Morbus Crohn / Colitis ulcerosa

Ich gehe hier nicht auf die gängige Schulmedizinische Behandlung ein, die bei diesen Krankheiten v.a. antientzündlich (Mesalazin, Steroide) und immunschwächend (Steroide, Immunsuppressiva)  einwirken (These der „Autoimmunstörung“).
Hier erläutere ich einige komplementäre Zusatztherapien und Thesen. Man kann – wie so oft – zwei Stossrichtungen dieser Therapien ausfindig machen: Den Aufbau der Abwehr, die Stärkung des Terrains und dann die Bekämpfung gewisser Angreifer oder schädigender Dinge (Bakterien,…).

Abwehraufbau – Terrainstärkung

  • Es gibt zuallererst keinen Hinweis, dass bestimmte Ernährungsformen an der Entstehung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa beteiligt sind. Ein akuter Entzündungsschub wird nicht durch „falsches Essen und Trinken“ hervorgerufen. Von pauschalen Crohn- oder Colitis-Ernährungsempfehlungen sowie unnötigen, nicht fundierten Nahrungsmitteleinschränkungen ist schwer abzuraten. Sie erhöhen das Risiko einer Malnutration (Unterernährung). Hingegen hat die bedarfsgerechte Ernährung im akuten Entzündungsschub sowie in der Remission einen wesentlichen Einfluss auf Schweregrad und Verlauf der Erkrankung. Aus Angst vor Schmerzen oder einem Rezidiv („Ich esse lieber nichts als etwas Falsches“) wird meist zuwenig gegessen. Dazu kommt auch eine Malnutration als Folge von Entzündungen im Darm, ein intestinaler Proteinverlust (50 bis 70% der Crohn-Patienten leiden im akuten Entzündungsschub darunter!) und ein gesteigerter Energieverbrauch bei Sepsis oder Abszessen. Die durch die Malnutration hervorgerufenen Komplikationen können den Patienten oftmals mehr schwächen als der zugrunde liegende entzündliche Prozess.
    Man sollte immer nach Untergewicht, Anämie, Folsäuremangel, Vitamin-B12-, Eisen-, Vitamin-D- und Zinkmangel suchen!
    Im akuten Schub empfiehlt sich nahrungsfaser- und laktosearm zu essen. Es besteht (v.a. beim Crohn) ein sekundärer Laktasemangel. Es kommt zu einer zeitlich begrenzten Laktoseintoleranz (Laktose ist der Milchzucker). Dies ist individuell sehr verschieden. Es ist deshalb für jeden Einzelnen wichtig zu wissen, bei welcher Menge Laktose er mit Beschwerden (Blähungen, Durchfall) reagiert. Milch und Buttermilch haben am meisten Laktose. Besser verträglich ist Käse (problemlos Hartkäse), auch Jogurt, Kefir und Sauermilch. Kefir zeigt sogar therapeutische Fähigkeiten (siehe unten unter Präbiotika). Allgemein besser werden Milchprodukte ertragen, wenn sie zusammen mit einer Mahlzeit und nicht zwischendurch allein genossen werden.
    Eventuell benötigt man im akuten Schub zusätzliche bilanzierte, energiereiche Trinknahrung (im Mittel zusätzlich ca. 600 kcal pro Tag). In der Remission sollte man essen, was mir gut bekommt, bedarfsdeckend und ausgewogen (siehe hier!).
  • Ähnlich wirksam wie Mesalazin bezüglich der Remissionserhaltung bei Colitis ulcerosa wirkt indischer Flohsamen (Plantago ovata Samen). Er enthält sog. Präbiotika (komplexe Kohlenhydrate), die im Dünndarm nicht verdaut werden und unverändert in den Dickdarm gelangen und dort fermentiert werden.  Kurzkettige Fettsäuren, vornehmlich Acetat, Propionat und Butyrat, die von anaeroben Kolonbakterien produziert werden, stellen eine hauptsächliche Ernährungsquelle für das Kolonepithel dar. Butyrateinläufe zeigen positive Effekte bei Patienten mit aktiver distaler Colitis ulcerosa. Da durch die Fermentation von indischem Flohsamen im Colon Butyrat entsteht, stellt man sich die Wirksamkeit unter diesem Mechanismus vor. Dies führt auch zu einer Bereicherung der Darmflora.
    Weiter wichtige Massnahmen, die gegen die Verarmung der Darmbakterien wirken sind Ernährungsumstellungen. Vor allem die Mediterranen Ernährung bekämpft die Verarmung dieser Darmbakterien, die höchst wahrscheinlich auch eine sehr wichtige Ursache für viele Darmkrankheiten ist.

