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wie kann man lange leben, ohne körperlich und psychisch
abzubauen?!
Zuerst mal: Der Begriff "Anti" trägt zu einem
negativen Altersbild bei. Man sollte statt Anti-Aging besser Pro-Aging
oder Better-Aging sagen und sich für ein kompetentes und gesundes Älterwerden einsetzen. Wir
wollen nicht gebrechlich werden und dahinsiechen, sondern wir wollen, dass die
Jahre, die uns durch die längere Lebenserwartung heute geschenkt werden,
erfüllte Jahre werden. Dazu kann die Gesellschaft und jeder Einzelne etwas tun.
Der Jungbrunnen von Lukas Cranach d.Ä.

Alter schützt vor Jugendlichkeit nicht
Alt werden wollen alle, alt sein nur wenige. Die Angst zu altern
ist so alt wie der Mensch. Warum?
Gerade wir heute hätten wenig Grund, das Alter zu fürchten,
weil wir nicht nur älter als unsere Eltern werden, sondern auch gesünder als
sie älter werden.
Seit Urzeiten suchen wir nach der Quelle der ewigen Jugend und
des ewigen Lebens, doch den Jungbrunnen haben wir nie gefunden. Erstaunlich,
denn der Jungbrunnen ist so nah - die Reise dorthin ist keine für
Pauschaltouristen, es ist eine Reise zu sich selber.
Im Alter geht es um neue Werte:
Man sollte das jugendlich
Straffe, Gehaltene verlassen, das auch mit Schnelligkeit, Zwang, Zusammenziehen,
(Ver-)Spannung und Verkürzung zu tun hat.
Neue Werte sind:
Wesentlich werden, auch essentiell (siehe weiter
unten am Beispiel von Stéphane Hessel), dann: Verlangsamung, Hängen lassen, Durchhängen,
Ent-spannen.
Was das rein körperlich- strukturell heisst (einen längeren, grösseren Innenraum bekommen und damit viel Platz
für Körper und Geist) und wie man dies
erreicht, lernen Sie (bei mir) im Rolfing, der Strukturellen Integration
>>> www.dr-walser.ch/rolfing.htm
(siehe auch beim Laufen >>> www.dr-walser.ch/jogging.htm)
.
Milliardengeschäft mit Quacksalberei
Anti-Aging ist eine Multimilliarden-Dollar-Industrie, Die US-amerikanische Öffentlichkeit wird, wie es Experten ausdrücken, "bombardiert" mit Reklame für Produkte, die
jugendliche Erscheinung und langes Leben garantieren sollen. Zu diesen Produkten, für die auch hierzulande immer stärker Nachfrage geweckt wird, gehören
u.a. Antioxidanzien
(arznei-telegramm 1994; Nr. 11: 105), DHEA (a-t 1997; Nr. 6: 64; 1998; Nr. 11: 106)
oder Wachstumshormon (a-t 1996; Nr. 5:
44). Es gibt aber bis
heute keine Belege dafür, dass irgendeine Substanz bei Menschen oder auch nur bei
Versuchstieren wie Mäusen oder Ratten Alterungsprozesse
verzögern kann. Die Mehrzahl der Anti-Aging-Produkte ist nicht einmal hinreichend auf Sicherheit geprüft. Die Experten
bescheinigen der Anti-Aging-Bewegung Quacksalberei und Scharlatanerie. Am Beispiel von Wachstumshormon
verdeutlichen sie, dass das Konzept der Lebensverlängerung durch Hormon-"Substitution" hin zu Serumspiegeln wie bei jungen Erwachsenen in die Irre führen kann. Im Tierversuch leben gerade diejenigen Mäuse länger, die wenig
Wachstumshormon produzieren oder eine gestörte Reaktion auf Wachstumshormon haben, während die lebenslange
Überproduktion des Hormons das Leben der Tiere verkürzt (BUTLER, R.N. et al.: "Is There An
'Anti-aging' Medicine?", www.ilcusa.org/_lib/pdf/pr20011101.pdf).
