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GlutenDie Zöliakie oder Sprue, wie die Krankheit häufig bezeichnet wird, ist eine chronische Überempfindlichkeit gegenüber einer Gruppe von Klebeproteinen, dem Gluten (oder Gliadin). Sie wird häufig nicht erkannt, obwohl bei uns nach derzeitiger Schätzung bei Menschen über 60 Jahren bis zu 25% darunter leiden. Früher ein Kindheitsproblem, wird sie heute vorwiegend im Erwachsenenalter manifest und diagnostiziert. Gluten kommt hauptsächlich in einigen Getreidearten wie Weizen, Dinkel,
Roggen, Gerste, Einkorn, Emmer und Kamut vor (Hafer hingegen vertragen Zöliakie-Patienten
in Finnland nach neueren Studien auch auf lange Sicht! (E.K.Janatuinen
et al., Gut 2002; 50: 332-335) - dies muss aber für die Schweiz
relativiert werden: Der Hafer ist leider kontaminiert. Er
durchläuft dieselben Verarbeitungswege wie glutenhaltiges Getreide. Von 6
Haferprodukten in der Schweiz sind 4 mehr oder weniger "verseucht"
und nur 2 glutenfrei!).
SymptomeDie Symptome sind mannigfaltig; sie reichen von den "klassischen
Magen-Darm-Symptomen": (heftige) Bauchschmerzen, begleitet von Durchfall und
Gewichtsverlust, bis zu einer schleichenden, ohne äusserliche Beschwerden ablaufenden
Degeneration der Dünndarmschleimhaut. Dabei kann Blutarmut (Eisen-, Folsäuremangel),
Milchunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) oder
chronische Müdigkeit und Depressionen, Knochenschmerzen vorhanden sein. Auch
bei Zungenbrennen, v.a. wenn noch ein geröteter, atrophischer Zungenrücken
sichtbar ist, sollte man an die Spitze des Eisbergs Zöliakie denken (NEJM
356;24: 2547).
Dermatitis herpetiformisPatienten mit Dermatitis herpetiformis Duhring sollten unbedingt auf
Zöliakie getestet werden, da die Krankheit häufig damit assoziiert ist. In
solchen Fällen führt die glutenfreie Ernährung langfristig meist zum
Verschwinden der Hautläsionen. Die Dermatitis herpetiformis oder Morbus
Duhring ist eine stark juckende, papulovesikulöse (Papeln=Knötchen und
Vesikel=Bläschen) Dermatose. Die wenige Millimeter messenden rötlichen
primären Knötchen entwickeln sich innerhalb von sieben bis zehn Tagen zu
Bläschen mit klarem, später trüben und manchmal blutigem Inhalt. Diese
Läsionen treten symmetrisch auf, vor allem an den Streckseiten der
Unterarme, den Ellbogen, Schultern und Achselhöhlen, Knien und unteren
Gliedmassen. Seltener sind Gesicht, Nacken und Rücken betroffen. Nachdem
die Bläschen geplatzt sind, verschwindet der starke Juckreiz, die Läsionen
trocknen ein und heilen ab. Als Residuen können kleinere Narben und
Hautverfärbungen verbleiben (Fotos aller Stadien findet man hier: http://health.nytimes.com/health/guides/disease/dermatitis-herpetiformis/overview.html).
DiagnoseAchtung: Die Glutentoleranz wurde eine Modediagnose (auch durch die unsäglich krankmachende "Diagnose" einer "Weizenallergie" durch die Bioresonanz! Siehe unter Stichwort "Guru-Medizin" >>> hier!)! Dies hat gar nichts mit seriöser Diagnostik der Zöliakie zu tun - dies siedelt sich eher in der Nähe von Betrug an!
