Autor: Dr. med. Thomas Walser

  • Achillessehnenschmerzen

    Achillessehnenschmerzen

    Aufbautraining und Therapie der sog. Achillessehnen-Tendinopathie (ohne grosse Läsion der Sehne oder nach Behandlung (Ruhigstellung/ Operation) derselben).
    Dies gilt auch für jede weitere Sehnenverletzung im Körper:

    • Das Allerwichtigste ist der Trainingsaufbau im weitgehend schmerzfreien Bereich: Weder während noch nach und auch nicht am Tag darauf sollten Schmerzen auftreten.

    Zuallererst muss man wissen, dass die Achillessehne einen fiesen Fehler im Warnsystem hat: Die Sehne schmerzt erst am Folgetag. Die meisten Menschen laufen deshalb viel zu lange weiter. Zu Beginn also, wenn nach einer Trainingspause im Alltag keine Schmerzen mehr bestehen, alle 2 – 3 Tage 10 Minuten Sport treiben (Joggen) und dann leichte Steigerung alle 2 – 3 Wochen um weitere 10 Minuten.

    • Eine Muskelzelle benötigt 100 Tage zur Regeneration, eine Sehnenzelle sogar 200 Tage!
      Durch Steroide (Kortisoninjektionen) wird diese Erneuerung massiv gehemmt. Die Regenerationszeit verlängert sich dadurch nochmals enorm.
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    • Alltäglich viel trinken, d. h. 2 bis 2,5 Liter Wasser als Basis. So kann man die anfallenden Harnsäurekristalle aus dem Essen (Fleisch, Fisch…) loswerden und so werden diese nicht nach und nach u. a. ins Gleitgewebe der Sehnen abgelagert. Daraus würde allgemein eine langsame Abnahme der Elastizität des Bindegewebes, eine zunehmende Steifigkeit und erhöhte Verletzungsneigung resultieren. Die bestehende Sehnenverletzung heilt so viel schneller.
    • Auch das Essen hat enormen Einfluss auf die Heilphase:
      Das Kollagen der Sehne bildet sich in Helixform (Verdrehung ist viel stabiler). Diese Form entsteht nur bei genügend Aminosäuren und Antioxidantien im Essen (Weiterlesen >>>). Bei schlechter Ernährung streckt sich deshalb das Kollagen der Sehne und die Elastizität nimmt massiv ab.
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    • Vier Wochen lang Vermeiden von ruckartigen Bewegungen im Fuss (keine Sprünge, keine Sprints).
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    • Hingegen muss die Propriozeption verstärkt werden: Also mehr Reize für das „Sinnesorgan“ Fuss: NIE Eingipsen oder Ruhigstellen!
      Viel barfuss laufen!
      Aufbauende, regelmässige, runde Belastungen des Fusses/ Beines durch (idealerweise) tägliches leichtes Joggen:
      Beginn mit täglich ca. 15 Minuten im Aeroben (v.a. gerade aus, ev. leicht ansteigend) – dann langsam steigern bis täglich 60 Minuten aerob (nie Schmerz während, nach oder am Morgen nach dem Joggen).
      Laufstil verändern: Langsames Laufen mit wenig Vorlage im Brustbereich – dadurch Schwingen der Beine (aus Iliopsoasmuskeln und kein muskelaktives Vorsetzen durch Quadriceps-Muskeln) – „Ganzfusslaufen“ unter Einbezug aller Längs- und Quergewölbe des Fusses von Ferse (zuerst aufsetzen) nach Vorfuss (auch ausgelöst durch Vorlage im Oberkörper). Praktisch immer ist ein Fuss am Boden (nie beide gleichzeitig in der Luft). Der Kopf balanciert auf Mittelachse. Hals (nicht nach vorne strecken), Schultergürtel liegt leicht auf Körper und alles (auch Arme) hängt daran. Auch Becken hängt wie Topf (Bauchmuskeln, Gesäss, Beckenboden entspannt). Beine hängen aus Becken raus… Ergibt katzenartige, leichte Schwungbewegung (man hängt quasi in seinem Bindegewebe) und nicht muskelzentriertes, angestrengtes Kraftlaufen.
      Weiterlesen >>>
    • Vor und nach dem Joggen langsam Einlaufen oder besser Ein-Gehen (Warmlaufen mit obiger Technik). Spezielles Dehnen (mehrmals täglich): Stehen auf Treppenabsatz (nur Vorfuss auf Treppenstufe, Blick gegen Treppe). 10–20 Sekunden auf Zehenspitzen stehen. Dann Fersen so weit, wie möglich durch Eigengewicht 1-2 Minuten sinken lassen. Sich dabei immer sicher festhalten. Wiederholen (>>>genaue Anleitung hier: achillesehne.pdf).
      Und übliche (bekannte) Stretchingübungen der hinteren Wadenmuskulatur.
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    • Weitere Anregung zur Heilung: mit Bürstchen Sehne täglich in Faserrichtung kräftig massieren.
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    • Ein Instabil-Schuh (MBT) schult auch die Propriozeption und kann ähnlich wie Barfusslaufen die Heilungszeit verkürzen. Man soll diesen Schuh aber nachher nicht mehr häufig tragen und diese Vorlagetechnik beim Gehen besser unabhängig von Hilfsmitteln erlernen (siehe meine Jogging-Seite). Der grosse Nachteil des MBT-Schuhs ist die kleine Auflagefläche und das Rollen über diese Fläche, die zu argen Stürzen führen kann.
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    • Die Übung zur Verkleinerung des „Schmerztores“ zum Hirn kann auch sehr wirksam sein: siehe hier >>>

    Bei einer Achillodynie (schmerzhafte Achillessehne) muss auch immer nach Triggerpunkten in der hinteren Wadenmuskulatur (und eventuelle Ketten über die Hinterseite der Oberschenkel, Gesäss bis in die Rückenmuskulatur) gesucht und diese therapiert werden (Triggerpunktmassage z. B. mittels manueller Technik: siehe imtt.ch , Rolfing , etc.)

    Bei Einnahme von Statinen (Cholesterinsenker) und Achillodynie muss an eine Nebenwirkung dieser Medikamente gedacht werden! (Arthritis Care Research 2008;59:367-372).
    Eine weitere Gruppe von Medikamenten, die Sehnenentzündungen verursachen können, sind die Antibiotika der Fluorchinolonen: Ciprofloxacin, Norfloxacin, etc..

    Sport macht keine Tendinitis!

    Ich vermeide hier den Begriff „Entzündung“ oder Tendinitis, da sich gezeigt hat, dass nie klassische Entzündungszellen anzutreffen sind. Stattdessen zeigten sich histologisch dünne, ausgefranste, fragile und teilweise zerrissene Sehnenfasern sowie sogenannte Tenozyten (Sehnen-Reperaturzellen). Beides spricht für eine Sehnenverletzung und nicht für eine Entzündung (so Karim M.Khan et al., BMJ 2002;324:626-27). Statt von einer Entzündung (Tendinitis) zu reden, sollte man eher von einer Tendinosis oder Tendopathie sprechen. Bei der Prognose ist deshalb auch eher mit Monaten (200 Tage!) als mit Wochen zu rechnen, bis die kollagenen Umbauprozesse abgeschlossen sind. Auch für die antientzündlichen Schmerzmedikamente (NSAR) findet sich nur eine sehr begrenzte Evidenz. Kosten und Nebenwirkungen lassen sich so verhindern!

    Sehnenrisse – Dynamische intraligamentäre Stabilisation

    Immer häufiger werden Sehnenrupturen wegen der hochkomplexen Struktur derselben wie Knochenbrüche behandelt, möglichst erhalten (und nicht durch Totmaterial oder einfache Bänder und Sehnenteile ersetzt) und auch geschient (wie auch vermehrt beim vorderen Kreuzbandriss).
    Auch die komplette Ruhigstellung für mehrere Wochen im Gips wird dabei immer mehr zu Gunsten einer sog. „Dynamischen intraligamentären Stabilisation (DIS)“ aufgegeben, da man gesehen hat, dass ein durchgehend funktionelles Gelenk viel schneller und besser heilen kann (siehe dazu auch die einfache Absatzerhöhung bei der Achillessehnenruptur an Stelle einer operativen Versorgung).
    Kürzere Operationsdauer und Hospitalisation, viel weniger Nebenwirkungen und Komplikationen und schnellere komplette Heilung sind überzeugende Argumente für die Dynamische intraligamentäre Stabilisation.

    Joggen/Laufen und Sehnenprobleme im Alter

    Jede Sportart kennt für die meisten Menschen Altersgrenzen. Beim Joggen ist sie erreicht, wenn ich mit über 60 ständig an Achillessehnenentzündungen leide. Ich glaube, unser Körper hat ein begrenztes Jogging-Kontingent – und wenn es aufgebraucht ist, wehrt er sich mit wiederkehrenden Sehnen- und Weichteilproblemen.

    Veröffentlicht am 07. Juni 2017 von Dr. med. Thomas Walser
    Letzte Aktualisierung:
    10. November 2025

  • Gesundheits-Checkliste

    Die Fragen und Antworten in dieser Checkliste vermögen keine ärztliche Beratung und Untersuchung zu ersetzen. Die Auswahl kann Sie nur auf eventuell verborgene Gesundheitsprobleme hinweisen, die dann ein Fachmann abklären sollte. Nehmen Sie die Antworten daher nicht als Diagnose: Ein Ja allein bedeutet nicht, dass Sie an einer Krankheit leiden, ein Nein nicht, dass Sie sicher frei davon sind.

    Fragen:

