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Ursache
Pruritus ani (Jucken im Anus) kann viele Ursachen haben:
- Die häufigste ist eine
unzureichende oder zu intensive Hygiene. Man findet kleine Stuhlreste zwischen den
Analfalten, die entzündliche, stark juckende Reaktionen auslösen. Das Problem ist also
meist nicht ein zu harter, sondern ein zu weicher Stuhl! Vielleicht helfen 3 Teelöffel
getrocknete, pulverisierte Heidelbeeren täglich um Haufen in Würste zu verwandeln. Die
Analregion sollte auch nach jedem Stuhlgang mit kaltem Wasser ohne Seife gewaschen
(mittels Brause über Badewannenrand sitzend) und gut abgetrocknet, ev. kalt gefönt
werden (kein Toilettenpapier und kein Reiben - nur Abtupfen mit weichem Kleenex).
Keine Feuchttüchlein zur Analhygiene verwenden (Allergiegefahr und
Züchtung von resistenten Keimen durch Desinfektion)! Ein Trick ist auch
(wem das Abduschen zu kompliziert ist): viel Speichel aufs
Toilettenpapier!
- Die Haare im Analbereich eher schneiden als zu oft rasieren.
- Zu denken ist auch an eine Feuchtigkeitsansammlung in dieser Gegend durch innere
Hämorrhoiden oder durch übermässiges Schwitzen, welche die Haut in dieser Faltenregion
richtiggehend aufweichen kann.
- Die nicht selten jahrelange Verwendung von Zäpfchen, Salben, etc. um den Anus führt
sehr häufig zusätzlich zu Kontaktekzemen. Es gibt sogar Ekzeme durch das WC-Papier (v.a.
Recyclingpapier!). Man sollte auch das Shampoo aus den Haaren mit
vorgeneigtem Kopf nach vorne abspülen (und nicht nach hinten und durch
die Analfalte)!
- Eine Infektion mit Hefepilzen ist eher selten. Mit dem Nachweis von
ein paar Hefen hat man die Juckreizursache noch lange nicht erklärt.
- Eine Schuppenflechte (Psoriasis) wird in diesem Gebiet vielfach für ein Analekzem
gehalten. Typisch sind scharf begrenzte, rautenförmig, hochrote Erscheinung mit einem
Risschen in der Mittelfalte.
- Es gilt auch, andere Hautkrankheiten auszuschliessen: Lichen sclerosus
et atrophicans, Lichen planus, atopische Dermatitis, Kontaktekzem,
Urticaria factitia, Vulvitis plasmacellularis.
- Auszuschliessen sind die Oxyuren, kleine weisse Würmchen im Enddarm, die in den
frühen Morgenstunden ihre Eier im Anus ablegen und dabei ein juckendes Erwachen
bescheren (mit Analklebeband findet der Hausarzt unter dem Mikroskop die
Wurmeier).
- Starke Schmerzen während und nach dem Stuhlen weisen auf ein Analrisschen (Fissur) hin.
- Analjuckreiz kann ein Symptom der Laktoseintoleranz
sein. Um den Verdacht zu verifizieren, sollte man 6 Wochen lang eine
laktosefreie Diät einhalten. Dies sollte dann den Juckreiz bessern.
- Nur ein Juckreiz, bei dem alle organischen Ursachen ausgeschlossen sind, kann als
psychisch angesehen werden. Betroffen hiervon sind vorwiegend Männer in leitender
Position, die unter ständigem Leistungsdruck stehen. Der Pruritus ani kann aber auch
Ausdruck einer Depression oder einer Phobie sein.
- Manchmal sind es auch sehr einfache Ursachen, die individuell bei
jedem gefunden werden müssen: Bereits ein paar meiner PatientInnen
mussten nur beim Duschen das Shampoo aus den Haaren beim Abspülen nicht
hinten den Rücken runter und damit in die Analfurche laufen lassen,
sondern den Kopf dabei vorbiegen - der anale Juckreiz war weg. Also auch
allgemein: Möglichst keine Seifen, Duschmittel oder Shampoos an den
Anus!
Therapie
- Eine wichtige Massnahme bei Pruritus ani ist, wie oben beschrieben, die Analhygiene.
- Lockere Unterhosen aus
Baumwolle sind günstig (nicht schwarz, da schwarzer Farbstoff Ekzeme machen kann).
- Bewährt haben sich auch Umschläge mit dreiprozentigem Borwasser, die zweimal täglich
während zehn Minuten appliziert werden.
- Capsaicin-Salbe (0,006%) = Stoff aus Pfefferschote bringt
Erleichterung (J.Lysy et al., Gut 2003; 52: 1323-1326)
kann aber anfänglich ausgeprägt brennen!
- Kortisonhaltige Salben sollen - wenn überhaupt -
nur kurzfristig zur Anwendung kommen, da sie bei längerer Anwendung ein Dünnerwerden der
Haut und komplizierende Infektionen zur Folge haben können (bei Ekzem und Psoriasis 5-6 Tage lang, dann Zinkpaste).
- Reizstoffe in der Ernährung sind zu reduzieren (Alkohol, Koffein, Chili,
Zitrusfrüchte).
- Psychische Problematiken und auslösende Konflikte erkennen und angehen.
Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, CH-8004 Zürich
Last updated 09.12.2007
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