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wie kann man lange leben, ohne körperlich und psychisch abzubauen?!Zuerst mal: Der Begriff "Anti" trägt zu einem negativen Altersbild bei. Man sollte statt Anti-Aging besser Pro-Aging oder Better-Aging sagen und sich für ein kompetentes und gesundes Älterwerden einsetzen. Wir wollen nicht gebrechlich werden und dahinsiechen, sondern wir wollen, dass die Jahre, die uns durch die längere Lebenserwartung heute geschenkt werden, erfüllte Jahre werden. Dazu kann die Gesellschaft und jeder Einzelne etwas tun.
Der Jungbrunnen von Lukas Cranach d.Ä.
Alter schützt vor Jugendlichkeit nichtAlt werden wollen alle, alt sein nur wenige. Die Angst zu altern ist so alt wie der Mensch. Warum? Gerade wir heute hätten wenig Grund, das Alter zu fürchten, weil wir nicht nur älter als unsere Eltern werden, sondern auch gesünder als sie älter werden. Seit Urzeiten suchen wir nach der Quelle der ewigen Jugend und des ewigen Lebens, doch den Jungbrunnen haben wir nie gefunden. Erstaunlich, denn der Jungbrunnen ist so nah - die Reise dorthin ist keine für Pauschaltouristen, es ist eine Reise zu sich selber. Im Alter geht es um neue Werte: Man sollte das jugendlich straffe, gehaltene verlassen, das auch mit Schnelligkeit, Zwang, Zusammenziehen, (Ver-)Spannung und Verkürzung zu tun hat. Neue Werte sind: Verlangsamung, Hängen lassen, Durchhängen, Ent-spannen, einen längeren, grösseren Innenraum bekommen und damit viel Platz in Körper und Geist. Was das rein körperlich- strukturell heisst und wie man dies erreicht, lernen Sie (bei mir) im Rolfing, der Strukturellen Integration >>> www.dr-walser.ch/rolfing.htm. siehe auch im Laufen >>> www.dr-walser.ch/jogging.htm .
Milliardengeschäft mit QuacksalbereiAnti-Aging ist eine Multimilliarden-Dollar-Industrie, Die US-amerikanische Öffentlichkeit wird, wie es Experten ausdrücken, "bombardiert" mit Reklame für Produkte, die jugendliche Erscheinung und langes Leben garantieren sollen. Zu diesen Produkten, für die auch hierzulande immer stärker Nachfrage geweckt wird, gehören u.a. Antioxidanzien (arznei-telegramm 1994; Nr. 11: 105), DHEA (a-t 1997; Nr. 6: 64; 1998; Nr. 11: 106) oder Wachstumshormon (a-t 1996; Nr. 5: 44). Es gibt aber bis heute keine Belege dafür, dass irgendeine Substanz bei Menschen oder auch nur bei Versuchstieren wie Mäusen oder Ratten Alterungsprozesse verzögern kann. Die Mehrzahl der Anti-Aging-Produkte ist nicht einmal hinreichend auf Sicherheit geprüft. Die Experten bescheinigen der Anti-Aging-Bewegung Quacksalberei und Scharlatanerie. Am Beispiel von Wachstumshormon verdeutlichen sie, dass das Konzept der Lebensverlängerung durch Hormon-"Substitution" hin zu Serumspiegeln wie bei jungen Erwachsenen in die Irre führen kann. Im Tierversuch leben gerade diejenigen Mäuse länger, die wenig Wachstumshormon produzieren oder eine gestörte Reaktion auf Wachstumshormon haben, während die lebenslange Überproduktion des Hormons das Leben der Tiere verkürzt (BUTLER, R.N. et al.: "Is There An 'Anti-aging' Medicine?", www.ilcusa.org/_lib/pdf/pr20011101.pdf). Sicherheitsbedenken gelten meines Erachtens besonders für Zubereitungen, die in den USA als Nahrungsergänzungen gehandelt werden und daher nicht der Qualitätskontrolle durch die US-amerikanische Arzneimittelbehörde unterliegen, beispielsweise DHEA oder neuerdings angebliche Wachstumshormon-Releasinghormon-Produkte wie SYMBIOTROPIN. Hierzulande sind solche Produkte als "Nahrungsergänzung" nicht verkehrsfähig (arznei-telegramm 2002; Nr.6: 66).
