Leiden Sie an einer Eisenmangel-Anämie, sollten Sie auf jeden Fall zuerst ein orales Eisenpräparat versuchen. Nur 10% haben dabei auch wirklich Magen-Darm-Nebenwirkungen (Verstopfung,…). 90% ertragen die Mittel also sehr gut. Man muss wissen, dass heute in der Medizin – meiner Ansicht nach – viel zu häufig und viel zu schnell Eisen in der Infusion intravenös gegeben wird. Dies ist meist überflüssig, da zu viel Eisen, welches ein Schwermetall (!) ist, unseren Körper stark belasten kann und viel mehr und stärkere Nebenwirkungen produziert (Infektion oder Tätowierung bei der Einstichstelle – bis zur lebensgefährlichen Allergie). Eine Eisenüberladung des Körpers kann zu einer Infektionsneigung führen. Deshalb hat man wohl in der Schwangerschaft einen leichten Eisenmangel, der dann einen Schutz vor Infektionen schafft.
Eiseninfusion ist ein „Superplacebo“
Man soll sich mal das Bild vergegenwärtigen, welches das Ritual einer Eiseninfusion in uns erweckt: Man liegt hier und lässt sich einen magischen, schwarzen Zaubersaft direkt ins Blut einflössen… Es ist fast unmöglich, dass dies keine Wirkung auf uns hat! Nichts gegen ein Placebo. Es gibt aber Placebos, die sehr viel billiger und weniger schädigend sind.
Morgens nüchtern – nur jeden zweiten Tag eine einzelne Dosis – während Periodenblutung gleich jeweils doppelte Dosis
Zur guten Aufnahme des Eisens über den Mund sollen ein paar Dinge beachtet werden. Üblicherweise werden nur 10% wirklich ins Blut resorbiert – bei starkem Eisenmangel aber 20%. Der Stuhl wird also auf jeden Fall schwarz werden – und die Frau nimmt das Eisen am besten in doppelter Dosis während der Periodenblutung. Mit der Erkenntnis, dass das Hormon Hepcidin tief sein muss, um eine optimale Eisenaufnahme zu gewähren, sollten die Tabletten nur einmal täglich – und nur an jedem zweiten Tag eingenommen werden.
Da sich Eisen im Magen schnell an gewisse Nahrung (vor allem Milchprodukte und Müesli) bindet und nicht mehr aufgenommen wird, schluckt man es
morgens ganz nüchtern (gleich nach dem Aufstehen) –
am besten mit 100mg Vitamin C (enthalten in 200ml Orangensaft), welches seinerseits die Aufnahme verbessert.
Vor allem nicht mit Kaffee und möglichst langer zeitlicher Abstand zum Frühstück;
nicht am Nachmittag.
Nur jeden zweiten Tag.
Eisenmangel schützt vor Infektionen
Schon sehr spannend und auch etwas tröstlich, wie man als junger Hausarzt etwas irgendwo aufschnappt und zuerst mit Inbrunst vertritt – später, mit den Jahren dann etwas leiser, bescheidener – und zum Schluss von der Wissenschaft eingeholt und diesmal ganz und gar bestätigt wird…
Irgendwo aus dem wilden Dschungel der Komplementärmedizin habe ich in meinen medizinischen Anfängen aufgeschnappt, dass eine Blutarmut (Anämie) auch ein gewisser Infektionsschutz bedeutet – und deshalb auch einen Sinn hat. Ich: „Eisen ist ein Schwermetall und kann auch unser Immunsystem belasten!“.
So war ich immer sehr zurückhaltend mit Eisentabletten und vor allem Eiseninfusionen – vor allem auch während der Schwangerschaft, in der ja das Serumeisen typischerweise etwas tiefer wird. Und gerade in dieser belasteten Lebenszeit ist ja ein Infektionsschutz sehr wichtig – und den gibt man wohl mit schnellen Eisengaben wieder auf…
Zudem sah man, dass ein Mensch mit chronischen Infektions- und Entzündungsgeschehen sein Eisen immer schlechter wieder los wird und es immer mehr ansteigt.
