das gebrochene Herz

Zuallererst heisst "Herzinfarkt" sorgfältig aus dem Lateinischen übersetzt "gebrochenes Herz". Das Herz ist mehr als ein Muskel und eine mechanische Pumpe. Das Herz ist der Umschlagplatz von Liebe und Schmerz, Angst und Mut. Man verschenkt sein Herz aus Liebe. Man nimmt sich etwas zu Herzen. Man stirbt an gebrochenem Herzen. Das Herz hat ein Bedürfnis nach Geborgenheit, Grosszügigkeit, Gelassenheit und Wärme. Hektik, Zeitnot und Stress führen dazu, dass sich das Herz einem von aussen diktierten Rhythmus zu unterwerfen hat. Das Herz benötigt im Arbeitsalltag den Gegenpol der Entspannung, des Rückzugs, das Ausleben von Sehnsüchten, Träumen und Gefühlen.

Mehr zu den anderen Seiten dieser "mechanischen Pumpe" siehe weiter unten!

 

 

Interheart-Studie

Neun Risikofaktoren waren unabhängig von Alter, Geschlecht und ethnischer Gruppe signifikant mit einem Herzinfarkt assoziiert: 

Weiterhin fanden sich bei Patienten nach Myokardinfarkt aus allen ethnischen Gruppen und allen Regionen der Welt signifikant häufiger 

  • Depressionen,

  • belastende Lebensereignisse in den letzten zwölf Monaten

  • und beruflicher, privater oder finanzieller Stress.

Die Interheart-Studie zeigt, dass die neun oben genannten RF verantwortlich sind für 90 Prozent des Risikos für einen akuten Herzinfarkt. 

Weltweit sind die zwei wichtigsten RF Rauchen und erhöhte Lipide, zusammen sind sie für 2/3 des Risikos für den akuten Herzinfarkt verantwortlich. Psychosoziale RF, Diabetes mellitus, Hypertonie und abdominale Adipositas sind die nächsten bedeutsamen RF, aber ihre relative Bedeutung ist in verschiedenen Ländern unterschiedlich. Das Bauchfett lässt das Risiko nur noch geringfügig weitersteigen!

 

Rauchen und erhöhte Lipide zeigen eine proportionale stufenweise Erhöhung des Risikos. Das Rauchen von schon fünf Zigaretten erhöht das Risiko. Daraus lässt sich ableiten, dass es für die Zahl der Zigaretten, die geraucht werden, keine sichere untere Grenze gibt, aber auch, dass das Risiko für einen Herzinfarkt, das mit dem Rauchen verbunden ist, signifikant vermindert werden kann, durch die Verminderung der Zahl der gerauchten Zigaretten.

The Lancet 366 (2005), 1640–1649 (Zusammenfassung hier: interheart.pdf)

 

 

was vorbeugend tun?!

Wer etwas für sein Herz tun möchte, sollte Folgendes machen:

  • Der erste und wichtigste Risikofaktor: nicht rauchen! (siehe Interheart-Studie oben)
  • Mindestens drei Stunden Sport pro Woche - je mehr umso besser (für Frauen und Männer ebenso). (M.Hamer et al., Br J Sports Med 2008;42: 238-243)
  • Blutfette von Hausarzt bestimmen lassen (wichtigster Wert ist hier der Quotient Totalcholesterin durch das HDL-Cholesterin: sollte unter 5 sein!).
  • Dann: hohen Blutdruck therapieren 
  • viel lachen, lieben und sich sozial gut einbetten.
  • Dann täglich viel frisches Obst (v.a. rote Grapefruit), Gemüse und Nüsse (siehe die "Evidence based medicin"-Studie darüber!), dann auch Soja (Tofu) und Artischockenblätterextrakt zur Cholesterinsenkung  essen, ein Glas Wein und schwarzen oder grünen Tee täglich trinken ( nur 1 bis 3 Tassen täglich nötig: Kuriyama S et al. Green tea consumption and mortality due to cardiovascular disease, cancer, and all causes in Japan: the Ohsaki study. JAMA. 2006; 296(10):1255–1265.  Suzuki E et al. Green tea consumption and mortality among Japanese elderly people: the prospective Shizuoka elderly cohort. Ann Epidemiol. 2009; 19(10):732–739.
    mediterrane Ernährung: auch hier www.jr2.ox.ac.uk/bandolier/band114/b114-2.html ).
    Hier spielt auch viel Kalium (und wenig Natrium - also wenig Kochsalz) eine Rolle: Sehr kaliumhaltig sind Bananen, Spinat, Broccoli, Nüsse und Vollkorn.
  • Kurzum: eine Mediterrane Diät mit viel Olivenöl (ein Liter pro Woche) und mindestens 30 Gramm Nussmischung pro Tag schützt das Herz und den Kreislauf: mediterrane_diaet.pdf
  • Wer mit einem ausgiebigen Frühstück - und viel Zeit den Tag beginnt, hat ein deutlich verringertes Herzinfarktrisiko! Gemäss verschiedener grossen Studien (v.a. Circulation.128: 337-343, Prospective Study of Breakfast Eating and Incident Coronary Heart Disease in a Cohort of Male US Health Professionals, Leah E. Cahill et al.). Diejenigen Männer, die das Frühstück ausliessen, hatten dabei ein 27% höheres Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden als jene, die den Tag zum Beispiel mit einem Müesli begannen. Nach Ansicht der Forscher bestätigt die Studie, dass das Frühstück wohl die wichtigste Mahlzeit des Tages ist.
    Ideal ist, wenn das Frühstück mit geschrotetem Vollkorn (im Müesli) - anstatt Backwaren, wie Brot! - viel unbearbeiteten Ballaststoff enthält (Viel Ballaststoff im Essen lassen auch Leute mit Herzinfarkt viel länger Leben! (Li S, et al. BMJ. 2014;348:g2659).
  • WENIG ROTES FLEISCH!
    Man sollte auch auf seine (gute) Darmflora, d.h. jene rund 100 Billionen Bakterien aufpassen und sie gut pflegen. Was heisst dies konkret?!
    Normalerweise leben die Vertreter der Darmflora (Mikrobiom) einträchtig mit ihrem Wirt. Sie verdauen für uns komplexe Kohlenhydrate, mit denen menschliche Enzyme nicht umgehen können. Und sie wehren auch Infektionen krank machender Bakterien ab.
    Nun wird zum Beispiel das Carnitin im roten Fleisch (Rind, Schwein oder Lamm) von den Darmbakterien zu Trimethylamin verdaut, das dann in der Leber zu Trimethylamin-N-Oxid (TMAO) umgewandelt wird. Carnitin verstärkt u.a. auch die schädliche Wirkung vom Cholesterin. Dies löst eine Kette von Ereignissen aus, die letztlich zu einer Arteriosklerose (Versteifung der Arterien) führt und damit auch zum Herzinfarkt, Hirnschlag,...!
    Es hat sich nun gezeigt, dass ein Vegetarier ein Steak essen kann und dass sich dann die (ideale) Zusammensetzung seiner Darmbakterien diesen TMAO-Spiegel nicht erhöhen lassen! Vegetarische Ernährung ergibt also eine fürs Immunsystem und für unsere Blutgefässe optimale Darmflora!
    >>> mehr dazu lesen Sie auf meiner Extraseite zur Darmflora hier: www.dr-walser.ch/darmflora.htm!

