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bin ich überhaupt zu fett?!
Gesundheitlich wichtig ist die
sog. Waist-Hip-Ratio !
kurz und bündig:
Unstrittig in der Praxis ist nur, dass ein BMI zwischen 22 und 25 erfreulich ist und dass bei 40 die Alarmstufe Rot beginnt. Dazwischen
herrscht Verwirrung.
die gewaltige Macht des grossen Diätmarkt
Wenn mit Diätartikeln ein ähnlicher Umsatz wie mit Rüstungsgütern erzielt
wird, setzt das Kräfte frei, über deren Ergebnis man in Form von angeblichen
Übergewichtskatastrophen jeden Tag in der Presse lesen kann. Deshalb finanziert
auch die Firma Knoll als Reductil®-Hersteller die deutschen
Adipositasrichtlinien - um nur ein Beispiel zu nennen. Dieser täglichen
Propaganda sind wir alle unterworfen und dem müssen wir gewahr sein. Ich habe
auf meiner Seite bmi.htm einige Studien aufgeführt, die
zeigen, dass es sehr unklar ist, ob Abnehmen gesundheitlich überhaupt etwas
bessert.
was den tun?!
In meiner Praxis beginne ich mit einer genauen Anamnese (vor allem auch der
Risikofaktoren und Familiengeschichte) und einer Ausschlussdiagnostik. Danach
sehe ich meine Aufgabe inzwischen vor allem darin, Mollige psychisch zu
stärken. Dazu gehört vor allem die Erklärung, dass sie an ihrem Gewicht keine
Schuld tragen. Über die Schuldgefühle in der modernen Medizin habe ich mich
hier eingehend aus- und eingelassen: genuss.htm!
wirklich abzunehmen!
James O.Hill von der Uni in Colorado richtete 1993 eine Internet-Datenbank ein
(www.uchsc.edu/nutrition/).
Eintragen konnte sich jeder, der mindestens 15 Kilo verloren und das neue
Gewicht mindestens ein Jahr lang gehalten hatte. Inzwischen sind das mehrere
Tausend Menschen in den ganzen USA. Bei ihnen entdeckten die Forscher verblüffende
Gemeinsamkeiten:
- Sie treiben jeden Tag mindestens eine Stunde Sport (und verbrauchen dabei
nur 400 Kilokalorien - bauen aber Muskeln auf!)
- Sie essen pro Tag nur etwa 1400 Kilokalorien.
- Sie frühstücken jeden Tag (ausgiebig) - siehe
auch "Dinner cancelling"!
Ergänzt durch neuere Erkenntnisse ergibt das
6 Punkte, die zum Erfolg
führen:
-
Bewegung (nicht zum Kalorienverbrennen
allein!):
- Kopplung Bewegung, Hirn und Nahrungszufuhr!
- vor allem zum Muskelaufbau
-
kortikal Essen (gezügeltes Essen -
Frontalhirn aktiv: wird auch durch Bewegung gebessert!)
-
genügend Schlaf (>7-8 Stunden!)
synchron mit
-
regelmässiger Essen
(inklusive Frühstück) und nicht zu häufig
(max. 3x pro Tag)!
-
eiweissreicher
Essen (sättigt gut - baut Muskeln auf...)
-
Muskel aufbauen statt Fett weghungern!
weniger essen oder mehr bewegen?!
Vorausgeschickt folgender Gedanken zur Anregung, den Sie klar bedenken
sollten:
WENIGER essen kann auf Ihre Psyche schlagen... aber
MEHR bewegen verbessert Ihren psychischen Zustand eindeutig!
Aber Bewegung fördert noch mehr:
- Es steigert die Hirnaktivität vor allem im Frontalhirn, was die
richtige Nahrungsauswahl erst möglich macht. Dazu ist das Stirnhirn
nämlich da: Der präfontale Cortex reguliert die kognitiven Prozesse so
dass situationsgerechte Handlungen erst ausgeführt werden können, hier
also angepasstes Essverhalten!
- Und zudem fördert Bewegung den Muskelwachstum,
was einen grösseren Grundumsatz an Energie nach sich zieht, also schon in
Ruhe mehr Energieverbrauch!
Abnehmen beginnt im Kopf und in der Seele
Jeder weiss aus eigener Erfahrung, wie hochemotional das Essen besetzt ist.
Gefühle wie Angst, Frustration, Stress oder Trauer "frisst" man
buchstäblich "in sich hinein", der Schokoriegel spendet Trost, vor
dem übervollen Kühlschrank wird die innere Leere "gestopft". Jede
zweite übergewichtige Person hat auch schwerwiegende psychische Beschwerden. Am
häufigsten sind Depressionen, Angststörungen oder zwanghaftes Verhalten. Was
zuerst kommt - die psychische Disposition, aufgrund deren jemand kompensatorisch
zu essen beginnt. oder die Esssucht, die psychologische Folgen hat -, das ist im
Teufelskreislauf des Übergewichts nicht immer auszumachen. Wenn eine Betroffene
die Ganzkörperspiegel im Bad entfernt, weil "es mir schlecht wird, wenn
ich mich sehe"; wenn eine andere seit Jahren nicht mehr im Schwimmbad war
und den Kontakt mit jedem männlichen Wesen panisch meidet - dann geht es
therapeutisch nicht in erster Linie darum, Kindheitstraumata aufzuarbeiten. Mit
dem Hausarzt oder der Psychologin muss vielmehr der Ist-Zustand befragt werden,
muss festgehalten werden, wo unauflösbare Widersprüche bestehen: Warum gibt es
diese Kluft zwischen Wille und Verhalten, was widersetzt sich einer
Veränderung? Das Ziel ist, die Spaltung zwischen "ich will" und
"ich kann nicht" aufzuheben. Der Betroffenen soll bewusst
registrieren, wann er jeweils viel isst. Nach einer Kränkung? Aus Langeweile
vor dem Fernseher? Er soll Verantwortung dafür übernehmen. Nicht
"es" macht, dass ich schlinge, sondern "ich".
sich abgrenzen lernen!