Viele Ernährungsweisen, die als gesund gelten (fleischlos, vegetarisch oder vegan, mediterran, Kurzfasten, Fasten…) gehen mit weniger Eisenaufnahme durchs Essen und mit einer Abnahme des Eisenspeichers einher.
Und nun die bestätigende Nachricht aus der Forschung:
Wir Mediziner sollten also unsere „Normalwerte“ vom Bluteisen (Ferritin) nochmals genau prüfen und nach unten korrigieren. Wir müssen auch die – in den letzten Jahren – hypemässig explodierende Eiseninfusions-Euphorie, sprich: Eisengeschäfte in sogenannten „Eisenzentren“ überdenken.
„Man sagt, dass wir einen Sinn des Lebens suchen… Ich glaube, was wir wirklich suchen, das ist die Erfahrung des Lebendigseins, so dass unsere physische Existenz mit unserem innersten Sein und unserer innersten Wirklichkeit zusammenklingt und wir tatsächlich fühlen, was es heisst, lebendig zu sein.“ Joseph Campell
Lebendigkeit im Stoizismus
Die Stoiker verstehen die Natur als lebendig. Ein mächtiges Prinzip durchdringt sie, das viele Namen trägt: Feuer, Lebenshauch, schliesslich „Gott“.
Wichtiger als die Göttlichkeit der Welt ist den Stoikern aber die Erkenntnis, dass der Mensch besonders vom Göttlichen geprägt ist. Diese innere Göttlichkeit ist seine Natur. Die „innere Stimme“ des Menschen trägt etwas Göttliches in sich.
Die Stoiker entwickelten das Konzept der inneren Zitadelle. Diese Festung schützt die Seele. Physisch verwundbar und dem Schicksal ausgeliefert, bleibt unser innerster Bereich uneinnehmbar. Marc Aurel sagte: „Dinge können die Seele nicht berühren. “ Doch die Geschichte zeigt, dass man Festungen von innen öffnen kann. Angst, Gier oder Geiz lassen Feinde ein. Das geschieht, wenn wir die Nerven verlieren und der Angst zu viel Raum geben. Meister Eckhart sagte: „Es gibt einen Ort in der Seele, wo man nie verwundet wurde. “
Ungeachtet meiner Geschichte, der Intensität früher Traumata oder aktueller Dramen, ungeachtet aller Umstände, bleibt der Kern meines Wesens die heitere Gegenwart Buddhas oder Jesus, die lächelnd auf mich warten, bis ich von meiner Reise in den Wahnsinn zurückkehre und mich ergebe. Damit ist der Weg zur Lebendigkeit frei geworden.
Virginia Satir, eine US-amerikanische Psychotherapeutin und Mutter der Familientherapie, beschrieb fünf Aspekte der Freiheit des Menschen und erklärte, dass wer diese lebt, die grösste persönliche Macht in seinem Leben besitzt – und wahre Lebendigkeit spüren kann:
Die Freiheit, das zu sehen und zu hören, was wirklich da ist, statt was sein sollte, war oder sein wird.
Die Freiheit, das zu sagen, was ich fühle und denke, statt das Erwartete.
Die Freiheit, zu meinen Gefühlen zu stehen, statt etwas vorzutäuschen.
Die Freiheit, um das zu bitten, was ich brauche, statt auf Erlaubnis zu warten.
Die Freiheit, Risiken einzugehen, statt immer auf Nummer Sicher zu gehen.
Innerer Frieden und Lebendigkeit
Ich lebe nur wirklich, wenn ich Frieden finde. Mein Ego sieht das anders: „Du lebst nur, wenn du Aufregung spürst, Adrenalin fliesst, du eine grosse Flasche Wein öffnest…“. Für das Ego ist Frieden ein kurzer, leuchtender Moment. Sekunden, Stunden oder einen Tag später meldet sich das Ego, diese Wunschmaschine, mit dem nächsten Begehren. Frieden entsteht aus Erwartungslosigkeit. Ohne Erwartungen befreie ich mich vom übermässigen Tun und finde Ruhe im Sein. Wenn ich wenig plane und geschehen lasse, was kommt, gewinne ich Freiheit. So kann ich mich ganz dem friedlichen Gefühl des Augenblicks hingeben.
