gewonnen (siehe hier). Weniger Konsens existiert bei der Frage, durch welche Zusatzmedikation gegebenenfalls die Therapie zu intensivieren sei. In einer grossen Studie fanden Roumie  unter Metformin bei zusätzlicher Gabe von Insulin (im Vergleich zur Kombination mit Sulfonylharnstoffen) ein höheres Risiko für einen kombinierten, primären Endpunkt mit nicht-tödlichen kardiovaskulären Ereignissen und der Gesamtmortalität. Dabei waren das Risiko eines akuten Myokardinfarktes oder eines Schlaganfalls nicht erhöht, wohl aber die Gesamtmortalität.
    Diese Erhöhung der Mortalität scheint hauptsächlich auf einer erhöhten Krebsmortalität zu beruhen. Basierend auf diesen Daten darf man die Sulfonylharnstoffe als Ergänzung einer Metformintherapie einer frühzeitigen Insulintherapie sicher vorziehen. Damit scheint die althergebrachte Kombination von Metformin und Sulfonylharnstoffen – einmal mehr – gar nicht so schlecht! Es wäre häufig gut, die frühzeitige Indikation einer Insulintherapie generell zu überdenken (siehe aber zuunterst bei einem HbA1c über 8/9).
    (Roumie CL, Greevy RA, Grijalva CG et al. Association between intensification of metformin treatment with insulin vs sulfonylureas and cardiovascular events and allcause mortality among patients with diabetes. JAMA 2014 (11. Juni); 311: 2288-96)

    Blutdruckmedikamente unbedingt abends schlucken

    Wer Blutdrucksenker nimmt, schluckt ihn am besten abends (ausser Betablocker morgens).  Man erkrankt dann auch seltener an Diabetes. Dies zeigt eine neue Studie. Ein hoher Blutdruck und Diabetes gehen häufig miteinander einher. Die Forscher hatten mehr als 2000 Blutdruck-Patienten untersucht, die Medikamente erhielten. Die eine Hälfte nahm die Medikamente am Morgen, die andere vor dem Zubettgehen. Nach sechs Jahren entwickelten 171 Teilnehmer Diabetes. Das Erstaunliche: Patienten, welche die Medikamente am Morgen nahmen, waren doppelt so häufig betroffen. (Diabetologia. 2015 Sep 23: Bedtime ingestion of hypertension medications reduces the risk of new-onset type 2 diabetes: a randomised controlled trial. Hermida RC1 et al.)

    Wie stark soll bei Patienten mit Diabetes Typ 2 der HbA1c gesenkt werden?

    Grosse Studien (allen voran ACCORD, ADVANCE und UKPDS) haben in den letzten Jahren gezeigt, dass eine zu intensive Senkung auf nahezu das Niveau von Gesunden eher mehr Risiken bringt als Vorteile. Mittlerweile hat man diese und andere Studien näher analysiert. Es scheint, als ob eine individualisierte Blutzuckersenkung der beste Weg ist. Bei Älteren, insbesondere mit Vorerkrankungen am Herz-Kreislauf-System, ist eine intensive Blutzuckersenkung unter einem HbA1c von 7,5 nicht mehr sinnvoll, da vor allem schwere Unterzuckerungen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfälle erhöhen, die Sturzgefahr wird grösser, Alzheimer wird möglicherweise begünstigt und es besteht die Gefahr von Übergewicht durch die Medikamente.
    Bei jüngeren, sonst gesunden Patienten hingegen macht eine intensive Blutzuckersenkung Sinn. Sie können auch durch Lebensstiländerung dem Übergewicht entgegenwirken.
    Allgemein kann man sagen, dass ein HbA1c über 8/9 eigentlich Alarm bedeutet und anzeigt, dass dann die Bauchspeicheldrüse in einem Burnout ist! Der Betazelltod würde dann einfach still und irreversibel weitergehen, falls man keine schnellen Gegenmassnahmen starten würde. Hier empfiehlt sich sogar (wenigsten vorübergehend eine Insulintherapie (aber noch nicht die Basis/Bolus-Insulintherapie, da diese dann lebenslang weitergeführt werden muss!).

    Weiterlesen > Wie ein Arzt mit Typ-2-Diabetes sich durch „unkonventionelle“ Änderungen seines Lebensstils selbst kurierte

    Veröffentlicht am 17. Juni 2017 von Dr. med. Thomas Walser
    Letzte Aktualisierung:
    26. September 2024

  • Intervall- oder Kurzfasten: Dinner oder Breakfast Cancelling =14:10

    Intervall- oder Kurzfasten: Dinner oder Breakfast Cancelling =14:10

    „Am Morgen sollst du wie ein Kaiser essen, zu Mittag wie ein König, abends wie ein Bettler.“

    Vielleicht liegt der Sinn dieser alten Ernährungsweisheit im Einhalten von alltäglichen „intermittierenden“ Fastenzeiten. Es kann also genau so gelten: „Am Morgen wie ein Bettler, zu Mittag wie ein König, abends wie ein Kaiser.“ (Neuere Studie zeigt nun doch, dass kräftig Frühstücken wirklich sehr optimal ist! Und zum Abnehmen von Bauchfett ist KKB optimal!)

    Die Methode lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Kein Essen nach 16 (18) Uhr nachmittags (Dinner Cancelling) oder vor 12 (11) Uhr (Breakfast Cancelling).
    Das ist alles! Weniger was, sondern wann und wie viel gegessen wird, ist entscheidend: minimal 2 bis maximal 3mal in diesen minimal 8 oder besser 10 Stunden Essenszeit. Also: keinerlei Zwischenmahlzeiten!
    Es sollten mindestens 4.5 Stunden zwischen 2 Mahlzeiten liegen: Bei 8 Stunden also nur 2mal essen und bei 10 Stunden 2 bis 3mal!

    Der tägliche Essstopp ist individuell anpassbar und hängt vom Lebenswandel ab. Häufig ist also auch das Weglassen des Frühstücks viel erträglicher und (sozial) vernünftiger. Man isst dann nur zwischen 12 und 20 Uhr.  (oder 11 bis 21, etc.).
    Dies kann man deshalb 16:8-Ernährung (oder 14:10) nennen. Das Einflechten von eigentlichen Fastenzeiten im Alltag könnte man auch als „Kurz- Intermittierendes oder Intervall-Fasten“ bezeichnen.
    Individuell kann auch ein 5:2-Kurzfasten eingeschaltet werden, d.h. pro Woche 24 bis 48 oder 2×24 Stunden nichts essen.

    Licht und Nahrung als Taktgeber unseres Lebens

    Ein regelmässiger Tagesablauf mit gut eingeplanten Esszeiten ist sehr wichtig. Licht und Nahrung sind die wichtigsten Taktgeber für den Menschen. Sie sind am besten synchron. Das heisst, man nimmt nach Möglichkeit eine Hauptmahlzeit und (eins bis) zwei kleinere Mahlzeiten pro Tag zu sich – und man isst wenn möglich nur bei Tageslicht, da mit Eintreten der Dunkelheit unser Stoffwechsel sich grundlegend umstellt und Fett (und auch die Kohlenhydrate) viel langsamer abgebaut werden.