    1. Wie viel wiegen Sie, wie gross sind Sie? (Antwort)
    2. Misst Ihr Taillenumfang mehr als 94 Zentimeter (Männer) oder 80 Zentimeter (Frauen)? (Antwort)
    3. Rauchen Sie oder haben Sie erst kürzlich aufgehört? (Antwort)
    4. Trinken Sie Alkohol? Wie viel? (Antwort)
    5. Kennen Sie Ihre Cholesterinwerte? (Antwort)
    6. Kennen Sie Ihren Blutdruck? (Antwort)
    7. Treiben Sie Sport, oder bewegen Sie sich regelmässig? (Antwort)
    8. Verspüren Sie bei körperlicher Belastung Herzstechen oder Enge in der Brust? (Antwort)
    9. Bemerken Sie manchmal ein plötzliches Rasen oder gelegentliches Stolpern des Herzens? (Antwort)
    10. Verspüren Sie eher als Gleichaltrige Atemnot beim Treppensteigen oder auch schon in Ruhe, wenn Sie sich flach hinlegen? (Antwort)
    11. Haben Sie manchmal schon in Ruhe einen roten Kopf? Neigen Sie zu Kopfschmerzen und/oder Nasenbluten? (Antwort)
    12. Leiden Sie häufiger an Rückenschmerzen? Haben Sie das Gefühl, dagegen nichts tun zu können? Halten die Beschwerden oder die Angst vor Beschwerden Sie oft von Dingen ab, die Sie eigentlich gern tun möchten? Oder arbeiten Sie bei Schmerzen verbissen weiter? (Antwort)
    13. Haben Sie Husten, der länger als vier Wochen anhält, eventuell mit eitrigem oder blutigem Auswurf? (Antwort)
    14. Leiden Sie unter chronischer Heiserkeit (vor allem Raucher)? (Antwort)
    15. Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Ihnen das Essen in der Speiseröhre stecken bleibt? (Antwort)
    16. Leiden Sie öfter unter Sodbrennen oder Aufstossen, vor allem, wenn Sie nüchtern sind? Bessern sich die Beschwerden nach dem Essen? (Antwort)
    17. Mögen Sie plötzlich Speisen nicht mehr, die Sie sonst gern gegessen haben, oder hat Ihr Appetit generell nachgelassen? (Antwort)
    18. Haben Sie nach dem Essen krampfartige oder lang andauernde Bauchschmerzen? (Antwort)
    19. Hat sich der Stuhlgang verändert? (Antwort)
    20. Sind Leberflecken oder andere Haut- male unregelmässig schnell gewachsen oder verfärbt; jucken, nässen oder bluten sie? (Antwort)
    21. Hat sich Ihr Gewicht in letzter Zeit ohne ersichtlichen Grund erheblich verändert? (Antwort)
    22. Fühlen Sie sich matt, hat Ihre Leistung abgenommen, und leiden Sie eventuell unter Verstopfung? (Antwort)
    23. Sind Sie überraschend verstärkt nervös, haben Heisshunger und eine gesteigerte Stuhlfrequenz? (Antwort)
    24. Verspüren Sie in letzter Zeit übergrossen Durst oder besonders oft Harndrang? (Antwort)
    25. Hat sich beim Wasserlassen etwas verändert? (Antwort)
    26. Fühlen Sie sich wegen ständiger beruflicher oder privater Probleme zunehmend erschöpft? Hat das Schlafbedürfnis zugenommen? (Antwort)
    27. Trinken Sie mehr Kaffee oder Alkohol als früher? (Antwort)
    28. Schwitzen Sie stärker? (Antwort)
    29. Haben Sie manchmal den Eindruck, alles stürze auf Sie ein, ohne dass Sie sich wehren könnten? (Antwort)
    30. Kommt es häufig vor, dass Sie Gefühle haben, die Sie lieber nicht hätten? Glauben Sie oft, unfair behandelt zu werden? (Antwort)
    31. Haben Sie vor Besprechungen, Präsentationen oder anderen Ereignissen Gedanken wie: Ich werde rot, meine Hände werden zittern?(Antwort)
    32. Leben Sie oft in der festen Erwartung, dass etwas schief gehen wird? Neigen Sie zu Selbstvorwürfen, wenn Ihnen tatsächlich etwas misslingt? (Antwort)
    33. Trifft folgendes auf Sie zu? Ich hetze mich lieber ab, als zu spät zu einem Termin zu kommen. Ich bin beim Essen häufig als Erster fertig. Es kommt oft vor, dass ich an andere Dinge denke, wenn ich mit jemandem spreche. (Antwort)
    34. Wenn Sie Alkohol trinken, verlieren Sie die Kontrolle darüber, wie viel Sie trinken? (Antwort)
    35. Gehen Sie familiären Konflikten aus dem Weg, indem Sie lange arbeiten? (Antwort)
    36. Dient Alkoholkonsum vor allem einem Zweck (Befreiung kreativer Gedanken, Abbau überstarker sozialer Hemmungen) statt dem Genuss? (Antwort)
    37. Verbergen Sie Ihren Alkoholgenuss? Vermeiden Sie im Gespräch Anspielungen auf Alkohol? Trinken Sie öfter mit Menschen, die weit unter Ihrem Niveau liegen? Haben Sie versucht, für eine Weile gar nichts zu trinken oder erst ab einer bestimmten Uhrzeit? (Antwort)

    Antworten:

    1. Aus Ihrem Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch das Quadrat der Körpergrösse in Meter errechnen Sie den Body-Mass-Index (BMI).
      So hat etwa ein Mann von 1,80 Meter und 75 Kilogramm einen BMI von 23. Als Untergewicht gelten Werte bis 18,5, das Normalgewicht reicht bis 25, mässiges Übergewicht bis 30, und ein noch höherer BMI kennzeichnet starkes Übergewicht. Unstrittig in der Praxis ist aber nur, dass ein BMI zwischen 22 und 25 erfreulich ist und dass bei 40 die Alarmstufe Rot beginnt. Dazwischen herrscht Verwirrung. Auch kann zum Grenzwert für mässiges Übergewicht auch jeweils ein Punkt hinzugezählt werden für jedes angefangene Lebensjahrzehnt ab 35. Eine 44-Jährige mit einem BMI von 26 und ein 62-Jähriger mit 28 wäre also noch normalgewichtig. Keinesfalls aber darf man jedes Lebensjahrzehnt um einen Punkt in der BMI-Skala zulegen: Gesünder ist es, sein Gewicht bis ins Alter zu halten, wenn aus medizinischen Gründen nicht sogar das Abnehmen empfohlen wird.
    2. Bei diesen Werten beginnt unabhängig vom Body-Mass-Index, die Alarmzone für das Herzinfarkt-Risiko. Bei Werten über 102 Zentimeter bei Männern und 88 Zentimeter bei Frauen ist nach internationalen Erkenntnissen das Abnehmen dringend erforderlich.>>> Weiterlesen
    3. Rauchen ist ein wichtiger Risikofaktor einer Reihe von Erkrankungen, darunter Herzleiden und Lungenkrebs. Bei Männern verdoppelt oder verdreifacht Zigarettenkonsum das Infarktrisiko – je nach sonstigen Umständen. Auch regelmässiges Passivrauchen verdoppelt diese Gefahr. Erst drei bis fünf Jahre nach dem Aufhören haben Exraucher wieder das Infarkt-Risiko von Nichtrauchern. >>> Weiterlesen
    4. Ein bis zwei Gläser Alkohol pro Tag, am besten zu den Mahlzeiten getrunken, schützen offenbar das Herz. Das Risiko geht um etwa 40 Prozent zurück; Wein, Bier oder Spirituosen scheinen gleichermassen effektiv zu sein. Zudem schützt der Konsum womöglich auch vor dem Magengeschwür-Erreger Helicobacter pylori. Mehr Alkohol treibt jedoch den Blutdruck in die Höhe und zerstört den Gesundheitseffekt. Und natürlich ist auch Alkoholmissbrauch auf die Dauer höchst gefährlich.
    5. Sowohl der Wert für das Gesamtcholesterin als auch diejenigen für LDL und HDL (das «böse» und das «gute» Cholesterin) sind wichtige Grössen, um Ihr Risiko zu beurteilen, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Schon Unkenntnis ist gefährlich, weil der Cholesterinspiegel keine Beschwerden macht, bis es zu spät ist. Gemäss einem Schnellfragebogen der American Heart Association haben Sie auch als Nichtraucher und Nicht-Passivraucher bei optimalem Gewicht und Sportpensum fast schon ein mittleres Infarkt-Risiko, wenn Sie Ihren Cholesterinspiegel und Blutdruck nicht kennen. Als Gefahrenwerte gelten: Gesamt-Cholesterin über 250 mg/dl (6,5 mmol/l), HDL unter 35 mg/dl (0,9 mmol/l) oder ein Verhältnis beider mehr als 6,5 zu 1.>>> Weiterlesen
    6. Unkenntnis ist auch beim Blutdruck gefährlich, weil Sie ihn nicht spüren können. Der Druck in Ihren Adern sollte dauerhaft weniger als 140 zu 90 Millimeter Quecksilbersäule betragen. Liegt Ihr diastolischer Druck (der untere Wert) zwischen 85 und 90, sollten Sie den Blutdruck aufmerksam beobachten. Steigt der Druckwert über 100, beginnen sich Schäden an Herz, Nieren und Gehirn einzustellen. Ab 115 kann es zu Blutungen im Auge kommen; geistige Aussetzer hinterlassen womöglich irreversible Folgen. Fatalerweise kann Bluthochdruck bei manchen Menschen eine unbewusste, erlernte Reaktion auf Stress sein. Sie fühlen sich gelassener und finden Schmerz weniger belastend. >>> Weiterlesen
    7. Bewegung senkt viele Krankheitsrisiken, lässt das Herz-Kreislauf-System effektiver laufen, beugt Schmerzen im Bewegungsapparat vor und kann Stress abbauen. Experten empfehlen, dreimal pro Woche Ausdauersport zu treiben, jeweils mindestens 30, besser 45 Minuten lang. Allerdings genügt regelmässiges flottes Gehen auch, um die Krankheitsrisiken zu senken (>>> Weiterlesen).
    8. Kann auf Arteriosklerose und Erkrankung der Herzkranzgefässe hindeuten.
    9. Womöglich Arteriosklerose und Erkrankung der Herzkranzgefässe oder eine Herzrhythmusstörung. >>> Weiterlesen
    10. Dem könnte eine Erkrankung der Herzkranzgefässe oder Herzinsuffizienz zu Grunde liegen.
    11. Bluthochdruck möglich. >>> Weiterlesen
    12. Ihre Rückenschmerzen könnten chronisch werden, wenn Sie ihnen die Kontrolle über Ihr Leben und den Wechsel von Arbeit und Entspannung geben. Dann müssen Sie selbst aktiv werden, gegen die Schmerzen und Einschränkungen mit professioneller Hilfe antrainieren und versuchen, die Beschwerden zu kontrollieren und sich nicht von Ihnen kontrollieren zu lassen.
    13. Neben einer verschleppten Bronchitis oder schlecht kontrolliertem Asthma macht auch Lungenkrebs solche Symptome.
    14. Dafür könnte ein Stimmbandkrebs verantwortlich sein.
    15. Typischer Fall einer vegetativen Beschwerde durch Stress; aber auch ein Speiseröhren-Tumor wäre möglich.
    16. Dahinter könnten sich eine Magenschleimhautentzündung oder Magenkrebs verbergen.
    17. Deutet auf Magenkrebs hin.
    18. Deutet sowohl auf Gallensteine als auch auf Probleme mit der Bauchspeicheldrüse hin.
    19. Ist er unregelmässig geworden, mit Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung, eventuell auch mit Schmerzen, sollte der Arzt den Verdacht auf Darmkrebs abklären.
    20. All das sind Alarmzeichen für Hautkrebs, der sehr schnell Tochtergeschwüre im Körper ausstreuen kann.
    21. Dahinter kann sich eine Krebserkrankung oder eine Schilddrüsenfehlfunktion verbergen. Letztere wird ausgelöst durch Jodmangel; er betrifft in der Schweiz 50 Prozent der Menschen, manche Studien sprechen gar von 75 Prozent. Abhilfe verschafft schon Jodsalz.
    22. Diese Kombination deutet auf Unterfunktion der Schilddrüse hin.
    23. Dahinter könnte eine Überfunktion der Schilddrüse stecken.
    24. Womöglich hat sich Zuckerkrankheit entwickelt.
    25. Wenn es schwer fällt, mit dem Wasserlassen zu beginnen, könnte die Prostata erweitert sein. Eine dauernde Verfärbung des Urins deutet auf Gallenblasenprobleme hin. Dem Drang, besonders oft zur Toilette zu gehen, könnte ein Harnblaseninfekt zu Grunde liegen.
    26. Dahinter könnten sich vegetative Probleme auf Grund von Stress verbergen.
    27. Beides wären ungeeignete Mittel, Ihrem Stress zu begegnen.
    28. Das kann sowohl eine vegetative Stressfolge sein als auch auf einer Schilddrüsenfehlfunktion beruhen.
    29. Die Gefühle von Hilflosigkeit, Kontrollverlust und Ausgeliefertsein steigern das Stressempfinden.
    30. Wenn Ja, dann ist Ihr so genanntes Kohärenzgefühl womöglich schwach ausgeprägt. Diesen psychologischen Begriff hat der israelische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky geprägt; er beschreibt, wie Menschen Ihre Umgebung erleben. Mit einem schwachen Kohärenzgefühl erscheint Ihnen die Welt wenig vorhersagbar, Ihr Einfluss auf das eigene Leben gering. Belastende Ereignisse lösen dann grössere Stressreaktionen aus, und Sie haben weniger Ressourcen, die Krisen zu bewältigen. >>> Weiterlesen
    31. Diese Gedanken verschärfen den unvermeidlichen Stress eines solchen Ereignisses. Sie zeigen auch, dass Sie die Präsentation mehr belastet, als Sie sich vielleicht eingestehen.
    32. So können Sie den Misserfolg provozieren. Die Selbstvorwürfe steigern und verlängern dann die körperlichen Folgen des Stresses.
    33. Dies sind 3 von 25 Punkten aus einem Fragebogen zum Typ-A-Verhalten. Das ist ein Verhaltensmuster, das die Gefahr von Herzleiden steigert. Wer gehetzt, ungeduldig und ehrgeizig ist, besitzt oft ein grösseres Infarkt-Risiko. >>> Weiterlesen
    34. Ein klassisches Zeichen für eine Sucht. Gilt sinngemäss auch für Medikamente wie Valium oder bestimmte Schmerzmittel.
    35. Hier könnte sich Arbeitssucht anbahnen.
    36. Ein weiteres Suchtzeichen.
    37. Diese vier Fragen entstammen der WHO-Liste zur Alkoholsucht. Sollten Sie hier zweimal oder öfter Ja sagen, wäre es sinnvoll, den ganzen Test zu machen. Denn werden 6 der 31 Fragen mit Ja beantwortet, ist es wahrscheinlich, bei zehn Ja fast sicher, dass Sie Alkoholiker sind (www.gesundheit.de/selbsttests/medizin/wie-hoch-ist-ihre-alkoholabhaengigkeit).

