Test

Die American Psychological Association hat analog zur Definition der krankhaften Spielsucht nach DSM-IV folgende 10 Kriterien für eine Beurteilung kreiert:

  1. Das Internet beschäftigt mich; ich denke daran, auch wenn ich offline bin.
  2. Ich brauche immer mehr Zeit im Internet, um zufrieden zu sein.
  3. Ich bin unfähig, meinen Internet-Gebrauch zu kontrollieren.
  4. Ich werde unruhig und reizbar, wenn ich versuche, meinen Internet-Konsum einzuschränken oder darauf zu verzichten.
  5. Das Internet ist für mich ein Weg, um vor Problemen zu fliehen oder schlechtes Befinden (Hilflosigkeits- oder Schuldgefühle, Angst, Depression) zu bessern.
  6. Ich lüge meiner Familie oder Freunden gegenüber, um das Ausmass meiner Beschäftigung mit dem Internet zu verbergen.
  7. Ich habe schon Arbeit, Ausbildungs- oder Karrieremöglichkeiten oder zwischenmenschliche Beziehungen wegen des Internets in Gefahr gebracht.
  8. Ich gehe ins Netz zurück, auch wenn ich exzessive Beträge für Gebühren zahlen musste.
  9. Ich bekomme im Offline-Zustand Entzugserscheinungen.
  10. Ich bleibe immer wieder länger Online, als ich mir vorgenommen habe.

Positive Antworten für mindestens vier der Kriterien sollen auf Internet-Sucht schliessen lassen.

 

 

Fünf Bereiche mit hohem Suchtpotenzial im Internet

  • Internetpornographie
  • Chat
  • Onlinespiele (z.B. "World of Warcraft")
  • Internetgambling (Online-Glücksspiele wie z.B. Poker)
  • mobile Devices (multimediafähige, schnurlose Internetzugänge)

 

 

Nabelschnur oder positiv?

These:
Internet- und speziell Chat-Süchtige können nicht allein sein (vergleichbar mit dem steten Verbundensein durchs Handy als "Nabelschnur zum Mami"), befinden sich noch im Stadium des Kleinkindes, das stets in Blickkontakt mit der Mutter sein muss. Man könnte es als narzisstische "Störung" bezeichnen (unter der man eventuell auch leiden kann).

Oder positiv:
Neue Studien belegen, dass Teenager sozial und intellektuell von digitalen Medien profitieren (P.Valkenburg, J.Peter: Social consequences of the internet for adolescents. Current Directions in Psychological Science, 18/1, 2009, 1-5). Wie lassen sich die widersprechenden Resultate zu mehreren Studien aus den 1990er Jahren erklären, die noch bei intensiver Internetnutzung (wir sprechen hier von täglich vier Stunden) negative Auswirkungen auf die Sozialbeziehungen von Jugendlichen fanden?
Die Cyberwelt von heute, argumentieren Valkenburgh und Peter, sei nicht mehr mit der Situation in den 1990er Jahren zu vergleichen. Früher war digitales Surfen ein Minderheitenphänomen; jugendliche Internetnutzer gehörten zu einer kleinen, isolierten Gruppe und kommunizierten online vornehmlich mit Fremden. Heute dagegen werden Instant Messaging und soziale Netzwerke (sprich: Facebook, MySpace...) von der überwiegenden Mehrzahl der Jugendlichen genutzt, wobei der Austausch vor allem zwischen Freunden stattfindet. Weil es vielen Jugendlichen, insbesondere Jungen, leichter fällt, Gefühle, Unsicherheiten und Träume online zu offenbaren, hilft ihnen das Internet, Freundschaften zu vertiefen und befriedigender zu gestalten.

Eine zweite grosse US-Studie (M.Ito et al: Living and learning with new media., MacArthur Foundation Report, MIT Press 2009) kamen zum positiven Fazit: Jugendliche eigene sich in der Cyberwelt wichtige soziale, technische und intellektuelle Fähigkeiten an. Die jungen Leute seien meist sehr motiviert, per Onlinekontakt von ihren Peers zu lernen. Sie schätzen die selbstgesteuerte Informationssuche, die sich fundamental vom typischen Schullernen unterscheide. Manche stiegen dank Internet tief in Interessengebiete wie Astronomie, kreatives Schreiben oder exotische Sprachen ein.

Die Forscher warnen aber auch, dass die enthemmende Wirkung des Internets negative Folgen in Form von Onlinebeleidigungen oder Cyberbullying haben kann. Die Studien weisen auch auf Schwierigkeiten hin, die eigenen Onlineidentität in Form von Profilen, Fotos, Filmen und Nachrichten zu kontrollieren.

