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was ist normal?Wie viele "Erkältungen" oder Schnupfen sind eigentlich noch normal? Man muss wissen, dass Kinder unter 3 Jahren mit geringem Ansteckungsrisiko (Einzelkind, wenig Kontakte) bis 3 bis 4 Infekte pro Halbjahr normalerweise haben. Kinder unter 3 Jahren mit hohem Ansteckungsrisiko (viele Geschwister, Hortkinder) sogar bis 6-8 Infekte! Dann Kindergartenkinder ebenfalls bis 6-8 virale, bzw. 3 bis 4 bakterielle Infekte und Schulkinder und Erwachsene bis 3-4 Infekte pro Halbjahr.
Allergie?Zuerst wäre mal abzuklären, ob nicht eine Allergie gegen Hausstaub, Hausstaubmilben,
Tierhaare, Nahrungsmittel, Schimmelpilze, Bakterien, Pollen, etc. dahinterstecken
könnte.
Ein therapeutischer Versuch mit Antihistaminika (Histamin ist ein Entzündungsstoff, der
bei Allergien vermehrt auftritt) mittels Nasenspray (z.B. Livostin®) kann einen
diagnostischen Hinweis geben. Hautteste schaffen dann Klarheit. Menschen mit allergischem Schnupfen leiden häufig zusätzlich an einer
sogenannten "nasalen Hyperreaktivität". Dabei kann die Nase auch
extrem auf andere Reize wie Rauch, kalte Luft, Gerüche oder auch
körperliche Aktivität reagieren.
chronischer Schnupfen ohne AllergienachweisNegative Allergie-Hauttests (RAST), keine bekannten Allergieauslöser, keine familiäre Allergiegeschichte (Atopie), eine vorhandene Sekretion postnasal (postnasal drip), fehlendes Jucken in der Nase, fehlendes Nasenlaufen (oder selten), fehlendes Niesen (oder selten), fehlende andere allergische Symptome (Asthma, Ekzeme), rötliche Nasenschleimhaut (und nicht blass, geschwollen - wie bei Allergie) und ganzjähriger Verlauf sprechen für nicht-allergischer Schnupfen.
Etwa 45% sind allergische Rhinitis, 35% sind kombinierte allergische und nicht-allergische und nur 25% sind nicht-allergischer Ursache.
Die nicht-allergischen chronischen Schnupfen werden unterteilt in die sog. "Vasomotorische Rhinopathie" (eine Gefässdysregulation der Nasenschleimhäute, dachte man früher - deshalb dieser Name.). Heute besteht die These, dass dies eher eine Hyperreaktivität (also eine übertriebene Reaktion) der Schleimhäute auf x-beliebige Reize ist. Die Reize können durch äussere (kalte, trockene, verstaubte Luft, Rauch, Hitze, Chemikalien, Alkohol, scharfes Essen) oder innere (psychische) Reizsituationen.
Hormonell oder Drogen-induzierte Rhinitis: Hormone (Schwangerschaft, Antibabypille, Hypothyreoiditis) oder Drogen/Medikamente (Blutdruckmedis: ACA-Hemmer, Reserpin, Methydopa, Prazosin, Beta-Blocker - dann Chlorpromazine, Aspirin, NSAR-Schmerzmittel, abschwellende Nasentropfen und -sprays) können chronische nicht-allergische Schnupfen auslösen.
Übrigens: Schon bei einem akutem Schnupfen sind immer auch die Schleimhäute in den Nasennebenhöhlen mit-geschwollen: Es besteht also immer auch eine Rhino-Sinusitis! Ein chronischer Schnupfen ist also immer auch eine chronische Sinusitis!
TherapieAllergischer Schnupfen sollte mit Meiden der Allergene, mit Hyposensibilisierung (Pollen) und mit anti-allergischen Medikamente behandelt werden. Bei den nicht-allergischen Schnupfen sollten obige Reize, Hormone oder Drogen/Medikamente vermieden werden. Es sollten kreislaufstabilisierende Massnahmen probiert werden (z.B. mehr Bewegung, Kneippsche Wechselbäder). Nie abschwellende Nasensprays: Sie schädigen, länger als 1 Woche angewendet die Nasenschleimhaut. Sehr effektiv sind auf die Länge Nasenspülungen mit sog. physiologischer Salzlösung (1 gestrichener Teel. Kochsalz auf ½ l Wasser oder eine Prise pro Deziliter). Sie kann z.B. mit einer Spezial-Giesskanne aus dem Sanitätsgeschäft wie auf dem Bild ins eine Nasenloch eingeflösst werden. In einer grossen randomisierten Studie wurde bei der chronischen Sinusitis diese Nasenspülungen gegen Kochsalz-Spray und gegen Kortison-Spray. Die zweimal-pro-Tag Spülungen waren den Sprays klar überlegen und dem Kortisonspray ebenbürtig (Pynnonen MA et al.,Arch Otolaryngol Head Neck Surg 2007;133:1115-1120). Auch tägliche Nasenspülungen mit hypertoner Kochsalzlösung (also mehr Salz als oben beschrieben) wirken bei akutem Schnupfen positiv mit weniger Sinusitis-Symptomen (Rabago D et al, J Fam Pract 2002;51:1049-55).
Nach der Spülung zusätzlich einmal täglich für längere Zeit Gencydo 1% - Weleda
(verdünnte Fruchtsäfte) in beide Nasenlöcher sprayen.
Bei allen chronischen Symptomen lohnt sich auch immer, die körpersprachliche Aussage etwas sinken zu lassen: "Ich bin verschnupft!".
Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, CH-8004 Zürich
Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich kein "Spezialist" für obiges Thema bin. Es interessiert mich aber im bescheidenen Rahmen meiner hausärztlichen Tätigkeit. Melden Sie sich nicht in der falschen Hoffnung in meiner Sprechstunde an, um Patentrezepte zu erhalten.
Last updated 08.08.2009
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