    Veröffentlicht am 07. Juni 2017 von Dr. med. Thomas Walser
    Letzte Aktualisierung:

    10. November 2024

  • Testosteron – Anabolika

    Testosteron – Anabolika

    Männer in den Wechseljahren

    Zuerst die Begriffsverwirrung: Andropause oder ADAM ( für: Androgen Decline in the Aging Male = Androgenrückgang beim alternden Mann) oder Klimakterium virile (virilis = männlich) oder Penopause?

    Testosteron hat den Weg vom Schwarzmarkt zum Massenphänomen geschafft. Bislang haben das Hormon vor allem Sportler und Bodybuilder weitgehend illegal benutzt, um ihren Körper in Form zu bringen. Hinzu kamen Männer mit einer seltenen Unterfunktion der Hoden. Doch immer mehr Mediziner wollen uns ein mysteriöses Phänomen weismachen, dass jeden Mann irgendwann zum Kandidaten für eine Testosteron-Kur machen könnte: die «Wechseljahre des Mannes».
    Doch die Wissenschaftler sind äusserst zerstritten.
    Vorbild der neuen Theorie ist die Menopause der Frauen. Dann stellen die Eierstöcke die Produktion der Östrogene ein. Etwa eine von drei Frauen spürt den Rückgang der Sexualhormone als Wechseljahrsbeschwerden. Hier sind wir aber bereits viel weiter als beim Mann: Als hormonabhängiges Symptom wird nur mehr die (vor allem nächtlichen) Hitzewallungen als Krankheit anerkannt, gegen die sich viele Frauen zur Linderung das weibliche Sexualhormon verschreiben lassen. Darüber hinaus haben Östrogene aber schnell einen Ruf als Elixier ewiger Gesundheit erworben: Auch gegen Herzkrankheiten, Alzheimer und so weiter sollten die Hormone helfen (was ja nachweislich nicht stimmt >>>).

    Altersbeschwerden nicht mit Hormondefizit verwechseln

    Ein echter Testosteronmangel bei Männern über 60 Jahre ist seltener als früher angenommen. Statt 10 bis 30 Prozent, wie noch vor wenigen Jahren vermutet, haben effektiv nur etwa 3 bis 5 Prozent der 60- bis 79-Jährigen einen wirklichen Testosteronmangel, der den Libidomangel und andere Symptome erklärt. Männer über 60 Jahre fühlen sich mitunter nicht mehr vital, die Muskelmasse schwindet, das Fettgewebe nimmt zu. Wenn dann noch die Libido nachlässt, mitunter sogar Hitzewallungen und depressive Verstimmungen dazukommen, fallen Medienberichte über die Folgen eines Testosteronmangels im Alter natürlich auf fruchtbaren Boden.
    In diesen Berichten werden die Zusammenhänge allerdings stark vereinfacht. Altersbeschwerden werden generell auf einen Testosteronmangel zurückgeführt. Aber die dem Hormonmangel zugeschriebenen Beschwerden sind so zahlreich und unspezifisch, dass viele andere Ursachen in Frage kommen. Tatsächlich gibt es selbst für ältere Männer mit Testosteron-Überschuss genügend Gründe in eine «Midlife-Crisis» zu geraten. Kraft und Potenz lassen nun einmal mit dem Alter nach; die Rolle in der Familie ändert sich; man stellt fest, dass man seine Lebensziele doch nicht erreicht hat, im Beruf bedroht einen die jüngeren Konkurrenten und zudem kündigen sich Alterskrankheiten an – das kann schon mal auf die Stimmung drücken. Es gibt wenige Forschergruppen, die systematisch untersucht haben, ob sich ältere Männer mit niedrigeren Hormonwerten wirklich weniger fit sind. Eine ist die Gruppe um die Psychologen Annette Degenhardt und Andreas Thiele von der Universität Frankfurt. Bei ihrer Studie an 300 Männern zwischen 35 und 65 kam das Gegenteil dessen heraus, was Testosteron-Gläubige heute annehmen. Die Männer, die mit sich nicht zufrieden waren, hatten deutliche höhere Spiegel als diejenigen ohne Beschwerden. Trotzdem wundert es nicht, dass trotz dieser Wissenslücken der Glaube an das Hormon zunimmt. Zu perfekt passt Testosteron zum Zeitgeist. US-Studien zeigen, dass männliche Models in den letzten Jahren immer mehr an Muskelmasse zugelegt haben. Mancher Werbespot für Rasierwasser ist eher Reklame für Massen-Doping, weil Waschbrettbauch, Bizeps- und Brustumfang der Models nur mit Hilfe von Hormonen zu erreichen sind.

    Achtung: FDA-Warnung!
    Die FDA verschärft ihre Warnung für alle Produkte, die Testosteron enthalten und warnt vor Risiken wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Unfruchtbarkeit, Depressionen und aggressivem Verhalten. Oftmals erfolgt die Testosteroneinnahme in Kombination mit der anaboler Steroide, wodurch die Risiken noch verstärkt werden. Beim Absetzen kommt es häufig zu Entzugserscheinungen wie Müdigkeit, Appetitverlust, Schlaflosigkeit usw. Überdies ziehen „normale“ Männer keinerlei Nutzen aus der Einnahme, haben jedoch dieselben Risiken… (FDA Safety Information and Adverse Event Reporting Program. Posted 10/25/2016. http://www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/ucm526206.htm)

    Das grosse Problem bei jüngeren Männern, die Testosteron nehmen, ist es , dass das natürliche Testosteron nach der Einnahme häufig nicht mehr richtig in Gang kommt! Testosteron kann Dich für immer ruinieren: Es als Anabolikum zu nehmen birgt das bedeutende Risiko, dass die Hypophyse irreversibel einschläft und ein bleibender sog. „hypogonadotroper Hypogonadismus“ entsteht!

    Libidomangel ist das Leitmotive des Testosteronmangels!

    Alle Männern über 60 mit verminderter Libido und erektiler Dysfunktion rate auch ich zum Labortest – sowie Männer mit Übergewicht, erhöhtem Blutdruck, erhöhten Blutfetten und erhöhtem Blutzucker, bei denen es häufiger zu Potenzstörungen kommt. Gegen die Osteoporose nützt es nachweislich nur bei „hypogonaden“ Männern, also bei wahrem Testosteronmangel – siehe hier!
    Studien, die Wirkungen von Testosteron auf einige Altersbeschwerden untersuchen sind zu klein und zu kurz, um wirklich aussagekräftig zu sein oder zeigen eine unbedeutende Wirkung (siehe hier). Im wesentlichen bestätigen sie die Wirkungen, die Bodybuilder das Hormon auf den Schwarzmarkt kaufen lassen: Testosteron ist ein Anabolikum. Auch Männer über 65 legen unter der Wirkung Muskeln zu. Medizinische Bedeutung hat das aber nicht unbedingt. US-Forscher haben in einer Studie an 108 Männern festgestellt, dass nach drei Jahren Testosteron-Therapie zwar deren Muskelmasse, aber nicht deren Kraft zugenommen hatte.

    Was heisst „zuwenig“ Testosteron?

    Der Testosteronspiegel des Mannes sinkt schon in früheren Jahren jedes Jahr um 1 bis 2 Prozent. Dieser natürliche Prozess hat meist keine spürbaren Auswirkungen.
    Tatsächlich ist noch völlig offen, welche Bedeutung die Hormone für das Befinden eines Mannes hat. Wir wissen nicht einmal, wie viel Testosteron für einen älteren Mann normal ist. Aus Verlegenheit behilft man sich mit den Werten für junge Männer. Zur Zeit gibt es – aufgrund fehlender Studien und Langzeiterfahrungen – kaum verbindliche Richtlinien und Empfehlungen, ab welchem Spiegel etwa ein behandlungsbedürftiger Mangel vorliegt.
    Das Institute of Medicine der USA hat 2004 beschlossen, dass die Wirksamkeit der Behandlung älterer Männer mit tiefnormalen Testosteronwerten (300-400 ng/dl oder 10-12 nmol/l) nicht genügend gesichert ist, um auf Langzeitstudien einer Testosteron-Verabreichung einzutreten. Eine grosse, gut kontrollierte und bestmöglich durchgeführte 6-monatige Studie zeigt 2007 keinerlei positive Resultate (Emmelot-Vonk MH et al. Effect of testosterone supplementation….JAMA 2008;299:39-52)!

    Der durch Harmonisierung von Messdaten und einheitlicher Kalibrierung der Analysetechnik für gesunde, nicht adipöse (BMI < 30 kg/m2) Männer im Alter von 19 bis 39 Jahren berechnete Referenzbereich freien Serumtestosterons liegt zwischen 264 und 916 ng/dl.  (Travison TG et al.: Harmonized reference ranges for circulating testosterone levels in men of four cohort studies in the USA and Europe. J Clin Endocrin Metab 2017; DOI: 10.1210/jc.2016-2935).

