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Lass deinen Körper nicht zum Gefängnis werden.
Mann kann nicht über den Körper hinausgehen, bevor man ihn nicht befreit hat (Ida Rolf).
Die Schüler kommen zum Lehrer und fragen ungeduldig, wann er Ihnen beibringt, wie die Revolution funktioniert.
Kurzes Merkblatt übers Rolfing >>> rolfing-merkblatt.htm
Was ist das?"Rolfing" wird nach seiner Begründerin IDA P.ROLF benannt. Sie arbeitete als Biochemikerin am Rockefeller-Institut der Columbia University.
Die Rolfing-Methode will dem Menschen helfen, im Gleichgewicht mit sich selbst und seiner
Umgebung zu leben.
Eine besondere Rolle kommt der Schwerkraft zu, unter deren Einfluss wir uns
ständig befinden. Faszien verkürzen und verhärten sich unter diesen Einflüssen.
Da das Fasziennetz aus einem zusammenhängenden System von Bindegewebshüllen
besteht, werden Fehlspannungen von einem Teil des Körpers zu einem anderen übertragen
und beeinträchtigen so die Statik des ganzen Körpers. Der Körper gerät aus
dem Gleichgewicht, was einen erhöhten Kraftaufwand für aufrechte Haltung und
Bewegung zur Folge hat. Dies führt wiederum oft zu Verspannungen, Ermüdung,
vorzeitigen Abnutzungserscheinungen und Schmerzen. Die Mitarbeit des Klienten ist absolut gefordert! Eine wunderbare alltägliche begleitende Übung kann der "Flight of the Eagle" sein: Anleitung.
Video über unsere Rolfingpraxis - zusammen mit Astrid Widmer
Was es nicht ist!Rolfing ist kein esoterischer Gemischtwarenladen, kein Drive-in-Satori, kein
Instant-Yoga, wo man nur hinzuliegen hat, durchgeknetet wird und als neuer Mensch
rausgeht. Es ist nicht die Methode, die DIE Veränderung in Ihrem Leben bewirkt (wie viele
erwarten). Rolfing ist keine Psychotherapie.
psychosomatische AspekteWie steht's? Wie geht's?
Ist das nicht diese furchtbar brutale Körpertherapie?!Ida Rolf war eine Visionärin, was die Rolle des Bindegewebes (des
Fasziennetzes)
im menschlichen Körper anbelangt. Sie bezog die Form des Körpers auf das Feld, in dem
er sich befindet und dem er unterworfen ist: auf die Schwerkraft. Diese Ida Rolf war keine
gute Pädagogin oder positiver ausgedrückt: ein sehr pragmatisch arbeitendes Genie (siehe
auch ihr sehr unsystematisches Buch "Rolfing - strukturelle Integration",
Hugendubel) und konnte ihren direkten Schülern nicht deutlich weitergeben, was sie da
tat. Diese Rolfer der 1.Generation kopierten deshalb ihren sehr kräftigen Arbeitsstil
(man nannte sie auch "Miss elbow"!) ohne genau zu wissen, warum sie das taten.
So wurde dieses frühe Rolfing häufig zur "Widerstandsarbeit" und der Rolfer
zum brutalen "Widerstandsbrecher".