Sicherheitsbedenken gelten meines Erachtens besonders für Zubereitungen, die in den USA als Nahrungsergänzungen gehandelt werden und daher nicht der Qualitätskontrolle durch die
US-amerikanische Arzneimittelbehörde unterliegen, beispielsweise DHEA oder neuerdings angebliche
Wachstumshormon-Releasinghormon-Produkte wie SYMBIOTROPIN. Hierzulande sind solche Produkte als "Nahrungsergänzung" nicht
verkehrsfähig (arznei-telegramm 2002; Nr.6: 66).
was
wirkt wirklich?
Eine Untersuchung der Harvard Medical School,
eine der längsten (60 Jahre Beobachtung von 824 Frauen und Männer!) und umfassendsten Forschungen zur
menschlichen Entwicklung (Grant Study of Adult Developement)
zeigt:
Wir können weitgehend selbst bestimmen, wie wir
altern!
Was unterscheidet Menschen, die im Alter von 60 bis 80 zufrieden und
gesund sind (happy-well) von den traurigen Kranken (sad-sick) fragten sich
George E. Vaillant et. al. (Aging Well.
Little, Brown & Company, Boston 2002, ISBN 0-316-98936-3).
Sieben Faktoren sind wichtig:
nicht aber Vermögendsein (jedoch Armut verkürzt das Leben >>>
siehe unten) und auch nicht die
Gene!
Primär können Sie all dies also weitgehend selbst verändern! Sie sind
dabei Ihr eigener Super-Spezialist oder sollten es unbedingt werden. Wir HausärztInnen
haben Sie dabei schon immer begleitet. Dies gehört zu unserem Kerngeschäft,
das wir in unserer jahre- bis lebenslanger Betreuung immer schon einfliessen
liessen. Dazu brauchen Sie sicher nicht die "neuen Anti-Aging-Spezialisten",
die unter uns Ärzten momentan ins Kraut schiessen!
geistiger Verfall ist nicht programmiert
Eine altersbedingte Abnahme der geistigen Fähigkeiten ist nicht
unausweichlich. Seniorinnen, die weder an Bluthochdruck,
noch an Diabetes leiden und nicht rauchen,
haben gute Chancen, im Alter von 85 Jahren noch geistig fit zu sein (amerik.
Studien publiziert in Journal of the American Geriatrics Society).
Man muss lange leben, um ein Mensch zu werden. (Antoine de
Saint-Exupéry)
Mensch, werde wesentlich. (Angelus Silesius):
die Lebensaufgaben erledigen
George A. Vaillant zeigt anhand der "Lebensaufgaben" gemäss
dem entwicklungspsychologischen Modell von Erik H. Erikson, was sie im Einzelnen
für den Prozess des "guten Alterns" bedeuten. Er fügt noch zu den
letzten vier Phasen, welche für Erikson für das Leben des Erwachsenen
bedeutsam sind (Identität, Intimität, Generativität und Integrität) zwei
weitere hinzu: Zwischen Intimität und Generativität schiebt er
"Konsolidierung" (career consolidation) und zwischen Generativität
und Integrität "Bewahren des Sinns" (keeper of the meaning):
- Identität: Noch vor dem Eintritt ins eigentliche Erwachsenenalter
muss ein Mensch sich von seinen Eltern lösen und eine eigene Identität
entwickeln: Er muss zum Beispiel die Gewissheit haben, dass seine Werte, Leidenschaften, Lebensziele, Geschmacksurteile und
so weiter wirklich seine und nicht die der Eltern sind. Wer seine
Identität nicht erringt, tut sich lebenslang schwer, feste Freundschaften
und Bindungen einzugehen oder eine befriedigende Arbeit zu finden.
Man könnte auch raten: Bleiben Sie sich immer treu! Oder: seinem Wesen treu
bleiben. Also: wesentlich werden.
- Intimität:
Es gilt, bereits im frühen Erwachsenenleben zu lernen, stabile, von
wechselseitiger Wertschätzung getragene Beziehungen zu anderen Menschen
aufzubauen, vorzugsweise zu einem Lebenspartner, aber auch mit Freunden.
Ohnehin erlauben intime, stabile Bindungen und Freundschaften die besten
Prognosen für ein "erfolgreiches Altern" und psychische Gesundheit.
