Demenz und Alzheimer

Demenz muss nicht sein!

Welche 7 vermeidbaren Risikofaktoren tragen am meisten zur Prävention bei:

Weitere Demenzprävention:

  • Gehirnjogging“ hilft prophylaktisch eine beginnende Demenz um Jahre zu verzögern! Aber: Es hat sich in vielen Studien gezeigt, dass darunter nicht nur das Lösen von Kreuzworträtsel oder Sudokas gemeint ist, sondern komplexe Hirntätigkeiten, die neue neuronale Verknüpfungen entstehen lassen:
    * Musizieren (Idealfall: Jazzimprovisation!)
    * Tanzen
    * Meditieren
    * Lernen von (neuen) Fremdsprachen
    * Umgang mit kleinen Kindern (Enkel)!>>>Kleiner Trick zur Verbesserung der Hirnleistung (Aktivierung beider Hirnhälften): http://walserblog.ch/2013/07/14/mit-faust-drucken-das-gedachtnis-verbessern/

Von einem Gedächtnistraining profitieren übrigens nur Erkrankte, die im Mini-Mental-Status (MMS) Werte über 18 erreichen.

  • Prophylaktisch hilft das regelmässige Essen von Fisch. Senioren, die durchschnittlich einmal pro Woche Fisch assen, hatten ein um 60 Prozent geringeres Risiko, an Alzheimer zu erkranken, als solche, die kaum oder keinen Fisch zu sich nahmen (Rush-Presbyterian St.Luke’s Medical Center, Chicago 2003).
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  • Nach anderen Studien hatten Menschen die vermehrt Salat, Nüsse, Fisch, Tomaten, Geflügel, Gemüse, Früchte und wenig rotes Fleisch, Butter oder fettreichen Lebensmitteln zu sich nahmen, ein geringeres Risiko an M. Alzheimer zu erkranken (bereinigte HR 0,62) als die Teilnehmer/innen, bei welchen der Konsum von fettreichen Lebensmitteln und rotem Fleisch überwog.
    Zusätzlich positive kann angemerkt werden, dass diese Ernährungsweise auch das Risiko für Diabetes und Herzkreislauferkrankungen senkt.
    (Arch Neurol 67(6):699-706, June 2010 © 2010 to the American Medical Association Food Combination and Alzheimer Disease Risk-A Protective Diet. Yian Gu, Jeri W. Nieves, Yaakov Stern, Jose A. Luchsinger, Nikolaos Scarmeas. Link zum Abstract: http://archneur.ama-assn.org/cgi/content/abstract/67/6/699?etoc)
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  • Entzündliche Prozesse spielen in der Entstehung der Alzheimerschen Krankheit eine wichtige Rolle (es trifft also die Betagten nicht schicksalhaft oder v.a. durch Vererbung!). Eine Vielzahl von Studien zeigte, dass Personen, die längere Zeit entzündungshemmende Medikamente (NSAR) einnahmen, ein deutlich niedrigeres Alzheimerrisiko haben (0.3 – 0.6). Es war übrigens wichtig, dass diese Medikamente vor Ausbruch der Demenz genommen werden müssen. Bei Patienten, die schon erste Anzeichen zeigten, verschlechtern die Entzündungshemmer den Krankheitsverlauf!
    Billiger und nebenwirkungsärmer ist hier das Trinken von Grüntee (siehe oben)!
    Es laufen zur Zeit mehrere Interventionsstudien mit entzündungshemmenden Substanzen. Bis zum Vorliegen der Ergebnisse dieser kontrollierten Studien kann jedoch aufgrund von Resultaten epidemiologischer Studien allein die Einnahme von Entzündungshemmern noch nicht empfohlen werden.
    Interessant ist aber alleweil, dass die lange als Ursache beschuldigten Plaques (Beta-Amyloid-Eiweiss-Ablagerungen) im Gehirn „nur“ die Folge einer durch Entzündung geschädigten Hirnzelle sind. Ist also Alzheimer eine entzündliche Krankheit?!
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  • Regelmässiges Teetrinken hilft auch prophylaktisch: englische Forscher fanden, dass schwarzer (ca. ein Tag lang) oder grüner (ca. 7 Tage lang) Tee bestimmte Enzyme (Acetylcholinesterase-Hemmer u.a.) im Gehirn blockieren, die an der Entstehung von Alzheimer beteiligt sind. Die Inhaltstoffe von grünem Tee, die Catechine, haben sich als eigentliche multifunktionale neuroprotektive Substanzen erwiesen. Diese Polyphenole durchdringen die Blut-Hirn-Schranke und wirken unter anderem auch als Eisenchelatoren, Antioxidanzien und Entzündungshemmer.(Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson entstehen multifaktoriell durch komplexe toxische Einflüsse, die das Absterben von Neuronen provozieren. Wo Neurone absterben, wurde bei diesen Erkrankungen als zentrale biochemische Veränderung eine Ansammlung von Eisen festgestellt. Dadurch entstehen freie Sauerstoffradikale, die bei der Bildung toxischer Aggregate – Alpha-Synuclein bei der Parkinsonkrankheit und Beta-Amyloid bei der Alzheimerdemenz – beteiligt sind. Deshalb ist die Entzündungshemmung und  Eisenbindungsfähigkeit der Polyphenole auch so wichtig.)