Lebendigkeit und der Glanz des Lebens
Der „Glanz des Lebens“ verbindet sich eng mit lebendigen Momenten, die im Gedächtnis bleiben. Was sind das für Augenblicke? Als Kinder staunen wir ständig. Alles fasziniert uns, ob Seifenblase, Feuerschlucker oder Schnecke. Kinder begegnen allem mit Ehrfurcht. Diese Fähigkeit verlieren wir oft als Erwachsene, weil wir glauben, die Welt zu kennen. Doch genau hier liegt der springende Punkt: Ein tiefes Staunen entsteht erst, wenn wir vieles verstanden haben. Der Sternenhimmel beeindruckt mehr, wenn wir die Weite und das Alter des Universums begreifen. Gespräche werden intensiver, wenn wir einander verstehen und nuanciert kommunizieren. Wenn wir die Grausamkeit der Menschen erkennen, berührt uns ihre Grosszügigkeit umso mehr.
In den mittleren Jahren drängen Beruf, Familie und alternde Eltern oft die grossen Gefühle und intensiven Erlebnisse in den Hintergrund. Wo bleibt der Glanz, die durchgetanzten Nächte, die Intensität der Jugend? Vielleicht fehlt das, was man im Englischen „awe“ nennt: ein tiefes Staunen, eine existenzielle Ehrfurcht. Diese Momente lassen sich nicht erzwingen, doch gerade in hektischen Zeiten sollten wir sie wiederentdecken.
Solche Erfahrungen entstehen nicht auf Knopfdruck. Im Leben geht es oft um Unverfügbarkeit und das Geschehenlassen. Deshalb gefällt mir die Metapher der Wanderung für den Lebensweg. Beim Wandern haben wir nicht alles unter Kontrolle. Wir verirren uns, geraten auf Abwege und stehen im ständigen Austausch mit der Landschaft. Wir passen uns an, je nachdem, ob der Weg steil ist oder nicht. Unsere Umgebung beeinflusst uns, und sie kann sich verändern, während wir unterwegs sind. Auf einer solchen Wanderung brauchen wir keinen Ratgeber, sondern eine Karte, die die Umgebung erkundet.
Dieser Blog versucht, die Landschaften des Lebens zu kartografieren.
Wie komme ich wieder zu meinem „Lebendigsein“?
Graben Sie ihre ersten Fotos der Jugend aus. Sicher finden Sie solche, auf denen Sie übermütig und eigen-mächtig mit überschäumender Lebensfreude in die Welt hinaus rennen. Alles war möglich!
Jeden Tag etwas ganz Neues, Ver-rücktes tun!
Tanzen Sie vermehrt – wild.
Gehen Sie so oft barfuss wie möglich.
Lassen Sie sich massieren – und massieren Sie ihren Partner. Massieren Sie sich selber: ihre Füsse nach einem Fussbad – ihre Lippen – ihre Kopfhaut – mehr…
Singen Sie wieder mal für sich – oder mit anderen. Melodien, die nur in dir schlummern, finden und aus-singen.
Schwimmen Sie in Seen und Flüssen –
und spielen Sie mit Kindern.
Im Sommerregen über die Wiese rennen –
zusehen wie die Wolken vorbei ziehen –
Sonnenuntergänge bestaunen –
auf Berge steigen und lang in die Weite schauen –
das Glitzern im Wasser sehen –
Loswandern, ohne zu wissen wohin –
Ziellos durch die Stadt flanieren –
die Augen schliessen beim Rückwärtsgehen – die Unsicherheit geniessen – …
Wieder mal vor Freude und Lebendigsein zittern
Lebendigsein heisst aber nicht nur Lebens-Freude – es ist auch Lebens-Trauer, etc… sogenannte Stärken und Schwächen, tief und eigen-mächtig gelebte Gefühle, Konzepte und Glaubenssätze. Das was uns auch „mitten im Feuer“ im Innersten zusammenhält, wenn alles „Äussere“ wegfällt… Ein eigentliches Verliebtsein ins Leben.