Ein zentrales Thema sind Grenzen. Übergewichtige, die im Körperlichen
Grenzen sprengen, an deren dickem Panzer scheinbar alles abprallt, haben oft
Mühe, sich von der Umwelt abzugrenzen. Sie können sich weniger gut
durchsetzen, getrauen sich nicht, ihre Bedürfnisse zu kommunizieren,
nehmen sie schon gar nicht wahr. Sie werden leichter ausgenutzt. Die täglichen
Demütigungen hinterlassen wiederum Spuren. Übergewichtige werden gerne für
Funktionen missbraucht, für die sie überqualifiziert sind. Sie sind etwa
Mädchen für alles im Grossraumbüro. Gemütlich und mütterlich. Sie werden
über die emotionale Seite und nicht über die Leistung definiert. Therapeutisch
muss also geübt werden, sich zu wehren, Selbstachtung und Selbstwert zu
stärken, Grenzen zu setzen. Der Hunger verändert sich, wenn sich die
Sozialkompetenz verbessert. Betroffene müssen lernen, zu den negativen
Gefühlen wie Wut und Schmerz zu stehen, die buchstäblich unter viel Fett und
Kilos verborgen liegen, statt sie hinunterzuschlucken. Nur indem sie Nein sagen
lernen und "Ich", können sie aus der Opferrolle herausfinden.
und meine Fressanfälle?!
Eigentlich haben viele Menschen, die objektiv oder ihrem Empfinden nach zu
dick sind, scheinbar nur ein einziges Problem: ihr Gewicht. "Wenn ich erst
mal schlank bin", denken sie, klappt alles andere auch. Dann wird das ganze
Leben leichter, schöner, besser. Dass dies ein fataler Irrtum ist, ahnen sie
selbst. Aber die Wurzel ihrer Problem glauben sie dennoch beim Blick auf die
Waage zu erkennen - und die Lösung suchen sie weiterhin übers Abnehmen. Das
Problem ist aber meist nicht das Essen selbst oder das Fett, sondern dass wir
die Gefühle, die zum Fressanfall führen, nicht wahrnehmen wollen. Warum aber
ist es nur so schwer, Gefühle wie ohnmächtige Wut, Ängste, Langweile und so
weiter nicht mehr durch Essen zu bewältigen? Schauen wir das Beispiel von
Andersens Märchen "Des Kaisers neue Kleider" an: Niemand - ausser
schliesslich ein Kind - wagt, dem Kaiser die Wahrheit zu sagen, nämlich dass er
überhaupt keine Kleider am Leibe trägt. Übertragen auf die Menschen, die
essen, statt die Wahrheit zuzulassen und das zu spüren, was hinter dem Drang zu
essen steckt: Ihre Reaktion zeugt von der Angst, die Zugehörigkeit, das
Wohlwollen und die Anerkennung jener Menschen zu verlieren, von denen wir
innerlich anhängig sind. Und daraus entwickelt sich das zentrale Dilemma: Viele
Frauen versuchten jahrelang alles, um schlank zu werden, und hoffen insgeheim,
dies doch nie zu schaffen. Es würde nämlich ihr Leben verändern. Leichter ist
es also, schwerer zu bleiben.
Was wäre also die Lösung, die aus diesem Dilemma führt? Authentisch sein!
Gefühle wieder zulassen! Selbstverantwortung übernehmen! Also raus aus der
passiven Rolle des Opfers, hinein in die Selbstbestimmung.
(Literatur: Renate Göckel: Endlich schlank wird alles besser?, Kreuz,
Stuttgart 2008)
fettiger Junkfood macht süchtig
Wer sich mit Wurst, Pommes frites oder Kuchen voll stopft, kann genauso
abhängig werden wie ein Drogen-Junkie. Das Hirn spielt Menschen, die ihre
Finger nicht von kalorienreichen Essen lassen können, den gleichen Streich wie
Rauchern, Sex-, Heroin- und Kokainsüchtigen. Betroffen ist das Belohnungssystem
im Hirn, das ein Wohlgefühl auslöst und und vorübergehend befriedigt.
Molekulare Studien zeigten als Urheber den Rezeptor für D2 im Striatum (D2R),
an den der Botenstoff Dopamin D2 andockt. Doch, je mehr die Testpersonen
zulangen, desto mehr Nachschub verlangt das Gehirn, um das Glücksgefühl wie
beim letzten Mal zu erzeugen. Um die Flut von Dopamin besser zu verarbeiten,
schaltete D2R zurück - und benötigte dadurch immer mehr vom Schlemmergenuss
ausgelöstes Dopamin, um in Aktion zu treten und Wohlgefühl zu vermitteln.
Als den Versuchsratten in einer Studie das fette Essen gestrichen und
stattdessen Salat und Gemüse vorgesetzt wurden, verweigerten sie die Nahrung
und hungerten lieber. Das Hirn musste ständig mit Junkfood stimuliert werden,
um nicht in einen Dauerzustand negativen Befindens zu verfallen. Der gleiche
Vorgang tritt bei anderen Suchtmitteln ein.
(Nat Neurosci. 2010 Mar 28., Dopamine D2 receptors in addiction-like reward dysfunction and compulsive eating
in obese rats. Johnson PM, Kenny PJ. Laboratory of Behavioral and Molecular Neuroscience, Department of Molecular
Therapeutics, The Scripps Research Institute-Scripps Florida, Jupiter, Florida, USA.)
Man kann daraus schliessen, dass ein "Entzug" von fettigem Junkfood
ähnlich (schwierig) ablaufen kann und ähnliche therapeutische Methoden
benötigt, die man auch bei anderen Suchtmittelabhängigkeiten anwendet.
realistische Ziele
Welche Gewichtsreduktions-Ziele sind realistisch und vernünftig?!
| Dauer |
Gewicht |
Bauchumfang |
| kurzfristig |
1-2 kg / Monat |
1-2 cm / Monat |
| mittelfristig |
10% des Ausgangsgewichtes |
5% nach 6 Wochen |
| langfristig |
10% Gewicht (selten 20%) |
unter 88 cm für Frauen
unter 102 cm für Männer |
Für die Gewichtsreduktion ist es entscheidend, ein Energiedefizit zu
erreichen. Dieses sollte ca. 600 Kalorien pro Tag betragen. Man kann also
z.B. drei Esslöffel Öl weglassen oder 70 g Butter oder eine grosse Flasche
Cola. Ein Defizit von 18'000 kcal entspricht dann summiert dem Abbau von 2
Kilogramm Fettgewebe pro Monat.