    • Testosteron sollte nur bedacht werden, wenn bei einem älteren Mann über 60 Jahre das Gesamttestosteron eindeutig vermindert ist:  totales Testosteron: zweimal zwischen 8 bis 10 Uhr morgens gemessen: <8 nmol/l (je nach Studie aber auch erst <7 nmol/l). Trifft dies zu, stellt sich die Frage, ob ein sog. primärer Hypogonadismus vorliegt (= LH hoch: genetisches Klinefelter-Syndrom) oder ein sekundärer Hypogonadismus (LH niedrig bis normal: d.h. andere Ursachen für diese Unterfunktion der Hoden suchen, z.B. in der Hypophyse oder Medikamenten-Nebenwirkung, z.B. Schmerzmittelabusus, Chronische Schmerzen, Adipositas, Stress, sehr viel Sport,…).
    • Patienten, die mit Testosteron therapiert werden, sind sorgfältig zu kontrollieren. Ziel der Therapie sind vorderhand Werte von 300-450 ng/dl, resp. 10-15 nmol/l (max.20 nmol/l).
    • Therapierfolg benötigt Zeit! Libido mind. 1 Monat. Depression mind. 3 Mt.. Adipositas > 5 Mt.. Wenig erfolgreich bei Erektiler Dysfunktion > 6 Mt. und Knochendichte > 6-12 Mt..
    • Die Patienten sind auf Entgleisung testosteronabhängiger Erkrankungen (z.B. Prostatakrebs, Herzkreislauf, Leberschädigung etc.) zu kontrollieren. (Snyder PJ. Hypogonadism in elderly men – what to do, until evidence comes. N Engl J Med 2004;363:440-2 und 482-92). Immer Laborkontrollen von PSA und Hämatokrit während der Testosteroneinnahme.
    • Höchst wahrscheinlich verkürzt Testosterongabe das Leben durch Anstieg der kardiovaskulären Risiken!
    • Männer mit Prostatakrebs, vermehrten roten Blutzellen (Hämatokrit), unbehandelter obstruktiver Schlafapnoe oder unbehandelte Herzschwäche dürfen nicht mit Testosteron behandelt werden!
    • DHEA (Vorläufer des Testosteron) hat keinerlei Anti-Aging-Effekt. Als grösste Untersuchung liegt die «DHEAge»-Studie vor. Sie umfasste 280 Männer und Frauen im Alter von 60 bis 80 Jahren, die charakteristische Altersmanifestationen wie Asthenie, schwindendes Gedächtnis, Schmerzen und Angstzustände beklagten, jedoch keine Demenz, ernsthafte Depression oder sonstige Krankheit aufwiesen. Man verordnete ihnen doppelblind DHEA (50 mg/Tag) oder Placebo. Nach einem Jahr fand man bei den meisten geprüften Parametern keinen signifikanten Unterschied; dies betraf Knochendichte und Knochenumsatz- Marker, Muskelkraft und -morphologie, Wanddicke und Durchmesser der Aa. carotis und radialis, Libido und sexuelle Aktivität, Stimmungslage und allgemeines Wohlbefinden sowie kognitive Funktionen.

    Testosteron macht nicht mehr Lust, Gesundheit und Jugend!

    Die einzigen nachweisbaren Effekte von Studien mit Testosteron sind unerwünschte Nebenwirkungen >>>siehe hier!

    Rolle der Pharmaindustrie

    Hinzu kommt, dass die Pharmaindustrie diesen Trend geschickt aufgreift und die Idee von den männlichen Wechseljahren kräftig durch Werbe-Agenturen vermarkten lässt. In den USA zeigt sich der Erfolg: Dort erleben Testosteron-Präparate seit einigen Jahren bereits jährliche Umsatzsteigerungen um 30 Prozent. Und für die, denen Spritzen oder Pflaster bislang zu lästig waren, gibt es nun ein Testosteron-Gel: Wer den Eindruck hat, dass ihm etwas fehlt, kann sich mit Männlichkeit einreiben wie mit Sonnencreme. (Nebenwirkung von Gel sind u.a. auch unwillentliches Verschmieren und „Verbreiten“ an Nahestehende, an Frau und Kinder & es stinkt auch meist etwas…).
    Vor dem Hintergrund solcher Trends klingen die Warnungen einiger Experten vor den Risiken einer Testosteron-Therapie wohl eher wie Besserwisserei. Manche von ihnen halten das Sexualhormon für eine der Ursachen, warum das starke Geschlecht einige Jahre früher als Frauen an Herz-Kreislauf-Krankheiten stirbt.

    Warum Testosteron nicht als Ausrede taugt

    «Die Geschichte dieses Hormons wurde schon geschrieben, bevor man es chemisch isolieren konnte», sagen die Medizinsoziologin Rebecca Jordan-Young und die Kulturanthropologin Katrina Karkazis. Soeben ist ihr Buch «Warum ein Hormon nicht als Ausrede taugt» auf Deutsch erschienen. Darin räumen sie mit den gängigsten «Zombie-Fakten» über Testosteron auf. Und graben noch eine Schicht tiefer: Die Autorinnen decken auf, wie die wissenschaftliche Forschung zum Vielzweckhormon Testosteron gezielt in bestimmte Richtungen gelenkt und damit Politik gemacht wird. Zum Beispiel, indem Testosteron in der Finanzindustrie komplett anders und positiv dargestellt wird – Risikofreude! – als in Statistiken über Gewalt in Städten. «Man foltert Daten so lange, bis sie sprechen», sagen Jordan-Young und Karkazis im Interview mit Feuilleton-Autor Daniel Graf. Testosteron ist nicht das, was Männer an die Spitze sozialer Hierarchien bringt. Und auch nicht Schwarze ins Gefängnis.

    Kann Testosteron das Leben verkürzen?

    Möglicherweise handeln sich die Männer mit der Testosteronsupplementation ein höheres kardiovaskuläres Risiko ein! Dies legt eine Beobachtungsstudie aus den USA nahe, bei der die Daten von etwa 9000 US-Veteranen mit Testosteronwerten unter 300 ng/dl (10,4 nmol/l) ausgewertet wurden. 20% der Männer ohne Testosterontherapie, aber 26% mit Therapie erlitten innert 28 Monaten Beobachtungszeit entweder den Tod, einen Herzinfarkt oder Hirnschlag, sogar obwohl die Männer in der Testosterongruppe im Durchschnitt etwas jünger und gesünder waren!
    (Vigen R et al. JAMA 2013;310(17):1829-1836)
    Die TOM-Studie (Basaria S et al., N Engl J Med 2010;363(2):109-122) wurde deshalb bereits vorzeitig abgebrochen! Dort war das Verhältnis des Risikos bereits innerhalb eines halben Jahres anstatt 5% bereits 22%!

    Herzinfarkt unter Testosteron

    Die Einnahme von Testosteron erhöht, zumindest in den ersten drei Monaten nach Beginn der Einnahme das Risiko eines Myokardinfarktes massiv! Das Risiko eines Myokardinfarktes unter Testosteronbehandlung steigt mit zunehmendem Alter. Bei unter 65 Jährigen mit einer bereits bestehenden koronaren Herzkrankheit steigt das Risiko eines Myokardinfarktes unter Testosteroneinnahme deutlich an. Das Risiko verdreifacht sich in den ersten drei Monaten unter Einnahme von Testosteron. (u.a. Finkel W.D. et al. Increased risk of non-fatal myocardial infarction following testosterone therapy prescription in men. Plos One 2014;9, e85805.)

    Prostatakrebs

    Hinzu kommt der Prostatakrebs, der häufigste Krebs älterer Männer.
    Es ist nicht ganz klar, welche Rolle das Testosteron beim Entstehen von Tumoren in der Vorsteherdrüse spielt, aber es fördert eindeutig das Wachstum bereits bestehender Tumoren. Glücklicherweise wachsen diese Tumore meist so langsam, dass die meisten Männer sterben, bevor sie etwas von ihrer Geschwulst merken. Das könnte die Testosteron-Therapie ändern: Selbst Verfechter der Testosteron-Therapie raten deshalb dazu, laufend die Prostata zu kontrollieren.

    Knochendichte

    Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Osteoporose ist eine Sorge nicht nur postmenopausaler Frauen. Sie trifft in 13% auch Männer über 50 Jahren. Und 30% aller Schenkelhalsfrakturen treten bei alternden Männern auf. Testosteron verbessert bei jungen hypogonaden Männern die Knochendichte (BMD). Sollten nicht auch ältere Männer davon profitieren? Mitnichten! Bei 448 Männern über 70 Jahre wurden (totales) Testosteron und Östradiol, luteinisierendes Hormon und Knochendichte über acht Jahre verfolgt. Überraschung: Beim betagten Mann sind nicht der altersbedingte Hypogonadismus, wohl aber verminderte Östradiolspiegel mit verminderter BMD assoziert. Therapeutische Konsequenzen aus diesen Resultaten zu ziehen, wäre allerdings verfrüht. (Amis S. et al. Association of hypogonadism and estradiol levels with bone mineral density in elderly men from the Framingham study. Ann Intern Med 2000;133:951-63 (Editorial 1002-4))

    Phthalate (BPA oder Bisphenol A) = Weichmacher aus Plastik in unserer Umwelt und Testosteron / Spermazahl

    Ein guter, aber auch erschreckender Übersichtsartikel hier: piqd.de/gesundheit/das-sperma-problem-das-ende-der-menschheit-kann-schneller-kommen-als-wir-denken?

    Was kann man sonst tun?

    • Meiden Sie Nikotin, Alkohol und Stress. Vor allem dieses Trio lässt den Hormonspiegel von Testosteron fallen. Erhöhen tut ihn aber Bewegung und Abspecken.
    • Regelmässige körperliche Bewegung, vor allem Sport, steigert die Produktion von Testosteron. Studien konnten zeigen, dass der Testosteronwert nach kurzer, intensiver Bewegung von 25 bis 45 Minuten um mehr als 25 Prozent ansteigt. Der Effekt ist aber nicht nur kurzfristig: Regelmässige Bewegung steigert den Testosteronwert erwiesenermaßen um rund 15 Prozent (Med Sci Sports Exerc., Hawkins et al, 2008).
      Im mittleren Lebensalter vernachlässigen viele Männer ihre Fitness zwischen Anforderungen von Familie und Karriere. Wenn man dann wieder anfängt, sich körperlich zu bewegen und etwas abzunehmen, kann das allein schon den Testosteronwert wieder auf ein normales Level heben.
      Das heisst: Nehmen Sie sich mindestens dreimal wöchentlich Zeit für eine halbe bis eine Stunde Ausdauertraining.
    • Achten Sie auf Ihre Ernährung: Sie sollte genügend Zink enthalten, weil dieser Mineralstoff für den Testosteronaufbau nötig ist. Zink gibt’s hauptsächlich in Käse, Fisch, Meeresfrüchten, Geflügel, Fleisch, Nüssen sowie in geringerem Masse in Getreide, Hülsenfrüchte und Gemüse.
    • Wer Übergewicht hat, sollte abspecken. Bei Männern mit ausgeprägtem Bauchfett ist ein Enzym im Fettgewebe besonders aktiv, es heisst Aromatase. Das Enzym wandelt das männliche Geschlechtshormon in weibliches Geschlechtshormon um – und trägt damit zu einem Abfall des Bluttestosteronspiegels bei. Wenn der Organismus durch regelmässige sportliche Aktivitäten zum Beispiel fünf Kilogramm Fett verliert, wird die Testosteronausschüttung automatisch gefördert (5 Kilo weniger bedeuten rund ein Drittel höheren Testosteronspiegel).
    • Regelmässig Sex wirkt sich positiv auf den Testosteronspiegel aus.
    • Männer, die sich am frühen Morgen hellem Licht aussetzen, vermögen damit ihre Testosteronspiegel zu erhöhen. Dazu benötigt Mann zwischen 5 und 6 Uhr eine Stunde lang 1000 Lux. Dabei kletterte das für die Testosteronbildung zuständige luteinisierende Hormon (LH) um fast 70% in die Höhe  (In-Young Yoon et al., Neuroscience Letters 2003;341:25-28). Ebenso wie Depressionen, folgern die Forscher, könnten sich Libidoverlust und gedämpfte Sex-Aktivität – die Depressionen bekanntlich oft begleiten – durch helles Licht günstig beeinflussen lassen. Eventuell ist dabei nun der Testosteronanstieg nur eine Folge der gesteigerten Sexaktivität und nicht eine direkte Folge des Lichteinflusses.
    • Auch Phytoandrogene haben einen Einfluss auf den Testosteronspiegel. Phytoandrogene sind pflanzliche Stoffe, die ähnlich wirken wie Androgene. Dazu zählen die Isoflavone, die auch eine östrogene Wirkung haben (enthalten zum Beispiel in Soja) sowie Ginseng, Brennnesselwurzel und Hafer. Von diesen gibt es Fertigpräparate. Die Brennnesselwurzel eignet sich auch sehr gut für Tee.
    • Milch hilft Muskeln wachsen: Wer beim Krafttraining an Muskelmasse zulegen will, sollte Milch trinken. Das zeigt eine Studie an Männern, die 12 Wochen lang Gewichte stemmten. Sie wurden in drei Gruppen aufgeteilt: Die erste trank nach dem Training fettarme Milch, die zweite einen Soja-Drink und die dritte kohlenhydrathaltige Getränke. Die Milchtrinker bauten am meisten Fett ab – und am meisten Muskeln auf (Hartmann JW et al, Consumption of fat-free milk after resistance exercise, Am J Clin Nutr. 2007 Aug;86(2):373-8).
    • Anti-Aging: Was man selbst tun kann.