„Was gibt ein Mensch dem anderen? Er gibt etwas von sich selbst, vom Kostbarsten, was er besitzt, er gibt etwas von seinem Leben. Das bedeutet nicht unbedingt, dass er sein Leben für den anderen opfert –sondern dass er ihm etwas von dem gibt, was in ihm lebendig ist; er gibt ihm etwas von seiner Freude, von seinem Interesse, von seinem Verständnis, von seinem Wissen, von seinem Humor, von seiner Traurigkeit –von allem, was in ihm lebendig ist.
Indem er dem anderen auf diese Weise etwas von seinem Leben abgibt, bereichert er ihn, steigert er beim anderen das Gefühl des Lebendigseins und verstärkt damit dieses Gefühl des Lebendigseins auch in sich selbst. Er gibt nicht, um selbst etwas zu empfangen; das Geben ist an und für sich eine erlesene Freude. Indem er gibt, kann er nicht umhin, im anderen etwas zum Leben zu erwecken, und dieses zum Leben Erweckte strahlt zurück auf ihn; wenn jemand wahrhaft gibt, wird er ganz von selbst etwas zurück empfangen. Zum Geben gehört, dass es auch den anderen zum Geber macht, und beide haben ihre Freude an dem, was sie zum Leben erweckt haben. Im Akt des Gebens wird etwas geboren, und die beiden beteiligten Menschen sind dankbar für das Leben, das für sie beide geboren wurde…“(Erich Fromm, die Kunst des Liebens)
Hier ein wunderbarer Kurzfilm, der zeigt, was unserer Gesellschaft fehlt… die Farbe! Die Lebendigkeit!
Rhythmus prägt unser Leben: Atmung, Herzschlag, Stoffwechsel, das vegetative Nervensystem. Unsere natürlichen Rhythmen folgen dem Wechsel von Kontakt und Rückzug, Aussen und Innen, Spannung und Entspannung, Aktivität und Ruhe, Essen und Fasten, Genuss und Selbstkontrolle, Arbeit und Freizeit, Sprechen und Schweigen, Ein- und Ausatmung.
Auch die biologischen Rhythmen des Menschen sind entscheidend. Die Natur gibt den Takt vor: Mondphasen, der Wechsel von Tag und Nacht, die Jahreszeiten.
Halten wir im Tages-, Wochen- und Jahresverlauf die nötigen Erholungspausen ein, synchronisiert unser Organismus seine Funktionen wie ein Computer beim Neustart. So gleicht er Abweichungen vom Sollzustand aus, etwa das unkontrollierte Wachstum von Zellen, das das Immunsystem bekämpft. Vernachlässigen wir diese Pausen, vergrössern sich die Abweichungen, und der Organismus verliert die Fähigkeit, sich selbst zu ordnen.
Unsere biologischen Rhythmen dauern tagsüber etwa neunzig Minuten, ähnlich den Tiefschlafphasen. Ideal wäre, alle 60 bis 90 Minuten eine 5- bis 15-minütige Pause einzulegen. So finden wir vom „Hamsterrad“ zurück zur heilsamen Ruhe und stärken unser Immunsystem.
Zyklizität dieser Rhythmen vs. Linearität unserer Wirtschaft
Die Welt des Lebendigen mit seinen Rhythmen und Zyklen (Atmung, Puls, Tag/Nacht, Jahreszeiten…) steht nun im Widerstreit mit dem modernen Projekt des linearen Fortschritts und des unaufhörlichen Wachstums unserer Wirtschaft, also mit unserer Arbeit. Es braucht einen neue Versöhnung dieser gegensätzlichen Prinzipien, eine Arbeitswelt, in der auch die zyklische Regeneration von uns Menschen, aber auch der Natur um uns Platz hat.