Wie oder warum ein Mensch an Gewicht zunimmt, ist sehr kompliziert, aber hängt
eindeutig nicht nur von der Kalorienaufnahme und Verbrauch ab (siehe Studie!).
Fleisch oder Fett am Knochen?!In der ersten Welt gibt es zwei grosse Pandemien:
Die SARKOPENIE (=Muskelschwund) und (vielleicht als Folge davon)
die ADIPOSITAS (=Übergewicht).
Daraus folgt, dass immer (zuerst) auch beim Abnehmen diese Sarkopenie
behoben werden muss.
Mit mehr Muskeln hat man nur schon einen grösseren
Grundumsatz (Energieverbrauch in Ruhe) und erst recht beim
Sporttreiben.
Als Trick für guten Muskelaufbau muss man nicht vergessen maximal 60 Minuten nach dem Krafttraining
hochwertiges Protein zu sich nehmen. Dazu soll man nicht die teuren Proteinbüchsen
kaufen, sondern viel besser einfach ein Glas (3 dl) Milch trinken. Nicht
mehr und nicht weniger. Die
wichtigste Aminosäure für den Muskelaufbau ist Leucin und die hat's genügend
und optimal in der Milch. Wer keine Milch will, kann auch 1 Ei essen oder 50g
Fisch oder mageres Fleisch (Hochwertiges Eiweiss aus Pflanzen ist nur in
Kombinationen möglich (Hülsenfrüchte (Erbsen, Linsen, Soja-Bohnen) mit
Getreide (Weizen, Mais, Reis u. a.) oder Hülsenfrüchte mit Samen und/oder Nüssen
oder jede Kombination von pflanzlichem Eiweiss mit tierischem, wie «Brot mit
Milch» oder «Kartoffeln mit Eiern»).
Zudem muss man für ein alltägliches Krafttraining nicht in teure Fitnessstudios: Tägliches Hanteltraining
(Kurz- oder Langhanteln, aber auch das Theraband, Liegestütze, etc.) reichen. Wichtig
ist die alltägliche Regelmässigkeit und "lebenslange"
Anwendung. Man sollte spätestens mit 40 Jahren beginnen und je älter man ist
umso wichtiger wird dies.
Es
braucht dazu keine grossen Gewichte, ein leichter Widerstand reicht und
auch eine kurze Zeitdauer dieser Übungen.
Ausdauersport ist bei Sarkopenie vorerst weitaus weniger hilfreich als Krafttraining.
Gleichzeitige Ausdaueraktivität ohne ausreichend grosses Intervall
beeinträchtigt u.U. die Wirkung von Kraftsport (ideales Intervall
individuell unterschiedlich, wahrscheinlich ca. 2-3 Tage). Am besten
kombiniert man aerobe Ausdauerbewegung mit Kraftanteilen (Joggen
bergauf und bergab und nicht nur geradeaus zum Beispiel!).
Soviel zur Behebung einer Sarkopenie, was immer beim Abnehmen zuerst sein
muss. Beachten Sie also, dass ein völlig Untrainierter zuallererst auch etwas
Muskelmasse haben muss, um überhaupt im Training eine
genügende Leistung zum Fettabbau zu erreichen. Erst wenn genügend
Muskeln bestehen, sollte möglichst
lang und möglichst intensiv trainiert werden. Verschleudern Sie Energie!
Mit der Zeit sollte ein
ideales Fettabbau-Training mindestens 40 Minuten dauern - und zwar im Fettabbaubereich (Diese "Fat-Max-Zone" ist aber sehr
unterschiedlich - je nach Trainingszustand: von 40 bis 90% der maximalen
Pulsfrequenz!). Dabei die 3in3-Regel beachten (mindestens 3 Stunden
wöchentlich in mindestens 3mal).
Das Allerwichtigste ist nämlich die Energiebilanz, die negativ sein
muss: zugeführte Energie (Essen) muss kleiner sein als verbrauchte (Grundumsatz + Zusatzbewegung). Sonst läuft gar nichts!
Also auch ein "Minimaltraining" ist für den Anfang durchaus
genügend: z.B. täglich mindestens 10'000 Schritte gehen + täglich 10
Minuten schwimmen (am besten in kaltem Wasser, z.B. im Zürichsee, was
wieder eine Energieorgie ist!) + 3 mal 30 Minuten Hometrainer (erste 15
Min. locker und zweite 15 Min. hart!).
Dann sollte man noch weitere Tricks beachten, um dem Körper sein Depotfett
zu entlocken. Er betrachtet es
nämlich als kostbaren Vorrat für Notzeiten. Also verbrennt er zunächst die
Kohlehydrate aus der letzten Mahlzeit (d.h.: solange das Insulinhormon im Blut
vorhanden ist, solange gibt es keine Fettverbrennung.). Wenn die Mahlzeit mindestens drei Stunden
her ist, wirft er aber schneller den Fettabbau-Motor an. Am besten
funktioniert das vor dem Frühstück. Denn am Morgen ist vom Insulin durch
die Kohlehydraten
der letzten Mahlzeit nichts mehr übrig. Also muss der Körper früh auf sein
Depotfett zurückgreifen. Nachher noch nachbrennen lassen und z.B. eine Stunde
nichts essen oder nur Wasser trinken (keine Süssgetränke). Dann geht der
Fettabbau gerade weiter. Bereits eine Banane vor dem Training kann also diesen
Effekt schon zunichte machen. Der Insulinspiegel schiesst sofort in die Höhe.