Zudem: Wenn man älter wird, bessern sich die Beziehungen zu anderen. Das
Zusammenspiel von Respekt und Nachsicht mit älteren Menschen und weniger
Konfrontationsbereitschaft ihrerseits sorgt für einen freundlicheren Umgang
miteinander (Karen L. Fringermann u.a.: It takes two to
tango: Why older people have the beset realtionships. Current Directions in
Psychological Science, 19/3, 2010, 172-176).
Ein gutes Netzwerk aus Freunden und Nachbarn erhöht die Lebenserwartung
deutlich. Gemäss einer Studie (Holt-Lunstad J et al.,
PLoS Med. 2010 Jul 27;7(7):e1000316) ist wenig Freunde zu haben
genauso schädlich wie 15 Zigaretten am Tag zu rauchen oder ein Alkoholiker
zu sein.
Zum leidenschaftlichen Sex im Alter: siehe weiter unten!
Also: Lassen Sie die Liebe in sich lebendig werden, auch Mitgefühl zu
anderen... und sich selbst!
- Konsolidierung
der beruflichen Karriere: Es gilt, im fortgeschrittenen
Erwachsenenleben eine stabile soziale
Identität in der Arbeitswelt aufzubauen. Voraussetzung dafür ist,
dass man ein bestimmtes Kompetenzniveau (und damit den Respekt anderer
Menschen) erwirbt, dass man sich beruflich weiterentwickelt, sich
langfristig in ernsthaften Projekten engagieren kann und mit der Arbeit im
Grossen und Ganzen zufrieden ist. Vaillant betont, dass auch "Hausfrau
und Mutter" eine Karriere in
diesem Sinne sein kann.
- Generativität:
Diese spezifische Lebensaufgabe besteht darin, "das eigene Selbst
selbstlos wegzugeben" (Vaillant), vor allem an die jüngere
Generationen. Generativität betrifft die Fragen: Was bleibt von mir? Was
will ich hinterlassen?
Wie sollen mich andere in Erinnerung behalten? Es geht um das ideelle und
materielle Erbe, das wir weitergeben - nicht nur den eigenen
den eigenen Kindern,
sondern überhaupt der "Nachwelt". Generativ sind wir, wenn wir
als Ratgeber, Mentor, Lehrer, Coach, Trainer oder Führer aktiv werden und
andere
an unserem Erfahrungsschatz und
Wissen teilhaben lassen. Diese Phase
kommt im mittleren Lebensalter, um die 40, auf uns zu, wenn das
Leistungsmotiv
abklingt (oder abklingen sollte und wir eher Gemeinschaftswerte und
gesellschaftliche Aufgaben ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit rücken.
Also: Geben Sie mehr als Sie nehmen! >>> siehe
unten!
- Bewahren
des Sinns: Es gilt nun als Nächstes, kulturelle Werte zu bewahren und
wertvolle Institutionen in der Gesellschaft zu festigen - indem man als
älterer Mensch die Tugenden von Weisheit und Gerechtigkeit praktiziert. Ein
"Bewahrer des Sinns" ist ein im besten Sinne
"Wertkonservativer", er übernimmt etwa die Rolle des weisen
Richters, der Streit schlichtet und Feinde miteinander versöhnt, oder eines
Bewahrers, der Traditionen rettet und dabei weit über den engeren
persönlichen Radius hinaus wirkt.
Als Beispiel soll hier Stéphane Hessel, der französische Philosoph stehen,
der mit 93 Jahren eine kleines politisches Büchlein, 32 Seiten dünn, mit
dem imperativen Titel "Indignez-vous!" ("Empört euch!")
schreibt. Er schreibt kurz und wesentlich, wie es eben nur in diesem Alter
möglich ist von seiner Wut über die Ungerechtigkeit auf dieser Welt: das
Gefälle zwischen Arm und Reich; die Arroganz der Finanzmärkte; der Umgang
mit Migranten; die Zerstörung der Umwelt. Hessel fürchtet sich vor gar
nichts mehr. Er eckt rechts wie links an. Das ist ein Privileg des Alters.