Was können Sie im Rolfing gewinnen?Bewusstheit im Alltag: die alltäglichen Bewegungen und Haltungen stehen bei mir im Zentrum (Stehen, Gehen, Sitzen, Liegen). Die Bewegungsintelligenz kann enorm wachsen. Andere Kräfte neben der heute so allgegenwärtigen Muskelkraft (sprich Bodybuilding, Kraftraum, Fitness...) kennen lernen und gezielt einsetzen: Schwerkraft und Stützkraft der Erde (Gewicht und Gegenkraft) und die elastische Spannkraft des Bindegewebes, der gedehnten Faszien. Diese Kräfte sind "kostenlos". Die Bewegung wird dadurch katzenhafter und mit mehr Schwung und Sanftheit federnder und entspannter (siehe dazu auch meine Seite zum Joggen und den Nature-Beitrag zur Galoppbewegung des Pferdes), ökonomischer und intelligenter. Die Bewegungsqualität kommt vom im Westen üblichen anpackenden, fixierten und eingeschränkten "To-do" zum "Not-to-do", will heissen: Bewegung, die wie von selbst entsteht, mit Nachlassen der aktiven Spannung, geschmeidig. "Meditative" Konzentration auf Gewicht spüren, auf Entspannung zu Beginn der Bewegung (anstatt die üblicherweise muskuläre Kontraktion), auf Dehnung, Verlängerung der Mittellinie, des körperlichen Innenraums (anstatt Verkürzung), also um passive Spannung (im Gegensatz zur aktiven Spannung, die verkürzt und staucht), auf Verbesserung des Gleichgewichts (des Gestütztwerdens, des Offenwerdens der Sinnesorgane Auge, Innenohr und Füsse). Ein Gefühl für Gleichgewicht bekommen, d.h. vor allem in welcher Richtung mein Gewicht fällt, die Schwerkraft auf meinen Körper wirkt . Die strukturellen Vorteile unserer Vorahnen (Vier- und Zweibeiner wie Primaten, Vögel) schätzen zu lernen, die alle das Becken hinter dem Lot haben (dabei z.B. das Hüftgelenk zur Federung frei haben, die ökonomischeren Rückseitenmuskeln einsetzen, etc..). Oder: Leben ist Bewegung - Bewegung beginnt im Kopf. Die Bewegung entsteht bei der "Tonic Function" (Hubert Godard) und bei der "Normal Function" (Hans Flury), der Idealbewegung des Rolfings aus den intrinsischen Tiefenmuskeln und ihres Bindegewebes (des sog. "Core" oder Kerns), was auch andere Konzepte als zentrales Element ihrer Methode betrachten (Spiraldynamik, Pilates, Feldenkrais, Alexander...). Die Stabilisierung des Körpers geschieht durch Aktivierung dieser Kernstrukturen (Einschub für Mehrdenker: Mein Kollege und Scharfdenker Hans Flury würde hier sofort Einwände anbringen: Für ihn existiert in der Normal Function keine Stabilität, alles fliesst und das macht Angst und damit muss der Mensch leben lernen. Alle "gemachte" Stabilität ist unökonomisch, verkürzt, staucht...). Dr.med. Hans Flury orientiert sich konsequent an den Eckpfeilern der Strukturellen Integration nach Ida Rolf: die strukturelle Betrachtung des menschlichen Körpers, die Rolle der Schwerkraft und die Plastizität des Bindegewebes. Hubert Godard, der als ehemaliger Tänzer einen breiten Erfahrungshintergrund unterschiedlichster Bewegungsschulen (u.a. Alexander-Technik, Feldenkrais) besitzt, erweiterte die strukturelle Sicht- und Arbeitsweise des Rolf-Movement um neurologische, sozial-psychologische und künstlerische Gesichtspunkte. Er ist Professor für die Erforschung der menschlichen Bewegung an der Universität VII in Paris. Godard eröffnet unserem ursprünglich recht "statischen" Konzept ganz neue Dimensionen, indem er die Bedeutung der Koordination und der sensorischen Orientierung in die Behandlung des Fasziensystems mit einbezieht.
(Tabelle aus Hans Georg Brecklinghaus, Atem Bewegung, Handbuch für Strukturelle Integration, Freiburg 2007)
Beide Ansätze ergänzen sich sehr gut und können je nach Situation und Klientel sehr spezifisch angewendet und kombiniert werden.
Weiteres für Wissbegierige: Einige Punkte der strukturellen Bewegungslehre (Normal Function von Flury) und das Tonic Function Model von Hubert Godard. Die Laufhaltung als Beispiel einer ökonomischen Bewegung. Und hier ein Gespräch mit Hans Flury über Theorie und Praxis des Rolfings.
Die Abbildung des Mädchens zeigt deutlich die Problembereiche vor der 1.
Sitzung: Das Gewicht (oder Lot) fällt insgesamt eher hinter der Mittellinie
runter. Die Beine sind überstreckt, das Becken oben nach vorne gekippt. Die
Bauchwand drängt vor. Der Brustkorb sackt zusammen und ist insgesamt nach
hinten gekippt. Die Vorderseite des Körpers ist kürzer als die Hinterseite. Der Kopf muss mit einer starken Verschiebung nach vorne
ausgleichen. Die Atmung ist dadurch sowohl im unteren Rücken, wie auch im
oberen Brustkorb eingeschränkt.