Insulin wirkt als Abnehm-Bremse. Es sorgt dafür, dass die Fettdepots im Körper
schnell viel Fett und Zucker aufnehmen. Dann sinkt der Blutzuckerspiegel rasch
wieder ab und der Mensch bekommt erneut Hunger.
Dann sollte man nie mit Stress Sport machen! Stress steigert die
Cortisol-Ausschüttung, die wieder eher dick macht! Gelassen und locker
trainieren!
Weitere Bewegungstipps: www.dr-walser.ch/jogging.htm.
Zur "Fettschmelze" Zur Frage der Trainingsintensität s. die beigelegte
Kolumne NZZ des Sportmediziners und Ergonomiespezialisten Christoph
Reich.
-
Keine
Monotherapie Bewegung! Wieviel
Bewegung braucht es, insbesondere mit dem Ziel einer Gewichtsreduktion?
Die allgemeine Empfehlung von 30 Minuten körperlicher Aktivität pro
Tag gilt für Normalgewichtige, sie ist allein keineswegs in der Lage,
zu einer Gewichtsreduktion zu verhelfen (die täglich dazu erforderlichen
ca. 90 Minuten sind unrealistisch).
Praktisch heisst das: Der durch die
Bewegung hervorgerufene Kalorienverbrauch wird allgemein überschätzt,
das täglich notwendige Bewegungsmass unterschätzt (genau siehe in der Tabelle
ganz unten!). Praktischer
Richtwert: Pro Kilometer und kg Gewicht verbraucht ein Mensch ca. 1
kcal, einigermassen unabhängig von der Geschwindigkeit. Deshalb: Nicht
die Dauer der körperlichen Aktivität ist wichtig, besser sind die
zurückgelegten Kilometer, inklusive Höhendifferenzen!
-
Essentielles
Eiweiss: Abschied von
handgestrickten Ernährungsempfehlungen, z.B. "zum Znüni ein
Apfel". Es hat sich gezeigt, dass in der Physiologie das Sättigungsgefühl
von der Zufuhr von gewissen Aminosäuren abhängt. Mithin ist es also
erforderlich, auch bei Zwischenmahlzeiten die Eiweisse nicht zu
vergessen! Ebenso die Fette nicht grundsätzlich verteufeln, die
Nahrungsmittel-Pyramide behält auch für Zwischenmahlzeiten ihre Gültigkeit. Zudem
ist zu beachten, dass die Proteine eine sehr hohe Thermogenese
aufweisen, d.h. es gehen ca. 28% der Gesamtenergie bei der Verdauung als
Wärme verloren (bei Fett nur 2 bis 3% und bei Kohlenhydraten 7%).
Proteine heizen also ein! Eine Kalorie ist also nicht eine Kalorie! Man
nimmt also durch eine Kalorie Proteine nicht gleich viel zu wie durch
eine Kalorie Zucker oder noch weniger als durch eine Kalorie Fett!
-
Schlafhygiene:
Der Tagesrhythmus und die
Tageseinteilung, insbesondere der Schlaf, kann ein Schlüssel für
das Management von Übergewicht und Adipositas sein. Übermüdung führt
nämlich zu einer Dysfunktion des Frontalhirns und dadurch zu unkontrolliertem Essverhalten, zu langer Schlaf zu
Bewegungsmangel. Bei grösseren Kollektiven zeigt sich das idealste
Gewicht bei einem täglichen Schlaf zwischen 7 und 8 Stunden.
Schlafmangel erhöht das Ghrelin und erniedrigt das Leptin, was zu mehr
Hunger führt.. Es wurde
von Paolo Suter (Thieme: Checkliste Ernährung) durch die Regelung der
Schlafhygiene allein bei einzelnen Patienten schon eine
Gewichtsreduktion von 10 Kilogramm erreicht!
Sorgen Sie deshalb unbedingt für genügend Schlaf! Lesen Sie dazu meine Seite www.dr-walser.ch/schlaf.htm
!
-
Ein
regelmässiger Tagesablauf mit gut eingeplanten Esszeiten ist sehr
wichtig. Licht und Nahrung sind die wichtigsten Zeitgeber für den
Menschen. Sie sollten synchron sein. Das heisst man sollte 1
Hauptmahlzeit und 2 (bis 3) Nebenmahlzeiten genau und immer regelmässig
planen.
Vielleicht kann zwei- bis dreimal
in der Woche ein "Dinner Cancelling" eingebaut werden (>>lesen
Sie dort).
Lassen Sie Zwischenmahlzeiten (ALLES - auch einen Apfel,
etc..!) weg!
Zwischenmahlzeiten lösen einen biochemischen Mechanismus aus, der
zu Bewegungsarmut und Fettleibigkeit beiträgt. Zentraler Schalthebel ist
dabei ein Protein namens "Foxa2" (ein Forkhead-Box-Protein,
also ein Transkriptionsfaktor). Dieses aktiviert im Gehirn
Gene, welche körperlich aktiver und aufmerksamer machen. Sobald man
jedoch Nahrung zu sich nimmt, schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin
aus, welches das Foxa2 hemmt und damit matt und dick macht (Nuclear
export-independent inhibition of Foxa2 by insulin.,
Howell JJ, Stoffel M., J Biol Chem. 2009 Sep 11;284(37):24816-24).
Zudem wird erst bei längeren Essenspausen Fett abgebaut! Und das Essen während Nachtzeiten
trägt stärker zu Übergewicht bei als
während des Tages.
Wie oder warum ein Mensch an Gewicht zunimmt, ist
also sehr kompliziert, aber hängt eindeutig nicht nur von der
Kalorienaufnahme und Verbrauch ab (siehe Studie!).
- Für die Ernährung im Alltag
hat sich eine Liste der Lebensmittel bewährt, die das Insulin nicht so hoch
treiben. Dazu gehören Tomaten und andere Gemüse genauso wie schwarze
Schokolade (siehe dazu hier >>>!)
- Verzichten Sie nicht auf zuviel.
Wenn der psychische Druck zu gross wird, hört man zu früh mit den guten Vorsätzen
wieder auf. Langsam, aber sicher abnehmen.