  • Er wäre darüber hinaus gut beraten, sich mehr mit Fisch als Fleisch zu ernähren (Herzinfarkt-Patienten können durch eine Umstellung ihres Speiseplans auf mediterrane Kost das Risiko eines erneuten Infarkts um etwa die Hälfte senken. (Zu diesem Ergebnis kommt die Lyon-Studie 1999. Von 200 Patienten, die nach einem Infarkt bei der gewohnten Ernährung blieben, erkrankten in den folgenden vier Jahren  etwa die Hälfte erneut am Herzen. Weitere 200 Patienten stiegen auf die fettärmere Kost Südeuropas um. Von dieser Gruppe erlitten weniger als ein Viertel einen neuen Infarkt. Ein vergleichbares Resultat erreichte bisher kein Medikament.).
  • Auch Fischöl allein schützt das Herz: Im Lancet (1999, 7.Aug.; 354: 447-55) wird die präventive Wirkung (antiarrhythmisch / antithrombotisch) von 1 Gramm Fischöl (Omega-3-Fettsäuren) täglich für koronare Herzkrankheiten klar nachgewiesen. Hier enttäuscht auch einmal mehr das reine Vitamin E krass (siehe auch Übersicht über Studien zu Antioxydantien und Herzinfarkt-/Hirnschlag-Prophylaxe: www.aafp.org/afp/20000915/1359.htm!).
    In einer Arbeit im Journal of the American College of Cardiology (Vol.35, No.2 (2000) 265-270) wurden 4 Gramm täglich empfohlen (weitere Studie dazu: Bucher H et al. AmJMed 2002; 112: 298-304: n-3-ungesättigte Fettsäuren verhindern kardiovaskuläre Todesfälle!).
  • Genügend Wasser trinken kann das Herzinfarktrisiko um 40 Prozent senken! Dies fand ein Forscherteam der Loma Linda-Uni in den USA (www.llu.edu/news/pr/042502water.html) bei der Untersuchung von 20'000 Leuten. Es zeigte sich, dass sich das Risiko für tödliche Infarkte bei Männern, die mehr als einen Liter Wasser tranken, sogar halbierte!
  • Den Arbeitsstress reduzieren: Die wichtigsten Faktoren dabei sind geringe Entscheidungsbefugnis und der Zwang zur Unterordnung (oder auch: Etwas erdulden zu müssen, ohne selbst entscheiden zu dürfen)! (Kivimäki M, et al. Lancet. 2012;380:1491-7)
  • Und: eine Unterfunktion der Schilddrüse abklären lassen (TSH-Bestimmung im Blut) und behandeln
     