In der Regel besteht eine Behandlung im Rolfing aus einer Folge von etwa zehn aufeinander
aufbauenden Sitzungen.
Die Körperstruktur ist nach einer solchen Serie besser geordnet. Aufrechte
Haltung und Bewegung fallen leichter, der Brustkorb kann sich weiter dehnen und
erlaubt eine freiere, tiefere Atmung. Fehlbelastungen von Gelenken und
belastende Spannungsmuster im Gewebe sind verringert. Oft hat dies die
Verminderung oder das Verschwinden von Schmerzen zur Folge. Patienten berichten
meist von einem Gefühl der Leichtigkeit und des allgemeinen Wohlbefindens.
besser joggenWie läuft's denn so?! Gehen Sie Ihrem Jogging-Stil auf den Grund und
optimieren Sie Ihr Training Schritt für Schritt. Für optimale Gelenkschonung
und begeisternde Lauf-Effizienz gebe ich auch stundenweise persönliches Training
(zuerst eine Stunde
Theorie und persönliche Anwendung von Haltung und Bewegung + dann eine Stunde
gemeinsames Jogging):
Faszien und NervensystemEs hat sich gezeigt, dass während der Manipulation des Bindegewebes das
(autonome) Nervensystem hochaktiv ist. Robert Schleip hat dies in einer spannenden
Übersichtsarbeit zusammengefasst und verweist dabei auf die Präsenz von
Mechanorezeptoren im Fasziensystem (v.a auf die interstitiellen Rezeptoren),
aber auch auf neu entdeckte fasziale glatte Muskelzellen. Dies könnte die vom
Behandler erlebte Faszienplastizität stimmig erklären. Es deutet auch auf
einen engen Zusammenhang zwischen Faszien und Vegetativum hin. Faszien als
Aussenstellen des autonomen Nervensystems. Jede Manipulation der Faszien ist vor
diesem Hintergrund auch eine Einwirkung auf das Vegetativum und jede
Veränderung des autonomen Nervensystems kann eine unmittelbare wie langfristige
Veränderung im Faszientonus bewirken (www.somatics.de/Osteop_Mediz/Faszien.htm). Sehr lesenswert auch der Artikel von Hans Flury in Osteopathische Medizin (und Interview mit Peter Schwind).
weitere Körperarbeit als ErgänzungMan kann überspitzt sagen, dass wir durch dieses Intrinsisch-Werden der Bewegung, durch die Aktivierung der Kernstrukturen und durch die Verbesserung des Gleichgewichtes in der "Normal Function" des Rolfings "kostenfrei" auch die spiralige Verschraubung der Körperstruktur erreicht, die im Konzept der Spiraldynamik angestrebt wird. Sie ist eine wunderbare Ergänzung zum Rolfingprozess: Stabilität und Flexibilität kann dadurch noch zunehmen. Umgekehrt profitiert die Spiraldynamik durchs Rolfing in besserem Gleichgewicht und in der Verlagerung auf die intrinsische Bewegung. Dies kann man auch über sehr gut angeleitetes Pilates, Feldenkrais und die Alexandertechnik behaupten. Die hoch besungene "Stärkung" dieser Rumpfstabilisatoren (Tiefenmuskeln) erreicht man übrigens frank und frei mit gut ausgeführtem Joggen (Lesen Sie dazu meine Seite www.dr-walser.ch/jogging.htm!) oder fischähnlich gutem Crawlen!
myofasziale Triggerpunkttherapie als ErgänzungSeit den grundlegenden Arbeiten von Travell und Simons ("Myofascial Pain
and Dysfunction", Williams & Wilkins, Baltimore, 1983/92) existiert ein
neues Paradigma der Schmerzmedizin: Viele Bewegungsapparat-Schmerzen haben ihren
Ursprung in der Muskulatur. Durch Überlastung oder Überdehnung können in
einem Muskel Zonen unbeweglicher Zellen entstehen, die schlecht durchblutet und
daher schmerzhaft werden. Diese erkrankten Muskelstellen lassen sich tasten:
Hartspannstränge mit empfindlichen Stellen (sog. Triggerpoints). Dort lässt
sich ein Schmerz provozieren, der oft in andere Körperregionen ausstrahlen kann
(sog. Referred pain). Durch geeigneten manuellen Druck und Dehnung dieser
Triggerpunkte, zusammen mit Faszientechnik, passiver und aktiver Dehnung des
ganzen Muskels lässt sich der Schmerz und zusammenhängende vegetative und
neurologische Symptome auch nach langer Zeit wieder beseitigen.