- Essen Sie langsam! Das
Hungergefühl verschwindet erst 20 bis 30 Minuten nach Beginn der Mahlzeit. Darum Pausen
beim Essen einlegen; Gabel nach jedem zweiten Happen weglegen und langsam kauen.
- Abbau des Stress-Hungers:
- Einmal pro Woche eine Massage.
- Jeden Tag über eine gewisse Zeit sanfte Musik zuhören.
- Tägliches Lesen in einem Buch.
- Einmal pro Woche ein warmes Bad nehmen.
- Mehrmals wöchentlich einen Spaziergang machen.
- Regelmässig mit Freunden ausgehen oder sie einladen.
- Auch kein Stress durch rigide Diäten: Stress lässt das Kortisol-Hormon
ausschütten, das wiederum dick macht!
- Trick, der ähnlich wirksam ist wie Xenical,
die Fettpille:
Ein Glas Wasser täuscht den Magen. Wenn Sie zehn Minuten vor dem Essen
Wasser trinken, wird der Magen schon vorgefüllt. So nehmen Sie bei der
Hauptmahlzeit automatisch weniger Kalorien zu sich. Und nun der
Fettaufnahmetrick: Noch besser wirkt Grüntee. Im Tierversuch an Mäusen
reduziert das Polyphenol aus grünem Tee die Körperfettzunahme. Der
Effekt scheint nicht auf eine appetithemmende Wirkung zurückzuführen
zu sein, sondern auf eine verminderte Aufnahme der Nahrung und v.a. von
Fett im Darm und eine gesteigerte Fettverbrennung:
Also vor jedem Essen eine Tasse Grüntee!
(Nehmen Sie Grüntee medizinisch optimal ein: Anleitung
hier!)
- Einkaufen mit vollem Magen. So
kaufen Sie weniger.
- Wir essen den Teller leer und futtern, bis keine Nuss mehr in der
Packung ist. Der Grund: Unser Massstab ist die Portion, nicht unser
Hunger! Unser Essverhalten wird in hohem Masse von der Essportion
bestimmt - unabhängig von Grösse und ihrem Kaloriengehalt. Welche
Portionengrösse dabei als richtig empfunden wird, hängt von der
jeweiligen Kultur ab: Während beispielsweise ein Joghurtbecher in
Frankreichs Supermärkten durchschnittlich 125 Gramm enthält, sind es
in der Schweiz 180 und in den USA bereits 227 Gramm. Praktische
Konsequenz: Immer nur die Portion auf den Tisch und in den Teller, die
man wirklich essen will (ev. kleiner Teller)!
- Betätigen Sie sich nicht als
Müllschlucker. Esswaren, die sonst schlecht werden, müssen Sie nicht in Ihrem Magen
entsorgen. Kaufen Sie von vornherein weniger ein.
- Essen Sie viele Früchte aber die
richtigen: Erdbeeren, Himbeeren und Wassermelonen enthalten fast keinen Zucker. Bananen
und Büchsenfrüchte sind dagegen Kalorienbomben.
- Auch Gemüse enthalten wenig
Kalorien und sind reich an Ballast- und Füllstoffen. So hat man rasch ein Gefühl von
Sattheit.
- Fett macht hungrig! Schon länger vermuten Mediziner, dass fettes Essen
süchtig macht. Eine neue Studie aus den USA könnte jetzt erklären,
wieso das so ist: Fett aktiviert das Hungerhormon Ghrelin. Das
fanden die Forscher in einem Versuch mit Mäusen heraus. Die Folge:
Statt zu sättigen, fördert das fette Essen den Appetit und man
isst noch mehr (Nature Medicine).
- Meiden Sie Fruktose-Süssungsmittel!
In den letzten Jahrzehnten kam es zu einem drastischen Anstieg des
Konsums von freier Fruktose (welche etwa 1,6mal süsser ist als Glukose
oder Saccharose), da das billigere Süssmittel "high fructose corn
syrup" (HFCS) in vielen unseren Getränken, Backwaren und anderen süssen
Lebensmitteln beigefügt wurde. Daten aus den USA zeigen eine parallele
Entwicklung zwischen der rasanten Zunahme von Übergewicht und den Zusätzen
an freier Fruktose. Im Gegensatz zur Glucose wird die Fructose
insulinunabhängig verstoffwechselt. Da Insulin indirekt einen Anteil an
der Erzeugung des Sättigungsgefühls hat und zudem Fructose in höheren
Mengen die Fettsynthese fördert, kann durch den starken Einsatz von
HFCS als Süssstoff leicht Übergewicht entstehen. Patienten mit
Gewichtsproblemen muss v.a. vom Konsum von mit HCFS oder Saccharose gesüssten
Getränken abgeraten werden. In der Schweiz gibt es aber bisher keine
Deklarationspflicht für die Mengen einzelner zugesetzter Zuckerarten
wie Fruktose, Saccharose, Maltose usw.!
Diät machen?
Wundermittel zum Abnehmen gibt es nicht. Mit ein bisschen Motivation und den richtigen
Tipps lässt sich aber der Bauch überlisten und Kilos abbauen - mit langfristigem Erfolg.
"Diät" kommt aus dem Griechischen und bedeutet
"Lebensweise", kurzfristige Hungerkuren sind also nicht die Idee.
Deshalb gehört die Unterstützung, das Empowerment schon immer zum
Kerngeschäft des Hausarztes.
Wichtig ist auch vor allem die Praktikabilität. Dabei spielt es eigentlich
keine Rolle, ob sie sich Atkins, Ornish, Weight Watchers, Zone Diät oder sonst
irgendwie nennt. Wer sich genau an die Vorschriften hält, wird am ehesten
Erfolge sehen. Wichtig ist bei der Auswahl der "Diät" für die
ÄrztIn/ErnährungsberaterIn, diese mit
dem Patienten zu besprechen und auf seine individuellen Wünsche
einzugehen. Und am Wichtigsten ist dann die "Treue des Klienten" -
ich schlage jeweils in meiner Hausarzt-Sprechstunde einen Zeitraum von einem
Jahr mit monatlichen Sitzungen vor. Die neue Lebensweise muss geübt werden und
sollte dann "ewig" halten.