Was muss ich beachten, wenn Grünteetrinken wirklich einen medizinischen Wert haben soll:
– Ein bis eineinhalb Liter täglich trinken.
– Drei gehäufte Esslöffel Pulver auf einen Liter.
– Pestizidfreien Grüntee wählen („Bio“).
– Kalziumarmes Wasser benützen.
– Zwischen 60 und 80 Grad warmes Wasser zum Aufguss benützen.
– Fünf bis zehn (besser sogar zwanzig!) Minuten ziehen lassen.
– Ein paar Tropfen Zitronensaft im Tee schützt die Polyphenole vor den Verdauungssäften.
– Kann mit Traubensaft (auch Polyphenol-reich) ergänzt werden.

Grünteeregeln als PDF-Datei

  • Allgemein gilt präventiv eine sog. Mittelmeerkost:
    5 Portionen Früchte oder Gemüse pro Tag
    Fett, vor allem als Oliven-, Raps-, Senfsamen- oder Sojaöl
    Wenig rotes Fleisch und andere tierische Fette
    mehr als 2 Portionen Fisch pro Woche (vegetarische Variante: 25 g Walnüsse oder Mandeln pro Tag)
    Energie, vor allem durch Getreide- oder Kartoffelprodukte
    Gemäss einer Studie (Qi Dai. Fruit and vegetable juice may reduce Alzheimer’s risk. Am J Med. 2006;119:751-9.) reichen nur drei Gläser Frucht- oder Gemüsesaft pro Woche zur Reduktion der Wahrscheinlichkeit, Zeichen einer Alzheimer-Krankheit zu entwickeln, um 75%!
  • Man sollte nicht näher als 50 Meter zu einer Hochspannungsleitung wohnen. Gemäss einer Schweizer Studie (American Journal of Epidemiology, 2008: http://aje.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/kwn297) war das Risiko, an einer Alzheimerkrankheit zu erkranken nach 15 Jahren stark erhöht.
  • Und man sollte auch nicht direkt an einer stark befahrenen Strasse wohnen!
  • Präventiv wirkt das Verhindern von Hirntraumas: Helmtragen beim Velofahren oder anderen gefährlichen Sportarten!
  • Präventiv gilt allgemein eine Verhinderung des Hirnschlags (optimaler Blutdruck, Diabetes gut behandelt und Blutfette nicht erhöht) und eine Erhöhung der zerebralen Reserve (Kombination von körperlicher Bewegung, die über 3 Stunden pro Woche zum Schwitzen führt und tägliches Gedächtnistraining). Es scheint, dass ein erhöhter (systolischer = oberer) Blutdruck und ein erhöhter Cholesterinwert im mittleren Lebensabschnitt das Risiko einer Alzheimerschen Krankheit im Alter erhöht. (BMJ 2001; 322: 1447-51; Kivipelto M et al.).
  • Aber: Möglichst tiefen Blutdruck (systolisch unter 130 mmHg) vermeiden – d.h. auch die Blutdruckmedikamente nicht überdosieren!
    Siehe Studie hier!
  • Auch gesunde Zähne mindert im Alter das Risiko, geistig abzubauen: Je weniger Zähne wir noch haben, je höher ist unsere Demenzrisiko. Karies, Paradentose und Zahnverlust sollte mit einer guten Zahnhygiene vermieden werden (T.Yamamoto u.a.: Association between self-reported dental health status and onset of dementia. Psychosomatic Medicine, 74/3, 2012, 241-248)

