Ursachen bei über 65jährigen

Bei älteren Menschen über 65jährig hat Schwindel:

- in 60 % mehr als eine Ursache.

- in 60% eine Ursache in Herz- und Kreislaufkrankheiten.

- in 25% die Ursache als Nebenwirkung eines Medikaments.

- nur in 15% aus dem Innenohr.

- 10% eine psychiatrische Ursache (Ängste, Depression, ...).

(Annals of Family Medicine 8(3):196-205, May/June 2010 © 2010 Annals of Family Medicine, Inc
Causes of Persistent Dizziness in Elderly Patients in Primary Care. Otto R. Maarsingh, Jacquelien Dros, François G. Schellevis, et al.)

 

Einteilung nach Erscheinung des Schwindels

"Schwindel" ist eine unangenehme Verzerrung unserer Raum- und Bewegungswahrnehmung mit Gleichgewichtsstörungen und keine Krankheitseinheit, sondern ein Syndrom unterschiedlichster Ursache. Vereinfachend könnte man 4 grosse Gruppen von "Schwindel" unterscheiden:

  • Drehschwindelattacken, über Sekunden oder Minuten mit Nystagmus (d.h. unwillkürlichen Augenbewegungen in der Horizontalen) und gerichteter Fallneigung, evtl. Übelkeit.
    Ursachen: gutartiger familiärer Attackenschwindel, Basilarismigräne, Anomalie der Halsarterien, Vestibularisparoxysmie (Arterie, die auf den VII. Hirnnerv drückt), vestibuläre Epilepsie, Morbus Meniere, etc..
  • anhaltender Drehschwindel über Stunden oder Tage mit Nystagmus, Fallneigung und häufig Übelkeit, Erbrechen.
    Ursachen: M.Meniere, akute Innnenohrläsion, Entzündung des Vestibularisnervs, Kleinhirntumor, Hirnstammläsion, etc..
  • Kopflage- oder Lagerungsschwindel, meist mit Nystagmus, z.T. mit Übelkeit.
    Ursachen: gutartiger überfallartiger Lagerungsschwindel, Alkohollageschwindel, Gifte (auch Medikamente), Durchblutungsstörungen, Vestibularisnervkern- oder Kleinhirn-Schädigungen, etc.. - auch die Vestibularisparoxysmie kann durch Liegen auf einer Seite beendet oder ausgelöst werden (Arterie, die auf den VIII. Hirnnerven drückt) - hier sind kurze Schwindelattacken, die in schweren Fällen bis zu 30 Mal pro Tag auftreten, typisch. Oft kommt es auf der betroffenen Seite auch zu Ohrgeräuschen.
  • Benommenheitsschwindel und Schwankschwindel mit Stand- und Gangunsicherheit mit oder ohne Nystagmus, meist ohne Übelkeit.
    Ursachen: -Fallneigung vorwärts/rückwärts: Alkoholveränderung des Kleinhirns, etc..
    -Fallneigung seitlich: Wallenberg-Syndrom, Epilepsieform, Innenohrsteinchen, etc..
    -Fallneigung ungerichtet: Herz-Kreislauf-Ohnmacht, chron. Innenohrdefekt, Polyneuropathie, Vergiftungen, vererbte Ataxie, Höhenschwindel, Sehstörungen, Phobien, Hysterie, Psychose, Depression, etc..

 

Ängste/ Depression

Am häufigsten verkannt wird die Entwicklung eines phobischen Schwankschwindels, d.h. eines Schwindels, der durch Ängste entstehen kann.

 

 

gutartiger Lageschwindel

Die häufigste Schwindelform bei unter 65jährigen ist der sog. "benigne paroxysmale Lagerungsschwindel" (gutartiger anfallsartiger L.S.) mit typischem, durch Kopfseitlagerung auf das betroffene Ohr oder Rückwärtsbewegung des Kopfes auslösbare Drehschwindel, der maximal eine Minute dauert. Die Ursache ist meist ein schwimmendes Steinchen im Innenohr, welches das Gleichgewichtsorgan dort verwirrt und das durch eine Manöver des Arztes wieder an die richtige Stelle zurückgebracht werden kann.

 

 

Wie häufig verbirgt sich hinter Schwindel ein Hirnschlag?

Dazu gibt es grosse Studien, die Leute mit verschiedenen Schwindelarten (Schwankschwindel, Drehschwindel, Gleichgewichtsstörungen als Hauptsymptom) auf Notfallstaionen genau neurologisch abgeklärt haben - v.a. eben auf ursächlichen Hirnschlag oder TIA (vorübergehende Durchblutungsstörung des Hirns). Nur 3% erfüllten dabei die Diagnose eines Hirnschlags oder einer TIA. Falls der Schwindel als einziges Symptom auftrat, waren es sogar nur noch 0,7% Hirnschlag/TIA. Dabei ist bemerkenswert, dass Notfallpatienten, die ihre Schwindelbeschwerden als "Gleichgewichtsstörung" näher beschreiben konnten, ein fast viermal höheres Risiko eines Hirnschlags aufwiesen als solche, die allein von Schwank- oder Drehschwindel sprachen.

Die Ergebnisse dieser Studien bestätigt, dass isolierte Schwindelbeschwerden nicht als Hirnschlagsymptome anzusehen sind.

(Kerber KA, et al.: Stroke Among Patients with Dizziness, Vertigo and Imbalnce in teh Emergency Departement. Stroke 2006)

 

 

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Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich kein "Spezialist" für obiges Thema bin. Es interessiert mich aber im bescheidenen Rahmen meiner hausärztlichen Tätigkeit. Melden Sie sich nicht in der falschen Hoffnung in meiner Sprechstunde an, um Patentrezepte zu erhalten.

Last updated 06.08.2010


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