Dazu: In einer grossangelegten Studie (Yancy WS, et al. A low
carbohydrate, ketogenic diet versus a low-fat diet to treat obesity and
hyperlipidemia. Ann Intern Med 2004;140:769-77) wurden
übergewichtige, hyperlipidämische (mit zu hohen Blutfetten) Freiwillige per
Training und Gruppenmeetings mit einer "low carbohydrate" (wenig
Kohlenhydrate) und andere mit "low-fat" (wenig Fette) behandelt: nach
24 Wochen hatte die KH-arme-Diät die Nase vorn (grösserer Gewichtsverlust und
weniger Blutfette, resp. Anstieg des HDL). Aber: nach einem Jahr waren die
beiden Gruppen wieder gleichauf!
Oder diese Studie: Gibt es Unterschiede
zwischen den Kalorienreduktions-Diäten mit unterschiedlichen Nährstoffzusammensetzungen?
Die US-Forscher dieser Studie wiesen 811 übergewichtige Erwachsene zufällig
einer von vier verschiedenen Diäten zur Gewichtsabnahme zu. Die verschiedenen
Energieanteile von Fett, Eiweiss und Kohlenhydrate in diesen Diäten waren
20-15-65%, 20-25-55%, 40-15-45% und 40-25-35%. Die Ernährung bestand aus ähnlichen
Lebensmitteln und fand sich in Guidelines für Herz-Kreislauf-Gesundheit. Den
Teilnehmern wurden Gruppen- und Einzel-Instruktionssitzungen während 2 Jahre
angeboten.
Resultat: "In 6 Monaten verloren die Teilnehmer bei jeder Diät im
Durchschnitt 6 kg, was 7% des ursprünglichen Gewichts entsprach. Nach 12
Monaten fingen alle wieder an Gewicht zuzulegen. Nach 2 Jahren war der
Gewichtsverlust ähnlich bei denen, die eine Diät mit 15% Protein und
diejenigen mit 25% Protein (3,0 und 3,6 kg durchschnittlich). Bei denen mit
einer Diät mit 20% Fett und die mit einer von 40% Fett (3,3 kg für beide
Gruppen), und die mit einer Diät von 65% Kohlenhydrate und die mit 35%
Kohlenhydrate (2,9 und 3,4 kg). Unter den 80% der Teilnehmer, die die Studie
beendet hatten, war der durchschnittliche Gewichtsverlust 4 kg, und 15% der
Teilnehmer hatten eine Reduzierung von mindestens 10% ihres ursprünglichen Körpergewichts.
Sättigungsgefühl, Hunger und Zufriedenheit mit der Ernährung, und die
Teilnahmefreudigkeit an Gruppensitzungen war für alle Diäten gleich. Die
Teilnahme stand in starkem Zusammenhang mit dem Gewichtsverlust (0,2 kg pro
Sitzung). Alle Diäten verbesserten die Blutfette und die Blutzuckersituation
(Insulinspiegel). "
Die Autoren zogen den Schluss: "Kalorienreduzierte Diäten führen zu
klinisch sinnvollem Gewichtsverlust, unabhängig von der Zusammensetzung der
Makronährstoffe."
Für die vollständige Zusammenfassung, click
here. (N
Engl J Med 360(9):859-873, 26 February 2009
© 2009 to the Massachusetts Medical Sodiety Comparison of Weight-Loss Diets
with Different Compositions of Fat, Protein, and Carbohydrates. Frank M. Sacks,
George A. Bray, Vincent J. Carey, et al.)
Ein stabiles Körpergewicht senkt das Risiko für das Metabolische Syndrom
In einer 15jährigen Beobachtungsstudie (Donald
M.Lloyd-Jones et al., Circulation 2007;115:1004-1011) mit 2700
Männern und Frauen wurde eindeutig gefunden, dass ein stabiles Körpergewicht
(BMI) UNABHÄNGIG VOM AUSGANGSWERT langfristig das Risiko für ein Metabolisches
Syndrom senken kann!
Wann sind Sie mit Übergewicht gefährdet, ein metabolisches Syndrom, resp.
einen Diabetes zu entwickeln?
Lassen Sie bei Ihrem Hausarzt einen Glukosetoleranztest (http://de.wikipedia.org/wiki/OGTT)
durchführen. Falls dabei als Ergebnis eine normale Insulinsensitivität
herauskommt, können Sie vorerst beruhigt sein (gutartige Adipositas) - aber bei
bestehender Insulinresistenz ist Bewegung und Abnehmen lebensnotwendig! (Arch
Intern Med 168(15):1609-1616, 2008 - Identification and Characterization of
Metabolically Benign Obesity in Humans, Norbert Stefan et al.)
aufgepasst bei Diätversuche an Kindern!
Man schaue sich mal die Arbeiten des amerikanischen Psychologen Myles Faith
an. Der hat deutliche Hinweise dafür gefunden, dass mollig veranlagte Kinder
besonders dann zunehmen, wenn sich ihre Eltern Sorgen machen, dass ihre Kinder
zunehmen und eine Nahrungsrestriktion einführen. Dazu muss man sich den
vielfach publizierten Zusammenhang zwischen Dauerstress (steter
Cortisol-Überschuss) und Wachstum des viszeralen Bauchfetts klarmachen - des
einzigen Fettgewebes, bei dem tatsächlich ein Bezug zu späteren chronischen
Erkrankungen zu beobachten ist. Wohlgemerkt, dieses Körperfett entsteht nicht
durch Mast, sondern durch Stress. Sagen wir Kampfgewicht dazu.