- Integrität:
Die letzte grosse Aufgabe im Leben ist,
das eigene Leben zu akzeptieren (die Theologen pflegen zu sagen:
anzunehmen), indem man das Gute und auch das weniger Gute, die
Schattenseiten in die eigene
Lebensgeschichte integriert und seinen Frieden mit sich und der Welt machen
kann. Integrität bedeutet, auch im Angesicht des Todes nicht zu
verzweifeln, sondern zu seiner Geschichte zu stehen und ihr einen Sinn zu
geben. Wer diese Aufgabe meistert, ist vor den Ängsten und Depressionen der
letzten Lebensphase einigermassen gefeit.
Dazu passt:
positives Selbstbild
Ältere Menschen mit einer positiven
Einstellung zum Alter, also einem positiven Selbstbild leben im Durchschnitt 7,6 Jahre länger als Senioren,
die mit dem Älterwerden hadern. Dies ergab eine Studie von Forschern der Yale
University in New Haven USA, die über 23 Jahre US-Bürger beobachteten.
Zufriedenheit wirkt sich demnach stärker auf die Lebensdauer aus als etwa ein
normaler Blutdruck oder ein niedriger Cholesterinspiegel.
Geben ist seliger als Nehmen
Wer als alter Mensch seine Zeit, seine
Kraft und sein Wissen anderen zur Verfügung stellt, kann auch sein Leben
verlängern. In einer Studie von Stephanie Brown ging es zum einen um
praktische Hilfe - Arbeiten im Haushalt, Unterstützung bei der
Kinderbetreuung, Mithilfe beim Hausbau -, aber auch um emotionale Zuwendung
wie zum Beispiel dem anderen zuhören, wenn er Probleme hat. Die Ergebnisse
der Studie zeigten, dass es nicht darauf ankommt, was wir von anderen dabei
bekommen. Ausschlaggebend ist, dass wir Zuwendung geben.
Die
Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins (Marie
von Ebner-Eschenbach)
Die
Befunde der Harvard Study of Adult Development strafen nach
Ansicht von George Vaillant all jene Theoretiker Lügen, die ein eher
pessimistisches Bild des Alterns entworfen haben - darunter auch so
einflussreiche Forscher wie Sigmund Freud und William James. Die sorgfältige
Empirie der Längsschnittstudie zeigt. dass Altern ein offener Prozess ist - er
kann scheitern und in geistigem Abbau und psychischem Leid enden, aber er muss
es nicht. Im Gegenteil: Altern kann in vielerlei Hinsicht eine Aufwärtsentwicklung
sein - eine
Chance, sein Leben im besten Sinne zu vollenden und abzurunden. Es ist im
Wesentlichen ein langer seelischer Reifungsprozess. eine Entwicklungsmöglichkeit,
die man spätestens in mittleren Jahren wahrnehmen und an deren
Verwirklichung man bewusst arbeiten sollte.
Sechzigjährige haben den besseren Sex!
Sechzigjährige haben wesentlich mehr Persönlichkeit. Durch ihre Erfolge und
Fehlschläge kennen sich ältere Menschen einfach besser, im Guten wie im
Schlechten. Sie heissen vielleicht nicht alles gut, was sie an sich sehen, aber
ihnen ist viel klarer, wer sie sind und wer sie nicht sind. Sie bringen mehr
Individualität in die sexuelle Begegnung mit und können sich auch offener und
wahrhaftiger zeigen, weil sie in ihrer Differenzierung weiter fortgeschritten
sind. Ein reifer Mann glaubt nicht mehr, er müsse im Bett immer wissen, wie es
weitergeht, fühlt sich weniger bedroht, wenn seine Partnerin ihm von gleich zu
gleich gegenübertritt, und kann es zulassen, dass sie ihn auffängt und
stützt.
Eine reife Frau kann im Bett selbst die Initiative übernehmen und muss sich
nicht rechtfertigen, dass sie selbst erotische Wünsche hat. Auch bei ihr liegen
viele Jahre zwischen Geschlechtsreife und sexueller Reife.
Sinnerfüllte Sexualität beruht nicht auf physiologischen Reflexen, sondern
setzt eine bestimmte Stufe der persönlichen Entwicklung voraus.
Leidenschaftlicher Sex wird im Alter möglich und häufiger!
körperliche Bewegung
Als einer der wichtigsten Faktoren im komplexen Wirkungsgefüge
wurde immer wieder körperliche Bewegung v.a. im Alter erkannt.