  • Und ev. 100mg Aspirin (ein Fünftel einer normalen Tablette!) täglich einnehmen. 
  • Eine Parodontitis (Zahnbett-Entzündung) muss unbedingt gut behandelt werden (Zahnseide benützen!). Menschen mit "Zahnfleischentzündung" erleiden doppelt so oft Herzinfarkte, dreimal häufiger Schlaganfälle (und siebenfach mehr Frühgeburten).
    Sowieso scheint die Gesundheit im Mund und der Zähne eine starke Beziehung zu derjenigen des Herzens zu haben. Es ist also sehr ratsam, dass man eine sehr gute Hygiene der Zahnpflege (inklusive Reinigung der Zungenoberfläche!) ausübt. (BMJ 340:c2451, 27 May 2010 © 2010 de Oliveira et al Toothbrushing, inflammation, and risk of cardiovascular disease: results from Scottish Health Survey. Cesar de Oliveira, Richard Watt, and Mark Hamer.)
  • Die moderne Herzforschung erkannte auch eine neue Risikopopulation: Wer schnarcht, lebt gefährlich - genauer: wer unter Apnoe ("nächtlicher Atemstillstand") leidet. Die Schlafstörung sollte ernst genommen werden, da der teilweise minutenlange Atemausfall den Blutdruck dramatisch in die Höhe treiben und das Herz schädigen kann. Wer nachts schnarcht und sich tagsüber meist müde fühlt, sollte nicht zögern, sich in einem Schlaflabor untersuchen zu lassen: Apnoe wird in neun von zehn Fällen nicht erkannt. Die Behandlung - ein kleines Atemgerät - ist einfach und effizient.
  • Ein eigentliches Gesundheitsrisiko für das Herz ist auch der "Ärger mit dem Ärger"
    Wie gefährlich der Ärger für das Herz ist, verdeutlicht eine amerikanische Langzeitstudie, bei der Menschen, die - in ihrem Leben zu "cholerischen Reaktionen" neigten und sich schnell ärgerten, eine im Vergleich mit ihren ärger- ärmer lebenden Zeitgenossen um das Siebenfache höhere Sterblichkeit zeigten. Die permanente Inszenierung des Ärgers war danach für die Gesundheit sogar gefährlicher als klassische Risikofaktoren wie Rauchen und Bluthochdruck. Es spielt dabei überraschenderweise für das Herz keine Rolle, ob man den Ärger in sich "hineinfrisst" oder beim Sich-Ärgern aus der Haut fährt.
    Das heisst also: Nicht der Zorn als solcher, sondern ihn ausdrücken oder ihn zu unterdrücken, schädigt die Gefässe.
    Seien Sie also nett zu Ihren Mitmenschen. Feindselige Einstellungen der Umwelt gegenüber, die Anderen verbal oder physisch angreifen , erhöht die Blutfette. (Karen Matthews et al, Duke University Med.Center, Annals of Behavioral Medicine, Vol.20, 1998)
  • Meditation und ähnliche Entspannungsmethoden haben auf das Herz eine ähnlich beruhigende Wirkung wie die üblichen Beta-Blocker - nur ohne Nebenwirkungen.
  • Eine regelmässige Mittagsruhe, Siesta verringert das Risiko an einer koronaren Herzkrankheiten zu sterben um 37% (v.a. signifikant bei berufstätigen Männern!)! (Androniki Naska, PhD et al., Arch Intern Med. 2007;167:296-301)
  • Hier könnte man auch anmerken: Der Parasympathikus kräftigen ist sehr weise! Lesen Sie mehr darüber hier >>> parasympathikus.htm
  • Alle Nichtsteroidale Schmerzmittel (NSAR) sind riskant für Herz und Gefässe! Sie erhöhen das Risiko von Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulär bedingtem Tod. Am günstigsten schnitt Naproxen ab, war aber immerhin mit einem Schlaganfallrisiko von 1,76 behaftet und in der Regel nur zusammen mit einem PPI (Magenschonmittel) verträglich. Unter Ibuprofen ist das Schlaganfallrisiko mehr als verdreifacht, unter Diclofenac fast verdreifacht, unter Etoricoxib auf 2,67 erhöht. Kardiovaskuläre Todesfälle wurden nur durch Naproxen nicht erhöht, durch Celecoxib verdoppelt, durch Ibuprofen mehr als verdoppelt (2,39), durch Diclofenac und Etoricoxib vervierfacht! (BMJ 2011; DOI;10.1136/bmj.c7086)
  • Fluglärm ist ein kardiovaskulärer Risikofaktor!
    a Hansell AL, Blangiardo M, Fortunato L et al. Aircraft noise and cardiovascular disease near Heathrow airport in London: small area study. BMJ 2013 (8. Oktober); 347: f5561
    a Correia AW, Peters L, Levy JI et al. Residential exposure to aircraft noise and hospital admissions for cardiovascular diseases: multi-airport retrospective study. BMJ. 2013 (8.Oktober); 347: f5561

    In diesen zwei Studien wurde der Zusammenhang zwischen der Belastung durch Fluglärm und kardiovaskulären Erkrankungen untersucht. In London (3,6 Mio. Personen rund um den Flughafen Heathrow) war das relative Risiko, wegen eines Schlaganfalls oder einer akuten kardiovaskulären
    Erkrankung hospitalisiert zu werden, signifikant erhöht, wenn die Region mit der höchsten Lärmbelastung (über 63 dB) mit derjenigen mit der geringsten (unter 51 dB) verglichen wurde. In der US-Studie (6 Mio. Personen in der direkten Umgebung von 89 Flughäfen) waren die Zuweisungsraten für akute kardiovaskuläre Erkrankungen bei einer Zunahme der Lärmbelastung um 10 dB um jeweils 3,5% höher. Eine kausale Bedeutung weiterer Umweltfaktoren konnte für die Faktoren Luftverschmutzung und Verkehrslärm in der US-Studie ausgeschlossen werden.
    Eine Schweizer Studie war zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.1
    1 Huss A, Spoerri A, Egger M et al. Aircraft noise, air pollution, and mortality from myocardial infarction. Epidemiology 2010 (November); 21: 829-36.
  • Mehr Raum im Oberkörper tut dem Herzen und seinem Kreislauf sehr gut! Als Menschen (mit der Wirbelsäule im Brustraum hinten im Rücken) verkürzen wir im Leben vor allem vorne in der Frontallinie und leiden häufig im Alter an einem Rundrücken. Eine Verlängerung der Frontal- und Mittellinie und damit mehr Innenraum und mehr Aufrichtung im Oberkörper können strukturelle Methoden erreichen, deren Ziel eine grössere "Tiefenaktivität" der innen gelegenen Rumpfstabilisatoren (und eine Entspannung der oberflächlichen Rumpfhülle) ist: Alexandertraining, Polarity, Rolfing,...
    Katzen haben schon immer gewusst, was sich gegen eine Verkürzung der Vorderwand machen lässt:
    und als Mensch auf zwei Beinen tut man dies am besten gegen eine Wand -
    und dies ist die beste Übung gegen einen Rundrücken!
    hier auf dieser Website >>>

 

 

In der Prävention gegen Herz-Kreislaufkrankheiten gibt es die einprägsame Ziffernkombination
0.3.5. - 140 - 5.0.
0. bedeutet "kein Nikotin!"
3. täglich drei Kilometer gehen
5. fünf Portionen Früchte oder Gemüse pro Tag essen.
140 gibt das Ziel für den Blutdruck (systolisch weniger als 140 mmHg)
5. Quotient Gesamtcholesterin durch HDL-Cholesterin (unter 5 mmol/l)
0. kein Übergewicht und kein Diabetes!