    Konstruiertes Konzept der binären Sexualhormone

    Das vereinfachende Konzept der binären Sexualhormone bleibt hartnäckig in den meisten Köpfen: Die Östrogene machen die Frau und steuern die liebevolle Mutter am Herd – Testosteron macht den Mann und steuert den wilden Kerl im Krieg oder an der Börse.
    Wie konnte diese Simplifizierung selbst in Studien namhafter Forscher weiter Bestand haben? Vor allem ist es die Macht kultureller Glaubenssätze, denn am Anfang jeder Wissenschaft steht ein Weltbild, das den Blick der Forschenden steuert. Die aufgeführten Beweise sind erdrückend, und es fällt schwer zu widersprechen, wenn die beiden schreiben: „Sie folterten ihre Daten so lange, bis sie endlich sprachen.“ (Rebecca M. Jordan-Young, Katrina Karkazis: Testosteron. Warum ein Hormon nicht als Ausrede taugt. 2020, 384 S.)

    Existiert ein Östrogenmangelsyndrom beim Mann?

    Nein! Nicht direkt… Es ist immer die Folge eines Testosteronmangels, welches das Prohormon des Östrogens beim Mann ist, d.h. das meiste Östrogen beim Mann wird aus seinem Testosteron gebildet. Ist dieses nun zu tief, zeigt sich auch ein Mangel des Östrogens. Eine Therapie mit Östrogenen ist deshalb beim Mann unsinnig, ja gefährlich, da Brustwachstum und Herz-Kreislaufkrankheiten entstehen oder verschlechtern können. Man sollte immer nur mit Testosteron behandeln!

    Gibt es ein Androgenmangel-Syndrom bei der Frau?

    Just zu einem Zeitpunkt, wo der Nutzen und die Sicherheit einer langfristigen Östrogengabe nach der Menopause zunehmend hinterfragt werden (darüber lesen Sie hier!), ist immer öfter die Rede von einem Androgenmangel-Syndrom der Frau. Nicht nur der alternde Mann, so plädieren die Verfechter des neuen Syndroms, sondern auch Frauen nach der Menopause fühlten sich in gewissen Fällen dank der Gabe männlicher Geschlechtshormone (auch DHEA) vitaler und hätten eine grössere sexuelle Spannkraft. Die Existenz eines solchen Syndroms – zumindest bei gesunden, älteren Frauen – ist in Fachkreisen allerdings äusserst umstritten, denn die Rolle der Androgene im weiblichen Organismus ist wenig untersucht, allfällige Mangelsymptome äussern sich unspezifisch und mit breiten individuellen Schwankungen. Vor allem die Abgrenzung der Symptome gegenüber dem Ausdruck einer unbefriedigenden partnerschaftlichen Situation, einer Depression oder weiterer Krankheiten ist äusserst schwierig. Es fehlen auch grosse Studien, weshalb hier gar nicht weiter darauf eingegangen wird.
    Es gibt hier eine Ausnahme: Bei einem schweren Hirsutismus (männliche Behaarung einer Frau) und einem Testosteron über 5 ist eine Testosterontherapie angesagt.

    www.bodytuning-check.ch

    Veröffentlicht am 07. Juni 2017 von Dr. med. Thomas Walser
    Letzte Aktualisierung:
    17. April 2024

     

  • Vegane Ernährung

    Vegane Ernährung

    Mythos oder Realität?

    Angesichts nicht enden wollender Fleischskandale denken viele Menschen über die vegetarische Ernährung nach. Schliesslich ist diese Ernährungsweise – richtig praktiziert – eine gute Alternative, die viele gesundheitliche und vor allem auch ökologische Vorteile bietet. Für die meisten Vegetarier gehören Milch, Milchprodukte und Eier zum alltäglichen Speiseplan dazu. Strenge Vegetarier (Veganer) dagegen meiden auch diese Produkte.

    Eine Metaanalyse des Steno Diabetes Center in Kopenhagen zeigt: Vegane Ernährung hilft bei der Gewichtsabnahme. Doch die Effekte auf die Blutzucker- und Cholesterinwerte sind laut den Studienautoren eher gering. 

    Es gab immer wieder einzelne Studien, die keinen gesundheitsförderlichen Effekt finden konnten, wenn Menschen auf Fleisch verzichteten. Diese Studien hatten aber ausser Acht gelassen, wodurch das Fleisch ersetzt wurde. Später zeigte eine bahnbrechende Untersuchung der Harvard University, dass der Fleischverzicht nur dann keinen positiven Effekt hat, wenn man statt Fleisch vermehrt Kohlenhydrate wie Kartoffeln oder Nudeln isst. Ersetzt man es dagegen durch pflanzliche Proteine aus Hülsenfrüchten und Nüssen, gibt es grosse positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System.

    Am Anfang ist die Begeisterung gross. Schon kurz nach der Umstellung auf vegane Ernährung sind viele Menschen überzeugt: Das ist es! Denn seit dem nur noch Obst, Gemüse oder Getreideprodukte auf den Teller kommen, fühlt man sich leichter, wacher, vitaler – einfach gut. Zuweilen verschwinden langdauernde Entzündungen (Haut, Schleimhaut, Gelenke,…), Neurodermitis, Asthma und andere Beschwerden.

    Nachteile

    Doch der Traum von der ewigen Gesundheit mit veganer Ernährung endet manchmal in einem „bösen Erwachen“: Langjährige Veganer können gereizt, leistungsschwach und antriebslos werden. Kribbeln an Händen und Füssen und depressive Verstimmungen können folgen . Die Ärzt*in diagnostiziert schliesslich eine „megaloblastäre Anämie“ (in ihrer Anzahl reduzierte, stark vergrösserte rote Blutkörperchen). Die Ursache: Mangel an Vitamin B12.

    Mangelerscheinungen?

    Was die Makronährstoffe betrifft, so ist die Proteinzufuhr bei veganer Ernährung im Vergleich zu allen anderen Ernährungsformen geringer, wie eine Studie aus dem Jahr 2020 ergab. Veganismus wird derselben Studie zufolge auch mit einer geringen Aufnahme der Vitamine B2, B3, B12, D, Jod, Zink, Kalzium, Kalium und Selen in Verbindung gebracht. Daraus kann u.a. eine mangelnde Knochengesundheit (Osteoporose) folgen.

    Der grösste Knackpunkt bei der veganen Ernährung ist aber sicher die Versorgung mit Vitamin B12 (Kobalamin). Das Vitamin B12 wird nur von Bakterien gebildet und ist im menschlichen Körper wichtig für die Blutbildung. Darüber hinaus spielt es eine Rolle beim Stoffwechsel der Kohlehydrate, Proteine und Fette. Zudem ist es notwendig für die Gesunderhaltung des Nervensystems und der Psyche.

    Pflanzen fehlt das Vitamin B12

    Tatsächlich gibt es Menschen, die einen Mangel an dem Protein „Intrinsic-Faktor“ aufweisen und folglich Vitamin B12 nicht in ausreichender Menge aufnehmen können. Die Ursache dafür kann zum Beispiel eine Magenschleimhautentzündung sein.
    Aber im Fall der meisten Veganer liegen die Dinge völlig anders: Ihre Nahrung enthält schlicht zu wenig Vitamin B12. In der Praxis hat sich gezeigt, dass pflanzliche Produkte, wenn überhaupt, Vitamin B12 nur unzureichend liefern. Sie sind keine zuverlässigen B12-Quellen. Die American Dietetic Association weist darauf hin, dass 80% des Vitamin B12 in fermentierten Produkten wertloses Pseudo-B12 sein können.
    Auch die B12-Versorgung durch unsere eigenen Darmbakterien entpuppt sich leider als ein Mythos: Es werden zwar erhebliche Mengen an Kobalamin im Darm erzeugt, aber sie können nicht vom Körper aufgenommen werden. Denn die B12-Synthese im Darm findet jenseits der Absorptionsstelle statt. Dieses B12 verlässt unverwertet den Körper mit dem Stuhl.
    Vegan lebende, nicht wiederkäuende Tiere, wie die Gorillas fressen hin und wieder ihren Kot und versorgen sich auf diese Weise mit dem Vitamin. Wiederkäuer wie Kühe und Schafe erzeugen in ihrem Pansen Kobalamin, das gut vom Organismus verwertbar ist. Das Geheimnis der Inder: Ihr Getreide wird nicht mit Pestiziden tot gespritzt und gereinigt wie bei uns. In den Getreidekörnern leben winzige Insekten, die Vitamin-B12 liefern. Zudem ist ihr Trinkwasser mit Kobalamin erzeugenden Bakterien kontaminiert.
    Von vegan lebenden Indern, die nach Europa gezogen sind, wurde bekannt, dass sie nach vielen Jahren einen Vitamin-B12-Mangel entwickelt haben. Es dauerte deshalb so lange, da der Körper sehr sparsam mit dem B-Vitamin umgeht und über einen grossen Speicher, die Leber, verfügt. Der reicht bei Erwachsenen für drei bis etwa zehn Jahre aus, in wenigen Fällen sogar noch länger. Kinder dagegen besitzen einen viel kleineren Speicher – deshalb ist die vegane Ernährung für sie besonders gefährlich. Ebenso für Schwangere und Stillende, da sie einen erhöhten B12-Bedarf haben.

    Es ist also gut für entsprechende Nahrungsergänzung zu sorgen. Das gilt in erster Linie für das Vitamin B12. Es gibt auch Vitaminsäfte oder B12-Supplemente. In diesem Zusammenhang warne ich vor falschen Werbeversprechen verschiedener Nahrungsergänzungsmittel, die vor allem in Gesundheitsläden angeboten werden. Obwohl sie oft als ideale B12-Quelle gepriesen werden, sind weder Algentabletten noch Hefeprodukte geeignete B12-Lieferanten. Im Gegenteil: Sie enthalten vor allem unwirksame Pseudo-Kobalamine, die in der Lage sind, die Aufnahme des aktiven B12 zu blockieren. Veganer werden hier absolut irregeführt.
    Wirksame Vitamin-B12-Tabletten müssen aktives Kobalamin (Cyanocobalamin oder Hydoxocobalamin) enthalten. Eine tägliche Zugabe von 5 µg Vitamin B12 sollte genügen. Zusätzlich rate ich Veganern, regelmässig ihren B12-Status untersuchen zu lassen.
    Bei langfristiger Einnahme von höher dosierten Vitaminpräparaten sollte jedoch beachtet werden, dass relativ wenig über die Wechselwirkungen dieser Stoffe im Körper bekannt ist. Meist stehen sie in Abhängigkeit zu anderen. Obwohl oft behauptet wird, dass überschüssiges B12 ausgeschieden wird, gibt es Hinweise, dass ein B12-Überschuss einen Eisenmangel begünstigen kann.

    … auch auf Protein, Kalzium, Vitamin D und B6 und Zink achten

    Wenig Protein, Kalzium, Vitamin D, B6 und Zink können für Veganer auch problematisch sein. Dagegen sind klinisch dokumentierte Eisenmangelerscheinungen bei Veganern nicht häufiger als in der Durchschnittsbevölkerung.