Die bekannteste Arbeit stammt von Ralph S.Pfaffenbarger und seinen Mitarbeitern,
die seit Mitte der 60er Jahre den Lebenslauf von 17000 männlichen
Harvardabsolventen wissenschaftlich begleiten (A mail survey of
physical activity habits as related to measured physical fitness. Kohl HW, Blair
SN, Paffenbarger RS Jr, Macera CA, Kronenfeld JJ. Am J Epidemiol 1988
Jun;127(6):1228-39 und Physical activity, diet, and health: independent and
interactive effects. Wood PD. Med Sci Sports Exerc 1994 Jul;26(7):838-43).
Dabei zeigte sich, dass diejenigen, die mehr als 2000 Kilokalorien pro Woche
(was etwa 4 Stunden Jogging entsprechen) durch körperlichen Einsatz
verbrannten, eine deutlich höhere Überlebensrate aufwiesen als die körperlich
weniger aktiven.
Bei einem Verbrauch von etwa 3500 Kilokalorien ist dann aber eine Schwelle
erreicht: Noch mehr Sport führt zu keiner bedeutsamen Erhöhung der
Lebenserwartung. Andererseits muss die körperliche Belastung einen bestimmten
Schwellenwert überschreiten, um überhaupt Effekte zu erzielen. Leichte
Anstrengungen wie etwa Spazierengehen führten nicht zu mehr Lebensjahren.
Diese Studie zeigte ferner, dass der Nutzen mit steigendem Alter deutlich
zunimmt. Es ist offenbar nicht möglich, sich durch Sport in jüngeren Jahren
sozusagen ein Gesundheitsguthaben anzulegen - entscheiden ist, ob man aktiv bleibt.
Die Lebenserwartung von sportaktiven Menschen ist etwa um zwei Jahre höher als
die von passiven.
Übrigens ist die Trainierbarkeit der Muskelkraft bis ins hohe Alter normal
erhalten. Zum Beispiel liess sich selbst bei 90-jährigen Frauen und Männer die
Maximalkraft des Kniestreckers nach 24 Trainingseinheiten in acht Wochen um 177
Prozent steigern. Oder: Vergleicht man z.B. die Spitzenzeiten des
Olympiamarathons von 1936 mit denen des Berliner Volksmarathons der 50- bis 59-Jährigen (!) aus dem Jahr 1990, so zeigen sich nahezu identische Leistungen.
Auch sportliche Späteinsteigern gelingt es, im Alter hohe sportliche Leistungen
zu erzielen. Dies gilt besonders für die aerobe Ausdauer, die etwa im
Marathonlauf leistungsbestimmend ist (auch für Schnelligkeit und Kraft gilt
dies, weniger für Bewegungskoordination, wie z.B. im Tennis oder Skifahren nötig).
Und zudem ist durch Bewegung im Alter nicht nur die körperliche Fitness
gesteigert, sondern auch das psychische Wohlbefinden. In der Berliner
Altersstudie von Karl-Ulrich Mayer und Paul Baltes zeigte sich, dass das
subjektive Wohlbefinden umso grösser war, je gesünder sich die Leute fühlten.
Und die Gesundheit war umso positiver, je sportaktiver die Person noch ist.
Dieser Zusammenhang wird mit wachsendem Alter immer deutlicher.
Sport scheint also nicht nur die Lebenserwartung, sondern auch die
Lebensqualität zu steigern. Erfolgreich altern, so die Berliner Forscher Paul
und Margret Baltes, das sei "dem Leben Jahre und den Jahren Leben
geben".
Und nochmals bestätigt: In einer grossen mehr als 20jährigen Beobachtungsstudie (Arch
Intern Med; 168(15):1638-1646, 11/15 August 2008; Reduced Disability and
Mortality Among Aging Runners. Eliza F. Chakravarty et al.) zeigte
sich ein eindrucksvoller Zusammenhang von regelmässigem Rennen bei über
50jährigen mit kleinerer Mortalität (längerem Leben) und besserer Gesundheit.
Am Schluss blieb ein im Schnitt fast 40 Prozent niedrigeres Sterberisiko für
die Läufer!
Fitness
im Alter ist wichtiger als ein Normalgewicht!