Der Philosoph Byung-Chul Han nennt dies „Lücken“ im Leben: „Glück heisst ursprünglich „Gelücke“. Es hat mit Lücken zu tun. Vielleicht ist die Lücke sogar wesentlich für das Leben…“
aus „Making Space“ von Paola Quintavalle und Miguel Tanco
– und weiter: „Kommunikation ohne Lücke ist Lärm. Wir ertragen heute keine Lücke, keine Stille mehr.“ Jede Lücke wird sofort mit dem Zücken des Smartphones gefüllt. Man verträgt keine Lange-Weile mehr.
aus „Making Space“ von Paola Quintavalle und Miguel Tanco
Ein geregelter Tagesablauf mit festen Essenszeiten ist entscheidend. Licht und Nahrung steuern unsere innere Uhr und sollten idealerweise im Einklang stehen. Deshalb empfiehlt es sich, täglich eine Hauptmahlzeit und ein bis zwei kleinere Mahlzeiten zu festen Zeiten einzuplanen. Am besten essen wir nur bei Tageslicht, da sich mit Einbruch der Dunkelheit der Stoffwechsel verlangsamt und Fett sowie Kohlenhydrate schwerer abgebaut werden.
Ein gut abgestimmter Tagesrhythmus, besonders ausreichend Schlaf, spielt eine zentrale Rolle im Umgang mit chronischer Müdigkeit, Stoffwechselstörungen und Übergewicht. Übermüdung beeinträchtigt das Frontalhirn und fördert unkontrolliertes Essverhalten, während zu viel Schlaf Bewegungsmangel begünstigt. Studien zeigen, dass ein Schlafpensum von 7 bis 8 Stunden pro Nacht das Normalgewicht unterstützt. Schlafmangel hingegen steigert das Hungerhormon Ghrelin und senkt das Sättigungshormon Leptin – mit der Folge, dass der Appetit zunimmt.
Frauenzyklen
Frauen kennen ihre rhythmischen Lebensveränderungen um Menstruation und Eisprung. Werden Sie sich diesen Zyklen bewusster und leben Sie mehr danach. (Literatur dazu: „Back to the roots – zyklisch leben mit immenser Freude“ von Josianne Hosner, Quittenduft-Verlag)
Im 3in3-Rhythmus – mässig, aber regelmässig und im Wechsel mit kurzen Intensivbelastungen – gesund werden
In vielen medizinischen Studien hat man entdeckt, dass erst eine gewisse Dauer an moderater Bewegung – und zwar nur „rhythmisch“ (mässig und regelmässig) – die Voraussetzung für Prophylaxe und Heilung bei Krankheiten schafft:
Die Gesamtdauer beträgt immer ungefähr 3 Stunden (150-180 Min) pro Woche mässige Bewegung und regelmässig auf mindestens 3 Portionen verteilt. Deshalb nenne ich die daraus folgende Regel „3in3“ oder besser den „3in3-Rhythmus“, will heissen: 3×1 Stunde oder 6×30 Minuten, … Es sollte nicht intensiver und lang dauernder Sport sein, sondern die Bewegung kann kurz und moderat, jedoch dann täglich und häufig sein – dies aber noch besser im Wechsel mit schnellen, kurzen Intensivbelastungen von nur 10 bis 20 Sekunden Länge (Treppe raufrennen, kurze Sprinteinlagen – auch nur auf der Stelle daheim oder im Büro).
Bewegung in Rhythmen lassen besser denken
Schon in den antiken Wandelhallen, dann in der Kreuzgängen der Klöster, auch Schüler, die im Gehen Vokabeln büffeln, Schauspieler, die beim Rollenlernen herumlaufen – alle sie wussten es, was nun in den Neurowissenschaften benannt werden kann, dass im Gehen gewisse Hirnregionen (vor allem der Hippocampus) besser arbeiten können. Der Rhythmus, vor allem regelmässige von mittlerer Geschwindigkeit sind gut zum Lernen geeignet. Regelmässige, langsame für Meditation und tranceartige Zustände. Man kann sogar behaupten, dass das abstrakte Denken nur eine verfeinerte Nutzung der praktischen Funktionen unseres Gehirns ist, die darin besteht, den Körper in angemessener Art und Weise zu bewegen. Deshalb ist die Affinität des Denkens zur Bewegung und des Gehens vorhanden. (Mehr darüber hier >>>)
„Sozialer Jetlag“
Wer am Wochenende einen völlig anderen Schlafrhythmus hat als unter der Woche, kann leicht eine chronische Müdigkeit entwickeln. Somit gerät auch sein Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Je grösser dieser „soziale Jetlag“ ist, desto grösser ist auch das Übergewichtsrisiko. (Deutsche Studie mit Analyse von Schlafmuster und BMI von rund 65’000 Menschen: Social Jetlag and Obesity, Till Roenneberg et al, Current Biology – 10 May 2012)
Gesund werden heisst häufig unser Leben „Rhythmisieren“
Letzte Woche waren sechs Menschen bei mir zum Gespräch über ihr Leben – und alle sechs litten an „Rhythmusstörungen“:
Unsere Gespräche drehten sich um Ernährung: zentral dabei die Essens- und Fastenzeiten, um den Rhythmus von Kontakt und Rückzug, Spannung und Entspannung, Aktivität und Ruhe, Lärm und Stille, Trennung und Liebe, Standhalten und Nachgeben, Arbeit und Pause,…
Menschen mit einem „Burnout“, der Seuche unserer lückenlosen Zeit, rate ich auf 80 Prozent Arbeit zurück zu gehen – und zwar mit der mitt-wöchlichen „Lücke“: also jeden Mittwoch ganztags frei zu nehmen. Der Rhythmus von Einatmung (Mo/Di Arbeit), Ausatmung (Mi), Ein (Do/Fr) und Aus (Sa/So) macht uns erst wieder lebendig, gesund und glücklich.