 

 

Therapieansätze

  1. "Pornos sind ein akzeptabler Bestandteil der Sexualität!"
    Zwei Drittel der Sexsüchtigen sind psychisch gesund!
    Die Risiken liegen im suchtartigen Konsum, in der Vermeidung realer Kontakte, Flucht in virtuelle Welten, Belastungen in der Partnerschaft und die hohe Anfälligkeit des Netzes für den Missbrauch.
    Chancen sind die niedrige Zugangsschwelle, die Mannigfaltigkeit des Angebots (Bilder, Filme, Texte, Messages, Chats), ständig neues Material, interaktive Kommunikation, Raum zum Experimentieren, erleichterte sexuelle Kontakte für Behinderte und der Abbau von Vorurteilen und Stereotypen.
  2. Sich die Sucht eingestehen (Verlust der Kontrolle über das eigene Sexleben, Auszehrung der Kräfte, wenn man stunden- und nächtelang vor dem PC sitzt, ständiges Suchen nach dem nächsten Kick, die Steigerung und Aufrechterhaltung der Lust, das häufige Masturbieren bis zur Schmerzgrenze und weit darüber hinaus. Die Schwierigkeiten, ein normales Sexleben mit der Partnerin zu führen. Auch Einschränkungen bei der Arbeit oder gar der Verlust des Arbeitsplatzes durch die Sexsucht. Dazu kommt die gesellschaftliche Stigmatisierung. In einer Zeit, wo Pornografie Mainstream ist, ist einer, der als Süchtiger darunter leidet, ein Störenfried!
  3. Realisieren, dass das eigene Verhalten zum sexuellen Missbrauch beitragen kann (Frauen und Kinder)!
  4. Internetfilter
  5. Transparenz gegenüber Vertrauensperson (Partner)
  6. Kontrollmöglichkeit einer Vertrauensperson
  7. Computer in einen offenen Raum stellen
  8. Zeitweilige totale Internetabstinenz
  9. Selbsthilfegruppen (die einen Ausstieg begleiten):
    www.sexhelp.com
    www.onlinesucht.de
    www.nacktetatsachen.at
  10. Konstruktiven Umgang mit Sexinhalten im Internet lernen: Schon prophylaktisch (vor allem bei Jugendlichen) Medienkompetenz und andererseits auch Sexbildung lehren. Jugendliche, die über das Internet Pornografie konsumieren, sind nicht sexuell verwahrlost, sondern sexuell verunsichert. Sie brauchen "Pornokompetenz", um nicht von der Pornowelle im Internet überrollt zu werden. Zur Pornokompetenz zählt Wissen über Pornografie und vor allem auch Kritikfähigkeit, um mit den Gefahren der Pornografie umgehen zu können. Jugendliche sollen erkennen, wann Pornos illegal sind. Und wenn sie sich dafür interessieren, sollen sie auch wissen, wo im Netz sie legale Pornografie finden.

 

 

besser Sehen durch Gamen

Und noch was Positives: Action-Videospiele verbessern das Sehvermögen. Die Augen erfahrener Spieler reagieren empfindlicher auf feine Kontraste als die von Nicht-Spielern, wie US-Forscher beobachtet haben. Mit Hilfe von Actionspielen lasse sich die Kontrastempfindlichkeit des Auges trainieren, schreiben die Wissenschaftler um Daphne Bavelier von der University of Rochester.
Bereits 2007 und 2003 hatten die Wissenschaftler ähnliche Studien vorgestellt, in der sie eine Verbesserung der Sehschärfe und der visuellen Aufmerksamkeit bei Computerspielern zeigten. (Li, R. et al.: Enhancing the contrast sensitivity function through action video game training. In: Nature Neuroscience 10.1038/nn.2296, 2009.)

 

 

Internetsucht ein Mythos?!

Howard Rheingold, langjähriges Mitglied des wohl bekanntesten Internet-Forums, "The Well" hält die Internet-Sucht für einen Mythos: "The Addiction Addiction"!

 

 

Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, CH-8004 Zürich
Last updated 10.07.2010


Die Auskünfte in dieser Homepage erfolgen unverbindlich und ohne rechtliche Konsequenzen zu meinem Nachteil. Eine konkrete Beurteilung ist lediglich in Kenntnis des Einzelbestandes möglich (siehe auch Disclaimer).