Und nun bringen wir also schon den Vier- bis Fünfjährigen bei, dass sie im
falschen Körper stecken, dass der Appetit ihr Feind ist, dass sie bestimmte
Dinge machen und den Körper besiegen müssen, weil sie sonst nicht zum
Kindergeburtstag eingeladen werden und später keinen Job kriegen. Und das
hören sie tagaus, tagein. Und dann lernen sie Zielsetzungen, bei denen sie
physiologischerweise scheitern müssen, weil der Körper immer wieder in Form
von "binge eating" (Fressattacken) korrigierend eingreifft. Ein
solches Essverhalten nennt man "restraint eating", und das gilt als
enormer Stressauslöser!
Was wäre ein Ausweg? Bewegung ist eine gute Sache. Stress wird aber dabei
nur abgebaut, wenn Bewegung aus Freude gemacht wird und nicht durch
Angstmotivation!
(aus Ars Medici 2, 2010, Dr. Gunter Frank:
"Abspeckprogramme sind Psychoterror!")
ist mein Kind zu dick?!
BMI – Perzentilkurven
Das richtige Gewicht für Jungen und Mädchen prüft man je nach Geschlecht
und Alter spezifisch mit den Perzentilkurven des BMI. Schauen Sie nach, ob Ihr Kind noch im
„grünen Bereich“ liegt:
übergewichtige Kinder benötigen eine
"Sonderbehandlung"
Das Erste und Wichtigste ist wieder die alltägliche Bewegung aus Freude
(und nicht durch Angstmotivation) >>>
siehe z.B. www.schtifti.ch, www.power2move.ch,
www.aktive-kindheit.ch/de/
!!
Die Eltern sollen mit dem gutem Beispiel vorangehen:
Sie bewegen sich auch viel: Wandern mit ihren Kindern, machen Bewegungsspiele,
aktive Ferien... und sitzen wenig vor dem Fernseher.
Essen Eltern unkontrolliert oder halten sie
oft Diäten ein, tendieren die Kinder zu Übergewicht oder Essstörungen. Eltern sollten
ihren Kindern erlauben, in Bezug auf die Ernährung ihre eigene innere Regulierung zu
entwickeln, und gleichzeitig dafür sorgen, dass gesunde Nahrungsmittel zur
Verfügung stehen.
Dann: Je jünger das Kind, desto unwahrscheinlicher ist es, dass die überzähligen Pfunde
erhalten bleiben. Oft erfolgen die Gewichts- und Grössenzunahme nicht gleichzeitig,
sondern nacheinander. Und normalerweise kommen die Pfunde vor den Zentimetern.
Was aber absolut gilt: Je grösser die Portionen, die man Kindern vorsetzt,
desto mehr essen sie! Die Menge, welche Kinder essen, hat nichts mit dem
Speiseplan der vorangegangenen Tagen und Stunden zu tun, sondern nur mit der
Portionengrösse auf dem Teller.
Generell sollte der Massstab die Gesundheit, nicht das Aussehen des Kindes sein: Wichtiger
als das Gewicht sind ein gesundes Essverhalten und ausreichende körperliche Aktivität.
Man sieht auch, dass Dritt- und Viertklässler, deren Fernsehkonsum auf eine Stunde pro
Tag beschränkt wurde, nach neun Monaten messbar schlanker waren als solche, die vor der
Glotze sassen, so lange sie wollten.
Was und wie wir essen, wird stark von der Umwelt, also zunächst von der Familie
beeinflusst. Eltern sollten in die Ernährungsweise ihrer Kinder möglichst wenig
eingreifen. Das Schlimmste, was sie tun können, ist, Nahrung einzuschränken. Ein
völliges Verbot, zum Beispiel von Süssigkeiten oder Pommes Frites, macht diese für
Kinder nur besonders attraktiv.
So bekommt Ihr Kind die Kalorien im Griff:
Essgewohnheiten ändern:
- Keine grosse Portionen auftischen: das Kind isst alles, was im Teller ist!
- Nicht mehr vor dem Fernseher, sondern nur noch am Esstisch essen.
- Mindestens eine gemeinsame Mahlzeit pro Tag einhalten (mit
möglichst allen im Haushalt lebenden Mitgliedern).
Dabei gemeinsam die Mahlzeit beginnen und beenden (Rituale).
- Bei jeder Mahlzeit mindestens fünfmal das Besteck ablegen und eine kleine Pause machen.
Gründlich kauen und langsam essen.
- Zu jeder Mahlzeit Mineralwasser oder ungesüssten Tee trinken.
- Täglich zweimal Früchte und dreimal Gemüse oder Salat essen. Die Eltern
bestimmen, was das Kind isst; das Kind bestimmt, wie viel es
davon isst.
- Keine Askese: Jede Woche sind fünf erlaubte Gluscht-Portionen Süsses erlaubt
(Schoggistängel, Portion Sorbet etc.).
- Wenn irgendwie möglich mindestens eine warme Mahlzeit pro Tag
(Sättigungseffekt tritt bei warmen Speisen schneller ein).
- Reichhaltiges Frühstück, viel zu Mittag und eher
wenig zum Nachtessen, keine Zwischenmahlzeiten! Nach 19 Uhr nichts mehr
essen. (>>siehe meine Seite über "Dinner
Cancelling"!)
- "Reservetank" (z.B. einen kleinen Apfel) griffbereit halten
gegen plötzlich grossen Hunger (z.B. auf dem Nachhauseweg von der Schule),
um nicht Süsses zu naschen.
- Maximal 30 Minuten TV täglich - und dasselbe für den PC/Spielkonsole!
- Wut und Trauer - Gefühle:
Wenn ich wütend bin, versuche ich meine Wut abzureagieren, bevor ich etwas
esse.
Wenn ich traurig bin, versuche ich erst mal etwas anderes zu machen, das mir
Spass macht, bevor ich mir was zu Essen hole.
Warum sich Kinder oft einseitig ernähren
Pommes mit Ketchup, Pfannkuchen mit Sirup und Schokolade: Kinder bevorzugen
bekannte Speisen und meiden alles, "was der Bauer nicht kennt".
