Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts!
Wenn wir Gesundheitsförderung betrachten, müssen wir die Chartas des Spiritus
Rector, des Ideen- und Ratgebers anschauen, der WHO: Für diese erschöpft sich
das Ganze nicht in Rückenkursen und Stressbewältigungstraining, sondern sie
ist ein nahezu sozialrevolutionäres Programm, denn Gesundheit für alle
bedeutet Frieden, Sicherheit, Bildung, Essen, Einkommen, ein stabiles
Ökosystem, nachhaltige Ressourcen und soziale Gerechtigkeit, also Demokratie
und Menschenrechte. Eine Gesundheitsförderung sollte die Menschen in die Lage
versetzen, sich um ihre Gesundheit zu kümmern, sie zu befähigen, bessere
Kontrolle über ihre Lebensbedingungen zu haben. Die Gesundheitsförderung geht
also auch die Politik an, die Schule, den Betrieb, die Gemeinde.
Gesundheit ist eine ausgewogene Ganzheit, ein Gleichgewicht, eine Harmonie von Kräfte und
Funktionen: uns intensiv um unser physisches Selbst kümmern; den Verstand konstruktiv
nutzen; unsere Gefühle ausdrücken; kreativ mit unserer Umwelt verbunden sein; unsere
physische Umwelt wichtig nehmen; unser Leben als sinnvoll erfahren. Gesundheit hat zu tun
mit Lebendigkeit, mit Lebenssinn und mit der Fähigkeit, trotz Leiden und Anfechtung sein
Leben zu führen, sich zu entfalten, die oder der zu werden, die oder der man ist.
Damit trägt Gesundheit auch zum Funktionieren von Freundschaften, Familien und
Gemeinschaften bei. Gesundheit in diesem umfassenden Sinn sollte für alle Menschen
erreichbar sein.
Sie finden hier nur eine Sammlung von Aspekten,
die Sie anregen soll, über Ihr Verhalten und Ihre Lebensführung nachzudenken. Prüfen
Sie jeweils, was Ihnen bedeutungsvoll erscheint, und fassen Sie Ihre Überlegungen dann in
dem Auswertungsbogen zusammen. Notieren Sie Hinweise zu Bereichen, in denen Sie einen
Mangel erleben, in denen Sie Ihr Verhalten, Ihre Kenntnisse, Ihr Bewusstsein fördern
möchten. Fassen Sie Ihre Überlegungen am Schluss jedes Kapitels zu einem globalen
Skalenwert zusammen
(von -2=geringes bis +2=angemessenes Gesundheitsverhalten).
Und hier ein Test zur Testung Ihrer Berufs- und
Lebenszufriedenheit (Charaktertest VIA (values in action) - ca. eine halbe
Stunde Zeitaufwand): www.charakterstaerken.org
der Forschergruppe um Willibald Ruch der Uni Zürich.
Lebe massvoll, lustvoll, natürlich und mit
viel Bewegung Eine
Untersuchung der Harvard Medical School, eine der längsten (60 Jahre
Beobachtung!) und umfassendsten Forschungen zur menschlichen Entwicklung zeigt,
wir können weitgehend selbst bestimmen, wie wir altern! Was unterscheidet
Menschen, die im Alter von 60 bis 80 zufrieden und gesund sind (happy-well) von
den traurigen Kranken (sad-sick) fragten sich George E. Vaillant et. al. (Aging
Well. Little, Brown & Company, Boston 2002, ISBN 0-316-98936-3).
Sieben
Faktoren sind wichtig: Tabakabstinenz
("wahrscheinlich der wichtigste Faktor!"), gesundes
Gewicht, wenig Alkohol, regelmässige Bewegung,
solide Liebesbeziehung, erwachsener Umgang mit emotionalen Konflikten und
Stress, lange und gute Ausbildung - nicht aber Geld/Vermögen und auch nicht die
Gene!
Lesen Sie auch mehr übers gesund Altwerden (Anti-Aging) >>hier!
Gesund zu leben,
zahlt sich aus:
Eine gesunde Lebensweise senkt das Risiko für chronische Krankheiten noch
deutlicher als bislang vermutet: Wer noch nie geraucht hat,
viel Obst, Gemüse, Vollkorn und dafür wenig Fleisch isst,
kein massives Übergewicht hat und sich pro Woche mehr
als dreieinhalb Stunden bewegt, reduziert im Vergleich zu Menschen mit
gegenteiligem Verhalten sein Erkrankungsrisiko um 78 Prozent. (Langzeitstudie
des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung mit mehr als 25'000
Teilnehmern, 2009).