 

 

A-B-Typologie durch Friedman und Roseman: 

Den sog. A-Typ könnte man auch einen "Sympathikotoniker" nennen >>> siehe mehr hier!

Diese Untersuchungen stammen zum grössten Teil aus medizinischen Untersuchungen zu koronargefährdendem Verhalten. Die so genannte Typ-A-Persönlichkeit hat zur Erklärung von Herz-Kreislauferkrankungen  besondere Beachtung gefunden (inzwischen weiss man, dass nicht jede Typ-A-Person einen Herzinfarkt erleiden wird; auch die entspannteren Typ-B-Persönlichkeiten bleiben nicht von koronaren Herzkrankheiten verschont).
Typ A Verhalten ist gekennzeichnet durch:
- Starke Wettbewerbsorientierung: diszipliniert, tüchtig, verantwortungsbewusst, dominierend, aggressiv, feindselig.
- Neigung zu extremer Verausgabung: verspannt, überlastet, gestresst, immer in Zeitnot, ungeduldig.
- erhöhte Reizbarkeit und Gereiztheit im Zusammenhang mit Neurotizismus und Tendenzen zu Angst und Depression.
- psychophysisches Risikoverhalten: unregelmässige Ernährung, mangelnde Körperbewegung im Wechsel mit sportlichen Höchstleistungen, wenig kontrollierter Genussmittelkonsum, Schlafdefizite.
Typ A ist ebenfalls durch ein spezifisches Muster von Coping-Strategien gekennzeichnet, z.B. versucht er immer mehr in immer weniger Zeit zu erreichen. Doch nicht die hohe Leistungsorientierung, sondern die defensive Komponente (Feindseligkeit) hat sich in späteren Untersuchungen als das zentrale krankheitsfördernde Merkmal herausgestellt.
Eine feindselige Haltung gegen Mitmenschen führt zu einem höheren Herzinfarktrisiko als Fettleibigkeit, Rauchen und hohe Blutfettwerte! Das fanden US-Psychologen heraus, die drei Jahre lang 774 ältere Männer beobachteten. Durch permanente Antipathie führen sich die Betroffenen selbst Stress zu. Dieser Stress könnte etwa zu schädlichen hormonellen Reaktionen oder zu Herzrhythmusstörungen führen, vermuten die Forscher. Knapp sechs Prozent der Probanden, die sich auf Grund eines Fragebogens als sehr feindselig erwiesen hatten, bekamen in dieser Zeit eine Erkrankung der Herzkranzgefässe. In einer zweiten Studie wurden 792 ältere Frauen beobachtet: Die Gruppe mit der grössten Feindseligkeit hatte eine doppelt so grosses Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden wie die Gruppe mit der kleinsten Feindseligkeit (Am J Epidemiol 2002 Dec 15;156(12):1092-9).

 

das Risiko berechnen

Für die Berechung des kardiovaskulären Risikos gibt es verschiedene Instrumente (PROCAM, EU-Score, Framingham Score). 

Der am besten validierte Score ist der Framingham Score. Gleichzeitig ist bekannt, dass auch das Vorhandensein eines metabolischen Syndroms das Risiko für eine koronare Herzkrankheit erhöht, aber mit dem Framingham Score lässt sich das Risiko präziser vorhersagen. (Metabolic Syndrome vs Framingham Score for Prediction of Coronary Heart Disease, Stroke, and Type 2 Diabetes mellitus. Wannamehtee SG et al. Arch Intern Med 2005; 165: 2644-50:  Das metabolische Syndrom hingegen ist ein genauerer Prädiktor für das Auftreten eines Diabetes mellitus.).

 

Framingham-Studie

Punkte und 5-Jahreswahrscheinlichkeit (%) für das Auftreten einer KHK (koronarern Herzkrankheit):

Punkte
%
Punkte % Punkte % Punkte %
0 bis 1
< 1
9 2 17 6 25 14
2
1
10 2 18 7 26 16
3
1
11 3 19 8 27 17
4
1
12 3 20 8 28 19
5
1
13 3 21 9 29 20
6
1
14 4 22 11 30 22
7
1
15 5 23 12 31 24
8
2
16 5 24 13 32 25

 

 

ESC Score¹

10-Jahres-Risiko für tödliche kardiovaskuläre Krankheiten in europäischen Regionen mit niedrigem kardiovaskulärem Krankheitsrisiko (z.B. Schweiz):

Dieser Score ist sehr brauchbar in der täglichen (Hausarzt-)Praxis: Man kann gut ersehen, ob z.B. die Bestimmung des Cholesterins überhaupt einen Sinn macht. Man sieht auch schnell die Wertigkeit der verschiedenen Risikofaktoren (z.B. Rauchen gegenüber Blutfetten oder Blutdruck), was sich also lohnt zu behandeln.

Mit positiver Familienvorgeschichte für KHK muss man das Risiko etwa verdoppeln. (¹ DeBacker G et al. European guidelines on cardiovascular disease prevention in clinical practice. The Third Joint Task Force of European and other Societies on Cardiovascular Disease Prevention in Clinical Practice (constituted by representatives of eight societies and by invited experts) executive summary. Eur Heart J 2003; 24: 1601–10.)

