Dinner Cancelling

„Am Morgen sollst du wie ein Kaiser essen, zu Mittag wie ein König, abends wie ein Bettler.“

Die Methode lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Kein Essen nach 4 Uhr nachmittags. Das ist alles. Weniger was, sondern wann und wieviel gegessen wird, ist entscheidend. Eine Lokomotive muss nicht noch mit Energie vollgestopft werden, bevor man sie ins Depot stellt.
Der tägliche Essstop ist nicht in jedem Fall 16 Uhr, sondern hängt vom Lebenswandel ab.

Mindestens 14 Stunden täglich keine feste Nahrungsaufnahme ist optimal,

und zwar in den 14 Stunden zwischen der letzten Mahlzeit am Abend und dem Frühstück am folgenden Morgen.
Dies trifft sich auch mit der sehr wichtigen Rhythmusregel des Essens:
Iss regelmässig über den Tag weg, aber nicht zu häufig (gut ist maximal dreimal). Ein regelmässiger Tagesablauf mit gut eingeplanten Esszeiten ist sehr wichtig. Licht und Nahrung sind die wichtigsten Taktgeber für den Menschen. Sie sind am besten synchron. Das heisst man nimmt nach Möglichkeit eine Hauptmahlzeit und (eins bis) zwei kleinere Mahlzeiten pro Tag zu sich – und man isst wenn möglich
nur bei Tageslicht, da mit Eintreten der Dunkelheit unser Stoffwechsel sich grundlegend umstellt
und Fett (und auch die Kohlenhydrate) viel langsamer abgebaut werden. Dies kann selbst zur Entwicklung von chronischen Erkrankungen wie Übergewicht, Diabetes oder auch Hypertonie und Blutfettanstieg führen!

Nach der täglichen Essens-Deadline darf nur noch getrunken werden, dies jedoch reichlich, um Hungergefühle zu verhindern oder abzuschwächen. Die Getränke sollten frei von Alkohol und Kalorien sein (Wasser und Kräutertees).

Zwei- bis dreimal Dinner Cancelling die Woche ist bereits beinahe perfekt – am besten die Woche durch und am Wochenende dann die familiären und anderen Festessen (damit man nicht komplett asozial wird…).

Dies wird dann auch Kurz- oder Intervallfasten genannt.

Ab und zu Hunger zu haben, kann man übrigens wieder gut lernen und entspricht eher einer Natürlichkeit, die in letzter Zeit durch unser Luxusleben in der ersten Welt verloren ging. Unser Körper wurde von der Evolution konditioniert, ab und zu Hunger zu haben. Dies erklärt, warum er gegen manche Zivilisationskrankheiten nicht gerüstet ist.

Geniessen Sie das Abendessen – dies ist definitiv nicht eine Sache der Quantität, sondern der Qualität! Der Abend ist die Zeit des Genusses, die Sinne sind am Abend besonders wach: dies haben chronobiologische Untersuchungen gezeigt. In der Dämmerung und in der Dunkelheit  hören, fühlen, schmecken und riechen wir besonders gut. Für unsere Steinzeitvorfahren war es überlebenswichtig, in der Dämmerung besonders aufmerksam zu sein. (>>> siehe Studien).

Und… niemand sollte sich zu einem Frühstück zwingen, wenn er am Morgen nichts runterbringt. In diesem Fall reicht eine Tasse Tee oder Milch völlig, wenn er das dann am Vormittag mit einigen Scheiben Vollkornbrot, Gemüse und Joghurt nachholt. Wer hingegen ausgiebig frühstückt, begnügt sich am Vormittag mit einem Apfel. Es geht um die Summe dieses ersten und zweiten Frühstücks.

Bedürfnisse bestimmen unser Leben

Was bestimmt denn, welchem Bedürfnis ich nachgebe oder widerstehe? Eine grosse Studie der University of Chicago ergab, dass verschiedene Bedürfnisse zu bestimmten Zeiten stärker oder schwächer ausgeprägt waren. Beispielsweise sehnten sich die Teilnehmer vor allem Montagmorgens nach einem Kaffee und samstagabends nach Alkohol (und der Wunsch, Geld auszugeben, war samstags am grössten). Ausserdem stellte sich heraus, dass Menschen, die vormittags einige Bedürfnisse unterdrückt hatten, infolge davon nicht mehr genug Energie aufbrachten, um im Verlauf des restlichen Tages weiteren Bedürfnissen zu widerstehen. Wer also am Nachmittag oder Abend standhaft bleiben will, sollte vormittags weniger streng mit sich sein: Also ein klares Argument für ein reichhaltiges Morgenessen! (Wilhelm Hofmann et al.: What people desire, feel conflicted about, and try to resist in everyday life. Psychological Science, 23, 6/2012, 582-588)

Abnehmen

Bin ich wirklich zu fett?! Hier schnell ausrechnen!

Warum ergibt denn Dinner Cancelling eine Gewichtsabnahme? Der Körper kann Nährstoffe in Ruhezeiten, im Normalfall in der Nacht, besonders gut nutzen, was heisst: im Gewebe als Fett speichern. Hungern am Abend lässt also direkt das Fett wegschmelzen und nicht zuerst das Wasser und die Muskulatur wie tagsüber. Dinner Cancelling lässt in den täglichen Fastenpausen das Insulin-Hormon sinken, welches die Fettoxydation (und damit den Fettabbau) hemmt.