    Nach der täglichen Essens-Deadline darf nur noch getrunken werden, dies jedoch reichlich, um Hungergefühle zu verhindern oder abzuschwächen. Die Getränke sollten frei von Alkohol und Kalorien sein (Wasser und Kräutertees, aber auch mal Kaffee). Dies gilt auch in der ausgefallenen Frühstückszeit.

    Drei- bis viermal 16:8 oder Dinner Cancelling die Woche ist bereits beinahe perfekt – am besten die Woche durch und am Wochenende dann die familiären und anderen Festessen (damit man nicht komplett asozial wird…).

    Ab und zu Hunger zu haben, kann man gut lernen und entspricht eher einer Natürlichkeit, die in letzter Zeit durch unser Luxusleben in der ersten Welt verloren ging. Unser Körper wurde von der Evolution konditioniert, ab und zu Hunger zu haben. Dies erklärt, warum er gegen manche Zivilisationskrankheiten nicht gut gerüstet ist.

    Und falls Sie abends trotzdem essen: Geniessen Sie das Abendessen!  Und dies ist definitiv nicht eine Sache der Quantität, sondern der Qualität! Der Abend ist die Zeit des Genusses, die Sinne sind am Abend besonders wach: dies haben chronobiologische Untersuchungen gezeigt. In der Dämmerung und in der Dunkelheit  hören, fühlen, schmecken und riechen wir besonders gut. Für unsere Steinzeitvorfahren war es überlebenswichtig, in der Dämmerung besonders aufmerksam zu sein. (>>> siehe Studien).

    Welche gesundheitlichen Nutzen bringt mir 16:8 oder ein anderes Kurzfasten?!

    Abnehmen

    Bin ich wirklich zu fett?! Hier schnell ausrechnen!

    Warum ergibt denn dieses Intervallfasten eine Gewichtsabnahme? Der Körper kann Nährstoffe in Ruhezeiten, im Normalfall in der Nacht, besonders gut nutzen, was heisst: im Gewebe als Fett speichern. Hungern am Abend lässt also direkt das Fett weg schmelzen und nicht zuerst das Wasser und die Muskulatur wie tagsüber. Dinner Cancelling lässt in den täglichen Fastenpausen das Insulin-Hormon sinken, welches die Fettoxydation (und damit den Fettabbau) hemmt.

    Kurz gesagt nimmt man auch ab, wenn generell eine niedrige glykämische Last vorhanden ist, nüchtern trainiert wird und nur Wasser während des Trainings getrunken wird.

    Fasten auf Zeit: Am besten jeden zweiten Tag

    Intervallfasten ist eine einfache Methode, um Kilos zu verlieren. Dabei lässt man regelmässig einzelne Mahlzeiten aus. Britische Forscher verglichen mehrere Varianten des Intervallfastens. Am besten schnitt die 1:1-Variante ab. Dabei fastet man jeden zweiten Tag. Innert sechs Monaten nahmen die Teilnehmer so bis zu sechs Kilo ab, deutlich mehr als bei den Methoden 5:2 oder 16:8.

    (systematische Übersichtsarbeit von Semnani‑Azad et al. im BMJ („Intermittent fasting strategies and their effects on body weight…“, 2025), in der Alternate-Day-Fasting (1:1), 5:2 und Time‑Restricted Eating (z.B. 16:8) direkt hinsichtlich ihrer Gewichtsabnahme verglichen und Alternate-Day-Fasting als effektivste Variante eingeordnet wurde)

    Studien zum Nacht-Essen

    Nächtliche Überfälle auf den Kühlschrank können stark zu Übergewicht beitragen. Man nimmt dabei mehr als doppelt so stark zu, als wenn sie Ihre Nahrung zu Tageszeiten verzehren, an denen Sie normalerweise nicht schlafen, also tagsüber. Wie oder warum ein Mensch an Gewicht zunimmt, ist dabei sehr kompliziert, aber hängt eindeutig nicht nur von der Kalorienaufnahme und Verbrauch ab. (Circadian Timing of Food Intake Contributes to Weight Gain; Arble DM, Bass J, Laposky AD, Vitaterna MH, Turek FW. Obesity (Silver Spring). 2009 Sep 3. www.nature.com/oby/journal/vaop/ncurrent/abs/oby2009264a.html)

    Kurzfasten und Mass Halten: die „Länger-Leben-Diät“

    16:8 (besser 14:10) ist auch eine natürliche und einfache Methode für „Better-Aging“.
    Offenbar versetzt das Wenig-Essen den Körper in Alarmbereitschaft und kurbelt uralte Überlebensmechanismen an. Kräftezehrende Prozesse werden eingestellt und die Energie zum Schutz und zur Reparatur der Zellen (Autophagie) genutzt. Der Organismus verteidigt sich besser als im Normalzustand, so die Theorie. Er altert langsamer.
    Neuere Forschung zeigt nun auch, dass vielleicht nicht mal die Kalorienreduktion wichtig ist, sondern diese wiederkehrenden, alltäglichen, rhythmischen Fastenzeiten.

    Zum „Länger-Leben“ sollte aber mindestens 2 bis 3mal pro Tag mit mindestens 4.5 Stunden Intervall gegessen werden – und nicht nur einmal – mit zu grosser Energiemenge, was für unseren Stoffwechsel eine zu grosse Belastung bedeutet.

    Besser Schlafen

    Eine angenehme Nebenwirkung: Nach Mitternacht bekommen wir so eine Unterzuckerung, die wir untertags gar nicht aushalten würden. Der Schlaf wird tief wie ein Mini-Winterschlaf.

    Regeneration nach körperlicher Anstrengung

    Sport und starke körperliche Leistungen resultieren immer auch in mehr oder weniger grossen (Mikro-) Schäden (Muskelfaserrisse). Für die Regeneration dieser Schäden wird  das Wachstumshormon HGH benötigt, welches v.a. zwischen 23 und 3 Uhr in der Nacht im Schlaf ausgeschüttet wird. Nun wird dieses Hormon durch Kohlenhydrat-Konsum am Abend gehemmt. Ein Dinner Cancelling steigert also auch die Regeneration nach sportlichen Leistungen. Man soll einfach noch vor 23 Uhr ins Bett.

    Reflux bekämpfen

    Und noch eine weitere Nebenwirkung vor allem beim Weglassen des Abendessens: Die immer häufigere Reflux-Ösophagitis oder Reflux-Krankheit (Sodbrennen, Rückfluss von Magensaft in die untere Speiseröhre) wird durch diese Lebensstil-Änderung gleich auch noch ohne Medikamente geheilt (daneben hilft hier auch Schlafen mit erhöhtem Oberkörper und auf der linken Seite, Gewichtsabnahme, Reduktion von Alkohol und Nikotin (eine Zigarette „lähmt“ den unteren Speiseröhrendrittel für drei Stunden!), weniger Kaffee und weniger Pfefferminztee, weniger fettreiche Speisen, kohlesäurehaltigen Getränke, säurehaltige Fruchtsäfte und überhaupt weniger voluminöse Mahlzeiten.  Und: morgens gleich nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafen gehen je 100ml frisch gepressten Kartoffelsaft trinken (bei Anhalten der Beschwerden auch mehr).) – oder auch sehr wirksam morgens und abends 1 ausgepresste Zitrone nüchtern vor dem Essen trinken!