Im Einzelnen sinken bei einer derart bewussten Lebensweise das Diabetes-Risiko
um 93 Prozent und die Gefahr eines Herzinfarkts um 81 Prozent. Die
Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden, vermindert sich immer noch
um die Hälfte und das Krebsrisiko um 36 Prozent.
Wer einen BMI unter 30 aufweist, vermindert allein dadurch sein Risiko für
chronische Krankheiten um mehr als die Hälfte. Wer darüber hinaus auch in
seinem Leben noch nie geraucht hat, senkt die Gefahr, chronisch zu erkranken,
sogar um 70 Prozent. Aber auch Raucher und Ex-Raucher können ihr Risiko durch
eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und ein normales Körpergewicht um
bis zu 70 Prozent senken.
Und zum Schluss
eine Warnung an Gesundheitsförderer:
Der Gesundheitsexperte schreibt vor, dass sich der Laie gesundheitsgerecht
verhalten soll oder seine Gesundheit mehr in die Hand nehmen soll, ohne zu
fragen, ob der Laie Gesundheit will, und schon gar nicht, wenn er ungefragt
muss. Mit den schönen Worten der Gesundheitsförderung (zur Gesundheit
befähigen) wird also etwas unterschlagen, was als Pflicht zur Gesundheit besser
umschrieben wäre. Gesundheit wird zur Norm. Eine Erfolg versprechende
Gesundheitsförderung hätte nicht nur kulturelle Muster wahrzunehmen und zu
berücksichtigen, sie müsste sich auch fragen, ob es ihrem Anliegen gut tut
(Menschen zur Gesundheit zu befähigen), wenn dieses mit einer
staatsbürgerlichen Pflicht sozusagen identisch ist. Möglicherweise ist dies
ein wesentliches Problem, an dem Gesundheitsförderung bisher gescheitert ist. Es
muss einem bewusst sein, dass sie auf die eine oder andere Weise etwas mit
Machtausübung verbunden ist. (gemäss Foucault ein Teil der Disziplinarmacht
von mittleren und höheren Schichten gegenüber den unteren). In unserer
Gesellschaft werden diejenigen diskriminiert, die dem Anschein nach zentrale
Werte des Abendlandes verstossen, gegen die Idee der Mässigung beziehungsweise
des rechten Masses (griechische Antike), gegen christliche Gebote, die sich zum
Beispiel gegen Völlerei (Adipositas) oder Süchte (Drogen, Rauchen) richten.
Diese Debatte über Mässigung passt aber wenig zu dem hedonistischen Bild, mit
dem sich unsere Gesellschaft gerne umhüllt. Maximale Lust, maximaler Spass
scheinen das Gebot der Stunde zu sein, also Party ohne Ende. Das Paradoxon des
Kapitalismus, mit dem einerseits grenzenloser Luxus und Genuss versprochen
werden, dessen Geist allerdings radikale Askese einklagt. Hoher Blutdruck,
Schlaflosigkeit, Leistungssportler werden deshalb nicht diskriminiert. Die
bürgerliche Aufklärung kreiert allerdings einen historischen Gegenspieler, die
Romantik, die von vernünftiger Lebensführung nun gar nichts wissen will. Sie
setzt auf das Gefühl, auf Müssiggang, Entgrenzung, Risiko und Todessehnsucht.
Oder: Jeder hat ein Recht auf ungesundes Verhalten, das oft attraktiv und bequem
ist. Es existiert hier kein "gut" oder "böse", kein
"normal" oder "sündig" (Christoph
Klotter: Warum wir es schaffen nicht gesund zu bleiben. Eine Streitschrift zur
Gesundheitsförderung. 2009, Reinhardt, München).
Gesundheit ist ein Wert, der mit anderen Werten wie Genuss, Müssiggang, Risiko
konkurriert. Vieles, was als unvernünftig, unsittlich usw. etikettiert wird,
wird attraktiv, Ein Verhalten als Sünde zu definieren, führt dazu, diese
Verhalten eher zu verstärken. Gesundheitsförderung sollte sich in einer
Balance zwischen Produktivität und Spiel positionieren. Sie muss nicht alleine
um Nützlichkeit zentriert sein. Sie könnte sich auch damit anfreunden, selbst
ein Teil des Unproduktiven zu sein, des Müssigganges, des Faulenzens, des
Spiels.
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