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"Ich leide unter enormer Reisekrankheit in Auto, Bus und Seekrankheit im Schiff.
Kann ich prophylaktisch etwas dagegen tun - ohne gleich Medikamente schlucken zu
müssen?"
Um die Prophylaxe zu verstehen, muss ich wissen, wie die Reisekrankheit entsteht:
Vereinfacht sorgen zwei sensorische Systeme mit ihrem hochkomplexen Zusammenspiel im Hirn
dafür, dass wir uns sicher und schwindelfrei in einem Raum bewegen können; das eine ist
das visuelle System, die Orientierung via Augen, das andere das vestibuläre, das im
Innenohr sitzt. Zum visuellen System: Wenn wir etwa den Flug einer Biene im Wald
mitverfolgen, dann muss sich die Netzhaut ständig neu orientieren und der Wald scheint
sich vor unseren Augen zu bewegen. Aber wir wissen, dass wir fest und sicher auf dem Boden
stehen; dies dank des Zusammenspiels mit dem vestibulären System, das uns immer anzeigt,
wo wir sind. Sogar wenn wir mit geschlossenen Augen eine wilde Kopfbewegung machen, wissen
wir noch genau, wo wir uns befinden und wie etwa die Gegenstände um uns herum platziert
sind.
Die beiden Systeme reagieren auf unterschiedliche Dynamiken: Das visuelle arbeitet vor
allem bei langsamen Bewegungen gut, das vestibuläre wird eher bei ganz schnellen
Bewegungensänderungen angeregt. So kann es passieren, dass - etwa bei ruhigem Seegang -
das Vestibulärsystem träge wird, nicht mehr auf die langsamen Wellenbewegungen reagiert
und meldet, ich und meine Umgebung befänden sich in Ruhestellung. Das visuelle System
hingegen sieht ganz klar, dass sich der Horizont bewegt. Diese schlechte Korrespondenz der
beiden Systeme ist dann die Ursache meiner Seekrankheit.
- Die Folgerung daraus ist: Sich ausgiebig bewegen. Im Bus, Zug oder Schiff immer wieder mal
den Kopf schütteln, herumspringen. Auf einer Passfahrt etwa kommunizieren die beiden
Systeme dann am besten, wenn man sich mit in die Kurven legt.
- Im Zug, Bus oder Auto
empfiehlt es sich, aus dem Fenster zu schauen. Geeignete Sitzplätze sind diejenigen, auf
denen die Bewegungen des Fahrzeugs - sein Rütteln etwa gut spürbar sind.
- Auf einem Schiff sollten Sie an Deck bleiben. Am besten stehen Sie in der
Mitte des Schiffs in Fahrtrichtung und behalten den Horizont im Auge.
- Betrachten Sie im Neigezug nicht die vorbeiflitzende Landschaft, sondern
einen ruhigen Punkt in der Ferne. Sitzen Sie hier ebenfalls in
Fahrtrichtung. Dies gilt auch für Fahrten im Auto oder Bus.
- Auf einem Schiff hilft die Atemtechnik, auf dem Wellenberg einatmen und im
Wellental ausatmen.
- Jede Stunde ein Scheibchen frischen Ingwer kauen, kann auch prophylaktisch
helfen.
- Daneben sollte man gut ausgeschlafen reisen und auf Alkohol, Kaffee und Rauchen
verzichten.
- Eine andere These besagt, dass das Hirn im Stress (der Seekrankheit) Histamin
freisetzt. 2 Gramm Vitamin C täglich senkt diesen Histamin-Spiegel wieder und
damit verschwindet die Übelkeit. Und: Möglichst viel schlafen - da im Schlaf
auch der Histaminspiegel im Blut stark sinkt (gegen Null).
- Deshalb hilft auch histaminarmes Essen am Vortag und während der Reise,
d.h. vor allem Wurstwaren, Käse, geräucherten Fisch, Wein und Sekt meiden.
Falls auch dies nichts nützt, bleibt weiterhin die Faustregel alter
Seebären in Kraft: "Am besten hilft Vorbeugen - und zwar über die Reling!
Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, CH-8004 Zürich
Last updated 24.06.2010
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