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Aufbautraining und Therapie der
sog. Achillesehnen-Tendinopathie (ohne grosse Läsion der Sehne oder nach Behandlung
(Ruhigstellung/ Operation) derselben) - dies gilt auch für jede weitere
Sehnenverletzung im Körper:
- Das Allerwichtigste ist der Trainingsaufbau im weitgehend schmerzfreien
Bereich: Weder während noch nach und auch nicht am Tag Tag darauf
sollten Schmerzen auftreten!
Deshalb: Zu Beginn - wenn nach einer Trainingspause im Alltag keine
Schmerzen mehr bestehen - z.B. alle 2 - 3 Tage 10 Minuten Sport treiben
(Joggen) und leichte Steigerung alle 2 - 3 Wochen um weitere 10 Minuten:
also sehr langsam - so langsam, dass "weder während noch nach und auch
nicht am Tag darauf Schmerzen auftreten"!
- Eine Muskelzelle benötigt 100 Tage zur Regeneration, eine Sehnenzelle
sogar 200 Tage!
Durch Steroide (Kortisoninjektionen) wird diese Erneuerung massiv gehemmt -
die Regenerationszeit verlängert sich dadurch enorm!
- Alltäglich viel trinken, d.h. 2 bis 2,5 Liter Wasser als Basis. So kann
man die anfallenden Harnsäurekristalle aus dem Essen (Fleisch, Fisch...)
loswerden und diese werden nicht nach und nach u.a. ins Gleitgewebe der
Sehnen abgelagert. Daraus würde allgemein eine langsame Abnahme der
Elastizität des Bindegewebes, eine zunehmende Steifigkeit und erhöhte
Verletzungsneigung resultieren. Die bestehende Sehnenverletzung heilt so
viel schneller.
- Auch das Essen hat enormen Einfluss auf die Heilphase:
Das Kollagen des Sehne bildet sich in Helixform (Verdrehung ist viel
stabiler). Diese Form entsteht nur bei genügend Aminosäuren und
Antioxydantien im Essen (siehe dazu z.B. hier).
Bei schlechter Ernährung streckt sich deshalb das Kollagen der Sehne und
die Elastizität nimmt massiv ab!
- Vier Wochen lang Vermeiden von ruckartigen Bewegungen im Fuss
(keine Sprünge, keine Sprints).
- Hingegen muss die Propriozeption verstärkt werden (d.h. mehr Reize für
das "Sinnesorgan" Fuss): NIE Eingipsen oder Ruhigstellen!! Viel
barfuss laufen!!
Aufbauende, regelmässige, runde Belastungen des Fusses/ Beines
durch (idealerweise) tägliches leichtes Joggen:
aufbauend: Beginn mit täglich ca. 15 Minuten im Aeroben (v.a. gerade aus, ev. leicht
ansteigend), steigern langsam bis täglich 60 Minuten aerob (nie Schmerz während, nach
oder am Morgen nach dem Joggen).
Laufstil verändern: Langsames Laufen mit wenig Vorlage im Brustbereich - dadurch
Schwingen der Beine (aus Iliopsoasmuskeln und kein muskelaktives Vorsetzen durch
Quadriceps-Muskeln) - "Ganzfusslaufen" unter Einbezug aller
Längs- und Quergewölbe des Fusses von Ferse (zuerst aufsetzen) nach
Vorfuss (auch ausgelöst durch Vorlage im Oberkörper). Praktisch immer ist ein Fuss am
Boden (nie beide gleichzeitig in der Luft). Der Kopf balanciert auf Mittelachse Hals
(nicht nach vorne strecken), Schultergürtel liegt leicht auf Körper und alles (auch
Arme) hängt daran, auch Becken hängt wie Topf (Bauchmuskeln, Gesäss, Beckenboden
entspannt), Beine hängen aus Becken raus... Ergibt katzenartige, leichte Schwungbewegung
(man hängt quasi in seinem Bindegewebe) und nicht muskelzentriertes, angestrengtes
Kraftlaufen.
Lesen Sie dazu auch ausführlicher dies!
- Vor und nach dem Joggen langsam Einlaufen oder besser Ein-Gehen
(Warmlaufen mit obiger Technik). Spezielles Dehnen (mehrmals
täglich): Stehen auf Treppenabsatz (nur Vorfuss auf Treppenstufe, Blick gegen Treppe),
10-20 Sekunden auf Zehenspitzen stehen, dann Fersen soweit wie möglich (durch
Eigengewicht - sich dabei sicher festhalten) ca. 1-2 Minuten sinken lassen - wiederholen
(>>>genaue Anleitung hier: achillesehne.pdf).
Und übliche (bekannte) Stretchingübungen der hinteren Wadenmuskulatur.
- Weitere Anregung zur Heilung: mit Bürstchen Sehne täglich in
Faserrichtung kräftig massieren.
- Ein Instabil-Schuh (MBT) schult auch die Propriozeption und kann ähnlich
wie Barfusslaufen die Heilungszeit verkürzen. Man soll diesen Schuh aber
nachher nicht mehr häufig tragen und diese Vorlagetechnik beim Gehen besser
unabhängig von Hilfsmitteln erlernen (siehe meine
Jogging-Seite). Der grosse Nachteil des MBT-Schuhs ist die kleine
Auflagefläche und das Rollen über diese Fläche, die zu argen Stürzen
führen kann.
Bei einer Achillodynie (schmerzhafte
Achillessehne) muss auch immer nach Triggerpunkten in der hinteren Wadenmuskulatur
(und eventuelle Ketten über die Hinterseite der Oberschenkel, Gesäss bis in
die Rückenmuskulatur!) gesucht und
diese therapiert werden (Triggerpunktmassage z.B. mittels manueller Technik: siehe www.imtt.ch , Rolfing , etc.)
Bei Einnahme von Statinen (Cholesterinsenker) und Achillodynie muss an
eine Nebenwirkung dieser Medikamente gedacht werden! (Arthritis
Care Research 2008;59:367-372).
Sport macht
keine Tendinitis! Ich vermeide hier den Begriff "Entzündung" oder
Tendinitis, da sich gezeigt hat, dass nie klassische Entzündungszellen
anzutreffen sind. Stattdessen zeigten sich histologisch dünne, ausgefranste,
fragile und teilweise zerrissene Sehnenfasern sowie so genannte Tenozyten (Sehnen-Reperaturzellen).
Beides spricht für eine Sehnenverletzung und nicht für eine Entzündung (so
Karim M.Khan et al., BMJ 2002;324:626-27).
Statt von einer Entzündung (Tendinitis) zu reden, sollte man eher von einer
Tendinosis oder Tendopathie sprechen. Bei der Prognose ist deshalb auch eher mit
Monaten (200 Tage!) als mit Wochen zu rechnen, bis die kollagenen Umbauprozesse abgeschlossen
sind. Auch für die antientzündlichen Schmerzmedikamente (NSAR) findet sich
nur eine sehr begrenzte Evidenz. Kosten und Nebenwirkungen lassen sich so
verhindern!
Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, CH-8004 Zürich
Last updated 09.06.2009
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