Bei chronischen Durchfällen oder sonstigem Verdacht auf Zöliakie kann der Hausarzt vorerst einen einfachen und hilfreichen Screeningtest mit einer pH-Messung des Stuhls mittels Lackmuspapier machen: pH-Werte >5 sind ein fast sicherer Hinweis für einen osmotischen Durchfall (Zöliakie, Laktoseintoleranz oder osmotisch wirkende Abführmittel). Die Früherkennung mit Hilfe von Antikörpertests im Blut (v.a. die Endomysium-AK (EMA) und der Antitransglutaminase-AK (IgAtTG)) sind beim Erwachsenen aussagekräftig, kostengünstig, stellen keinen grossen Eingriff dar und sind mit 95% Trefferquote sehr sensitiv. Da häufig auch ein selektiver IgA-Mangel besteht, sollte zusätzlich das Total-IgA bestimmt werden. Da sowohl die Endomysium- wie auch die Transglutaminase-Antikörper IgA-Antikörper sind, können bei einem IgA-Mangel diese Tests gar nicht positiv ausfallen! Bei positiven Blutresultaten muss man die Zöliakie durch mehrere Dünndarmbiopsien bestätigen. Diese weitgehend schmerzfreie Entnahmen von kleinen Gewebeproben ist der einzige als sicher geltende Nachweis für die Erkrankung. Jedoch können auch Biopsie und Antikörpernachweis wiederholt negativ ausfallen (Furse RM, Mee AS. Atypical presentation of coeliac disease. BMJ 2005;330:773-4; Sanders DS, et al. Antibody negative coeliac disease presenting in elderly people. An easily missed diagnosis. BMJ 2005;330:775-6.) Es kursiert auch die Meinung, dass durch die kombinierte Messung mehrerer
Antikörper (IAtTG, IgA Endomysium, IgA- und IgG-Gliadin) Biopsien ganz zu
vermeiden wären: Sind nämlich alle drei AK-Tests positiv, liegt in 99,8
Prozent der Fälle eine Zöliakie vor.
TherapieDie Erkrankung kann weder medikamentös behandelt noch wirklich geheilt werden. Einzig
eine lebenslange Gluten (oder Gliadin-) -freie Ernährung kann ein beschwerdefreies,
gesundes Leben gewährleisten. Je früher Betroffene von ihrer Erkrankung erfahren, um so
eher können sie ihre Ernährung umstellen und somit die Schäden, die das Gluten im
Dünndarm anrichtet, gering halten oder gar verhindern. Übrigens kann Gluten auch versteckt in völlig anderen Nahrungsmittel vorkommen: Z.B.
bei sogenannten «Meeresfrüchten» muss genau auf die Deklaration geachtet oder nachgefragt
werden: Denn Weizen kann auch in einem angeblichen Hummer drin sein, wenn der aus Surimi
besteht. Aus Surimi kann man noch vieles andere machen: Mit Hilfe eines anderen
Industrie-Aromas wird es zu Schweinswürsten oder Wienerli. Es kann auch in Backwaren,
Milchprodukten und Pasta zum Einsatz kommen.
Am Universitätsklinikum Leipzig wurde ein interessantes computerbasiertes Trainings- und Informationsprogramm für Zöliakie-Betroffene entwickelt, welches auch durch die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft vertrieben wird. Man kann mit dieser CD-ROM die zunächst schwierigen/ungewohnten/schwer nachvollziehbaren Situationen (z.B. beim Essen im Restaurant oder bei Freunden, beim Einkauf...) durchspielen und kennen lernen. Vor allem die Zeit nach der Diagnose ist sehr schwierig. Dieses Programm hilft auch in dieser Situation Menschen weiter und erleichtert ihnen die Ernährungsumstellung. Weitere Informationen finden Sie zum Beispiel auf der Homepage www.scias.de .
Ausführliche Diät-Dossier sendet die Interessengemeinschaft für Zöliakie Schweiz, 4055 Basel, Tel. 061 271 62 17, Fax 061 271 62 18, sekretariat@zoeliakie.ch , www.zoeliakie.ch. Weitere gute Treffpunkte für Menschen mit Zöliakie: www.zoeliakie-treff.de . www.gfShop.ch bietet mehr als 130 glutenfreie Produkte von verschiedenen Herstellern an, und man kan sich die Sachen erst noch Hause schicken lassen.
Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, CH-8004 Zürich
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