 

 

Risikoberechnung der koronaren Herzkrankheit unter  www.chd-taskforce.de : PROCAM Risk Calculator (hier ist auch Familienrisiko eingeschlossen) und speziell für Frauen: Framingham Risk Assessment.
oder hier: www.riskscore.org.uk 

 

 

Nach einem akuten Koronarsyndrom (Herzinfarkte mit oder ohne ST-Veränderungen, instabile Angina pectoris) lässt sich auf Grund der Ergebnisse der Beobachtungsstudie GRACE (Fox KA et al. Prediction of risk of death and myocardial infarction in the six months after presentation with acute coronary syndrome: prospective multinational observational study (GRACE)). BMJ 2006 (25. Novemeber); 333: 1091-6) mit relativ einfach zu ermittelnden Angaben das Sterbe- und Reinfarktrisiko berechnen. Das vereinfachte GRACE-Modell kann als Rechner vom Internet heruntergeladen werden: www.outcomes.org/grace .

 

 

Risikofaktor: schneller Herzschlag

Die Herzfrequenz ist ein noch viel zu wenig beachteter kardiovaskulärer Hauptrisikofaktor. Nach dem alter, dem männlichen Geschlecht, der genetischen Prädisposition und der Hypertonie sollte die Herzfrequenz bereits an fünfter Stelle der wichtigsten Risikofaktoren aufgeführt werden. 

Es ist davon auszugehen, dass allen Menschen gewissermassen ein Kapital von rund drei Milliarden Herzschlägen auf den Lebensweg mitgegeben wird!

Wer sparsamer damit umgeht, lebt länger, wer verschwenderisch ist, entsprechend kürzer. Mit einem Puls von 80 Schlägen pro Minute sind 71 Lebensjahre möglich, mit einer Frequenz von 100 dagegen nur 57 Jahre! Mit einer Herzfrequenz von 60 lässt sich ein Alter von 96 Jahren, mit etwas Sport und einem Ruhepuls von 50 gar von 115 Jahren erreichen! Auch bei Tieren ist übrigens die Lebenszeit frequenzabhängig. Kleine Tiere wie Mäuse mit einem Puls von 400 bis 500 Schlägen pro Minute werden nur 3 bis 4 Jahre alt, dagegen Elefanten mit einer Herzfrequenz von etwa 30 und Wale (6 bis 40 pro Minute) 30 Jahre.

Warum ist eine geringe Herzfrequenz so vorteilhaft? bei langsamem Herzschlag dauert die Diastole länger. Eine geringe Herzfrequenz verbessert die Koronarperfusion, weil sich der Koronarfluss weitgehend auf die Diastole beschränkt, und vermindert überdies den Sauerstoffverbrauch des Herzmuskels. Ein erhöhter Puls verstärkt dagegen den oxydativen Stress und den Umbau des Herzens (Remodeling). Das Herz dilatiert (erweitert sich) also bei einer Tachykardie (hoher Puls) schneller als bei einer Bradykardie (langsamer Puls).

 

 

Yoga mit Meditation hilft gegen Vorhofflimmern

In dieser Studie wurden die Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern zunächst mit drei Monaten sportlichen Aktivitäten ihrer Wahl behandelt. Anschliessend nahmen die Leute drei Monate lang an einem überwachten Yoga-Programm mit Atemübungen, Yoga-Stellungen, Meditation und Entspannung teil. Keiner der Probanden hatte vorher bereits Erfahrung mit den fernöstlichen Übungen.
Es zeigte sich, dass während der Yoga-Interventions-Phase die Episoden von Vorhofflimmern um die Hälfte zurückgingen. Ausserdem verringerten sich Angst- und Depressions-Symptome und die Lebensqualität stieg.
Als Wirkungsmechanismus werden günstige Einflüsse auf den Sympathikotonus diskutiert. (mehr zur Entspannung >>>hier!).

 

 

Statine - Medikamente gegen den Herzinfarkt?

Eine Metaanalyse von 25'000 Personen (Durchschnittsalter 73 Jahre, Follow-up 3,5 Jahre), die Statine (Blutfettsenker) einnahmen oder nicht, ergab bei den Statin-Nutzern eine relative Reduktion der Myokardinfarktrate um 40% und der Schlaganfallrate um 25%!
Die Mortalität (Sterblichkeit) jeglicher Ursache wurde durch diese Statineinnahme jedoch nicht beeinflusst!
Welche Todesursache hätten Sie denn gern? Herzinfarkt oder Demenz?!
(Savarese G, et al. J Am Coll Cardiol. 2013; doi:10. 1016/j.acc.2013.07.069)

 

 

Der Albtraum beginnt danach: Posttraumatische Belastungsstörung nach einem Herzinfarkt