Kurz gesagt nimmt man auch ab, wenn generell eine niedrige glykämische Last vorhanden ist, nüchtern trainiert wird und nur Wasser während des Trainings getrunken wird.

Besser Schlafen

Eine angenehme Nebenwirkung: Nach Mitternacht bekommen wir so eine Unterzuckerung, die wir untertags gar nicht aushalten würden. Der Schlaf wird tief wie ein Mini-Winterschlaf.

Regeneration nach körperlicher Anstrengung

Sport und starke körperliche Leistungen resultieren immer auch in mehr oder weniger grossen (Mikro-) Schäden (Muskelfaserrisse). Für die Regeneration dieser Schäden wird  das Wachstumshormon HGH benötigt, welches v.a. zwischen 23 und 3 Uhr in der Nacht im Schlaf ausgeschüttet wird. Nun wird dieses Hormon durch Kohlenhydrat-Konsum am Abend gehemmt. Ein Dinner Cancelling steigert also auch die Regeneration nach sportlichen Leistungen. Man soll einfach noch vor 23 Uhr ins Bett.

Reflux bekämpfen

Und noch eine weitere Nebenwirkung: Die immer häufigere Reflux-Ösophagitis oder Reflux-Krankheit (Sodbrennen, Rückfluss von Magensaft in die untere Speiseröhre) wird durch diese Lifestyleänderung gleich auch noch ohne Medikamente geheilt (daneben hilft hier auch Schlafen mit erhöhtem Oberkörper und auf der linken Seite, Gewichtsabnahme, Reduktion von Alkohol und Nikotin (eine Zigarette „lähmt“ den unteren Speiseröhrendrittel für drei Stunden!), weniger Kaffee und weniger Pfefferminztee, weniger fettreiche Speisen, kohlesäurehaltigen Getränke, säurehaltige Fruchtsäfte und überhaupt weniger voluminöse Mahlzeiten.  Und: morgens gleich nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen je 100ml frisch gepressten Kartoffelsaft trinken (bei Anhalten der Beschwerden auch mehr).) – oder auch sehr wirksam morgens und abends 1 ausgepresste Zitrone nüchtern vor dem Essen trinken!
Und noch eine originelle Selbsttherapie mit Natriumbikarbonat:
Natriumbikarbonat neutralisiert Salzsäure unter Bildung von Kochsalz, Wasser und Kohlensäure. Gesundes Ösophagusepithel produziert zu seinem Schutz selber Natriumbikarbonat gegen allfällige, aus dem Magen rückfliessende Salzsäure. Bewährt hat sich beim Reflux das „Schwarzbrot-Sandwich“ mit zwei Scheibchen Schwarzbrot von ca. 3 cm x 2 cm x 0,5 cm als Träger von einer Messerspitze des Natriumkarbonatspulver. Das Sandwich vor dem Zu-Bett-Gehen in die rechte Backentasche legen. Im Verlauf von etwa vier Stunden zerfällt das Brot und gibt kontinuierlich kleine Dosen Nabik frei, das mit dem Speichel zum Mageneingang wandert. Erwacht man nach dem Verbrauch des Nabiks wegen neuem Magenbrennen, hilft sofort ein vorsorglich bereitgelegtes zweites Sandwich für die zweite Hälfte der Nacht.

Unsere natürlichen Rhythmen einhalten

Ein regelmässiger Tagesablauf mit gut eingeplanten Esszeiten ist sehr wichtig. Licht und Nahrung sind die wichtigsten Zeitgeber für den Menschen. Sie sollten synchron sein. Das heisst man sollte 1 Hauptmahlzeit und (eins bis) zwei kleinere Mahlzeiten genau und immer regelmässig planen – und man sollte nur bei Tageslicht essen, da mit Eintreten der Dunkelheit unser Stoffwechsel sich grundlegend umstellt und Fett (und auch die Kohlenhydrate) viel langsamer abgebaut werden. Dies führt zur Entwicklung von chronischen Erkrankungen wie Übergewicht/Adipositas, Diabetes oder auch Hypertonie und Blutfettanstieg!

Studien zum Nacht-Essen

Nächtliche Überfälle auf den Kühlschrank tragen stärker zu Übergewicht bei, wie eine Studie in Obesity 2009 zeigte. Man nimmt dabei mehr als doppelt so stark zu, als wenn sie Ihre Nahrung zu Tageszeiten verzehren, an denen Sie normalerweise nicht schlafen, also tagsüber. Wie oder warum ein Mensch an Gewicht zunimmt, ist dabei sehr kompliziert, aber hängt eindeutig nicht nur von der Kalorienaufnahme und Verbrauch ab. (Circadian Timing of Food Intake Contributes to Weight Gain; Arble DM, Bass J, Laposky AD, Vitaterna MH, Turek FW. Obesity (Silver Spring). 2009 Sep 3. www.nature.com/oby/journal/vaop/ncurrent/abs/oby2009264a.html)