was wirkt wirklich?Eine Untersuchung der Harvard Medical School, eine der längsten (60 Jahre Beobachtung von 824 Frauen und Männer!) und umfassendsten Forschungen zur menschlichen Entwicklung (Grant Study of Adult Developement) zeigt:
Wir können weitgehend selbst bestimmen, wie wir
altern!
nicht aber Vermögendsein (Armut verkürzt aber das Leben >>> siehe unten) und auch nicht die Gene! Primär können Sie all dies also weitgehend selbst verändern! Sie sind dabei Ihr eigener Super-Spezialist oder sollten es werden. Wir HausärztInnen haben Sie dabei schon immer begleitet. Dies gehört zu unserem Kerngeschäft, das wir in unserer jahre- bis lebenslanger Betreuung immer schon einfliessen liessen. Dazu brauchen Sie sicher nicht die "neuen Anti-Aging-Spezialisten", die unter uns Ärzten momentan ins Kraut schiessen!
geistiger Verfall ist nicht programmiertEine altersbedingte Abnahme der geistigen Fähigkeiten ist nicht unausweichlich. Seniorinnen, die weder an Bluthochdruck, noch an Diabetes leiden und nicht rauchen, haben gute Chancen, im Alter von 85 Jahren noch geistig fit zu sein (amerik. Studien publiziert in Journal of the American Geriatrics Society).
Man muss lange leben, um ein Mensch zu werden (Antoine de Saint-Exupéry) - die Lebensaufgaben erledigenGeorge A. Vaillant zeigt anhand der "Lebensaufgaben" gemäss dem entwicklungspsychologischen Modell von Erik H. Erikson, was sie im Einzelnen für den Prozess des "guten Alterns" bedeuten. Er fügt noch zu den letzten vier Phasen, welche für Erikson für das Leben des Erwachsenen bedeutsam sind (Identität, Intimität, Generativität und Integrität) zwei weitere hinzu: Zwischen Intimität und Generativität schiebt er "Konsolidierung" (career consolidation) und zwischen Generativität und Integrität "Bewahren des Sinns" (keeper of the meaning):
positives SelbstbildÄltere Menschen mit einer positiven Einstellung zum Alter, also einem positiven Selbstbild leben im Durchschnitt 7,6 Jahre länger als Senioren, die mit dem Älterwerden hadern. Dies ergab eine Studie von Forschern der Yale University in New Haven USA, die über 23 Jahre US-Bürger beobachteten. Zufriedenheit wirkt sich demnach stärker auf die Lebensdauer aus als etwa ein normaler Blutdruck oder ein niedriger Cholesterinspiegel.
Geben ist seliger als NehmenWer als alter Mensch seine Zeit, seine Kraft und sein Wissen anderen zur Verfügung stellt, kann auch sein Leben verlängern. In einer Studie von Stephanie Brown ging es zum einen um praktische Hilfe - Arbeiten im Haushalt, Unterstützung bei der Kinderbetreuung, Mithilfe beim Hausbau -, aber auch um emotionale Zuwendung wie zum Beispiel dem anderen zuhören, wenn er Probleme hat. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass es nicht darauf ankommt, was wir von anderen dabei bekommen. Ausschlaggebend ist, dass wir Zuwendung geben.