    Doch jetzt ist eine Studie (www.mdpi.com/2072-6643/13/2/685/htm ) erschienen, die aufhorchen lässt: Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat Hinweise gefunden, dass Menschen, die sich vegan ernähren, schlechtere Knochen haben als Vergleichspersonen, die alles essen, also eine klassische Mischkost bevorzugen. Bei den vorgenommenen Knochendichtemessungen zeigten die vegan lebenden Menschen durchwegs niedrigere Werte als die Allesesser. Dies ist ein Anzeichen für eine schlechtere Knochengesundheit, die in einer Osteoporose münden kann.
    Auf was Veganer*innen unbedingt schauen müssen, ist auch hier das Aufnehmen von genügend Eiweiss (v.a. Hülsenfrüchte, also Bohnen, Erbsen,… und Nüsse).

    Die Lösung des Welthungerproblems und der Klimakrise?

    Vegane Ernährung ist aber vor allem ethisch ideal, da dafür keine Tiere getötet werden müssen. Man darf nämlich nicht übersehen, dass auch für die vegetarische Ernährung getötet werden muss: Wohin mit den vielen männlichen Tieren? Die legen weder Eier, noch geben sie Milch.
    Tatsächlich ist der Tierschutzaspekt (natürlich neben dem ökologischen) bei vielen Menschen der wichtigste Grund für die streng vegane Linie. Sie empfinden Töten als Unrecht und sehen in der Ablehnung der Tiertötung einen Beitrag zur Gewaltfreiheit in der Welt und zur Lösung der Klimakrise und des Welthungerproblems. Denn um ein Kilogramm Fleisch zu erzeugen, müssen sieben Kilogramm Pflanzen verfüttert und 10000 bis 15’000 Liter Wasser vergossen werden – eine Resourcenverschwendung sondergleichen also. Ein Kilogramm Kartoffeln benötigen dagegen nur 100 Liter Wasser (jedoch 1 Kg Avocados auch 1000 Liter!): Wahnsinn!
    Ihre Einstellung verbietet vielen Veganern nicht nur Tierprodukte in der Ernährung. Sie lehnen auch Gebrauchsgegenstände aus Tierprodukten ab, wie Lederschuhe oder Lederkleidung. Insgesamt, so schätzen Experten, ernähren sich etwa zehn Prozent der rund drei Millionen in Deutschland lebenden Vegetarier vegan.

    Pflanzliche Alternative zu Milchprodukten

    Immer mehr Menschen interessieren sich für den Umstieg von Milchprodukten auf pflanzliche Alternativen. Aber sind diese besser für die Umwelt, und welche ist die beste?

    Hier vergeliche ich verschiedene Milchsorten anhand einer Reihe von Umweltkennzahlen: Landnutzung, Treibhausgasemissionen, Wasserverbrauch und Eutrophierung (die Verschmutzung von Ökosystemen durch überschüssige Nährstoffe). Diese werden pro Liter Milch verglichen.

    Kuhmilch hat in allen Bereichen deutlich höhere Auswirkungen als pflanzliche Alternativen. Sie verursacht etwa dreimal so viele Treibhausgasemissionen, verbraucht etwa zehnmal so viel Land, zwei- bis zwanzigmal so viel Süssswasser und verursacht eine viel stärkere Eutrophierung.

    Wenn Sie den ökologischen Fussabdruck Ihrer Ernährung verringern möchten, ist die Umstellung auf pflanzliche Alternativen eine gute Option.

    Welche der veganen Milchsorten ist die beste?

    Das hängt wirklich davon ab, welche Auswirkungen uns am wichtigsten sind. Mandelmilch hat beispielsweise geringere Treibhausgasemissionen und verbraucht weniger Land als Soja, benötigt jedoch mehr Wasser und führt zu einer höheren Eutrophierung.

    Alle Alternativen haben geringere Auswirkungen als Milchprodukte, aber es gibt keinen klaren Sieger in allen Kriterien.

    Es geht nicht darum, perfekt zu sein, sondern darum, so wenig Schaden wie möglich anzurichten!

    Die meisten von uns sind zwar keine Klimawandel-Leugner, aber wir verhalten uns so. Warum?
    Weil der Klimawandel einfach keine gute Story ist, so die Erklärung von Jonathan S. Foer, und sich anfühlt wie etwas, das sich irgendwo weit weg abspiele. Sein aktuelles Buch ist eine sehr persönliche Erkundung dieser Kluft «zwischen meinen Werten auf der einen Seite und meinem Handeln auf der anderen». Dass das Werk viel diskutiert wird, mag daran liegen, dass sein Fokus auf der Ernährung liegt. Die Lage sei absolut eindeutig: «Wir haben keine Chance, die Ziele des Pariser Klima­abkommens zu erreichen, wenn wir nicht deutlich weniger Fleisch essen», sagt Foer im Gespräch mit dem Republik-Redaktor Daniel Graf. Gleichzeitig warnt er vor falscher Panikmache und moralischem Perfektionismus.

    Ernährung als Ersatzreligion – Abgrenzung und Erhöhung über Andere!

    Was ist richtige Ernährung, wie sollte sie aussehen, welche Lebensmittel beinhalten und welche auf keinen Fall? Und wer kann sie sich leisten?!
    Fragen, die heute mehr sind als der Anstoss von Lifestyle-Debatten. Denn die Antworten darauf sind immer öfter identitätsstiftend, legen fest, zu welcher sozialen Schicht man zählt, welcher Lebensphilosophie man anhängt. Essensgewohnheiten dienen längst dazu, sich von anderen abzugrenzen.
    Früher war das Essen ein Teil des Privatlebens, das man kaum nach aussen getragen hat. Heute ist Ernährung ein Statement, eine Art Selbstmarketing. Man ist, was man isst, gilt mehr denn je. Der Essensstil ist zur politischen Überzeugung, zu einer Art Ersatzreligion geworden, die man stolz vor sich herträgt und von der man andere geradezu missionarisch überzeugen möchte. Ernährung wird oftmals mit moralischer Überzeugung gleichgesetzt. Der bewusste Umgang mit Nahrung ist dabei gar nicht schlecht. Zu kritisieren ist nur der inszenatorische Charakter dabei. Wenn man etwa Essensgewohnheiten benützt, um sich über andere zu erhöhen, die keinen so kritischen und bewussten Zugang zu Lebensmitteln haben. Oftmals auch, weil ihnen die finanziellen Mittel dazu fehlen.

    Veganismus – auch ein ethisches Dilemma…

    „Mich erstaunt, dass die ganze Debatte um Veganismus von dem Vorurteil ausgeht, dass Pflanzen nicht wahrnehmen können, obwohl das wissenschaftlich gar nicht stimmt. Und es wird selbstverständlich vorausgesetzt, dass es unmoralisch ist, ein Tier zu töten, aber moralisch völlig in Ordnung, Pflanzen zu töten!“
    (Emanuele Coccia, Professor für Philosophiegeschichte an der Pariser École des hautes études en science sociales)

    Weiterlesen

    Lesen Sie auch über vegetarisches Essen auf meiner Ernährungsseite und über Vitamine hier >>>

    Diese jungen Frauen werden unsere Erde retten!
    Und auch diese drei Klima-Influencer solltest Du im Blick behalte:
    „Wir sind in den letzten Jahrzehnten daran gescheitert, den Klimawandel richtig zu kommunizieren“ – das sagen drei junge Menschen, deren Namen man sich besser merken sollte: die Filmemacherin Alice Aedy und die Ex-YouTuber-Zwillinge Finn und Jack Harries. Zusammen vereinen sie vier Millionen Follower auf Instagram und sie haben eine Mission: ein neues Narrativ zu verbreiten, das der Klimakrise gerecht wird und trotzdem Hoffnung macht.  Dies ist ein (wirklich schön aufbereiteter) Instagram-Account mit dem Namen earthrise.studio. Hier kann man die Mission noch mal nachlesen; die drei Filmemacher wollen Fakten und Zusammenhänge erklären, die Menschen an den Frontlines der Klimakrise zeigen und Journalist*innen, Wissenschaftler*innen und Geschichtenerzähler*innen vorstellen, die bereits am neuen Narrativ arbeiten.

    Veröffentlicht am 06. Juni 2017 von Dr. med. Thomas Walser
    Letzte Aktualisierung:
    15. März 2026

  • Vitamine & Spurenelemente

    Vitamine & Spurenelemente

    Das Gesamte einer Pflanze ist mehr als die Summe ihrer Einzelteile.
    Befolge deshalb den Rat der Grossmutter:
    Iss mehrmals täglich Früchte und Gemüse!

    Viel hilft in der Medizin nicht immer viel. Dies gilt auch für Vitamine, denen seit Jahrzehnten der unverwüstliche Ruf anhaftet, gesundheitlich unbedenklich und gleichermassen Allheilmittel, Fitmacher und wichtige Bausteine einer gesunden Ernährung zu sein. Weil viele Menschen besorgt sind, dass sie mit der Nahrung nicht genug der vitalen Substanzen aufnehmen, schlucken sie zusätzlich Vitaminpräparate. Manche Ärzte verabreichen Vitamine sogar in sogenannten Aufbauspritzen.
    Diverse Wissenschaftler haben aber dieser Vitamin-Euphorie heftige Dämpfer verpasst:
    Klares Resultat von grossen medizinischen Studien: Künstliche Vitaminpräparate oder „Antioxydantien“ richten mehr Schaden an als sie gut tun. Experten warnen vor der immer noch weit verbreiteten Vorstellung, solche künstlichen Vitaminpräparate wären prinzipiell unschädlich und es sei unbedenklich, sie in hohen Dosen einzunehmen um Krebs (z.B. Antioxidantien hier unten oder Beta-Karotin und Krebs im New England Journal of Medicine 334) oder Herzerkrankungen (siehe Vit.E und Herz hier) vorzubeugen – so kennt man mittlerweile Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Lähmungen, Schwäche, Magenschmerzen, Leberstörungen, Gelbsucht, Juckreiz, Schlafstörungen, Reizbarkeit oder schwere Nervenschädigungen.
    Überdosierungen von künstlichem Vitamin C führen zu Durchfall, Magenblutungen, Eisenüberladung und Nierensteinen.
    Unerwünschte Nebenwirkungen und Überdosierungen treten auch besonders bei den fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K auf. Zu viel Vitamin A kann Kopfschmerzen, Benommenheit und Schläfrigkeit auslösen. Es kann in der Schwangerschaft Missbildungen beim Kind verursachen. Zu viel Vitamin D kann zu starkem Durst, Kopfschmerzen, Knochenschmerzen, Sturzneigung und hohem Blutdruck führen.

    • Ein weit verbreiteter Irrtum ist auch, dass man sich mit zusätzlicher Einnahme von Vitamin C gegen Erkältungskrankheiten oder Grippe schützen könne. Dem ist, auch wenn uns die Werbung das gerne weismachen möchte, nicht so (Weiterlesen >>>).
      .
    • Männer, die zuviel Multivitamin-Präparate einnehmen, haben ein bis zu 30% erhöhtes Risiko für die tödliche Form von Prostatakrebs.
    • Den heftigsten Dämpfer kommt nun aus der Universität Kopenhagen (JAMA 2007;297: 842-57, Goran Bjelakovic et al.): Die regelmässige Einnahme antioxidativer Vitaminzusatzpräparate verkürzen offenbar sogar das Leben! Die Forscher schliessen aus dieser Studie, dass Beta-Karotin, Vitamin A und Vitamin E die Mortalität steigern, bezüglich Selen und Vitamin C werden weitere Studien empfohlen.