Nicht medikamentöse Therapien

  • Nicht medikamentöse Therapien von Frühstadien von Demenzkranken sind wirkungsvoller als die heute erhältlichen Pharmakotherapien, wenn sie in Kombination angewendet werden (Wettstein A, Nicht-pharmakologische Therapie der Demenz, Schweiz Med Forum 2004;4:632-635). Besonders wirkungsvoll ist die Kombination von Beratung, Schulung, Entlastungsangeboten und regelmässigen Besuchen von Aussenstehenden, was eine Heimverzögerung um etwa ein Jahr bewirken kann.
    Besuche, auch kurze, von Angehörigen verbessern zudem die Lebensqualität der Demenzkranken erheblich.
  • Zweimal täglich „therapeutisches Berühren“ (im Schulter-Nackenbereich) während 5 – 7 Minuten führte zu einer signifikanten Reduktion von Agitation bei Alzheimerpatienten (Woods DL, Seattle). Voraussetzung ist genaues Beobachten, wann im Tagesablauf die Agitation jeweils einsetzt und die Anwendung der Massage ca. eine halbe Stunde vor diesem Zeitpunkt am nächsten Tag.
    Alzheimerkranke werden auch ruhiger, wenn sie regelmässig Fische in einem Aquarium beobachten können. Schon nach 4 Wochen waren diese weniger nervös und assen auch wieder mehr (Studie aus Indianapolis, USA).
  • Auch regelmässige Fussreflexzonenmassage scheint bei Demenzpatienten den Allgemeinzustand klar zu verbessern (Hodgson NA et al: The clinical efficacy of reflexology in nursing home residents with dementia. J Altern Complement Med 2008;14:269-275).
  • Eine Metastudie zeigte einen deutlichen Effekt von Ginkgo biloba-Extrakt (3 bis 6 Monate 120 bis 240 mg täglich), der vergleichbar der bis 1997 verfügbaren Medikamente war (Arch Neurol 1998 Nov;55(11):1409-15).
  • Die Einnahme eines hoch dosierten Extraktes aus Zitronenmelisse besserte Gedächtnis, Aufmerksamkeit, die Agitiertheit und die Fähigkeit, Probleme zu lösen deutlich stärker als Plazebo (New Scientist 2003; 178: 20).
  • Manchmal helfen Kleinigkeiten: Eine Studie im „American Journal of Alzheimer’s Disease and other Dementias“ zeigt, dass zwei Gläser Apfelsaft am Tag Patienten mit mittlerer bis schwerer Alzheimer-Demenz helfen kann. Zwar bringt das Getränk ihnen nicht ihre Erinnerungsfähigkeit zurück, aber sie meistern ihren Alltag wieder ein wenig besser. Ihre Angstzustände wurden weniger (auch psychotische) und ihre Beweglichkeit verbesserte sich. (http://aja.sagepub.com/cgi/content/abstract/25/4/367)
  • Nikotinpflaster (15mg/Tag) hilft älteren Nichtrauchern bei leichten kognitiven Schwächen (v.a. Aufmerksamkeit, Gedächtnis und psychomotorische Reaktionsfähigkeit) (Neurology 2012;78:91)

10 Warnsymptome der Alzheimer-Krankheit

  • zunehmende Gedächtnisprobleme:
    Daraus resultierende Einschränkung der beruflichen Fähigkeiten. Einfaches Sich-Nicht-Erinnern an Namen ist noch völlig normal (v.a. über 70). Hilft man etwas, erinnert man sich wieder. Alzheimerkranke dagegen zeigen nicht nur Schwierigkeiten mit Namen, sie erkennen auch die Person nicht oder haben entscheidende biografische Informationen der Person vergessen. Anfangsbuchstaben oder andere Hinweise, führen bei ihnen nicht zum Ziel.
  • Schwierigkeiten beim Erfüllen häuslicher Pflichten:
    Vergessen ganzer Erlebnissequenzen.
    Fähigkeit zum Finanzmanagement und Geldzählen überhaupt nimmt ab (Rechnungen werden zweimal bezahlt, etc.).
  • Sprachschwierigkeiten:
    Wortfindungsstörungen, falsches Verwenden bzw. Verstehen abstrakter Begriffe.
  • Zeitliche und räumliche Orientierung:
    Verlaufen in bekannter Umgebung, beeinträchtigte Zeichen- und Schreibfähigkeit, falsche Wiedergabe von Datum und Jahreszeit.
  • Urteilsvermögen herabgesetzt:
    Unpassende Kleidung.
  • Probleme beim abstrakten Denken:
    Formalitäten werden zum Problem, knifflige Aufgaben unlösbar.
  • Sachen verlegen:
    Versorgen von Gegenständen an inadäquaten Orten (z.B. Kleider in Kühlschrank).
  • Stimmungsschwankungen
  • Persönlichkeitsveränderungen:
    Verwirrung, Misstrauen, Ängstlichkeit
  • Antriebslosigkeit