Es wäre sinn- und wertvoll, für sich einen guten Rhythmuswechsel zu finden, bei dem man sich gesund, fit und wohl fühlt. Rhythmen können helfen, dass sich Körper, Geist und Seele immer wieder entspannen und wir fliessend mit unserem ureigenen Lebensrhythmus mitgehen. Dies heisst also nicht, sich ständig zu kontrollieren, ob diese Rhythmen streng eingehalten werden – denn damit verliert man zum Schluss weitgehend seine Lebenslust.
Tumorentstehung durch gestörte innere Uhren
Zahlreiche Studien belegen, dass Störungen der zirkadianen Uhr die Tumorbildung fördern. Sowohl die Entstehung als auch das Fortschreiten von Tumoren hängen eng mit einer gestörten zirkadianen Regulation zusammen.
In Tumorgewebe verschiedener Krebsarten fanden Forscher verringerte Mengen sogenannter Uhr-Gene – teils durch Mutationen, teils durch Herunterregulation. Diese Veränderungen gingen oft mit einer schlechteren Prognose einher. Beim kolorektalen Karzinom etwa zeigte sich eine reduzierte Aktivität der Gene BMAL1, CRY1, CRY2 sowie PER1 bis PER3, was mit einer verkürzten Überlebenszeit verbunden war.
Nächtliches Licht: Ein unterschätztes Risiko
Seit Mitte der 1970er-Jahre ist die Zahl der Darmkrebsfälle bei jüngeren Erwachsenen zwischen 15 und 39 Jahren deutlich gestiegen. Gleichzeitig änderten sich die Lebensgewohnheiten, etwa durch vermehrte nächtliche Exposition gegenüber künstlichem Licht (Artificial Light at Night, ALAN).
Bildschirme von Fernsehern, Smartphones und Computern hemmen die Melatoninproduktion, stören den Schlaf und verschieben den zirkadianen Rhythmus. Eine Metaanalyse mit über 170.000 Teilnehmenden zeigte, dass hohe nächtliche Lichtexposition das Risiko für östrogenrezeptorpositiven Brustkrebs bei prämenopausalen Frauen erhöht. Ähnliche Effekte fanden sich bei Schilddrüsenkrebs. Sogar der Wohnort in unterschiedlichen Zeitzonen scheint das Krebsrisiko beeinflussen zu können.
Warum der Darm besonders empfindlich ist
Der Darm reagiert besonders sensibel auf zirkadiane Störungen. Die Zellen der Darmschleimhaut erneuern sich schnell und kontinuierlich – ein Prozess, der streng von der inneren Uhr gesteuert wird. Auch das Mikrobiom zeigt sich anfällig für chronobiologische Dysregulation.
Zudem spielt die Nahrungsaufnahme als zentraler Zeitgeber eine entscheidende Rolle. Unregelmässige Mahlzeiten oder Essen entgegen dem natürlichen Rhythmus könnten das Risiko für Darmkrebs erhöhen. Ein direkter Zusammenhang ist jedoch noch nicht eindeutig bewiesen und erfordert weitere Forschung.