Kein Grund zur Sorge! Einseitige Ernährung ist eine normale Phase
der Kindheit und möglicherweise ein evolutionäres Erbe. Die Kinder unserer
Vorfahren konnten sich zwar selbst Nahrung beschaffen, aber sie konnten noch
nicht entscheiden, welche Früchte und Wurzeln ihnen gut tun und welche
ihnen schaden könnten. Wenn heutige Kinder schwierige Esser sind, dann
kommt darin möglicherweise eine angeborene, sinnvolle Furcht vor fremden
Nahrungsmitteln zum Ausdruck. Eltern sollten ihre Kinder daher nicht zu mehr
Vielfalt zwingen, sondern darauf vertrauen, dass die schwierige Phase mit
dem Älterwerden zu Ende gehen wird. Kinder sind durchaus in der Lage, ihre
Nahrungsaufnahme selbständig zu steuern. Wird dagegen der Zugang zu
"schlechten" Nahrungsmitteln eingeschränkt, bekommen diese für
die Kinder eine übermässige Attraktivität. Sie werden möglicherweise
durch die Eingriffe der Eltern zu einem ungesunden Essverhalten verleitet.
So belegt eine Studie, dass Kinder, die erst ihren Spinat aufessen mussten,
ehe sie Kuchen geniessen durften, eine Abneigung gegen Gemüse und eine
Vorliebe für Süsses entwickelten. Und Mädchen, die zu Hause nur wenig Süssigkeiten
essen durften, griffen, wenn sie die Wahl hatten, sehr viel häufiger zu
Schokoriegeln und Bonbons als Kinder, die zu Hause freien Zugang zu Süssem
hatten.
Auch wenn jüngere Kinder gesundes Essen zunächst ablehnen, irgendwann
probieren sie es doch. Und dann, so zeigen Studien, brauchen sie nur
zwischen fünf und zehn Erfahrungen, um das neue Nahrungsmittel gerne zu
essen (Psychology
today, 9/10, 2003).
Wie
mache ich meinem Kind Gemüse trotzdem schmackhaft:
lesen
Sie hier >>>
Kummerspeck
Falls
ein Kind hartnäckig dick bleibt und sich "Kummerspeck" anfrisst...
auch: häussliche Gewalt und sexuelle Übergriffe abklären!
Interessante
Webpages für Kids:
www.akj-ch.ch
- Schweizerischer Fachverein Adipositas im Kindes- und Jugendalter:
Multidisziplin-Gruppenprogramme (MGP) >>> hier alle regionalen
Programme!
www.powerkids.de
- Lernprogramme für Schulkinder
www.tigerkids.net
- Vorschulkinder
www.minuweb.ch
- Club Minu, Programm des Migros-Kulturprozents für übergewichtige Kinder und
Jugendliche
www.optimahl.ch
- Ernährungsschulung für übergewichtige Kinder und Familie
www.nutrinet.ch
- Übersicht über die Ernährungsprojekte an Deutschschweizer Schulen
Durchschnittlicher Energieverbrauch beim Sport
(aber immer bedenken, dass Sport nicht nur zum Kalorienverbrennen
gut ist, sondern Muskeln aufbaut und die Hirnaktivität auf gute Art
beeinflusst!)
(Angaben: Kcal pro kg Körpergewicht pro Stunde:)
• Gymnastik: 3,8
• Tischtennis: 4,0
• Aerobic: 6,0
• Skiabfahrt: 6,2
• Reiten, Trab: 6,4
• Tennis spielen: 6,6
• Inlineskaten: 7,0
• Fussball spielen: 7,8
• Rad fahren (20 km): 8,0
• Walking: 8,4
• Skilanglauf: 8,6
• Schwimmen, Brust: 9,6
• Laufen, 12 km (genauer siehe gleich darunter): 12,6
• Squash: 12,8
Kalorienverbrauch beim Laufen
(aber immer bedenken, dass Laufen nicht nur zum
Kalorienverbrennen gut ist, sondern Muskeln aufbaut und die Hirnaktivität
auf gute Art beeinflusst!)
Eine Übersicht wie viele Kalorien bei zehnminütigem Laufen in einem
Tempo zwischen 7:30 bis 3:15 Minuten pro Kilometer verbrannt werden:
Körper-
Gewicht/kg |
7:30
min/km |
6:15
min/km |
5:30
min/km |
5:00
min/km |
4:20
min/km |
4:00
min/km |
3:45
min/km |
3:15
min/km |
| 59 |
78 |
98 |
108 |
122 |
137 |
148 |
156 |
176 |
| 63,5 |
85 |
106 |
117 |
133 |
149 |
160 |
170 |
191 |
| 68 |
90 |
113 |
124 |
141 |
158 |
170 |
180 |
203 |
| 72,5 |
97 |
121 |
133 |
152 |
170 |
183 |
194 |
218 |
| 77 |
102 |
128 |
141 |
160 |
179 |
192 |
204 |
230 |
| 81,5 |
109 |
136 |
150 |
170 |
191 |
205 |
218 |
245 |
| 86 |
115 |
143 |
157 |
178 |
200 |
216 |
230 |
257 |
| 90,5 |
121 |
151 |
166 |
189 |
212 |
228 |
242 |
272 |
Diese Angaben sind Richtwerte. Die Kalorienverbrennung ist zusätzlich von
äusseren Bedingungen abhängig (Streckenprofil, Untergrund oder Temperatur,
Windstärke).
Man kann auch als Sinnbild sagen, dass der Abbau
von 1 Kilogramm Fett
70 (für einen 100 kg schweren Menschen) bis 100 Kilometer (für einen 70 kg
schweren) Wandern benötigt!
Weiterführendes
Lesen
Sie auch über Hyperinsulinismus
und metabolisches Syndrom
über
glykämischen Index und glykämische Last
und allgemein
zur Ernährung lesen Sie hier:
ernaehrung.htm
Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, CH-8004 Zürich
Last updated 03.04.2010
Die Auskünfte in dieser Homepage erfolgen unverbindlich und ohne rechtliche Konsequenzen zu meinem Nachteil. Eine konkrete Beurteilung ist lediglich in Kenntnis des Einzelbestandes
möglich (siehe auch Disclaimer).
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