Acht Fragen helfen, Alzheimer frühzeitig zu erkennen

Die US-Forscher der Washington University stellten Angehörigen von Patienten acht Fragen über die Betroffenen (Galvin JE et al., Brain 2010 Nov;133(11):3290-300). Sie fragten, ob das Interesse an Hobbys nachgelassen habe und ob die Betroffenen Fragen oder Aussagen ständig wiederholen. Zudem wurde gefragt, ob die Betroffenen plötzlich Vereinbarungen und Termine vergessen und den Überblick über die eigenen Ausgaben verloren hatten – ob sie Probleme mit der Bedienung von Geräten zeigten; über das Vergessen des laufenden Monats oder Jahres; sowie nach dem Neuauftreten ständiger Erinnerungslücken. Der Verdacht auf Alzheimer besteht den Wissenschaftlern zufolge bei den Patienten, deren Angehörige zwei oder mehr Fragen mit „Ja“ beantworten können.

Eine interessante Alzheimerfrüherkennung könnte das fehlende Unterscheiden von Gerüchen sein (z.B. Seife, Erdnüsse und Menthol kann frühzeitig nicht mehr unterschieden werden) (http://ajp.psychiatryonline.org/cgi/content/abstract/157/9/1399). Diese Geruchsverminderung tritt aber auch bei schweren Depressionen auf.

Abgrenzung zur Depression:

In der Praxis ist die Unterscheidung zwischen einer Depression und einer Demenz durch die Alzheimer-Krankheit oft recht schwierig. Demenz und Depression können gleichzeitig auftreten. Depressionen bei demenzkranken Menschen sind nicht so leicht zu diagnostizieren, weil die Betroffenen oft nicht mehr in der Lage sind, ihre affektive Befindlichkeit mit Worten auszudrücken. Es gibt aber auch die sog. depressive Pseudodemenz, d.h. Leistungsstörungen bei Depressiven.
Es gibt aber doch klare Unterscheidungen:

Lesen Sie darüber ausführlich hier: www.dr-walser.ch/alzheimer-depression.htm !

Ist Alzheimer eine „lohnende“ Diagnose, also eine „Erfindung“ zugunsten der Pharmaindustrie?!

Cornelia Stolze sichtet in ihrem lesenswerten Buch „Vergiss Alzheimer! Die Wahrheit über eine Krankheit, die keine ist.“ (Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2011) umfassend die wissenschaftliche Literatur und führt etliche Interviews mit den Autoren. Ihr Urteil: „Der M.Alzheimer ist ein Konstrukt. Ein nützliches Etikett, mit dem sich wirkungsvoll Forschungsmittel mobilisieren, Karrieren beschleunigen, Gesunde zu Kranken erklären und riesige Märkte für Medikamente und diagnostische Verfahren schaffen lassen.“ Was man sicher bedenken muss: Es geht hier um viel, sehr viel Geld – weltweit um Milliarden!
In meinen Augen: „Exotisch“ – und gleich extrem schwarzmalerisch in die andere Richtung. Fundamentalistische Schwarz-Weissmalerei mit starrer Abgrenzung in jeglicher Form lehne ich kategorisch ab!

Überlebenszeit nach der Diagnosestellung M.Alzheimer:

Von 23’000 über 60jährigen Alzheimer-Patienten wurde 521 mit neu diagnostiziertem Alzheimer (in den Jahren 1987 bis 96) verfolgt. Das Überleben betrug im Mittel für Männer 4,2 und für Frauen 5,7 Jahre. Prädiktoren der Mortalität sind schlechte Kognition, signifikante funktionelle, vor allem frontale Ausfälle, Gangstörungen, Stürze und bedeutsame komorbide Erkrankungen (Diabetes, Herzinsuffizienz).
Achtung: Es geht um das Überleben nach Diagnosestellung, nicht um das Gesamtüberleben! (Larson EB, et al. Survival after initial diagnosis of Alzheimer disease. Ann Intern Med 2004;140:501-9).

Hier noch ein paar externe Links:

  • http://forum.demenzforum.ch
    Die Berichte informieren und berühren zugleich: Betroffene Menschen schreiben über ihren Umgang mit der schleichenden Vergesslichkeit, Angehörige tauschen sich rege aus. Die Seite ist informativ und wird rege benutzt.
  • www.sonnweid.ch > Demenz-Info
    Das Krankenheim Sonnweid in Wetzikon ZH hat sich auf die Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz spezialisiert. Auf der Site findet man auch Überraschendes zum Thema – etwa über den idealen Lebensraum oder die Kreativität dementer Menschen.
  • www.alz.ch > Demenzkrankheiten
    An wen soll man sich bei Verdacht auf Demenz melden? Wie stellt der Arzt die Diagnose? Wie geht es danach weiter? Infos, Hintergründe und Neues aus der Forschung.