    Frühstücken?

    Iss morgens wie ein König, mittags wie ein Bürger und abends wie
    ein Bettelmann: Dass dieses Sprichwort viel Wahres enthält, wenn
    man sein Gewicht halten oder gar abnehmen möchte, haben
    Forscher aus Deutschland einmal mehr gezeigt.
    Denn die nahrungsinduzierte Thermogenese, also die Entstehung
    von Wärme beim Verdauen der Nahrung, sprich die
    Energieverbrennung, ist am Morgen etwa 2,5-mal so hoch wie am
    Abend – und zwar unabhängig von der Menge der jeweils
    aufgenommenen Kalorien. Zu dem Ergebnis kommt Juliane Richter
    von der Sektion für Psychoneurobiologie am Center of Brain,
    Behavior and Metabolism (CBBM) der Universität Lübeck
    zusammen mit Kollegen im Journal of Clinical Endocrinology &
    Metabolism (JCEM).

    Entzündungen werden in unserem Körper bekämpft

    Am Beispiel der Entzündung des Nervensystems, der Neuroinflammation sieht man den Nutzen des Kurzfastens sehr schön.
    Weitere Beispiele sind die Chronische Müdigkeit, der Diabetes, die Hyperreaktiven Luftwege (Chronischer Husten, Chronischer Schnupfen) oder die Arterienverkalkung und der Bluthochdruck…

    Beta-Hydroxybutyrat, ein Ketonkörper, kann durch (intermittierendes) Fasten oder eine ketogene Diät erhöht werden. Es ist unter anderem einer der potentesten endogenen Hemmer einer Entzündungsreaktion. Das durch eine solche Diät erhöhte Beta-Hydroxybutyrat wies in einem Mausmodell von kolorektalen Karzinomen eine starke antitumorale Wirkung auf. Der zelluläre Rezeptor und die intrazellulären Signalmechanismen, die zu einer Hemmung der Zellpro­liferation führen, sind auch durch diese Arbeit nun gut definiert worden. (Nature. 2022, doi.org/10.1038/s41586-022-04649-6)

    Zwei Einschränkungen

    Fasten (auch das Kurzfasten) ist sicher nicht gut, wenn man davon gestresst ist und davon schlechte Laune kriegt.
    Und es kann in höherem Alter schaden, denn es gibt dem Körper immer auch das Signal für Muskelabbau.

    Und alles mit Mass!

    Ein internationales Forschungsteam um Victor W. Zhong von der Jiao-Tong-Universität in Shanghai hat die Daten von fast 20.000 Amerikanerinnen und Amerikanern analysiert, die zwischen 2003 und 2018 an der grossen Gesundheitsstudie NHANES teilnahmen. Die Ergebnisse erschienen im August 2025 im Fachjournal «Diabetes & Metabolic Syndrome».

    Die Resultate sind eindeutig: Wer alle Mahlzeiten täglich innerhalb von weniger als acht Stunden zu sich nahm, hatte ein um 135 Prozent höheres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben – verglichen mit Menschen, die ihre Mahlzeiten über 12 bis 14 Stunden verteilten. Ein um 135 Prozent erhöhtes Risiko bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit, an Herzkrankheiten zu sterben, war mehr als doppelt so hoch. Statistisch gesehen starben in der Gruppe mit sehr kurzer Essenszeit etwa 23 von 1000 Personen, in der Vergleichsgruppe dagegen nur rund 10.

    Die Daten wurden über mehr als acht Jahre hinweg erhoben. Die Autoren betonen, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt – ein ursächlicher Zusammenhang lässt sich daraus nicht ableiten. Dennoch deutet die Analyse darauf hin, dass extreme Formen des Intervallfastens Risiken mit sich bringen.

    Ein generelles Abraten vom Intervallfasten ergibt sich aus der Studie nicht. Sie legt jedoch nahe, es nicht als Dauerlösung zu betrachten – und vor allem nicht in extremer Form.

    Zusammengefasst:


    (Copyright der Grafik: thesimpleway.de)
    und noch mehr zur Autophagie beim Intervallfasten.

    Ist Intervallfasten auch gefährlich?

    «Erhöht Intervall­fasten das Sterberisiko?» Diese Schlagzeile geisterte vor kurzem durch internationale Medien und erschreckte nicht wenige Leser. Intervallfasten soll laut einer Studie gar nicht gesund sein. Vielmehr erhöhe sich sogar das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, drastisch.
    Nur: Diese Aussage stimmt so nicht. Das Studien­design war lausig und statt eines Fach­artikels lag nur eine Presse­mitteilung vor. Wenige Journalistinnen dürften die Daten genauer überprüft haben, etwa auf statistische Signifikanz und Effektstärke.
    Typisch für einen schlimmen Trend in der Presselandschaft: Medienhäuser sparen den Wissenschafts­journalismus zusammen; was übrig bleibt, wird seichter. 

    Studie zum Einmal-Pro-Tag-Essen

    Das Essen von nur einer Mahlzeit am Tag sei bei amerikanischen Erwachsenen im Alter von 40 Jahren und älter mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko verbunden, heisst es in der im «Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics» veröffentlichten Studie.

    Wer das Frühstück auslässt, riskiere eine höhere Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Auslassen von Mittag- oder Abendessen erhöhe die allgemeine Sterblichkeit. «Auf der Grundlage dieser Ergebnisse empfehlen wir, mindestens zwei bis drei Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen», erklärt Studienhauptautorin Yangbo Sun vom Institut für Präventivmedizin des Health Science Centers der University of Tennessee in Memphis.

    Die Forschenden in den USA kamen zu diesen Schlüssen durch die Analyse von Daten einer Kohorte von mehr als 24’000 amerikanischen Erwachsenen im Alter von 40 Jahren und älter, die zwischen 1999 und 2014 an der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) teilnahmen. Die NHANES ist eine fortlaufende, landesweit repräsentative Gesundheitserhebung, bei der alle zwei Jahre eine Vielzahl gesundheitsbezogener Daten zur Bewertung der Ernährung, des Ernährungszustands, des allgemeinen Gesundheitszustands, der Krankheitsgeschichte und des Gesundheitsverhaltens erhoben werden.