Die US-amerikanische Studie (Sui X et al.; JAMA 2007; 298(21):2507-2516)
untersucht, wie aerobe Fitness und Gewichstprobleme im Alter zusammenhängen und
was den grösseren Effekt auf die Sterblichkeit hat (2600 Personen über 60
Jahre über 12 Jahre lang beobachtet). Die Sterblichkeit stieg mit zunehmendem
BMI, Taillenumfang und Körperfett an. Allerdings erwies sich die körperliche
Fitness als signifikant besserer Prädiktor der Sterblichkeit als alle
Adipositas-Marker. Insofern sollten Senioren ermuntert werden, sich fit zu
halten, selbst wenn sie normalgewichtig sind!
das Gewebe lang und elastisch halten
Ganz einfach: Alltäglich viel trinken, d.h. 2 bis 2,5 Liter Wasser als
Basis. So kann man die anfallenden Harnsäurekristalle aus dem Essen (Fleisch,
Fisch...) loswerden und diese werden nicht nach und nach u.a. ins Gleitgewebe
der Sehnen abgelagert. Daraus würde allgemein eine langsame Abnahme der
Elastizität des Bindegewebes, eine zunehmende Steifigkeit und erhöhte
Verletzungsneigung resultieren.
Auch eine gute, mediterrane Ernährung unterstützt diesen Prozess (Lesen
Sie darüber auch hier!).
Ganz einfach auch: Viel Barfussgehen und -laufen! Der Fuss ist ein eigentliches
Sinnesorgan mit über 30'000 Nervenendigungen, die gereizt werden wollen.
Deshalb keine Einlagen, keine festen Schuhe (Schuhe sollten möglichst nahe dem
Barfussgehen kommen!), keine Fersendämpfung!
Körperlich-strukturell müssen wir versuchen, den Innenraum lang zu halten,
allgemein also nicht zu verkürzen.
Vor allem die Verkürzung der Frontallinie (zwischen Schambein und Kinn) wird
mit "Sad-sick" in Verbindung gebracht (je kürzer umso sad-sick, je
länger umso happy-well!). Vorne kurz ergibt hinten einen Rundrücken (BWS-Kyphose).
Auch die Bauchmuskeln sind dabei meist verkürzt und ziehen den gesamten Thorax
nach unten (siehe "oberflächliche Frontallinie" in Anatomy Trains von
Thomas W. Myers)
Viele Übel entstehen durch diese Kompression
unserer Körperstruktur (Sehnenansatzprobleme, Muskelverkürzungen und -
verspannungen; stärkere Abnützung, also Arthrose der Gelenke; weniger freies
Atmen, schlechtere Durchblutung der inneren Organe; Nervenkompressionen,
etc...). Diese Längenerhaltung bis ins Alter gelingt in der Alltagsbewegung am
besten, falls man sich aus dem Gleichgewicht heraus, sich mit möglichst wenig
oberflächlichen Muskeln (die immer auch Anteile haben, die verkürzen), mit möglichst wenig
Energie also, entspannt bewegt. Das bedingt ein aktiv sein der tieferen
Rumpfstabilisatoren. Auch ein freundliches Ausnützen
unseres Körpergewichts (der Schwerkraft) und nicht ein dagegen ankämpfen. Es
entsteht eine schwingende, katzenartige Bewegung und eine Haltung, die nicht
"gehalten" wird, sondern die von innen und unten (Schwerkraft und ihre Gegenkraft, die Normal- oder Stützkraft)
gestützt wird.
Dies alles Lernen Sie im Rolfing >>> siehe hier: www.dr-walser.ch/rolfing.htm
!
"Dinner Cancelling" und Mass Halten: die Länger-leben-Diät
Eine weitere sehr natürliche und einfache
Methode (auch zur Hormonsteigerung) ist das sog. Dinner Cancelling
(>>lesen sie dazu hier weiter). Dazu
muss man sagen, dass wohl allgemein vor allem eine kalorische Restriktion Altern
bei bester Gesundheit verspricht (Mass halten - auch beim Essen). Offenbar
versetzt das Wenig-Essen den Körper in Alarmbereitschaft und kurbelt uralte
Überlebensmechanismen an. Kräftezehrende Prozesse werden eingestellt und die
Energie zum Schutz und zur Reparatur der Zellen genutzt. Der Organismus
verteidigt sich besser als im Normalzustand, so die Theorie. Er altert
langsamer.