Todesangst und Kontrollverlust – wer einen Herzinfarkt hat, geht auch psychisch durch extreme Zeiten. Ungefähr jeder zehnte leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung, wie Forscher vom Inselspital Bern in einer Untersuchung feststellten. Sie veröffentlichten die Studie bereits 2009 im Fachblatt «Clinical Cardiology». Bei dieser Störung haben Patienten Albträume und einen gestörten Schlaf. Zudem drehen sie das Ereignis dauernd im Kopf und haben eine grosse Angst vor einem weiteren Infarkt.
Und diese Symptome sind riskant. Sie können einen weiteren Herzinfarkt auslösen, sagen nun Forscher des Medizinischen Zentrums der Columbia Universität in New York. Sie verglichen 24 Untersuchungen mit gegen 2500 Patienten und kamen zum Schluss: Eine posttraumatische Belastungsstörung verdoppelt das Risiko, in den nächsten ein bis zwei Jahren an einem weiteren Herzinfarkt zu sterben. Ihre Analyse veröffentlichten sie in der Internetfachzeitschrift «PLoS One».
Je grösser die psychische Belastung nach dem Herzinfarkt, desto höher ist das Risiko für einen erneuten Aufenthalt im Spital. Dies konnte eine Studie zeigen, die das Fachblatt «Journal of Cardiology» im vergangenen November veröffentlichte. Die Forscher vermuten, dass traumatisierte Patienten weniger gut auf die Gesundheit achten. So schaffen es traumatisierte nach dem Herzinfarkt zum Beispiel seltener, das Rauchen aufzugeben oder ihre Medikamente regelmässig einzunehmen.
Prophylaktisch ist entscheidend, die Symptome früh zu erkennen. Dabei sind vor allem die Spitäler gefordert. Das Personal der Herzabteilungen spielt dabei eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, traumatische Reaktionen zu verhindern. Ärzte und Pflegepersonal sollten die verunsicherten Herzpatienten ernst nehmen und ihnen mit einer guten Aufklärung und Beratung wieder Sicherheit vermitteln. Herzspezialisten sollten in den ersten Monaten nach einem Herzinfarkt psychische Symptome immer wieder gezielt erfragen. So könnte man dem Patienten bei Bedarf früh eine Psychotherapie bieten.
Besonders gefährdet sind Patienten über 60 Jahre ist. Sie erleiden eher eine posttraumatische Belastungsstörung. Der Grund: Mit steigendem Alter kann man weniger gut mit Stress umgehen und man wird schmerzempfindlicher. Auch Menschen ohne funktionierendes soziales Netz und die bereits an einer psychischer Krankheit leiden, sind mehr gefährdet.
Auch Patienten können vorbeugen: Ein Herzinfarkt hinterlässt das Gefühl, dass etwas mit dem Körper nicht in Ordnung ist. Daher sollte man wieder positive Erfahrungen machen. Dabei hilft Bewegung. Ausserdem sollen Patienten mit Freunden, Ärzten und Therapeuten über ihre Ängste sprechen. Man sollte zudem versuchen, im Herzinfarkt einen Sinn zu erkennen. Zum Beispiel, indem man ihn zum Anlass nimmt, das Rauchen aufzugeben, sich gesünder zu ernähren oder sich mehr zu bewegen.
Das hilft nach dem Herzinfarkt:
- Sprechen Sie mit vertrauten Menschen über Ihre Erlebnisse.
- Machen Sie regelmässiges Bewegungstraining wie Gehen, Gymnastik oder Übungen am Heimtrainer. Auch Schwimmen, Langlauf, leichtes Joggen und Velofahren eignet sich. Tun Sie das, was Ihnen Freude macht.
- Vermeiden Sie Stress.
- Machen Sie Entspannungstraining wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga. Es hilft gegen Nervosität, Herzjagen und hohen Blutdruck.
- Ernähren Sie sich abwechslungsreich und gesund: mit wenig tierischem Fett, wenig Zucker, viel Obst und Gemüse.
- Achten Sie auf Ihr Gewicht
- Lassen Sie sich regelmässig vom Arzt untersuchen
- Gehen Sie den Ursachen des Herzinfarktes auf den Grund: Welche Prioritäten habe ich bis jetzt im Leben gesetzt? >>>Lesen Sie dazu hier auf dieser Website!
- Suchen Sie Hilfe bei Problemen am Arbeitsplatz oder in der Familie.
Mehr Infos:

Über die (allgegenwärtige) Todesangst hier auf dieser Website!
Merkblatt «Empfehlungen für den Umgang mit belastenden Ereignissen», herausgegeben vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und der Föderation Schweizer Psychologinnen und Psychologen: www.nfszh.ch/hilfen-fuer-betroffene 

  • Was Dein Herz Dir sagen will (unglaubliche Studien + Übung)


    Welch eine himmlische Empfindung ist es, seinem Herzen zu folgen!
    - Johann Wolfgang von Goethe

    „Hör auf das, was Dein Herz Dir sagt“ … heisst es immer wieder und vielleicht hältst auch Du das für Eso-Quatsch. Als könnte das Herz was anderes tun als stumpf pumpen! Klar, so etwas wie ein Bauchgefühl kennt man schon, aber auch das wird sich alles nur in einem Teil des Gehirns im Kopf abspielen. Oder?
    Erst seit etwa 20 Jahren arbeiten Kardiologen und Psychologen enger zusammen. Bis dahin wusste man zwar, dass das Hirn das Herz beeinflusst. Zum Beispiel so: emotionaler Stress erhöht das Herzinfarkt-Risiko stärker als Rauchen und eine Depression nach einem Herzinfarkt die Todeswahrscheinlichkeit mehr als alle anderen bekannten Faktoren. Doch erst seit die Wissenschaftler aus den verschiedenen Bereichen ihre Köpfe zusammen stecken, ist klar, wie sehr das Gleichgewicht des Herzens auch das Gehirn ununterbrochen beeinflusst.
    Viel mehr noch: Das Herz hat ein eigenes kleines Gehirn.
    Seit kurzem ist erst bekannt: das Herz hat – ebenso wie der Darm – ein eigenes Netzwerk aus etwa 40.000 Neuronen, eine Art eigenes kleines Gehirn.
    Dieses Herz-Gehirn kann unabhängig vom Kopf:
    eigenständig wahrnehmen - die Funktion des Herzens regulieren, je nachdem, was es wahrnimmt - sich entsprechend von Erfahrungen verändern, also erinnern und lernen
    Veränderungen schneller spüren als das Kopf-Gehirn, also die Zukunft intuitiv „vorhersehen“ - das Kopf-Gehirn und den gesamten Organismus beeinflussen.

    Neben den Neuronen besitzt das Herz über eine eigene Hormonfabrik, mit der es mittels der Hormone Adrenalin und Noradrenalin die Leistungsfähigkeit und den Blutdruck steuern kann. Ausserdem kann diese Fabrik das herzeigene Hormon Oxytocin freisetzen. Das passiert zum Beispiel beim Orgasmus, wenn sich Liebende Umarmen oder wenn eine Mutter ihr Kind stillt. Oxytocin stärkt die emotionale Bindung.
    Nicht nur über Hormone beeinflusst das Herz-Gehirn das Kopf-Gehirn. Es ist über das vegetative Nervensystem direkt mit ihm verbunden und kann so auch direkt auf das Kopf-Gehirn einwirken.
    Die Forscher haben weiterhin herausgefunden: das elektromagnetische Feld des Herzens ist das grösste des menschlichen Körpers und kann über mehrere Meter Entfernung gemessen werden. Es kann nicht nur den eigenen Körper, sondern auch die Hirnwellen von Mitmenschen in unserer Nähe beeinflussen und sich mit ihnen synchronisieren. Andere Menschen können unsere „Herz-Energie“ daher spüren. Dass es dieses elektromagnetische Feld gibt, liegt in der Evolution begründet. Die elektromagnetische Kommunikation liess Gruppen sich besser austauschen und verstehen, was in früheren Zeiten überlebenswichtig war.