    Wenn der Stoffwechsel Schaden nimmt

    Das Auslassen von Mahlzeiten bedeute in der Regel, dass man eine grössere Energiemenge auf einmal zu sich nehme, führt der Forschungsleiter der Studie, Wei Bao vom Institut für Epidemiologie der University of Iowa, in einer Pressemitteilung aus. Das erschwere die Regulierung des Glukosestoffwechsels und könne als Folge zur Verschlechterung des Stoffwechsels führen. Dies erkläre auch den Zusammenhang zwischen einem kürzeren Mahlzeitenintervall und der Sterblichkeit, da es bei einem kürzeren Abstand zwischen dem Essen zu einer erhöhten Energiezufuhr im entsprechenden Zeitraum komme. Tatsächlich zeigten die ausgewerteten Daten auch, dass bei Menschen, die täglich drei Mahlzeiten zu sich nehmen, zwei davon aber innert weniger als 4,5 Stunden, das allgemeine Sterberisiko höher war.

    weitere Links:

    Internetbeiträge zum Intervallfasten gibt unterdessen sehr viele. Dieser Link führt zu einem Beitrag von NDR Visite mit einem Kurzinterview mit Prof. Andreas Michalsen. Er erklärt, dass Essenspausen bei zahlreichen Erkrankungen zu Prävention und Heilung beitragen können, z. B. bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Hypertonie, Diabetes, neurologischen Krankheiten, z. B. MS, Parkinson und Demenz etc.
    https://www.youtube.com/watch?v=cZcEQv2HXxc

    14:10 scheint für viele Leute langzeitig besser machbar (siehe Studie)!

    Interview von Anina Mutter mit mir über das Intervallfasten:
    ekkoist.com/blog/artikel/45-intermittent-fasting-die-wichtigsten-informationen/

    Veröffentlicht am 17. Juni 2017 von Dr. med. Thomas Walser
    Letzte Aktualisierung:
    25. Januar 2026

  • Durchfall auf Reisen

    Prophylaxe der Reisediarrhoe

    • Zuerst mal ist die Inzidenz rückläufig wegen verbesserter Hygiene an den touristischen Destinationen.

    • «Boil it, cook it, peel it or forget it!” ist anscheinend ohne Evidenzbasis (2020)!

    • Immer vor dem Essen und beim „Heimkommen“ Hände gut waschen.

    • Man sollte sich im Restaurant ausschliesslich an ortsübliche Speisen halten. Gerade wenn aus Zurückhaltung vor dem Neuen auf Vertrautes aus dem eigenen Land zurückgegriffen wird, können damit Risiken verbunden sein, da die technologischen oder klimatischen Begebenheiten eine korrekte Herstellung nicht gewährleisten.
    • Auf den Genuss roher Lebensmittel tierischer Herkunft (Milch, Rahm, Eier, Fleisch, Meerestiere) muss verzichtet werden – eine Regel, die mit wenigen Ausnahmen übrigens auch in Ländern mit hohem Hygienestandard gilt.
    • Flüchtig erhitztes Fleisch und insbesondere Geflügelfleisch und -leber vermeiden.
    • Gekochte und heiss servierte Speisen sind in hohem Masse sicher.
    • Früchte, die sich schälen lassen und frischgepresste saure Fruchtsäfte können ohne weiteres genossen werden.
    • Auf leicht verderbliche Zubereitungen (Mayonnaise, kalte Saucen, Speiseeis, Schlagrahm, Cremen, Patisserie Waren mit cremehaltigen Füllungen) soll verzichtet werden.
    • Auf Eis in Getränken ist konsequent zu verzichten. Bedenkenlos getrunken werden können Markengetränke, Mineralwasser in Originalflaschen und alle heiss angerichteten Getränke wie Tee und Kaffee. Leitungswasser oder Wasser aus Flüssen oder Seen (Reisen in unerschlossenen Gebiete) ist abzukochen. Falls keine Kochgelegenheit besteht, ist eine chemische Entkeimung vorzunehmen oder ein geprüftes Filtrationsgerät einzusetzen.
    • Auf Frisch- und Weichkäse sowie kalte Fleischwaren verzichten.
    • Falls eine Speise vom Geruch her oder geschmacklich einen zweifelhaften Eindruck macht, so ist sie grundsätzlich nicht zu verzehren.
    • Prophylaktisch kann auch mit Probiotika behandelt werden: 5 Tage vor Reisebeginn und während des gesamten Aufenthalts Bierhefe (Saccharomyces boulardii), z.B. als Perenterol 250®, 1 Kapsel morgens und eine abends, täglich eingenommen werden.
      Auch Enterococcus faecium (Bioflorin®) oder Lactobacillus (LGG als Aktifit® oder Lact.casei) sind präventiv wirksam.
    • Bismuthsubsalicylat (PeptoBismol™, in England bestellen lassen), Antibiotika nur für wichtige Missionen (z.B. Bundesrätin für Vertragsabschluss in Ägypten), dann Antibiotikum Rifaximin (Xifaxan®) und nicht mehr Fluoroquinolone.

    Therapie

    Diät

    Jede 5 bis 10 Minuten 5 bis 10 ml Apfelsaft (oder Colagetränk -nicht light!) – halb mit Wasser verdünnt und mit Salzstangen – 2 bis 4 Liter täglich. Bei Kindern ist dies (Apfelsaft, halb mit Wasser verdünnt) besser wirksam als die teuren Elektrolytlösungen (Freedman SB, et al. JAMA. 2016;315:1966-74)!
    oder Saft einer Orange in 1 Liter Wasser mit halbem Teelöffel Salz und 8-10 Teelöffel Zucker (ev. + halber TL Backpulver)
    oder 1 Beutel Elotrans® in 2 dl abgekochtes Wasser (Mineralwasser) und davon bis 4 Liter pro Tag (wirkt aber in grossen Studien schlechter als verdünnter Apfelsaft!).

    Nach 12 Std. dazu noch Reisschleim und durch Mixer und Tuch passierte Rüebli-Suppe. Salzen und Würzen nach Belieben. Wenn der Durchfall während 12 Std. aufgehört hat, Reis durch Hafer ersetzen (Reis bremst, Hafer zieht).

    Behandlungsalgorithmus des Reisedurchfalls (Antibiotikum? )

    Falls

    • OHNE FIEBER
    • OHNE BLUT
    • OHNE BAUCHWEH

    muss man in ERSTEN DREI TAGEN kein Antibiotikum nehmen.
    Eventuell Bismuth (Bismuthsubsalicylat (PeptoBismol™, in England)  oder Loperamid (Imodium) nach jedem dünnen Stuhl, aber nie länger als zwei Tage lang.

    LÄNGERDAUERND ALS DREI TAGE + WÄSSRIG:
    Antibiotikum ohne Stuhluntersuch!
    Rifaximin (Xifaxan®), ein Derivat des in der Schweiz nicht erhältlichen Rifamycins (beide wirken intestinal und sind nicht wesentlich absorbierbar), bei invasiven Infekten deshalb Azithromycin.

    Dies auch, falls Fieber dazukommt  und der Stuhl stark stinkt und ev. auch noch blutig ist – und kein Arzt erreichbar ist: das jeweilige Antibiotikum.

    Dies nicht bei Kindern, da hier Fieber und Durchfall auch eine Malaria mit Durchfall sein kann!

    7-10 TAGE LANG IMMER NOCH (3 – 5 x täglich) DURCHFALL:
    Jetzt zum Arzt zur genauen Stuhl- und Blutuntersuchung!

    Dies immer auch bei Durchfall und Fieber, blutige Durchfälle und Durchfall mit Bauchweh!

