Jede/-r zwanzigste Schweizer leidet an einem Wirbelgleiten eines Lendenwirbels (Spondylolisthesis), da bei ihnen angeboren der Wirbelbogen an dieser Stelle nicht voll ausgebildet ist (=Spondylolyse. Achtung: Die "Spondylosis" ist etwas ganz anderes, nämlich die degenerative, d.h. abnützungsbedingte Erkrankung der Wirbelkörper.).
Die Diagnose Spondylolyse oder Spondylolisthesis wird oft zufällig bei völlig beschwerdefreien Kindern im Röntgenbild gestellt. Beträgt die Verschiebung weniger als 50%, so sollte man es dem Kind ermöglichen, ein völlig normales Leben zu führen. Auf alle Fälle sollte man vermeiden, es zu einem "Rückenkrüppel" zu stempeln. Eine Befreiung vom Turnunterricht wird nur in seltenen Fällen notwendig sein. Nur von etwas sollte man den Kindern abraten: von Leistungssport, Kunstturnen, Turmspringen, Delphin-Schwimmen und Speerwerfen, also Sportarten, bei denen es zu einer maximalen Lordosierung der Wirbelsäule (Hohlkreuzbildung) kommt. Da es aber selbst bei beschwerdefreien Kindern im Laufe des Wachstums zu einer Zunahme des Gleitvorgangs kommen kann, sollten jährliche, später zweijährliche Kontrollen veranlasst werden. Anders ist es, wenn ein Kind wegen tiefer Kreuzschmerzen, die erst kürzlich begonnen haben oder als Folge von Traumen aufgetreten sind, zum Arzt kommt. 

Sport bei Kindern und Jugendlichen geht mit einem inhärenten Verletzungsrisiko einher, wobei auch Schäden durch Überbeanspruchung mit eingeschlossen sind. Die Spondylolyse ist dann eine Stressfraktur der Pars interarticularis der Wirbelkörper. Als Folgeerkrankung einer Spondylolyse kann eine Spondylolisthese auftreten, welche mittels Röntgen nachgewiesen werden kann. (Kyle J. Cassas M.D. et Amelia Cassettari-Wayhs M.D. Am Fam Physician 2006 ; 73 :1014-22).
Da muss sofort eine Ruhigstellung des Lenden-Kreuzbein-Übergangs eingeleitet werden (Korsett, Training von Rücken- und Bauchmuskeln). Erst wenn dies keine Schmerzbefreiung bewirkt, darf an eine operative Therapie gedacht werden. Eine Operationsindikation ist auch dann gegeben, wenn neurologische Ausfälle bestehen, der Gleitprozess zunimmt und die Verschiebung mehr als 50% beträgt. Zusammengefasst kann man sagen, dass es im Erwachsenenalter therapeutischer Unfug ist, selbst hochgradige, aber stabilisierte, schmerz- und symptomfreie Fälle von Spondylolisthesis mit irgendeiner Behandlungsmassnahme zu belästigen. Nur dann, wenn einwandfrei feststeht, dass die Beschwerden mit dem Wirbelgleiten im Zusammenhang stehen, sollte eine Therapie in Erwägung gezogen werden. Mit physiotherapeutischen Techniken muss vor allem die segmentale Muskulatur gekräftigt werden. Umstritten ist die Frage, ob ein Lendenstützmieder angelegt werden sollte, da ja dieses ein Muskelschwund begünstigt. Allerdings ist auch die Ansicht gerechtfertigt, dass durch eine Schmerzminderung im Lendenmieder die körperliche Aktivität gefördert wird, wodurch doch wieder eine Muskelkräftigung eintritt. Nur 10% zeigen überhaupt Schmerzen und werden behandlungsbedürftig. Von diesen wenigen Fällen können 60-90% konservativ erfolgreich behandelt werden. Es muss alles vermieden werden, dass der Patient nach der Diagnose alle seine Beschwerden auf das Wirbelgleiten zurückführt.

 

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last updated 23.11.2009

 

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