|
|
Schlafapnoe-Syndrom (OSAS, obstruktives SAS)Regelmässiges Schnarchen, das zudem mit einer Tagesmüdigkeit (Einschlafen tagsüber
bei monotonen Tätigkeiten, v.a. vor dem TV, am gefährlichsten aber während des
Autofahrens!) einhergeht, kann ein medizinisches Problem werden, da solche Menschen
dadurch im Alltag gefährdet sind (Autounfall!) und auch an hohem Blutdruck
und Herzkrankheiten leiden. Testen Sie anhand eines Fragebogens ob Ihre Tagesschläfrigkeit bereits ein Schlafapnoe-Syndrom sein könnte >>> hier. Primär sollte abendlicher Alkoholgenuss, das Rauchen, Übergewicht, Schlafmittelkonsum und die Rückenlage während des Schlafs vermieden werden. Das letztere ev. durch Einnähen eines kleinen Styroporstücks oder eines Tennisballs in die Rückenpartie des Pyjamas. Bei schwergewichtigen Patienten (BMI 30 bis 40 kg/m²) wirkt gemäss einer grossen Studie 20 kg Gewichtsabnahme ausheilend (K.Johansson et al., BMJ 2009;339:1365).
ursächliche ÖdemeIm Liegen gelangt auch Körperflüssigkeit von den Beinen in den Hals. Stehen wir, werden unsere Beine dicker. Legen wir uns hin, gelangen Blut und Lymphe in den Oberkörper zurück. Falls dieser Prozess verstärkt auftritt, sickert die Flüssigkeit in Gewebe und Schleimhäute rings um die Luftröhre und verengt diese, die Weichteile des Rachens vibrieren dadurch, das Schnarchgeräusch entsteht. Im Extremfall verschliessen sie sich beim Einatmen wie ein schlapper Fahrradschlauch (Apnoe). Forscher der Universität Toronto vermuten, dass nur ein Drittel der Schlafapnoe-Kranken durch Übergewicht entstehen, jedoch der Hauptteil aus Ödemen in den Beinen (z.B. bei Herz- und Nierenschwäche). Eine Entwässerung des Körpers könnte also auch gegen das OSAS (Obstruktives Schlafapnoesyndrom - oder OSA) helfen (American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, 174; 1378-83). Bei einer weiteren Studie wurden durch Tragen von Stützstrümpfen tagsüber, die die Wasseransammlung in den Beinen verhinderte, die Atemaussetzer bereits nach einer Woche um 36 Prozent reduziert.
Mitursache RefluxkrankheitEs muss immer auch als Mitursache eine sog. Refluxkrankheit ausgeschlossen werden. Ein Rückfluss von Magensaft in die untere Speiseröhre (v.a. im nächtlichen Liegen) ist bei über 60% von Asthmatikern bekannt, macht auch chronischen Husten und kann ein Schlafapnoesyndrom verursachen. Ein Reflux ist relativ einfach zu behandeln! Ein Reflux zeigt sich häufig mit zeitweisem sauren Aufstossen oder "übersäuertem" Magen.(Bortolotti M et al: Obstructive sleep apnea is improved by a prolonged treatment of gastro-oesophageal reflux with omeprazole. Dig Liver Dis 2006;38:78-81).
DiagnoseBei Vorliegen obiger Symptome eines Schlafapnoe-Syndroms kann die Untersuchung mit sog. Nicht-Labor-Monitoring-Systemen (NLMS) erfolgen. Dabei wird durch Aufzeichnung von Atemströmung (nasaler Flow), Atemgeräuschen, Sauerstoffsättigung im Blut mittels Pulsoxymeter, Herzfrequenz, Atembewegung des Brustkorbes und des Abdomens sowie Körperlage (cardiorespiratorische Polygraphie) während des Schlafes zu Hause beim Patienten die Diagnose gestellt. Es sind verschiedene, kompakte Geräte hierfür verfügbar und kann Ihnen durch Ihren HNO-Arzt mitgegeben werden. Bei Vorliegen von pathologischen Werten in dieser Heimmessung und insbesondere vor ev. operativen Eingriffen sollte eine genaue Untersuchung der Schnarchursachen und der Grad der Gefährlichkeit in einem Schlaflabor (Polysomnografie) abgeklärt werden. Dies wird heute in vielen Spitälern routinemässig durchgeführt.