    Vitamine werden auch, kaum in unserem Körper verstoffwechselt, selbst zu Radikale und müssen (teils mühsam) abgebaut werden. Man vermutet bei regelmässiger Einnahme deshalb ein Mangel an Abbaustoffen. Genau diese Abbaustoffe finden sich aber als sog. sekundäre Pflanzenstoffe in der ganzen Pflanze. Dort hat man also immer auch beides: die Vitamine/Mineralstoffe UND deren Abbauhilfen! Falls Sie also unbedingt irgendwelche Vitamine schlucken wollen, essen Sie immer gleichzeitig auch die vollen Pflanzen oder tierischen Produkte, in denen diese Vitamine natürlicherweise enthalten sind. Sie haben so automatisch keine Probleme beim Abbau derselben.

    Ausnahmen von der Regel:

    Bei wenigen Personengruppen sind Vitamin- und Mineralsalzpräparate sinnvoll:

    • Vegetarier, die auch Milchprodukte und Eier meiden (Veganer) benötigen häufig Vitamin B12, ev. auch Kalzium (?). Dies wird besonders für Säuglinge von Müttern, welche bereits mehr als 5 Jahre Veganerinnen sind, in der Stillzeit gefährlich. Es kann beim Kind dabei nach etwa 4 bis 8 Monaten zu schweren neurologischen Entwicklungsstörungen kommen.
      Auch eine Blutarmut/Eisenmangel (Anämie) muss ausgeschlossen werden (Müdigkeit, Haarausfall, Restless-Legs-Syndrom,…).
      Für einen Eisenmangel muss aber das Ferritin unter 30 µg/l sein.
    • Vitamin B12-Bestimmung ist nur sinnvoll bei Makrozytose (sieht die Hausärzt*in im Blutbild), Glossitis (rote, brennende Zunge), Polyneuropathie, Malnutrition (Mangelernährung), Status nach bariatrischen Eingriffen (Magenoperationen bei massivem Übergewicht), Metformin-Langzeittherapie! …und nicht in einem allgemeinen „Laborcheck“, nicht bei Müdigkeit, Depression oder kognitiven Einschränkungen!
    • Während und vor der Schwangerschaft wird häufig zusätzliches Eisen und Folsäure (Folsäure und spina bifida >>>) benötigt.
    • Stark menstruierende Frauen leiden gelegentlich an einem Eisenmangel, da sie mit dem Blut auch Eisen verlieren (v.a. auch noch in Kombination mit vegetarischer Ernährung).
    • Alkoholsüchtige haben gelegentlich zu wenig Vitamine B 1, B2, B6 C, Folsäure, Niacin sowie Magnesiumsalze; allerdings ist es blosse Symptombekämpfung, wenn man alkoholkranken Menschen Vitamine verabreicht.
    • Ausserdem müssen bei seltenen schweren Magen-Darm-Krankheiten mit Verwertungsstörungen Vitamine und Mineralsalze zusätzlich eingenommen werden.
    • Nanging=Missbrauch von N2O (Stickstoffoxid) als „recreational inhalant“ (z.B. kapselweise aus einer Schlagrahmbombe – Kisag) führt zu irreversibler Oxidation des Vitamins B12, zu B12-Mangel und entsprechender Myeloneuropathie vorwiegend der Hinterstränge (Parästhesien=Kribbeln, Einschlafen an Füssen und Händen, Verstopfung, Urininkontinenz). (Ng J, Frith R. nanging. Case report. Lancet 2002;360:384)
    • Medikamente und Rauchen:
      Rauchen kann wie auch Aspirin und ähnliche Medikamente zu Vitamin C- Mangel führen. Medikamente gegen Epilepsie zu Vitamin D, B12, K und Folsäure-Mangel. Die Antibabypille zu B6, Folsäure, C und B12-Mangel, Metformin senkt das Vitamin B12, Protonenpumpenhemmer (Magensäurehemmer) senken neben dem Calcium auch das Vitamin B12.
    • In den ersten vier Tagen einer Virusinfektion (Erkältung, Grippe, …), also in der Zeit der Virenvermehrung (Virämie) reduziert täglich ein Gramm Vitamin C (plus zusätzlich alle 2 bis 3 Stunden 15mg Zink) die Schwere und die Dauer der Erkrankung.
    • Alte Leute (in Pflegeheimen?) benötigen häufig Vitamin D  (ob  mit Kalzium ist umstritten!).
    • Medikamente gegen Reflux, sog. Protonenpumpenblocker (PPI) interferieren mit der Magnesium-Resorption im Dickdarm. Eine Hypomagnesiämie wird vor allem bei hochdosiertem Einsatz, unter Komedikation mit Diuretika, bei Langzeittherapie und bei älteren Patientinnen und Patienten beobachtet.
      Diuretika erhöhen die renale Mg-Ausscheidung, Thiazide mehr als Schleifendiuretika, akzentuiert unter Kombination beider Wirkstoffklassen. Kaliumsparende Diuretika wirken hingegen protektiv, ebenso Natrium-Glukose-Kotransporter-2-(SGLT2-)Inhibitoren.
      Antibiotika, Colchicin und Laxativa (Diarrhoe), platinumhaltige Chemotherapeutika und Amphotericin B sind weitere Beispiele für Medikamente, die eine Hypomagnesiämie bewirken können.

    • Vitamin D:
      Dies ist seit Jahren nun das Hype-Vitamin Nummer 1! Man spricht in Fachkreisen auch schon von einem „Luxus-Placebo“
      Heute liest man häufig, dass viele Leute einen Vitamin-D-Mangel hätten, da auf konsequenten Sonnenschutz geachtet wird und das Vitamin D durch Sonnenlichtbestrahlung unserer Haut entsteht.
      Es gibt aber keine Einigkeit zu den Referenzwerten, schon gar nicht international. Die USA kennen beispielsweise keine Empfehlung wie die Schweiz. Ein „Mangel“ darf sicher erst für 25(OH)D3-Werte unter 30 nmol/l angenommen werden! Die Besonderheit beim Vitamin D ist die jahreszeitliche Schwankung (Ende Winter am tiefsten). Bei allen anderen Blutparametern ist das nicht so. Dadurch definieren wir etwas als krank, das physiologisch offensichtlich keine Bedeutung hat.
      Das Vitamin D benötigen wir vor allem für einen guten Knochenbau (aber selbst dies ist umstritten), aber meist nicht mehr als 800 IE täglich.
      Vor allem Personen ab 60 Jahren sollten 800 IE pro Tag aufnehmen (über Sonnenlicht auf der nackten Haut oder über fetten Fisch (jedoch zweimal täglich nötig!).
      Ich bin aber überzeugt, dass Vitamin D spätestens in zehn Jahren genauso erledigt sein wird wie alle Vitamine davor. Wissenschaftlich gesehen ist es im Grunde bereits jetzt so weit. Was soll denn nach den erfolglosen Studien mit Zehntausenden Patienten noch kommen?

      Die internationale Fachgesellschaft «Endocrine Society» rät in ihrer neuen Leitlinie von 07/2024 vom routinemässigen Screening auf Vitamin D bei gesunden Personen ab. Begründung: Es gebe keine Nutzenbelege aus Studien.
      Link: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38828931/

      Neu ist auch, dass die «Endocrine Society» keinen 25(OH)D-Zielwert mehr vorgibt, ab dem von einer ausreichenden Vitamin-D-Versorgung gesprochen werden kann. Begründung: Es gebe keine Belege dafür, dass die bisherigen hohen 25(OH)D-Zielwerte (30 ng/ml oder 75 nmol/l) für Menschen ohne klassische Vitamin-D-Indikation mit einem Nutzen verbunden seien.

      Die Fachzeitschrift «Arznei-Telegramm» schreibt in einem Kommentar zur neuen Leitlinie der «Endocrine Society», die Einnahme von Vitamin D sei nur begründet zur Prophylaxe der Rachitis bei Säuglingen für 12 bis 18 Monate, sowie zur Prophylaxe und Therapie der Osteomalazie durch Vitamin-D-Mangel.
      Link: arznei-telegramm.de/html/2025_01/2501001_02.html

      Das «Arznei-Telegramm» schreibt zudem, die Empfehlung, dass Kinder bis 18 Jahren, Schwangere, Senioren ab 75 Jahren und Menschen mit Hochrisiko-Prädiabetes Vitamin-D-Präparate einnehmen sollten, sei nicht mit belastbaren Studien begründbar. Aus den vorliegenden Studien seien nicht mal abgeschwächte positive Empfehlungen abzuleiten.

      .
    • Vitamin B6: Achtung!
      Vitamin B6 kann eine Neuropathie auslösen. Die australische Gesundheitsbehörde vermeldet 2022 einige Fälle von Neuropathie durch Vitamin B6-Präparate, die gegen „Nervenschwäche“ genommen werden. In zwei Drittel der Fälle schluckten Patienten weniger als 50 Milligramm pro Tag. Fachleute hatten geglaubt, dass Nebenwirkungen erst bei zehnfacher Dosis auftreten würden.

    Vitamine beim Abmagern

    Während einer strengen, langandauernden Abmagerungskur mit weniger als 1000 Kalorien Nährwert pro Tag sind ab der zweiten bis dritten Woche zusätzliche Vitamine und Ballaststoffe manchmal günstig. Solche extremen Diäten dürfen aber nicht ohne ärztliche Kontrolle durchgeführt werden.
    Da während der Abmagerungskur vor allem die Vitamine B 1, B6, C, D, Folsäure Niacin knapp werden können, sollte ein Vitaminpräparat diese Vitamine in ausreichender Menge enthalten. Von Vitamin A legt der Körper genügend grosse Vorräte an, so dass sie auch durch eine Fastenkur nicht aufgezehrt werden.

    Natürliche Vitamin-Quellen

    Anstatt künstliche Vitaminpräparate zu schlucken, raten Ernährungs- und Gesundheitswissenschaftler, sich diese einfach auf natürliche Weise zu besorgen, da in frischen Früchten und Gemüse schätzungsweise mehrere tausend sog. bioaktive Substanzen oder sekundäre Pflanzenstoffe bei Heilungsprozessen als hochwirksame Medikamente beteiligt sind:

    Vitamin

    ist enthalten
    in folgenden

    Nahrungsmitteln:
    A

    ——–

    Aal, Camembert, Grünkohl, Hühnerei, Milch, Karotten, Spinat, Thunfisch, Kakifrüchte, Leber
    Beta-Carotin (Provitamin A)

    ——-

    Grünkohl, Karotten, Leber, Spinat, Sanddorn, Orangen
    D (Calciferol)

    ——–

    Sonnenlicht auf Haut!
    Fetter Fisch (Wildlachs mehr als Zuchtlachs, Thunfisch, Hering, …) – wenig in Joghurt, Milch, Sahne
    E (Tocopherol)

    ——–

    Weizenkeimöl, Nüsse, Feldsalat, Grünkohl, Haselnüsse, Margarine, Distelöl, Rapsöl, Sojaöl, Walnüsse
    Folsäure

    ——–

    Rosenkohl,Erdbeeren, Brokkoli; weitere Quellen: Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Weizenkeime, Vollkornprodukte, Leber, Eigelb, Tomate, Nüsse, Sojabohnen, Spargel, Fenchel, Fleisch, Kartoffeln, Milchprodukte, Orangen, Spinat, Gurken, Orangen, Erdbeeren, Trauben
    C (Ascorbinsäure)