    Nachher

    Nach einer Darmentzündung mit Durchfall sollte auf jeden Fall mindestens eine Woche lang auf lactosehaltige Nahrungsmittel (v.a. Milch) verzichtet werden. Die Schädigung der Dünndarmzotten durch die Infektion verhindert die Aufnahme der Lactose, die dann in den Dickdarm gelangen würde und dort wiederum zu weiterem Durchfall und Blähungen führt!

    pfffffffff

    Update 2021 durch Medicalforum
    Quelle: Gastroenterology and Heptatology, volume 14, issue 12, Suppl. 8.

    Veröffentlicht am 17. Juni 2017 von Dr. med. Thomas Walser
    Letzte Aktualisierung:
    30. Dezember 2024

  • Erkältung / Grippe

    Erkältung / Grippe

    Vorbeugung/Prophylaxe

    • Die beste Vorbeugung einer Erkältung oder der Grippe ist neben der Impfung frei sein von Nikotininhalationen und das Meiden von hustenden Menschenansammlungen. Nach dieser Covid-Pandemie  sollte es auch bei uns, neben vielem Händewaschen, zur Gewohnheit werden, dass man/frau in der ÖV und in den Einkaufsläden in den kalten Jahreszeiten eine Maske trägt – am besten dann gleich eine hochwirksame FFP-2! Und dies vor allem, falls man selbst Erkältungssymptome aufweist! Auch Husten und Niesen in den Ellbogen (nicht in die Hand!)…
      und überhaupt der liebevolle, genüssliche Rückzug in die Wintersaison. Wenn wir schon auf den Winterschlaf verzichten müssen, heisst das nicht, dass wir gerade in dieser Zeit nicht etwas zurücklehnen können. Würden wir uns dies als ganze Gesellschaft etwas mehr gestatten, wären vielleicht Winterdepressionen, die lange sich hinziehenden Müdigkeitsphasen, Erschöpfungszustände, das übertriebene ultimative Ferienbedürfnis seltener.
      Ein Schlafmangel erhöht das Erkältungsrisiko: Weniger als 7 Stunden Schlaf pro Nacht erhöht gemäss Studien das Risiko auf das Dreifache verglichen mit 8 Stunden oder mehr Schlaf (Archives of Internal Medecine, Carnegie Mellon University Pittsburg.2008).

    >>> Anregungen im Blog und in „Entspannung“ >>>

    • Eine wirksame Vorbeugung gegen häufige Erkältungen ist auch ein Reinigen der Zunge bis weit nach hinten in den Rachen jeweils mit dem Zähneputzen (der gute Mundgeruch ist auch gleich garantiert!). Dort sitzt ein grosses Erreger-Reservoir, aus dem jeweils auch wieder Infektionen entstehen.

    Bei akuter Entzündung der oberen Luftwege und Nasennebenhöhlen kann man/frau auf Antibiotika oft, auf Röntgen oder CT meist verzichten! (siehe auch „Choosing wisely“)

    Allgemeines zur Behandlung

    • Durch Zink 12.5 bis 15 mg alle 2 bis 3 Stunden (Beginn innert 24 Std.! während der ganzen Zeit mit Symptomen – nicht länger als 7 Tage!) kann, falls frühzeitig eingesetzt, die Viruserkrankung etwa um 3 1/2 Tage abkürzen (von 8 auf 4.5 Tage, den Husten von 6 auf 3 Tage und die Schnupfensymptome von 6 auf 4 Tage!).
      Studien dazu >>>
    • Echinacea-Tropfen in den ersten vier Tagen der Erkältung alle 2 Stunden 10 (Kinder 5) Tr. pro Tag. Zur Vorbeugung jeweils in den den Monaten mit R (September bis April): intervallmässig vier Tage je einmal 20 Tropfen, dann drei Tage Pause (z.B. Freitag bis Sonntag) einnehmen.
    • Vitamin C (Prophylaxe wohl ein Mythos! Aber wenn bereits erkältet: 500 bis 1000 Milligramm täglich.)
    • Geben Sie Kindern unter 4 Jahren nie „Mittel gegen Erkältung“, d.h. Medikamente! Sondern Folgendes: (siehe auch „Choosing wisely“)
    • Trinken Sie soviel wie möglich. Hagebutten- und Lindenblütentee, Fruchtsäfte, Sanddorn, vier Gläser Holundersaft täglich.
      Heisse Suppen sind grundsätzlich gut bei Erkältungen. Sie sind leicht und belasten den Körper nicht. Der Dampf befeuchtet die Schleimhäute und bringt eine verstopfte Nase zum Laufen. Gibt man Chili dazu, wird dieser Effekt noch verstärkt.
      Alt bewährt ist die Hühnersuppe:
      1 Poulet oder Suppenhuhn
      200 g Knollensellerie
      3 Rüebli, ev. auch noch Lauch
      3 Knoblauchzehen
      1 ½ Zwiebeln
      1 Bund Peterli
      5 Nägeli
      Pfeffer, frisch gemahlen: 1 gehäufter Teelöffel
      2 Lorbeerblätter
      Kümmel, 1 gestrichener Teelöffel
      Chili und Salz, Bouillon nach Belieben
      Zusätzlich eventuell ein wenig Weisswein, eine ½ Zitrone oder ein bisschen Ingwer.
      Waschen Sie das Poulet kalt ab und legen es in eine grosse Pfanne. Schneiden Sie den Knollensellerie und die Rüebli in Stücke. Stecken Sie in die halbe Zwiebel 5 Nägeli. Geben Sie dies und die übrigen Zutaten in eine grosse Pfanne. Bedecken Sie das Ganze mit Wasser. Aufkochen und eine Minute sprudelnd kochen lassen. Danach die Suppe 2 ½ bis 4 Stunden leicht köcheln lassen. Am Ende die Pouletknochen und Fettaugen abschöpfen – diese Menge reicht für 3 bis 4 Tage (Kann als Fond für andere Suppen bis 10 Tage im Kühlschrank aufbewahrt werden.).
    • Was essen?
      Bei jedem Krankheitszustand empfehlen sich leichte, fettarme Speisen. Neben heissen Suppen (siehe oben) und falls der Geschmack nicht aneckt, sind Salate mit Zwiebel, Knoblauch, Essig, und Olivenöl abwehrsteigernd. Auch Milchreis mit viel Zimt lässt an gute alte Kinderzeiten zurückdenken, Zimt hat eine wunderbare desinfizierende Wirkung. Curry-Liebhaber liegen auch damit richtig.
    • Dampfinhalationen
    • Regelmässige Nasenspülungen mit physiologischer Kochsalzlösung reinigen die Nase und die Nasennebenhöhlen vom Schleim und verhindern Komplikationen: genaue Anwendungserläuterungen hier: www.dr-walser.ch/schnupfen/
    • Ein bis zwei Tage Bettruhe und gleichmässige Wärme wirken Wunder, der Körper kann so leichter selbst mit der Erkältung fertig werden.
    • Bei kreislaufstabilen Menschen, die kein Fieber haben: Eine abendliche Schwitzkur: trinken Sie eins bis zwei Liter schweisstreibenden Tee, zum Beispiel aus Holunder- oder Lindenblüten. oder heissen verdünnten Holundersaft. Ein anschliessendes heisses Bad kann die Wirkung noch unterstützen. Dann geht’s dick eingepackt ins Bett! nach etwa zwei Stunden Wäsche und, falls nötig, Bettzeug wechseln, den Körper mit einem Frottiertuch trockenreiben. Trinken Sie noch etwas und legen Sie sich dann sofort wieder ins Bett.
    • Kontaktlinsenträger sollten vorsorglich auf die Brille zurückgreifen. Denn mit der Infektion verändert sich häufig auch die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit. Der Tränenfilm wird dünner und die Augen somit trockener. Die zusätzliche Belastung durch Kontaktlinsen reizt dann die Bindehaut, die Augen werden rot und der Fremdkörper im Auge juckt und kratzt. Zudem verlieren vor allem weiche Kontaktlinsen Flüssigkeit und rehydrieren nicht mehr schnell genug. Die trockene Luft in beheizten Räumen in der kalten Jahreszeit verschärft das Problem noch weiter.