Gefühlte versus reale Risiken für die Gesundheit! Beispiel: „Pestizide in Lebensmittel machen mich krank…“
Welche Themen für uns persönlich und subjektiv die grössten gesundheitlichen Risiken darstellen, sind meist überhaupt nicht die wahren Gefahren! Wahrnehmungsunterschiede sind vor allem abhängig von Medienberichten darüber, Gewöhnlichkeit des Risikos (der häufigen Dinge, wie Rauchen, Strassenverkehr, …) sowie Schrecklichkeit des Ereignisses. Deshalb sind für uns die terroristischen Anschläge und die Angst vor dem Terrorismus immer so drastisch und eindrücklich (Panikmache in den Medien, Schrecklichkeit der Ereignisse) :
(aus Tagesanzeiger vom 26.03.2016, Constantin Seibt, Fürchte dich nicht)
Es zeigt sich also deutlich, man stirbt nicht an den Dingen, vor denen man sich fürchtet.
1 Mikromort = 1:1’000’000 Wahrscheinlichkeit zu sterben.
Ein Mikromort ist eine Masseinheit für Risiko und bezeichnet eine Wahrscheinlichkeit von eins zu einer Million, dass man stirbt. Wie riskant eine Tätigkeit ist, kann man in Mikromort angeben. Man kann als Beispiel 40 Kilometer mit dem Motorrad fahren oder 15 Kilometer auf dem Rad oder 43 Kilometer zu Fuss gehen, und schon erreicht man ein Mikromort. Weitere Beispiele:
Fallschirmspringen? Sieben Mikromort pro Sprung.
Bergsteigen im Himalaja? 12’000 Mikromort.
Ein Kaiserschnitt schlägt mit 170 Mikromort zu Buche.
Drei Zigaretten täglich rauchen: ein Mikromort.
Am Steuer mit dem Handy telefonieren ist so gefährlich wie mit 0,7 Promille im Blut fahren. Neugeborene und Greise haben übrigens für einen Tag das gleiche Sterberisiko: 1300 Mikromort. Das hat damit zu tun, dass die Geburt so gefährlich ist.
der alltägliche Strassenverkehr (Im Jahre 2011 starben in Deutschland im Strassenverkehr 3991 Personen = 11 Tote durch PKW-Unfälle täglich – „So etwas passiert anderen, nicht mir!„).
Was mindert diese wahren Risiken?
Wir können weitgehend selbst bestimmen, wie wir altern Was unterscheidet Menschen, die im Alter von 60 bis 80 zufrieden und gesund sind (happy-well) von den traurigen Kranken (sad-sick) fragten sich George E. Vaillant (Untersuchung der Harvard Medical School, 60 Jahre Beobachtung (Grant Study of Adult Developement): Aging Well.). Sieben Faktoren sind wichtig:
Primär können Sie all dies also weitgehend selbst verändern! Sie sind dabei Ihr eigener Super-Spezialist oder sollten es unbedingt werden. Und wir Hausärzte haben Sie dabei schon immer begleitet. Dies gehört zu unserem Kerngeschäft, das wir in unserer jahre- bis lebenslanger Betreuung immer schon einfliessen liessen.
Improvisieren heisst spontan sein, offen für das was auf mich zu kommt, für die Offenbarungen des Moments – bereit sein auch für Wechsel.
Wechsel existieren im Leben auf den verschiedensten Ebenen, welche stets um uns sind. Wechsel lassen uns wandeln, lassen uns wachsen und das Gewohnte verändern. Wir wollen diese Veränderungen jedoch oft nicht gerne geschehen lassen, da sie uns auch Halt nehmen, uns verunsichern, uns durchschütteln. Veränderungen durch Wechsel können uns jedoch auch beschenken, weil sie Unbekanntes in uns hervor bringen und uns damit neue Horizonte öffnen. Dies schenkt uns die Möglichkeit, weiter zu werden und mehr von uns selbst zu erleben, uns noch tiefer kennen zu lernen. Das bedeutet auch, aus gewohnten Situationen auszusteigen und sich auf Neuland einzulassen.