Noch ein therapeutischer Schritt weiter gehen Stuhltransplantationen:
2000 wagte Gerhard Rogler vom Universitätsspital Zürich erstmals den unorthodoxen Eingriff bei einer Patientin, die wegen einer Infektion mit dem Darmkeim Clostridium difficile an krampfartigen Bauchschmerzen, Durchfall und Fieber litt. Die Ärzte spülten den Darm der Patientin und spritzten danach gereinigten Kot einer Verwandten ein. Die Therapie war erfolgreich. Seither hat Rogler 14 weitere Patienten mit einer C.-difficile-Infektion behandelt – bis auf einen sind alle geheilt.
Derweil testen Forscher weltweit die Stuhltransplantation bei einer Reihe weiterer Darmerkrankungen wie Reizdarm, chronischer Verstopfung, Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn. Holländische Forscher haben die Methode bei Patienten, die am metabolischen Syndrom leiden, erprobt – ebenfalls mit Erfolg. Bei den Patienten hat sich nach der Transplantation mit aufgereinigtem Kot eines dünnen Spenders die Insulinsensitivität erhöht.
Wirklich appetitlich ist diese Therapie nicht, dafür anscheinend umso wirksamer: Stuhltransplantationen können lebensbedrohliche Darminfektionen heilen – und möglicherweise noch viel mehr.  Unterdessen wird übrigens auch bereits mit Stuhl in speziellen Kapseln getestet, die man oral aufnimmt.

  • In dieselbe Richtung zielt die Behandlung mit Probiotika: Bifidobakterien, Laktobazillen, E. coli Nissle (Mutaflor®: einschleichend 2×2 Kps. bis zur Remission, dann weiter 2×1 Kps.), Saccaromyces boulardii sowie vor allem das Gemisch VSL-3 (acht verschiedene Keime – sehr teuer!) wirken im Darm antientzündlich durch die Stimulierung der Phagozytose-Aktivität, der IgA-Bildung, der Senkung des intestinalen pHs, der Reduktion der Anhaftung pathogener Bakterien an die Mukosa und der Sekretion von Substanzen, die eine antibiotische Wirkung haben.
    VSL#3 wirkt hervorragend bei Colitis ulcerosa und auch prophylaktisch bei Pouchitis-Neigung. Beim M.Crohn sind die Probiotika aber unwirksam!
  • Ein sehr interessanter Therapieansatz wurde in wenigen Studien (leider nur unkontrollierte und kleine Anwendungsbeobachtungen!) untersucht (Summers RW et al., Am J Gastroenterol 2003; 98: 2034-2041 und Marcovitch H. Can worms treat Crohn’s disease? BMJ 2005;330:330): Den Colonkranken wurden Wurmeier verfuttert (Schweinepeitschenwurm-Trichuris suis – jeweils 2500 intakte Eier als Einzeldosis. Der für den Menschen apathogene Schweine-Peitschenwurm wird nach 8 bis 10 Tagen wieder ausgeschieden.). Die daraus resultierende Darminfektion (die ja bei unserem sterilen Trinkwasser und Essen und von der Schulmedizin seit Jahrzehnten radikal bekämpft, fehlen) bindet soviel Abwehrkraft des Immunsystems, dass gleich auch die bestehende Colitis (Crohn oder ulcerosa) weggefegt wurde und geheilt war! Die These geht dahin, dass wir seit Jahrtausenden Würmer im Darm hatten und unser Immunsystem damit beschäftigt war. Seit 50 Jahren fehlen diese Parasiten und das Abwehrsystem hat nun überschiessende Kräfte und richtet diese auch mal gegen den eigenen Körper und bildet z.B. Crohn und Colitis ulcerosa. In der Woche 24 einer offenen Studie waren 21/29 in Remission, bei 2/29 zeigten sich Verbesserungen. Der Effekt ist zwar temporär, aber die Therapie wiederholbar. Der Vorschlag der Studienleiter waren den auch eine Wiederholung mit 2500 Eier alle drei Wochen, welches ebenso wenig Nebenwirkungen zeigte wie eine Einzeldosis. Die Firma Ovamed hat in Schleswig-Holstein einen Antrag auf Herstellungserlaubnis für Kapseln mit Eiern eingereicht. Das als Rezeptur-Arzneimittel geplante Präparat ist aber noch nicht verkehrsfähig, kann aber bereits gekauft werden (www.ovamed.de).
  • Dreimal wöchentlich Sport (siehe 3in3-Regel!):
    Zweimal wöchentlich ein 90-minütiges Lauftraining plus eine Trainingseinheit in Eigenregie, drei Monate lang unter Anleitung und für weitere 9 Monate als Hausaufgabe steigerte die Remissionsrate von Crohnpatienten enorm (Studie des Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/Main).
    Als einfache Regel gilt also auch hier 3in3: im Minimum 3 Stunden Sport wöchentlich, verteilt auf mindestens 3mal! Dies scheint bei diversen Dingen die beste Prophylaxe oder Therapie zu sein, so u.a. zur Prophylaxe des Prostatakrebs.  („3in3-Rhythmus“ wäre fast treffender: siehe meinen Blogbeitrag dazu!)

