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Chronisches BeckenschmerzsyndromDie sog. "chronische Prostatitis" ist ein Sammeltopf für Beschwerden, die aus der Prostata selber oder deren Umgebung, z.B. dem Beckenboden kommt. 90% aller symptomatischen, chronischen "Prostatitisfälle" gehören zu diesem etwas unklaren Umgebungsschmerz. Man spricht dann von "Chronischem Beckenschmerzsyndrom" ("Chronic Pelvic Pain Syndrome" (CPPS)). Die typischen Symptome sind mindestens drei Monate dauernde Schmerzen im Damm (50%), allenfalls Hodensack und Hoden (40%), über Schambeinfuge/Blase (6%), Penis (6%), Lenden oder Lumbosakralgegend (2%). Die Schmerzen können auch während oder nach der Ejakulation auftreten. Es kann eine Potenzstörung bestehen. Häufig ist alles kombiniert mit Blasenfunktionsstörungen (Häufiges Wasserlösen, Harndrang, schlechter Harnstrahl, intiales Warten, mehrzeitiges Wasserlösen). Therapeutisch gibt man meist mehrmonatig Antibiotika, eventuell auch nur stossweise, jedoch oft ohne Erfolg, da eben die bakterielle Ursache sehr selten, resp. sehr umstritten ist.
Beckenbodenverspannung Mitbeteiligt ist meist
auch eine Beckenboden-Verspannung. Der Beckenboden ist eine ca. handtellergrosse,
horizontal gelegene Muskelplatte unter unseren Beckenorganen und enthält schlingenförmig
die Ringmuskeln des Afters und des Blasenausgangs. Spannung und Entspannung, Zurückhalten
und Loslassen ist demnach für diesen Muskel immens wichtig; Verspannungen also ebenfalls
ziemlich häufig. Besonders Männern ist dieser Teil unseres Körpers ziemlich fremd -
Frauen hingegen haben spätestens in einer Schwangerschaft viel Kontakt damit. Und bei
Männern liegt nun auch die Prostata direkt auf dem Beckenboden und wird durch
Entzündungen und Spannungen desselben arg gebeutelt. Entspannungsübungen für diesen Bereich sind auch sehr sinnvoll: Sitzen Sie so, dass der Beckenboden passiv zwischen den beiden Schambeinästen wie ein Trommelfell gespannt wird: Setzen Sie die Füsse etwas auseinander auf den Boden, parallel zueinander (d.h. Fussspitzen leicht gegen innen). So fallen die Knie nach innen - und so gehen die Sitzbeine und die Schambeinäste auseinander - das Becken bekommt unten und hinten mehr Platz, der Beckenboden wird passiv gespannt - das Becken ist eine entspannte Schüssel mit flachem Boden. Nehmen Sie das Gesäss nach hinten, so dass Sie vor Ihre Sitzbeinhöcker zum sitzen kommen. Man hat ein leichtes und lockeres Hohlkreuz (ev. kleines Kissen dort hinein), das Gewicht des ganzen Oberkörpers kann in das Becken abgegeben werden. Das Brustbein schwebt hoch und vorne (nicht hochziehen) und die Schultern hängen frei (und sind nicht nach hinten gezogen). Der Kopf sitzt locker und frei oben drauf. Diese Sitzhaltung können Sie so oft einnehmen, wie es geht. Sie sollte für einen Mann mit Prostatabeschwerden zur Normalhaltung werden. Spüren Sie nun nochmals, ob Sie den After-Schliessmuskel anspannen. Wenn ja, dann spannen Sie ihn noch ein wenig mehr an (ohne gleichzeitig die Bauchmuskeln zu spannen) und lassen ihn dann nach einer Sekunde wieder völlig los. Dies können Sie gleich als Übung fünfmal wiederholen: Kurz zusammenziehen und gleich wieder entspannt loslassen. Dann gleich anschliessend zusammenziehen und 5 Sekunden angespannt lassen und erst dann wieder loslassen. Und auch dies 5 mal wiederholen. Dies wiederholen Sie mehrmals am Tag, wann Sie gerade daran denken. Beim Wasserlösen unterbrechen Sie ebenfalls mehrmals den Strahl und ziehen die Peniswurzel etwas hinein (wieder ohne die Bauchmuskeln gleichzeitig zu spannen). Einen Schritt weiter können Sie gehen, indem Sie den Beckenboden im Bereich der Prostatagegend selbst massieren: Streichen Sie etwas Vaseline an ihren Zeigefinger und führen Sie diesen ca. 3- 5 cm in den After ein. Dann massieren Sie kräftig in Richtung des Bauches. Natürlich sollte dies keinen Schmerzen verursachen, sondern im Gegenteil angenehm sein.
muskuläre TriggerpunkteRezidivierender Prostataschmerz kann auch als begleitende Missempfindung aus sog. Triggerpunkten in anderen umliegenden Muskeln entstehen. Dabei wäre v.a. der M. Adduktor magnus abzuklären und zu therapieren (mittels myofaszialer Triggerpunkttherapie).
Ilio-Sacral-Gelenk-BlockadeWas Sie auch abklären müssten, falls Sie zusätzliche Rückenschmerzen ums Kreuzbein haben, ob nicht noch ursächlich eine sog. Ilio-Sacral-Gelenk-Block vorliegt, eine Blockade des Kreuzbein-Beckenschaufel-Gelenks rechts oder links, welche ebenfalls zu einer Verspannung des Beckenbodens führen kann. Dies diagnostizieren und gleichzeitig mit Manipulationen therapieren, könnte ein Chiropraktiker oder Arzt mit manueller Ausbildung. Die oben beschriebene Sitzhaltung gibt dem Kreuzbein viel mehr Raum zwischen den Beckenschaufeln und wirkt prophylaktisch enorm gegen ständig rezidivierende ISG-Blockaden.
Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, CH-8004 Zürich
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