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Wann Kaffee trinken?
Kaffee beeinflusst unseren inneren Rhythmus gewaltig, falls man ihn
irgendwann tagsüber trinkt. Man sollte seinen individuellen täglichen
Energie-Rhythmus kennen lernen (Literatur dazu: Verena Steiner,
Energiekompetenz) und den Kaffee dann nur in den "Up-Phasen" vor
unseren Energiehochs einnehmen und nie zur (gesundheitlich bedenklichen)
Überbrückung unserer "Down-Phasen"! Aus diesem Grund sollte man auch
auf den Espresso nach dem Mittagessen verzichten (und erst recht nach dem
Abendessen).
Übrigens: Kaffee, ausnahmsweise zum Wachhalten eingesetzt, hilft viel besser, falls
man viele einzelne, kleinere Schlückchen über den Tag verteilt einnimmt, als die
eine grosse Tasse am Morgen (James Wyatt in Sleep, 27, S.374).
Wirkungen und Nebenwirkungen
- Medizinische Studien über Kaffee haben ihre Tücken: Sorgfältige Arbeiten (z.B. über
Kaffeekonsum in der Schwangerschaft und vermehrte Früh- oder Fehlgeburten und
untergewichtige Kinder bei der Geburt) zeigen, dass diese Komplikationen meist nur
scheinbar mit dem Kaffeekonsum zusammenhängen. Berücksichtigt man nämlich dass sich bei
den "schweren" Kaffeetrinkerinnen (mehr als 4 Tassen täglich) auch die Mehrheit
der Raucherinnen und ein Drittel der alkoholkonsumierenden Frauen, bei den
Kaffee-Abstinentinnen aber nur 16% Raucherinnen und 14% Alkoholtrinkende befinden, so
liess sich kein erhöhtes, durch Kaffeegenuss bedingtes Risiko mehr feststellen! (The New England Journal of Medicine 343, 1839-1845 (2000))
- Dieselben Überlegungen muss man beim vermeintlichen Osteoporoserisiko durch
Kaffeekonsum anstellen, denn chronischer Alkohol- und Nikotinkonsum sind dort
nachgewiesenermassen ein hohes Risiko. Sonstige Risikofaktoren für die Entwicklung einer Osteoporose im Alter sind auch viel höher einzustufen: Frauen
nach der Menopause; enge Verwandte leiden bereits unter Osteoporose; Kalzium- und
kalorienarme Ernährung und wenig Bewegung vor 15jährig; Frauen mit früher Menopause,
entfernten Eierstöcken und Kinderlosigkeit; aber auch Konsum vieler phosphathaltiger
Nahrungsmittel (wie "Soft-Drinks"=Colagetränke, Knäckebrot und bestimmte
Wurstwaren, die entsprechend gesalzen sind); und eben chronischer Alkohol-, Nikotin- und
möglicherweise Kaffeekonsum.
- Dasselbe gilt auch wieder bei Kaffee und Herz/Kreislauf: Obwohl nicht zu bezweifeln
ist, dass Koffein auf Herz und Kreislauf einwirkt, ergeben Studien der letzten Jahre kein
einheitliches Bild: Herzrhythmusstörungen können eventuell bei Kaffeekonsumenten und
vorbestehenden Herzkrankheiten öfters auftreten. Auch dies ist aber umstritten (auch
wieder wegen der Mitbeteiligung der Risikofaktoren Nikotin und Alkohol). Ein Zusammenhang
dann von Kaffee und Herzinfarkt oder Angina pectoris ist durch neuere Studien wieder im
Gespräch (Gesamtcholesterin und LDL-Cholersterin-Anstieg bei über 6 Tassen Kaffee
täglich).
- Hirn:
Hoher Koffeinkonsum ist sogar mit einer signifikant tieferen
Wahrscheinlichkeit verknüpft, an Morbus Parkinson zu
erkranken (jama.ama-assn.org/issues/v283n20/full/joc91293.html).
Es gibt sogar Studien, die zeigen, dass ein moderater Kaffeekonsum die
Entwicklung einer Demenz bei älteren Frauen verhindern kann (Neurology
2007;69:536-545 August 7 2007 American Academy of Neurology The
neuroprotective effects of caffeine. The Hree City Study. K.Ritchie et al.)
- Gicht: Je mehr Kaffee Männer trinken, desto seltener erkranken sie
an Gicht (Arthritis
& Rheumatism). Männer, die vier bis fünf Tassen täglich tranken,
hatten ein 40% geringeres Risiko an Gicht zu erkranken wie Männer, die
keinen Kaffee tranken. Bei sechs oder mehr Kaffees pro Tag sank das
Gichtrisiko sogar um 60%.)
- Krebs: Reichlich Kaffeegenuss bewahrt Frauen möglicherweise vor
Brustkrebs. Trägerinnen gewisser Genvarianten, die mindestens zwei Tassen
Kaffee pro Tag tranken, erkrankten zu 30% seltener als die anderen (E.Bageman
et al., Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention 17: 895-901).
- Sonstige Nebenwirkungen von Kaffee hingegen sind unbestritten: Pulsbeschleunigung,
Reizbarkeit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Zittern und Muskelschmerzen. Absetzen von
Koffein vermag Entzugskopfschmerz auszulösen. Kaffee steigert Angst. (Leute, die unter Ängstlichkeit leiden oder sogar
Panikattacken erleben, sollten auf Kaffee ganz verzichten!). Personen mit Leberzirrhose
oder Schilddrüsenüberfunktion laufen Gefahr verstärkter Koffein-Störwirkungen.
Achtung: Der Mode-Putscher GUARANA enthält mit 3-8% deutlich mehr Koffein als
Kaffeebohnen (1-2%) oder Teeblätter (1-4%).
Nochmals Achtung: Koffein ist in vielen Mischmedikamenten gegen Schmerzen enthalten (die
man sowieso meiden sollte).
Mit Paracelsus muss man wieder mal zum Schluss erwähnen, dass jede Droge, mässig
eingenommen (d.h. bei Kaffee vielleicht 1-3 Tassen täglich) auch Gutes bewirken kann.
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Last updated 22.06.2008
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