Angreifer- oder Schädigungsbekämpfung

  • Interessanterweise gibt es bei Tieren eine nahezu identische Störung wie der Morbus Crohn, die Johne’sche Erkrankung, auch Paratuberkulose genannt. Allerdings wissen die Tierärzte im Gegensatz zu ihren humanmedizinischen Kollegen sehr genau über die Ursache Bescheid. So haben sie vor einiger Zeit ein Bakterium mit Namen Mycobacterium avium, Subspezies paratuberculosis (kurz MAP), als Übeltäter identifiziert. Das MAP wird nun von den infizierten Tieren im Kot ausgeschieden. Es ist sehr resistent und kann z.B. Trockenzeiten von neun Monaten überstehen und durch die übliche Chlorierung von Trinkwasser nicht abgetötet werden. Infizierte Kühe, Schafe und Ziegen scheiden MAP auch in der Milch aus. Pasteurisierung derselben tötet MAP nicht sicher ab! In der Schweiz ist fast 20% der Milch mit MAP kontaminiert ( Corti S, Stephan R.: Detection of MAP in bulk-tank milk samples. BMC Microbiology, 2002: 2; 15). Diese Omnipräsenz steht im Gegensatz zu den Schwierigkeiten, den Erreger auch nachweisen zu können. Zumindest in einigen Fällen gelang nun, MAP aus der Dünndarmschleimhaut mit M.Crohn erkrankter Patienten zu isolieren und anzuzüchten. Greenstein fand das MAP-DNA mit Hilfe von PCR sogar in 90%, mit In-situ-Hybridisierung in 70% und mit RT-PCR für MPA-RNA in 100% der Crohn-Erkrankten (Greenstein RJ, Collins MT. Emerging pathogens: is Mycobacterium avium subspecies paratuberculosis zoonotic? Lancet 2004;364:396-7). Amerikanische Forscher fahndeten auch im Blut von 28 Patienten mit M.Crohn, 4 mit Colitis ulcerosa und 3 Darmgesunden nach MAP. Mittels PCR spürte man bei 46% der Crohn- und 45% der Colitis-Patienten MAP-DNA auf. Bei den Kontrollpersonen liess sich MAP nur in 20% nachweisen. Lebensfähige Mykobakterien fanden sich allerdings ausschliesslich bei Crohn und Colitis (zu 50% bzw. 22%). Naser SA et al., BMJ 2004; 364: 1039-1044. 
    Mit Antibiotika der Familie Makroliden über mehrer Monate konnte bei einem Drittel der Patienten eine völlige Ausheilung erreicht werden. Und bei 72 bis 91% gingen die Krankheitszeichen so stark zurück, dass die Patienten auf die Einnahme von weiteren Medikamenten verzichten konnten (The Lancet Infectious Diseases 3, 507-513 (2003).
  • The cold chain hypothesis verbindet das Aufkommen des Kühlschrankes mit der Zunahme des M.Crohn. Yersinia spp und Listeria spp, zwei Bakterien, die im Kühlschrank gut gedeihen, sollen bei gewissen Menschen dann auch den M.Crohn auslösen (Lancet, vol.362, 2003): coldchainhyp.pdf
  • Fischöl wirkt gegen die Entzündung als Langzeitbehandlung (ev. auch nur als Zusatzbehandlung mit Spareffekt für die schulmedizinischen Entzündungshemmer): 4 Gramm Omega-3-Fettsäuren täglich in Kapselformen.
  • Transdermales Nikotin (z.B. Nicotinell TTS-Pflaster) fördert unter fortgeführter Standardmedikation Remissionen. Dies bei der Colitis ulcerosa. Beim M.Crohn nur strikte Nikotinenthaltung! Hier ist jede Zigarette zuviel!!
  • Das Harz des Weihrauchbaumes Boswellia serrata (z.B. in H 15 Ayurmedica) enthält Inhaltsstoffe, die Boswelliasäuren, die in In-vitro-Untersuchungen nachgewiesenermassen über eine spezifische Hemmung der 5-Lipoxygenase die Leukotriensynthese hemmen und somit antiinflammatorisch wirken. Es wird deshalb auch vorrangig gegen entzündliche rheumatologische Erkrankungen eingesetzt (aktive chronische Polyarthritis). Es hat sich aber gezeigt – und ich habe sehr positive Erfahrungen damit -, dass es auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen hervorragend wirkt. Es wirkt dabei ähnlich stark wie Mesalazin ohne dessen Nebenwirkungen. Als Nebenwirkung habe ich sehr selten Juckreiz und urtikarielle, selten ekzematoide Effloreszenzen erlebt. In der Schwangerschaft würde ich es nicht abgeben.
  • Eine Hypothese besagt, dass durch die Gabe von Antibiotika im Kindesalter die mikrobielle Darmflora verändert und das Auftreten entzündlicher Darmerkrankungen begünstigt wird. Dies wurde nun mit einer Studie klar bestätigt: Kinder, bei denen vor dem Alter von 5 Jahren eine Otitis media (Mittelohrentzündung) diagnostiziert wurde, litten 2,8-mal häufiger an Morbus Crohn und dreimal häufiger an Colitis ulcerosa. Penicillin war dabei das am häufigsten verwendete Antibiotikum. Otitis media beim Kleinkind also nie mit Antibiotikum behandeln, sondern nur mit allen Mitteln Schmerzen lindern!
    (Shaw SY, et al. J Pediatr. 2012)
  • Übrigens verändert ein Hund im Haushalt die Darmflora eines Säuglings zum guten!