CPAP-TherapieNach wie vor ist die nächtliche nasale CPAP-Therapie (Continuous Positive Airways Pressure), eine Beatmung über die ganze Nacht mit etwas Überdruck, der Gold-Standard. Die CPAP-Therapie kommt für wahrscheinlich etwa 85-90% der behandlungsbedürftigen obstruktiven Schlafapnoiker in Frage. Es gibt allerdings auch eine neue Therapiealternative: die Kieferspange oder Kieferorthese (Oral appliance). Für leichtere Fälle reicht diese einfache "Antischnarch"-Methode. Der Vorschub des Unterkiefers um wenige Millimeter erweitert bereits den Hypopharynx so stark, dass wieder eine normale Atmung möglich ist. Es sind in der letzten Zeit mehrere einfach anpassbare Geräte (zwischen 100 und 300 Franken Materialkosten) auf den Markt gekommen. Diese eignen sich vorzüglich, um die Akzeptanz während einiger Zeit zu prüfen. Später empfiehlt es sich, eine definitive Orthese durch ein zahntechnisches Labor als Dauerlösung anfertigen zu lassen. Ein intaktes Gebiss, eine genügender Vorbiss und keine Kiefergelenksprobleme sind Voraussetzung.
Operationen?Manchmal wird eine schräge Nasenscheidewand als Ursache des Schnarchens angenommen und
auch schnell vorgeschlagen, diese zu operieren. Wie gross der Anteil dieser Wand am
Schnarchen wirklich ist, bleibt aber ein Geheimnis. Der Erfolg einer solchen Operation ist
also sehr unklar. Vielleicht schlägt der HNO-Arzt sogar eine
"Uvulapalatopharyngo-plastik" vor, eine Ausschneidung des Gaumensegels, der
Mandeln und Rachenweichteile. Die Erfolgsrate dieser weitgehenden Operation beträgt aber
selbst an routinierten Zentren knapp 50 Prozent und zwar wegen der Tatsache, dass sich bei
vielen Patienten die Kollapszone während des Schnarchens bis tief in die Luftröhre
erstreckt, welche bei diesem Eingriff natürlich nicht erfasst wird.
AtemtrainingEine neue nebenwirkungslose Methode gegen das Schnarchen hat Werner Bauer, Lungenspezialist am Berner Lindenhofspital, vor zwei Jahren gefunden: Das Training der Atemmuskeln mit einem speziellen Apparat. Urs Boutellier, Professor für Sportphysiologie an der ETH Zürich, hat das Gerät für das Atemtraining von Sportlern entwickelt. Dass es auch Schnarchern hilft, hat eine Studie ergeben: Zwanzig Testpersonen atmeten mit dem Apparat täglich eine halbe Stunde lang rhythmisch und stark. So lassen sich diejenigen Muskeln trainieren, die bei Schnarchern im Schlaf zu stark erschlaffen. Geholfen hat das Training allen, die an der Studie teilgenommen haben. Solange die Atmung trainiert wird, schnarcht man nicht. Ist man einmal aber etwas nachlässig, schnarcht man erneut. Diese Methode hat einen weiteren Vorteil: Dank der gestärkten Atmungsmuskeln hat man auch mehr Luft beim Sport und im Alltag. Einziger Nachteil: Das Gerät ist noch nicht für alle Betroffenen verfügbar. «Wir müssen noch weitere Studien machen», erklärt Werner Bauer. Kritiker befürchten nämlich, dass das Training die Muskeln nicht nur stärkt, sondern auch wachsen lässt. Die Folge: Das Muskelpaket verengt den Rachen und das Atmen wird noch schwerer. Das konnte Bauer in seiner Studie allerdings nicht feststellen. Wichtig sei, dass die Patienten sich regelmässig kontrollieren und untersuchen lassen. Wer Interesse am Atemtraining hat, kann sich bei Werner Bauer, dem ärztlichen Leiter der Lungenabteilung am Lindenhofspital Bern, melden (Tel. 031 300 88 90).
Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, CH-8004 Zürich
Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich kein "Spezialist" für obiges Thema bin. Es interessiert mich aber im bescheidenen Rahmen meiner hausärztlichen Tätigkeit. Melden Sie sich nicht in der falschen Hoffnung in meiner Sprechstunde an, um Patentrezepte zu erhalten.
Last updated 07.08.2011
Die Auskünfte in dieser Homepage erfolgen unverbindlich und ohne rechtliche Konsequenzen zu meinem Nachteil. Eine konkrete Beurteilung ist lediglich in Kenntnis des Einzelbestandes möglich (siehe auch Disclaimer). |
|