    Bäder

    • Fichtennadel- oder Heublumenbad
    • Aufsteigendes Bad: Das Bad dauert ungefähr 1 Std. Sie beginnen mit einer Anfangswärme in Fieberhöhe (oder 37,6 Grad, falls kein Fieber), dann steigern Sie innerhalb der ersten Viertelstunde auf 38,5, anschliessend langsam auf 39 Grad. Ohne Abtrocknen ins Bett, 1 Std. nachschwitzen; nachher mit lauwarmem Wasser oder Essigwasser abwaschen und abtrocknen.

    Achtung: Bei Kreislaufschwierigkeiten, z.B. Neigung zu Blutdruckabfall, soll jemand in der Nähe sein, oder Sie machen nur ein aufsteigendes Fussbad.

    Halsentzündung

    • Seidenschal
    • Gurgeln: Salbeitee mit 2 Tr. Glycerin oder Calendula-Tinktur: 1 Tr. auf ein halbes Glas Wasser oder Zitronenwasser 1:3
    • Wickel: Heisser Kartoffelwickel
      Zwiebelpäckchen um den Hals legen, mit Schal befestigen; Heilerde mit Olivenöl 8 Std. über Nacht aufgelegt lassen;
      Quark (falls kühl lindert)
    • Für Erwachsene: «Grappa latte con miele»: Milch (2/3) erhitzen, mit Grappa (1/3) aufwerten, versüssen mit möglichst viel Honig, nachher mit entspannender Lektüre ins Bett.
    • Kauen von Ingwer-Scheibchen oder Raspeln mit den Zähnen an einer Ingwerwurzel
    • Grossmutters Apfelessig -Trick: 1 Teil Apfel- oder Balsamico-Essig, 2 Teelöffel Honig, 4-5 Teile warmes Wasser, dann gut umrühren. Anfänglich stündlich Gurgeln und Wasser ausspucken. Bei der letzten Gurgelportion jedoch 2 Schlücke des verdünnten süssen Essigs trinken . Nur so können die unteren Teile der Speiseröhre erreicht werden.
    • Von Lutschtabletten, Salbeipastillen ausgenommen, rate ich vollständig ab. Sie zerstören mehr, als sie nützen.

    Angina (Tonsillen- oder Mandelentzündungen)

    • Therapien wie oben unter Halsentzündung.
    • Die Mandeln täglich mit dem Zeigefinger leicht massieren. Anfangs löst dies schnell Brechreiz aus. Dann kurz aufhören und danach weiter massieren. Mit der Zeit gibt es keinen Brechreiz mehr. Bei immer wiederkehrenden Anginen am besten Mandeln jeden Tag für einige Sekunden weitermassieren.
    • Bei Fieber, fehlendem Husten, vordere geschwollenen Halslymphknoten und sichtbare Beläge auf den Mandeln muss man eine Bakterieninfektionen annehmen und unbedingt einen Abstrich vom Hausarzt machen lassen (Penicillintherapie bei Streptokokken Gruppe A).

    Husten

    • «Husten Sie zärtlich»: Wenn man einfach drauflos hustet, prallen die Wände der Bronchien aufeinander. Das führt zu kleinsten Verletzungen und damit zu neuem Husten. Ich empfehle, mit aufgeblasenen Backen in die Faust zu husten. Das schafft Luftpolster in den Atemwegen und verhindert so Verletzungen.
    • Atemübungen
    • Inhalieren mit Zusatz von Thymian mit Lavendel und/oder Salbei. (Wegen Verbrennungsgefahr Kinder beaufsichtigen!)
      Alternative: Thymianessenzen in Heissluftverdampfer
    • Massage: Die obere Rückenpartie beklopfen (besonders zwischen den Schulterblättern)
    • Tee:
      Thymiantee, Schlüsselblumentee, Holunderblütentee;
      Teemischung aus Salbeiblättern, Huflattichblüten und Spitzwegerichblättern, zu gleichen Teilen, aufgiessen und so heiss wie möglich trinken (evt. mit Zitrone und Honig)
    • Holundersaft
    • Heisse Honigmilch
    • Wickel:
      Meerrettich oder Priessnitzwickel
      Für kleine Kinder: Auflage mit roher Schafwolle
      Bienenwachs-, Leinsamen- oder Kartoffelwickel

    Zäher Schleim
    Haferstrohtee, isländisch Moos (Pastillen oder Tabletten), Honig

    Hatten die Grossmütter recht?

    In Vorbereitung auf die kältere Jahreszeit findet eine Metaanalyse/systematische Review, dass Honig sowohl die Hustendauer als auch die Hustenintensität bei oberen Atemwegsinfekten reduziert.
    14 kontrollierte, randomisierte Studien konnten ausgewertet werden, 9 davon bei Kindern. Die verwendeten Honigmittel (reiner Honig, dominante pflanzliche Herkunft des Honigs, Honig enthaltende Präparate) waren heterogen [1].
    Angesichts der seltenen Nebenwirkungen sei methodisch nicht zu streng geurteilt. Zu hoffen, dass eine gut propagierte Honigverschreibung durch die Ärztinnen und Ärzte die Angehörigen/Patient(inn)en überzeugt, dass kein – bei dieser Krankheit sowieso fast nie indiziertes – Antibiotikum verschrieben werden muss. Eine Analyse der Cochrane-Datenbasis ist zu vergleichbaren Schlussfolgerungen gekommen [2].
    1 BMI Evid Based Med. 2020, dx.doi.org/10.1136/bmjebm-2020-111336.
    2 Cochrane Database Syst Rev. 2014, doi.org/10.1002/14651858.CD007094.pub4.

    Fieber

    Allgemeines
    Fieber ist eine Abwehrmassnahme des eigenen Körpers und soll nicht unterdrückt werden.
    Bettruhe!
    Achten Sie auf ausreichendes Trinken (Bouillon wegen Salzverlust bei Schwitzen) sowie auf guten Stuhlgang (ev. Einlauf).
    Lindenblüten- oder Holunderblütentee wirken schweisstreibend und damit fiebersenkend.