In der Beziehung können Veränderungen durch einen Wechsel aus der Komfortzone in einen sogenannten Wachstumszyklus geschehen (David Schnarch: Die Psychologie der sexuellen Leidenschaft). Dies macht Angst, da Sicherheiten wegfallen und es zu Entwicklungen kommt, in denen auch eine gewisse Distanz entstehen kann. „…Sie können sich auch ein Beispiel an Christoph Kolumbus nehmen: Man kann die Neue Welt nicht erreichen, ohne den sicheren Hafen zu verlassen. Spannende Erlebnisse, Entdeckungen und Abenteuer liegen ausserhalb des Komfortzyklus…“
Also auch mal raus aus der Komfortzone, sich selbst oder den andern neu erwecken. Etwas zusammen tun, was man sich nie vorgestellt hat, sich herausfordern mit unbekannten Dingen…sich überraschen, den andern überraschen.
Wichtig erscheint mir auch der Wechsel in der Sexualität: Hier ist es der Wechsel von Slow Sex (Sich-Nähren, weich, warm, totale Hingabe) zu starkem offensiven, auch forderndem Verlangen. Bleiben wir im körperlichen Zusammensein stets nur auf der einen Seite, vergeben wir uns die immense Kraft, die aus dem Wechsel von weich/stark, von „Nehmen und Genommenwerden“ hervorgeht und uns mit neuer Energie bereichern und nähren kann.
Hierfür ist die Improvisation ein wunderbares Werkzeug. Es soll etwas sein, was täglich und immer wieder auch spontan möglich ist und Platz hat, auch wenn der Alltag uns fordert. Auf die Idealbedingungen können wir lange warten. Zu improvisieren mit dem, was gerade da ist, schenkt uns viel Lebendigkeit, Freude und Verbindung zueinander.
Täglich und ständig begegnen wir Improvisationsmöglichkeiten. Wie bereit und offen sind wir wirklich für sie? Finde ich es einfach noch interessant, als spontan-improvisierender Mensch zu wirken, weil es gerade hip ist? Oder lebe ich es und ertrage ich es wirklich, auch wenn es mich herausfordert und die Situation es verlangt, mich auf etwas Ungeplantes einzulassen?
Es braucht Alltagsmut, Bereitschaft, Toleranz auch, sich von Geplantem zu lösen, das Momentane zu sehen, wahrzunehmen und das Kontrollierende, welches auch zur Planung gehört, aufzugeben.
Wissen, wie es genau kommt, tun wir nie. Deshalb ist die Improvisation eine wunderbare Möglichkeit, im Augenblick zu leben. Es sind nicht die grossen Entscheidungen gemeint, vielmehr also die kleinen Impro-Schritte im Alltag, das Etwas-Anders-Handeln-Als-Gewohnt, das Beweglichbleiben. Hineinspringen und staunen, was sich bewegt, sich zeigt, wo es mich ungeplant hinzieht… Mehr intuitiv, nicht unbedingt lustbezogen und auch nicht mit dem Kopf, der meist lieber planen und die Kontrolle behalten will.
Betrachten wir auch den Tempowechsel in der Kommunikation: Zuhören, Reden, Mitdenken und dann auch mal einen Einschub in einem Dialog zulassen, auch wenn der andere noch nicht ganz geschlossen hat – da ist Feuer drin und Kraft. Wenn es dann wieder ins harmonische Zuhören wechselt, gibt es zwischen den Menschen viel Bewegung und Energie.
Jahreszeitenwechsel und auch bereits ein Wechsel des Wetters (vom Regen zur Sonne!) tut uns nachweislich sehr gut und belebt uns ungemein.
Wechsel wie der Fluss, der mal ruhig fliesst und dann wieder über Stromschnellen mit vielen Turbulenzen, schnell und langsam…
Beim starken Improvisieren und Wechseln pendeln wir manchmal von einem Extrem ins andere – so ist das Leben. Ich habe gelernt, dass ich dann nicht auf das Pendel schaue, sondern auf die Aufhängung:
So komm ich vermehrt vom „aber“ zum „und“ und vom „entweder/oder“ zum „sowohl-als-auch“.