Die Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins (Marie von Ebner-Eschenbach)Die Befunde der Harvard Study of Adult Development strafen nach Ansicht von George Vaillant all jene Theoretiker Lügen, die ein eher pessimistisches Bild des Alterns entworfen haben - darunter auch so einflussreiche Forscher wie Sigmund Freud und William James. Die sorgfältige Empirie der Längsschnittstudie zeigt. dass Altern ein offener Prozess ist - er kann scheitern und in geistigem Abbau und psychischem Leid enden, aber er muss es nicht. Im Gegenteil: Altern kann in vielerlei Hinsicht eine Aufwärtsentwicklung sein - eine Chance, sein Leben im besten Sinne zu vollenden und abzurunden. Es ist im Wesentlichen ein langer seelischer Reifungsprozess. eine Entwicklungsmöglichkeit, die man spätestens in mittleren Jahren wahrnehmen und an deren Verwirklichung man bewusst arbeiten sollte.
körperliche BewegungAls einer der wichtigsten Faktoren im komplexen Wirkungsgefüge
wurde immer wieder körperliche Bewegung v.a. im Alter erkannt. Und nochmals bestätigt: In einer grossen mehr als 20jährigen Beobachtungsstudie (Arch
Intern Med; 168(15):1638-1646, 11/15 August 2008; Reduced Disability and
Mortality Among Aging Runners. Eliza F. Chakravarty et al.) zeigte
sich ein eindrucksvoller Zusammenhang von regelmässigem Rennen bei über
50jährigen mit kleinerer Mortalität (längerem Leben) und besserer Gesundheit.
Am Schluss blieb ein im Schnitt fast 40 Prozent niedrigeres Sterberisiko für
die Läufer!
das Gewebe lang und elastisch haltenGanz einfach: Alltäglich viel trinken, d.h. 2 bis 2,5 Liter Wasser als Basis. So kann man die anfallenden Harnsäurekristalle aus dem Essen (Fleisch, Fisch...) loswerden und diese werden nicht nach und nach u.a. ins Gleitgewebe der Sehnen abgelagert. Daraus würde allgemein eine langsame Abnahme der Elastizität des Bindegewebes, eine zunehmende Steifigkeit und erhöhte Verletzungsneigung resultieren. Auch eine gute, mediterrane Ernährung unterstützt diesen Prozess (Lesen
Sie darüber auch hier!).
Dinner CancellingEine weitere sehr natürliche und einfache Methode (auch zur Hormonsteigerung) ist das sog. Dinner Cancelling (>>lesen sie dazu hier weiter). Dazu muss man sagen, dass wohl allgemein vor allem eine kalorische Restriktion Altern bei bester Gesundheit verspricht (Mass halten - auch beim Essen). Offenbar versetzt das Wenig-Essen den Körper in Alarmbereitschaft und kurbelt uralte Überlebensmechanismen an. Kräftezehrende Prozesse werden eingestellt und die Energie zum Schutz und zur Reparatur der Zellen genutzt. Der Organismus verteidigt sich besser als im Normalzustand, so die Theorie. Er altert langsamer. Dreh- und Angelpunkt dieses Mechanismus scheint das Enzym Sirtuin zu sein. Es wird offensichtlich bei Hungerstress angeschaltet und schützt dann unsere Zellen. Ein Anschalter-Stoff für das Sirtuin ist das Resveratrol. Diese antioxidative Substanz ist auch in Rotwein enthalten. Generell bezweifeln aber Experten, ob man die komplexen Vorgänge beim Altern mit einzelnen Substanzen steuern kann. Zudem zeigt die medizinische Geschichte, dass man mit Substanzen, die Signalwege beeinflussen können, sehr vorsichtig sein muss.
was verkürzt dann eigentlich unsere Lebenserwartung?Die Statistik stammt aus den USA und gibt die Verkürzung der Lebenserwartung an.
Sie zeigt damit auch auf, wie relativ gewisse Risiken sind, die in der Presse
häufig selbst auf Frontseiten falsch hochstilisiert werden.
(Quelle: Bernhard Cohen/American Council on Science and Health/Health Physics Journal 1991)
Hormone?Menopause der Frau >>> menopause.htm Andropause des Mannes >>> testosteron.htm
siehe auch: die Berliner Altersstudie: www.base-berlin.mpg.de/de/Introduction.html
Vergebliche Mühe
und noch Roberto Benigni zum Thema: "Sterben: tu ich nicht! Es ist wirklich das Letzte was ich in diesem Leben tun werde!"
Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, CH-8004 Zürich
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