Beispiel einer Schmerzausstrahlung (hier aus Triggerpunkten des Psoasmuskels):
Evidenz:
Bewegung aus dem Fasziennetz:Amüsantes aus Nature 421, 35-36 (2003):
Und dann dasselbe beim Menschen im Jahr 2008: Am 28.06.08 schrieb ich dann dem einen Autor Haiko Sprott von der Uniklinik Zürich folgendes Mail - bekam aber bisher keine Antwort... "Guten Tag Herr Sprott, mit Interesse habe ich Ihren
obengenannten Artikel im Schweiz.Med.Forum gelesen. Man könnte diese Resultate aber auch ganz anders
interpretieren. Im Rolfing unterscheidet man ein allgemeines Prinzip der
optimalen Bewegung und auch Haltung, eine allgemeine Bedingung wäre besser, und
eine kleine Zahl spezieller Bedingungen (die nicht ganz immer eingehalten werden
können). Die allgemeine: jede Bewegung wird durch selektive Reduktion von
aktiver Spannung ausgelöst. Allgemein und physikalisch korrekt: Jede Zustandsänderung
(beschleunigen, bremsen, Richtungsänderung) des Körpers oder eines beliebig
kleinen Teils des Körpers wird durch eine Nettokraft bewirkt, die bei
selektiver Reduktion von aktiver Spannung in Erscheinung tritt. Diese Nettokraft
ist immer die Schwerkraft oder die elastische Kraft gedehnter Faszien, oder
beides. Manchmal muss man die allgemein gültige Ansicht verlassen und
das Ganze mit mehr Distanz betrachten. Es geht dabei aber ein Bruch
auf (nach Bachelard: siehe dazu mein Gespräch mit dem Psychoanarchisten Hans Flury: Ich wünsche Ihnen viel Anregung durch meine Sichtweise."
Weitere Links:Schweizerisches Rolf-Institut: www.rolfing.ch
Video über meine Rolfingkollegin Astrid Widmer bei der Arbeit
Literatur: sehr gutes Übungsbuch der "Normal Function", d.h. ökonomischen Alltagsbewegung: Die neue Leichtigkeit des Körpers, Dr.med.H.Flury, Rolfer und Arzt erhältlich bei der SGSI (www.sgsi.ch). Strukturelle Bewegungslehre in Kürze: oekonomie_der_bewegung.pdf Laufhaltung beim Joggen nach Rolfing-Art: laufhaltung.pdf Sammlungen von Rolfing-spezifischen Arbeiten im Internet: http://pedroprado.com.br/cgi-bin/cont_ipr.cgi?ling=germ www.somatics.de/articlesprof.html www.resourcesinmovement.com/Archive.htm
Kurzes Merkblatt übers Rolfing >>> rolfing-merkblatt.htm
Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, Zypressenstrasse 50, CH-8004 Zürich, ++41 44 241 75 55, Mailkontakt, Certified Rolfer seit 1984
Viele Ideen und bildhafte Vergleiche, die ich hier benütze, sind von meinem Lehrer Hubert Godard, meinem Freund und Kollege Hans Flury und auch von Willi Harder, der viel zu jung gestorben ist - drei geniale Köpfe, die das Rolfing wieder viel näher zu den Visionen der Ida Rolf gebracht haben.
Last updated 16.01.2010
Die Auskünfte in dieser Homepage erfolgen unverbindlich und ohne rechtliche Konsequenzen zu meinem Nachteil. Eine konkrete Beurteilung ist lediglich in Kenntnis des Einzelbestandes möglich (siehe auch Disclaimer). |
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