    Was das Herz und sein Gehirn tun, hängt davon ab, ob es im Gleichgewicht ist. Gerät das Herz aus den Fugen, tut es das emotionale Gehirn auch. Und anders herum: wenn wir lernen, wie wir es ins Gleichgewicht bringen können, tun wir unseren Gedanken, Gefühlen und dem ganzen Organismus Gutes.

    Das Herz im (Un)gleichgewicht.

    Nur, wenn Anspannung – etwa als Kampf oder Flucht – und Entspannung gleichermassen gut funktionieren, arbeitet das Herz harmonisch. Um sich schnell anpassen zu können, ist das Intervall der Herzschläge ständig im Wechsel: keine zwei Herzschläge hintereinander haben denselben zeitlichen Abstand.
    Wie ein Fussball-Torwart beim Elfmeter hin und her springt, tut es das Herz auch. Es bleibt in Bewegung und passt sich in jeder Sekunde an kleinste Kleinigkeiten an. Zumindest bei gesunden Menschen zeigen sich daher gleichmässige Wellen auf einem Monitor, der die Abstände zwischen den Herzschlägen aufzeichnet.
    Wird das Herzintervall auf diese Weise gleichmässig kürzer und länger, wechseln sich also kurze und lange Abstände zwischen den Herzschlägen ebenmässig ab, spricht man von „Kohärenz“.
    Das Gegenteil der Kohärenz wird als „Chaos“ bezeichnet. Hier sind die Wechsel nicht mehr gleichmäßig wie Wellen, sondern auf Monitoren als irre gezackte Linie sichtbar: mehrere gleichschnelle Schläge treten hintereinander auf, dann ein paar langsamere hintereinander, statt ständig zwischen schneller und langsamer zu wechseln.
    In der Kohärenz kann sich das Herz viel besser an Veränderungen anpassen, es liegt eine hohe „Herzratenvariabilität“ vor. Bei der Geburt ist diese Herzratenvariabilität am höchsten, wenn wir sterben, ist sie am niedrigsten.
    Dass die Herzratenvariabilität abnimmt und wir immer mehr ins Herz-Chaos verfallen, liegt vor allem daran, dass wir im Laufe des Lebens trainieren, ständig aufs Gaspedal des Körpers zu treten, aber das Bremsen verlernen. Während das gesunde Herz schnell auch auf kleine Gefühlsschwankungen reagiert, tut es das kranke immer weniger, wodurch Bluthochdruck, Diabetes, Krebs und Herzinfarkte begünstigt werden. Im schlimmsten Fall – wenn das Herz bei Gefühlsschwankungen überhaupt nicht mehr reagiert – ist das ein sehr gefährliches Zeichen: ein plötzlicher Herzstillstand und Tod ist nie wahrscheinlicher als in diesem Fall der komplett stillstehenden Herzratenvariabilität.

    Sind Herz und Gehirn jedoch im Gleichgewicht, dann, so zeigen Studienergebnisse:
    atmen wir ruhiger - haben einen niedrigeren Blutdruck - verbrauchen weniger Energie
    altern langsamer - haben eine bessere Immunabwehr und sind dadurch deutlich seltener erkältet - sind weniger verspannt - sind weniger müde und gestresst und weniger anfällig für Ängste und Depressionen - kommen emotional besser mit den Anforderungen des Lebens zurecht - erleben mehr Flow-Zustände!

    Eine weitere Studie zeigte: Kinder mit einer höheren Kohärenz leiden viel weniger darunter, wenn ihre Eltern sich scheiden lassen. Drei Jahre nach der elterlichen Trennung waren sie psychisch weniger davon beeinflusst, hatten mehr positive Gefühle, konnten sich besser an andere Menschen binden und waren in der Schule leistungsfähiger.

    Zum Glück können wir lernen, das Herz ins Gleichgewicht – in die Kohärenz – zu bringen. Das geht mit dem sogenannten Herz-Kohärenz-Training.

    Das Herz ins Gleichgewicht bringen (Übung):
    Die folgende Übung wurde am Heart-Math-Institute in Kalifornien erforscht und entwickelt.

    Ihr Name: Herz-Kohärenz-Übung:
    Die Herz-Kohärenz-Übung ist eine Art Meditation, jedoch kein klassisches Entspannungsverfahren. Sie hat nichts mit der Anzahl der Herzschläge selbst zu tun, sondern nur mit deren gleichmäßigem Wechsel. Kohärenz lässt sich bei einem Puls von 50 genauso erzeugen wie bei einem Puls von 150 und ermöglicht innere Ruhe auch bei Anspannung und in Stresssituationen.