Dreh- und Angelpunkt dieses Mechanismus scheint das Enzym Sirtuin zu
sein. Es wird offensichtlich bei Hungerstress angeschaltet und schützt
dann unsere Zellen. Ein Anschalter-Stoff für das Sirtuin ist das Resveratrol.
Diese antioxidative Substanz ist auch in Rotwein enthalten. Generell bezweifeln
aber Experten, ob man die komplexen Vorgänge beim Altern mit einzelnen
Substanzen steuern kann. Zudem zeigt die medizinische Geschichte, dass man mit
Substanzen, die Signalwege beeinflussen können, sehr vorsichtig sein muss.
was verkürzt dann eigentlich unsere Lebenserwartung?
Die Statistik stammt aus den USA und gibt die Verkürzung der Lebenserwartung an.
Sie zeigt damit auch auf, wie relativ gewisse Risiken sind, die in der Presse
häufig selbst auf Frontseiten falsch hochstilisiert werden.
Es gibt zwei Arten von Zahlen: Jene für Alkoholismus,
Rauchen und Ähnliches beziehen sich nur auf die direkt Betroffenen und sind mit einem Stern (*) gekennzeichnet. Die anderen Zahlen (zum Beispiel Selbstmord, Ersticken, Blitze) bezeichnen die mittlere Verkürzung der Lebenserwartung für einen amerikanischen Durchschnittsbürger. Lesebeispiele: Wer einen Kleinwagen fährt, hat eine 70 Tage tiefere Lebenserwartung. Wer so viel Velo fährt wie ein durchschnittlicher Amerikaner, senkt seine Lebenserwartung um sechs Tage. Blitze verringern die Lebenserwartung eines Durchschnitts-Amerikaners um 0,7 Tage. Die Zahlen dürfen nicht kumuliert werden.

(Quelle: Bernhard Cohen/American Council on Science and Health/Health
Physics Journal 1991)
Hormone?
Menopause der Frau >>> menopause.htm
Andropause des Mannes >>> testosteron.htm
Vergebliche Mühe
Ein Mensch, der willens, lang zu leben,
beschließt dem Tod zu widerstreben
und a) durch strenges Selbstbelauern
die Krisenzeit zu überdauern
und b) zu hindern die Vermorschung
durch wissenschaftlich ernste Forschung.
Zu letzterm Zwecke wird bezogen
Ein Horoskop beim Astrologen
Um nicht bezüglich der Planeten
in eine falsche Bahn zu treten.
Ist so gebannt Saturnens Kraft,
hilft weiterhin die Turnerschaft
die Rümpfe rollend, Kniee beugend
ganz zweifellos wirkt kräftezeugend.
Die Rohkost birgt das Vitamin;
Wein und Tabak - er gibt sie hin.
Auch gilts den Vorrat an Hormonen
in reifem Alter streng zu schonen.
So braut er sich den Lebenssaft
aus ausgekochter Wissenschaft.
Ein Mensch, wie dieser, muss auf Erden
unfehlbar hundertjährig werden.
Das Schicksal aber, das nicht muss
macht unversehens mit ihm Schluss.
[Eugen Roth]
und noch Roberto Benigni zum Thema:
"Sterben: tu ich nicht! Es ist wirklich das Letzte was ich in
diesem Leben tun werde!"
Literatur:
- nachhaltige (für Frauen?): Shane Watson: «Brauchen Sie schon Botox
oder haben Sie noch Sex?» Wilhelm Goldmann Verlag
- "Die fünf Geheimnisse, die Sie entdecken sollten, bevor Sie
sterben." von John Izzo
- A.H. Almaas: Essenz – Der diamantene Weg zur inneren Verwirklichung (Einführung
in die Essenzarbeit)
- George E. Vaillant: Aging Well: Surprising
Guideposts to a Happier Life from the Landmark Study of Adult Development
- Erik H. Erikson: Der vollständige
Lebenszyklus (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
siehe auch: die Berliner Altersstudie: www.base-berlin.mpg.de/de/Introduction.html
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