    Essigwickel
    Nur anlegen, wenn Füsse und Beine warm sind.
    Auf 1 l kaltes Wasser ca. 3 Essl. Speiseessig geben, 2 Tücher darin nässen, um Füsse und Waden legen, Socken darüberziehen; wechseln, wenn die Tücher warm sind oder spätestens nach zehn Minuten. Legen Sie nach 3-4 Anwendungen eine Pause ein und wiederholen Sie nur, wenn das Fieber wieder steigt.

    Priessnitzwickel
    Absteigendes Bad
    Erst wenn das Fieber in den letzten 3 Std. konstant hoch war und obige Massnahmen ungenügend linderten:
    Die Badewassertemperatur soll ein Grad unter der gemessenen Darmtemperatur liegen. Dann lassen Sie während 10 Min. langsam kaltes Wasser zulaufen bis zu einer Temperatur von 32 Grad; Gesamtbadezeit 25 Min. Bei Unbehagen oder bei Gänsehaut mit dem Bad aufhören!

    Absteigendes Fussbad
    Zur Fiebersenkung bei Kleinkindern können Sie ein Fuss- oder Wadenbad im Lavabo mit abfallenden Temperaturen anwenden. Massieren Sie während der Badedauer Füsschen und Beinchen leicht.

    Bei drohenden Fieberkrämpfen:
    Mit Fingernagel Punkt zwischen Nase und Oberlippe drücken (im Übergang vom oberen zum mittleren Drittel zwischen Nase und Lippe).
    Bitte nehmen Sie sofort mit Ihrer medizinischen Vertrauensperson Kontakt auf!

    Ohrenschmerzen

    • Zwiebelwickel (warm oder kalt) oder kalter Quarkwickel hinter und unter das Ohr auflegen.
    • 1 Tr. Zitronensaft (zimmerwarm) ins Ohr tropfen. Dies jedoch bitte nur, wenn Sie sicher sind, dass das Trommelfell heil ist!
    • Bei Ohrenweh sollte man nicht auf Federkissen schlafen. Liegt man mit dem kranken Ohr darauf, kann es stark erwärmen und sich noch mehr entzünden. Besser ist ein Kissen mit Füllung aus Wolle, Hirse oder Synthetik.

    Schnupfen

    Fliessen lassen, nicht mit abschwellenden Tropfen unterdrücken.

    • Zwiebelringe in Kopfnähe legen oder aufhängen
    • Regelmässige Nasenspülungen mit physiologischer Kochsalzlösung reinigen nicht nur die Nase und die Nasennebenhöhlen vom Schleim, sondern verhindern auch Komplikationen: genaue Anwendungserläuterungen hier: www.dr-walser.ch/schnupfen/
    • Inhalation: mit Thymian
    • Wenn es wirklich nötig ist, können Sie bei trockenen Nasenschleimhäuten Mandelöl oder Vaseline mit einem Wattestäbchen auftragen.

    Stirn- und Kieferhöhlenentzündung

    Behandlung wie bei Schnupfen. Nach der Nasenspülung inhalieren Sie mit Salbei und/oder Thymian

    Ebenfalls schmerzlindernd und zur Akuttherapie geeignet ist 10%iges Pfefferminzöl, auf Stirn und Schläfen.

    Wickel

    • Leinsamenwickel: warme Päckchen auf Stirn, Nasenwurzel und Wangen auflegen
    • Quarkwickel: wenn Kälte bessert

    Links zur Grippe:

    Wo wütet die Krankheit?
    Welche Länder sollten Sie besser meiden, weil dort die Grippe besonders stark wütet? Ein Blick auf FluNet, eine Homepage der Weltgesundheitsorganisation, hilft Ihnen weiter. Sie können sich die Grippeaktivität in verschiedenen Gebieten und über unterschiedliche Zeiträume anzeigen lassen. Über die aktuelle Situation in der Schweiz informieren Sie sich über Sentinella, das Schweizer Grippeüberwachungssystem.
    Was ist eine Grippe?
    Eine Grippe ist eine akut auftretende, fieberhafte, durch Viren hervorgerufene schwere Infektionskrankheit. Auf dem unabhängigen Medizinportal Onmeda ist die Krankheit nicht nur definiert: In einer für Laien verständlichen Form werden Infektionsweg, Symptome, Diagnose, aber auch die Wirkungsweise von Medikamenten erklärt.

    Studien zur Zinktherapie:
    Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 2, Art.N. CD001364 (2011) – Hulisz D., Efficacy of zinc against common cold viruses: an overview, J Am Pharm Assoc, 2004 Sep-Oct;44(5):594-603) (Prasad AS, Fitzgerald JT, Bao B, Beck FW, Chandrasekar PH, Duration of symptoms and plasma cytokine levels in patients with the common cold treated with zinc acetate. A randomized, double-blind, placebo-controlled trial, Ann Intern Med 2000 Aug 15;133(4):245-52)
    Systematisches Review und Metaanalyse von Doppelblindstudien (2012)

    Weiterlesen:
    Long Covid
    Long Colds


    Schönes Buch über Hausmitteli:
    Karin Berndl und Nici Hofer: „Zwiebelwickel, Essigsocken & Co.“, Eden Books

    Veröffentlicht am 17. Juni 2017 von Dr. med. Thomas Walser
    Letzte Aktualisierung:
    05. Januar 2025

  • Diätlos glücklich

    Diätlos glücklich

    „Mir gefallen Körper, die nicht von Zwängen, sondern von Leidenschaften geformt sind!“ Theresa Lachner

    Wie man geniesst und diätlos glücklich wird

    Das Gute steckt im Müesli, das Schlechte im Schwein.
    Oder: Was dick macht, ist des Teufels Werk. So predigen es Heerscharen von Ernährungsexperten. Doch ein Spezialist widerspricht ihnen allen. Er will beweisen, dass Diäten nichts nützen und Abnehmen sogar die Lebenserwartung verkürzen kann.

    Dr. Nicolai Worin greift in seinem Buch Diätlos glücklich so viele Ernährungsthesen an, dass einem beim Lesen der Appetit kommt.
    Der Autor fährt schweres Geschütz auf, etwa wenn er die japanischen Sumo-Ringer ins Feld führt. Die sind wahrlich dick. Um ihre Kolossfigur zu erreichen und zu halten, müssen sie täglich mindestens 7000 Kilokalorien verdrücken. Ihr Geheimnis? Sie trainieren stundenlang, sie bewegen sich unaufhörlich.

    „Fett macht fett. “ Diese Botschaft, schreibt Worin, dringe täglich in unser Bewusstsein, infiltriert vom bösen Zeitgeist. Fett sei Sünde. Wer ein fettes Hängebauchschwein verspeist und sich selbst einen Hängebauch zulegt, schade nicht nur sich, sondern belaste auch die Gesellschaft mit vermeidbaren Kosten.