    Die Übung besteht aus drei Schritten:
    1. Schritt: Zweimal langsam und tief einatmen. Dabei auf die Atmung konzentrieren und nach dem langsamen Ausatmen kurz pausieren, bis der Körper von sich aus nach dem nächsten Atemzug verlangt. So wird der entspannende Parasympathikus aktiviert, man tritt also schon mal auf die Körperbremse.
    2. Schritt: Weiter langsam und tief einatmen, ohne die Atmung willentlich zu beeinflussen. Dabei stellt man sich bildlich und sinnlich vor, man würde durch das Herz atmen (wer sein Herz noch nicht spürt, kann sich vorstellen, wie er durch den zentralen Brustbereich atmet). Beim Einatmen vorstellen, wie das Herz all die frische, beruhigende, reinigende Luft bekommt, die es braucht. Beim Ausatmen vorstellen, wie alle überflüssigen Abfallstoffe weggeblasen werden. Das Herz dabei beobachten, als würde man ein Kind beobachten, wie es friedlich und wohlig spielt.
    3. Schritt: Ruhig weiteratmen. Nun auf ein Gefühl von Wärme und Ausdehnung in der Brust achten und / oder auf Gefühle von Dankbarkeit oder Liebe. Unterstützen kann man dies, indem man an einen geliebten Menschen oder ein geliebtes Tier denkt, an einen schönen Urlaubstag oder an ein Bild friedlicher Ruhe inmitten der Natur. Die Erinnerungen lösen positive Gefühle aus, und positive Gefühle können genauso schnell zu Kohärenz führen, wie Angst, Sorgen, Traurigkeit oder Zorn Herz-Chaos auslösen.

    Die Übung dauert höchstens ein paar Minuten. Sie wirkt umso schneller und besser, je regelmässiger man sie anwendet. Je länger man sie einübt, umso schneller gelangt das Herz in Gleichgewicht und Kohärenz, und man selbst in ein Wohlgefühl.

    Nach einem eintägigen Herz-Kohärenz-Training an mehreren Tausend Führungskräften in Grossbritannien und den USA und der täglichen Übung über sechs Monate wurden die Teilnehmer befragt, wie sich das Training ausgewirkt hatte. Die Ergebnisse:
    - Sechsmal weniger Teilnehmer als vorher klagten über Schlaflosigkeit
    - Achtmal weniger fühlten sich „angespannt“
    - Fünfmal weniger fühlten sich „ausgelaugt“
    - Fast alle gaben an insgesamt gedanklich leistungsfähiger zu sein und sich besser konzentrieren zu können, auch unter Stress.
    Doch auch schon nach den ersten Übungen wirkt sich die Herz-Kohärenz-Übung deutlich aus.


    Die Sprache des Herzens verstehen (Übung):
    Wir haben gesehen: das Herz hat ein eigenes kleines Gehirn und es beeinflusst Körper und Geist auf vielfältige Weisen. Wir haben weiter gesehen, wie wichtig ein Gleichgewicht im Herzen für uns ist.
    Dieses Gleichgewicht spielt auch eine wichtige Rolle, wenn wir mit unserem Herzen reden – also die Sprache des Herzens verstehen – wollen.
    Nur in dieser Kohärenz können wir direkt mit dem Herzen kommunizieren.

    Wenn Du wissen willst, „was Dein Herz Dir sagt“, kann Dir die folgende Übung Klarheit verschaffen. Sie stammt ebenfalls vom Heart-Math-Institute und geht so:
    Herz-Kohärenz herstellen (siehe Übung oben).
    Sich eine Frage stellen, zum Beispiel „Liebe ich ihn wirklich?“ oder „Will ich diesen Job wirklich von ganzem Herzen hinter mir lassen?“. Dabei auf das Herz konzentrieren. Was passiert, wenn Du Dir diese Frage stellst?a. Fühlt es sich warm (bzw. wärmer als zuvor) in der Herzgegend an, fühlt es sich so an, als würden sich Brustkorb, Herz und Liebe ausdehnen? Dann lautet die Antwort des Herzens JA.b. Fühlt es sich hingegen eher so an, als würde sich das Herz zurückziehen und verschließen, dann lautet seine Antwort NEIN.

    Es gibt auch noch eine zweite Übung dazu, eine, mit der sich man sich leichter entscheiden und zukünftigen Stress so gering wie möglich halten kann:
    Wenn es ein Problem gibt, dass Dir Stress bereitet, nimm einen Zettel und schreibe auf, was Du darüber denkst und wie Du Dich mit dem Problem fühlst.
    Herz-Kohärenz herstellen (siehe Übung oben).
    Frage Dich, wie eine bessere Reaktion auf das Problem aussehen könnte. Eine Reaktion, die den zukünftigen Stress für Dich damit so weit wie möglich reduziert.
    Schreibe auf, was Dein Herz auf diese Frage antwortet (auch dann, wenn Dir die Antwort als zu einfach oder zu abwegig erscheint).
    Vergleiche die Antwort, die Du im ersten Schritt niedergeschrieben hast, mit dem, was Dein Herz geantwortet hat. Was fühlt sich besser für Dich an … einfacher … fliessender?

    Was das Herz antwortet, muss nicht immer wahr sein und nicht immer befolgt werden. Vielleicht kriselt es gerade nur vorübergehend in der Beziehung oder im Job. Aber: man kann die Sprache des Herzens immer mit in seine Überlegungen und Entscheidungen einbeziehen, zum Beispiel, um zu schauen, ob Herz und Verstand im Einklang sind.

    Quellen:
    „Die neue Medizin der Emotionen. Stress, Angst, Depression: Gesund werden ohne Medikamente“, David Servan-Schreiber
    http://www.rcpsych.ac.uk/pdf/Heart,%20Mind%20and%20Spirit%20%20Mohamed%20Salem.pdf
    http://appliedconsciousnessintl.com/thinking-from-the-heart-heart-brain-science
    http://www.nature.com/neuro/journal/v7/n2/full/nn0204-102.html
    http://www.ssporer.com/downloads/Energetic_Heart.pdf
    http://www.heartmath.com/personal-use/quick-coherence-technique.html
    http://www.heartmath.org/research/science-of-the-heart/head-heart-interactions.html?submenuheader=3
    http://www.heartmath.org/templates/ihm/downloads/pdf/research/publications/intuition-part1.pdf

    (aus mymonk.de, 30.12.2013)

     

 

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