    ——–

    Paprika, Orangensaft oder Orangen, Acerolakirschensaft, Johannisbeeren, Sanddornsaft, Papaya, Kiwis; weitere Quellen: sehr hoher Gehalt in Hagebutten (1250 mg/100 g), Sanddorn (450 mg/100 g), Brennnessel (300 mg/100 g), Paprika (120 mg/100 g), Broccoli (115 mg/100 g) und Rosenkohl (112 mg/100 g), hoher Gehalt in Zitrone, Tomaten, Grünkohl, Blumenkohl, Kartoffeln, Grapefruit, Sauerkirsche, Limetten, Apfel; Ananas, Apfelsinen, Blumenkohl, Broccoli, Erdbeeren, Fenchel, Grünkohl, Melone, Sauerkraut, Spinat, Stachelbeeren, Tomaten
    H (Biotin)

    ——–

    Kalbsleber, Sojabohnen; weitere Quellen: Milch, Haferflocken, Nüsse, Champignons, Hülsenfrüchte, Spinat
    K (Phyllochinon)

    ——–

    Haferflocken, Hühnerfleisch, Sauerkraut, Kohl, Schweineleber, Spinat, Tomaten
    B1 (Thiamin, Aneurin)

    ——–

    Sojabohnen, Hühnerbrust, Haferflocken, Haselnüsse, Hefe, Linsen, Milch, unpolierter Reis, Schweinefleisch, -leber und -niere, Vollkornbrot, Weizenkeime
    B2 (Riboflavin)

    ——–

    Milch oder Champignons; weitere Quellen: Käse, Getreide, Geflügel, Fisch, Sanddornsaft, rote Beete, Orange, Grapefruit, Spinat, Banane, Birne
    B3 (Niacin, Nikotinsäure)

    ——–

    Hühnerbrust, Lachs, Champignons; weitere Quellen: Vollkornbrot, Erdnüsse, Erbsen, Grüne Bohnen, Sojabohnen
    B5 (Pantothensäure)

    ——–

    Steinpilze oder Leber; weitere Quellen: Blumenkohl und Brokkoli, Seefisch, Pute, Milch, Kalbfleisch, Naturreis, Haferflocken
    B6 (Pyridoxin)

    ——–

    Weizenkeime, Lachs, Banane; weitere Quellen: Kirschen, Orangen, rote Beete, Kartoffeln, Vollkornprodukte, Soja, Fleisch und Fisch, Naturreis, Avocado
    B12 (Cobalamin)

    ——–

    Rinderfilet, Seelachs, Camembert; weitere Quellen: Milch, Eier, Quark, Sanddornsaft, Hering, Leber, Sauerkraut, Schweinefleisch
    Antioxidantien (Polyphenole)

    ——–

    Grüntee, Fischöl (fette Meerfische v.a.), schwarze Schokolade (70% oder mehr Kakao-Anteil), Nüsse

    Folsäure in der Schwangerschaft (Spina bifida)

    Diese Missbildung „Spina bifida“, ein Neuralrohrdefekt (und wird deshalb auch «offener Rücken» genannt) ist tragisch. Betroffene Kinder leiden an Lähmungen und anderen körperlichen Behinderungen.
    Die USA hatten im Jahre 2005 auf 100’000 Lebendgeburten rund 18 Neugeborenen mit Spina bifida und 11 mit Anenzephalie (keine Ausbildung des Hirns). Der Konsum von täglich 0,4 bis 0,8 mg Folsäure reduzierte diese Frequenz auf ein Neuntel!
    Die optimale Substitution beginnt 1 Monat vor der Zeugung und dauert 2 – 3 Monate.
    Die Empfehlung ist also: Alle Frauen, die ein Kind planen oder im gebärfähigen Alter sind, sollten täglich 0,4 bis 0,8 mg Folsäure konsumieren.
    Das ist eine klare Grad-A-Empfehlung – ohne Einschränkung (Ann Intern Med. 2009;150:626-31/632-9).

    Schädliche sogenannte „Vitalstoffe“

    Antioxidantien gelten als gesund – ein Irrtum, wie immer mehr Studien zeigen:
    Antioxidantien sollten nicht zum Schutz vor Lungenkrebs genommen werden, mahnen schwedische Forscher. Solche Stoffe könnten möglicherweise das Fortschreiten von Krebsvorstufen und das Wachstum bestehender Tumoren fördern, vermuten die Mediziner um Martin Bergo von der Universität Göteborg nach einer Studie an Mäusen und menschlichen Krebszellen. Ihre Resultate stellen sie in der Fachzeitschrift «Science Translational Medicine» vor.
    Antioxidantien wie etwa Vitamine gelten gemeinhin als gesund – unter anderem, weil sie verhindern sollen, dass reaktive Sauerstoffspezies (ROS, Reactive Oxygen Species) oder andere freie Radikale die DNA durch oxidativen Stress schädigen. Daher gelten diese Stoffe oft als Schutz vor Krebs. Gesichert ist diese Wirkung allerdings nicht. Vielmehr lieferten Studien Hinweise darauf, dass manche Antioxidantien das Fortschreiten von Krebs sogar fördern könnten.

    Schutzsystem ausser Kraft

    Die schwedischen Mediziner untersuchten nun den Effekt von Antioxidantien an Mäusen mit Lungenkrebs, der durch bestimmte, beim Menschen gängige Genveränderungen verursacht war. Dazu mischten sie den Tieren Vitamin E oder N-Acetylcystein (NAC) ins Futter. Beide Stoffe regten das Krebswachstum an. «Die Daten zeigen, dass Tumorzellen schneller wuchern, wenn oxidativer Stress unterdrückt wird», schreiben die Forscher. Möglicherweise werde ein körpereigenes Schutzsystem herabreguliert, wenn reaktive Sauerstoffspezies durch NAC oder Vitamin E unterdrückt würden, vermuten sie.
    «Die Studie an Mäusen ist ein Hinweis, dass die ungünstige Wirkung der Antioxidantien auch für Menschen zutreffen könnte – nicht mehr und nicht weniger», sagt Tobias Dick vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Da ROS ein Sammelbegriff für Sauerstoffspezies mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften sei, sei die verallgemeinernde Interpretation der schwedischen Autoren nicht zwingend. Allerdings sei sie durchaus plausibel und decke sich auch mit Hinweisen aus epidemiologischen Studien.  (Quelle: http://tagi.ch/29797843)

    Vorsicht: Selen

    Chinesische Ärzte haben schon um das Jahr 1960 in fünf Dörfern der Provinz Hubei klare Selen-Vergiftungssymptome beschrieben. Im am schlimmsten betroffenen Dorf litten über 80 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner an einer ungewöhnlichen Erkrankung. Ihre Haare brachen ab und fielen aus, ihre Kopfhaut juckte, die nachwachsenden Haare waren farb- und glanzlos. Die Kranken verloren ihre Nägel, sie litten an Hautausschlägen und in schweren Fällen kam es sogar zu Lähmungen. Im Jahr 1983 berichtete das «American Journal of Clinical Nutrition» darüber. Der Grund für das Leiden war stark selenhaltige Kohle zum Heizen. Der Rauch gelangte auch in den Boden. Über Getreide und Pflanzen vergifteten sich die Menschen so mit Selen.
    (Vorsicht, Selen!)

    Krebs: Biotin kann Labortests verfälschen

    Viele Konsumenten nehmen Biotin, auch bekannt als Vitamin B7 oder Vitamin H, als vermeintlich harmloses Nahrungsergänzungsmittel ein, oft zur Verbesserung ihres Haar- und Nagelwachstums. Doch eine aktuelle US-Analyse aus Columbus (Ohio), veröffentlicht im JCO Oncology Practice, warnt: Biotin kann zahlreiche labordiagnostische Tests verfälschen, die onkologisch eine zentrale Rolle spielen.

    Laut den Autoren besteht das Risiko insbesondere bei Tests, die auf Biotin-Streptavidin-basierten Immunoassays beruhen, einem Standardverfahren in der klinischen Labordiagnostik. „Studien haben gezeigt, dass Biotin das Potenzial hat, Labortests zu beeinflussen, die bei Schilddrüsen-, Brust-, Gebärmutterschleimhaut-, Eierstock-, Keimzell-, paraneoplastischen Tumoren und Prostatakrebs eingesetzt werden“, schreiben die Forschenden.

    Beunruhigend ist dabei, dass die verfälschten Werte sowohl zu falsch erhöhten als auch zu falsch niedrigen Ergebnissen führen können. So kann Biotin unter anderem die Messung folgender Parameter beeinflussen:

    • freies Thyroxin (T4) und freies Triiodthyronin (T3)
    • Thyreoglobulin, Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEAS), Östradiol, Testosteron, Ferritin, Progesteron,
    • Prostata-spezifisches Antigen (PSA), Parathormon, LH und FSH.

    In Studien wurden dabei mehrere Fehler beobachtet:

    • Falsch niedrige TSH-Werte können zu Fehldiagnosen einer Hyperthyreose oder zu Fehlinterpretationen während einer Immuntherapie führen.
    • Falsch erhöhte Östradiolwerte könnten den Beginn einer endokrinen Therapie bei postmenopausalen Brustkrebspatientinnen verzögern.
    • Falsch niedrige PSA-Werte könnten ein Rezidiv bei Prostatakarzinom-Überlebenden verschleiern.

    Die Forscher betonen, dass viele Onkologen nicht mit möglichen Effekten von Biotin durch Biotin vertraut seien, und dass Patienten die Einnahme oft nicht angeben würden, da sie Biotin für ein harmloses Vitaminpräparat hielten. Sie appellieren an Ärzte, Patienten gezielt auf das Thema anzusprechen. 
    (Medscape Medical News © 2025) 

    Wie sinnvoll sind Laboruntersuchungen?

    Der Nutzen von Blutuntersuchungen für die Abklärung einer Mangelernährung ist laut Prof. Dr. med. Philipp Schütz, Präsident der Gesellschaft für klinische Ernährung der Schweiz (GESKES), sehr umstritten, mit wenig klinischen Studien, die hier tatsächlich einen Benefit zeigen und entsprechend wenig klaren Empfehlungen. Generell gilt, dass Blutentnahmen jeweils sehr individuell gemacht werden sollten. Zum Beispiel bei einem Patienten oder einer Patientin mit einer Anämie ist es sinnvoll, Eisen (Ferritin), Vitamin B12 und Folsäure zu bestimmen und allenfalls gezielt zu substituieren. Auch sollte bei Personen mit einem einseitigen Ernährungsverhalten (zum Beispiel bei Veganerinnen und Veganern) und gleichzeitig erhöhtem Bedarf (zum Beispiel bei Jugendlichen oder in der Schwangerschaft) gezielt nach Nährstoffdefiziten geschaut werden. Der Vitamin-D-Mangel ist laut Philipp Schütz bei Menschen in Pflegeheimen oder mit einer Mangelernährung stark verbreitet, sodass eine Supplementierung auch ohne Messung des Blutspiegels ihm zufolge eine deutlich kostengünstigere Strategie darstellt, als die Werte vorab zu bestimmen. Zudem seien die Vitamin-D-Spiegel stark saisonal bedingt fluktuierend und teuer.

    Zum Weiterlesen:

    Zudem sollte jeder, der „auf Vitamine und Zusatznahrung/Supplemente/Mineralstoffe schwört“ (und vielleicht die Schulmedizin primär mal ablehnt, da zu technisch…) bei sich genau hinsehen, ob er dem häufigen Denkfehler von uns modernen Menschen aufsitzt, dass „Natürliches sowieso gut – und besser als alles Wissenschaftlich-Technische ist“:  walserblog.ch/2021/12/10/alles-natuerliche-ist-gut/

    aus der Sonntagszeitung vom 12.05.2019 (Copyright dankend überlassen)

    Weiterlesen: PAINS = Hochstaplermoleküle, wie Kurkuma,…

    Veröffentlicht am 06. Juni 2017 von Dr. med. Thomas Walser
    Letzte Aktualisierung:
    23. Januar 2026