    „Karg, grün, ballaststoffreich und fettarm – das macht nicht nur schlank, sondern bringt uns auch der ewigen Gesundheit näher. Die Kost muss einen Hauch vorindustrieller Armseligkeit haben, um wirklich gesund zu sein – wie das Essen eines italienischen Bauern oder eines japanischen Fischers vor hundert Jahren! “

    Doch keine einzige, noch so seriös wirkende Studie habe je bewiesen, dass fettarme Ernährung die dicken Probleme löst. Besorgniserregend sei, dass diese Falschbotschaft „mit kommerziellem Schwung und grossem Erfolg in die Ernährungsgemeinden getragen“ werde.

    Mit einleuchtenden Beispielen zeigt der Kollegen-Kritiker Worin, dass der Fettanteil in Speisen völlig egal ist: „Zunehmen kann man nur, wenn die Kalorienzufuhr den Energieverbrauch übersteigt. Alles macht auf Dauer gleich dick – egal, ob fett- oder kohlenhydratreich –, solange ein Kalorienüberschuss entsteht, also eine positive Energiebilanz. “

    Fett Fett sein lassen

    Die afrikanischen Massai, die ständig in Bewegung sind und mehr als die Hälfte ihrer Kalorien aus Fett beziehen, bleiben meist schlank. Ebenso muss ein Büroangestellter, der täglich über 3000 Kalorien zu sich nimmt, keinen Bauch fürchten – vorausgesetzt, er läuft vor oder nach der Arbeit die nötigen Kilometer.

    Der Autor lobt die Südländer, die trotz fettiger Speisen schlanker bleiben als Deutsche oder Amerikaner. Der Grund: Wasser und Brot zu den Mahlzeiten sättigen besser. Auch langsames Essen, Gespräche zwischendurch und bewusstes Geniessen helfen. Kein Italiener käme auf die Idee, Süssstoff in seinen Espresso zu rühren, kein vernünftiger Franzose würde eine kalorienreduzierte Mousse bestellen.

    Geradezu „pervers“ nennt der Autor die Dämonisierung von Fett. Seit Urzeiten essen Menschen Fett besonders gern – wegen seines Aromas, seines Geschmacks, seiner Konsistenz. Es sättigt, liefert lebenswichtige Fettsäuren. „Hätte die Natur uns so auf Fett programmiert, wenn es Gift für uns wäre? Hat die Evolution hier versagt? Ein Fehler im System? Warum reagieren wir auf andere Gefahren in der Nahrung mit Abneigung, aber nicht auf Fett? “ Lassen wir Fett also Fett sein. Doch bleiben wir beim Thema Übergewicht. Massives Übergewicht gehört in ärztliche Hände. Aber was ist „massiv“? Ein paar Kilo zu viel?

    Wer sich einer vermeintlich logischen Diät unterzieht, sollte die Ironie erkennen: „Was sind schon Gallensteine, die sich bei Reduktionsdiäten gern bilden? Wen stört die Entkalkung der Knochen, die Osteoporose und Brüche begünstigt? Wer kümmert sich um erhöhte Harnsäure, die mitten im Abnehmprozess einen Gichtanfall auslöst? “

    Es geht noch weiter: „Ein bisschen Leberprobleme, eine kleine Krise im Wasser- und Elektrolythaushalt, der Verlust von Muskelmasse – das alles ist doch zu verkraften, wenn man endlich das lästige Übergewicht loswird. “

    Nicolai Worin ist nicht der Einzige, der vor radikalem Abnehmen warnt und stattdessen Genuss empfiehlt. Auch der Arzt Hans Balzli, Autor von Büchern wie „Körperschönheit trotz Mutterschaft“ und „Nütze die Arbeitspause“, war ein Geniesser. Bereits 1931 veröffentlichte er „Gastrosophie, ein Brevier für Gaumen und Geist“. Darin schrieb er: „Ich will die Bejammernswerten nicht beeinflussen oder gar verführen, die – gefangen in Vorurteilen – verkünden, Ernährung sei etwas Niedriges, Tierisches, Materielles. Sie verschreien jede Freude am Essen als Sünde und verweigern selbst den bescheidensten Genuss. Ihnen ist nicht zu helfen. Ich will sie ihrem grässlichen Frass nicht abspenstig machen. “ Balzli schliesst mit dem Satz: „Denn böse sind nur hungrige und unbefriedigte Menschen. “ Ein Gedanke, über den man nachdenken sollte.

    Worin vergleicht Marilyn Monroe in „Some Like It Hot“ mit Kate Moss. Monroe galt einst als Traumfrau mit Traumfigur. „Heute würde sie als Model für Übergrössen gelten. “ Doch Worin sieht Hoffnung: „Schlimmer kann es nicht mehr werden. Der geordnete Rückweg ist der einzige Weg. “

    Das bedeutet: Keine Lebensmittel sind verboten. Jedes Essen soll zufrieden machen. Geniessen Sie mit gutem Gewissen – Ihr Wohlbefinden wird es Ihnen danken. Und lassen Sie sich von niemandem terrorisieren, weder von Ernährungsberatern noch von fragwürdigen Langzeitstudien.

    Klinische Studien zu Diäten

    Dazu drei Studien an fast 50’000 Frauen im Alter von 50 bis 80 Jahren, die während acht Jahren den Einfluss einer Diät mit geringem Fettgehalt (low fat diet) auf die Inzidenz von Brustkrebs (sollte das Risiko vermindern!), Kolonkarzinom (dito!) und auf das kardiovaskuläre Risiko (auch das sollte abnehmen!). Und was kam dabei heraus? Die Diät reduzierte keines der geprüften Risiken – weder das für Karzinome noch jenes für Herz-Kreislauf-Vorfälle! Ob dieses Ergebnis den Eindruck verstärkt, dass mit Diäten wenig bis nichts zu ereeichen ist, und dass man zwar mit Exzessen das Leben verkürzen, es mit Restriktionen aber kaum verlängern kann?! (Prentice RL, et al. / Beresford SA, et al. / Howard BV, et al. Low-fat dietary pattern and risk of invasive breast cancer / colorectal cancer / cardiovascular disease. The Women’s Health Initiative randomised controlled dietary modification trial. JAMA 2006;295:629-42 / 643-54 / 655-66).

    Fuck it, bitch. Stay fat!

    Dieses Buch von Samantha Irby „We never meet in real life“ war mal dringend nötig. Das Thema ist nicht neu – ein Rant gegen Diäten – aber wie sie’s aufschreibt lässt den Leser auf diese tiefe, behäbige Weise lachen, die Alltagsweisheit signalisiert. Kostprobe:
    „Do you really need another article about how important it is to eat a big breakfast full of healthy fats and whole grains to curb afternoon snacking? NO, YOU DO NOT. You need bitches to write about how comfortable maternity jeans are for women who aren’t really pregnant. And sexy ways to remove a bra that has four hooks. I’m always amused when they encourage you to eat “instead” foods, like eating an apple when you really want to rub a bacon cheese­burger all over your boobs is a fair substitute.“ 

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    Veröffentlicht am 17. Juni 2017 von Dr. med. Thomas Walser
    Letzte Aktualisierung:
    23. November 2024