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Jeden Sommer wieder tropfende Nase, tränende Augen, Niesattacken und Schüttelfrost.
Jeder achte Schweizerbürger erlebt auf diese Weise den Beginn der warmen Jahreszeit.
Obwohl so häufig ist diese überschiessende Reaktion des Immunsystems auf den Pollen
gewisser Pflanzen eine ernste Störung, die zu Asthma- und Ohnmachtsanfällen führen
kann.
Pollenallergiker produzieren bei beginnendem Pollenflug zuviel Histamin und, was die
Schleimhäute ihrer Atemwege reizt und anschwellen lässt, ein Reaktionsmuster, das
offenbar mütterlicherseits vererbt wird. Vorgereizte Schleimhäute (z.B. durch Ozon oder
sonstige Luftverschmutzungen) entzünden sich natürlich verstärkt. Deshalb - und weil
unser Immunsystem auch sonst viel mehr allergenen Stoffen ausgesetzt ist - nimmt in
neuester Zeit diese Volksseuche enorm zu und erscheint auch häufig erst im
Erwachsenenalter.
Auch wenn man gegen Veranlagung nur wenig machen und Heuschnupfen nicht vollständig
geheilt werden kann, lassen sich die Symptome mit verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten
lindern:
- Mit der Immuntherapie (De- oder Hyposensibilisierung), bei der Heuschnupfenkranke
schrittweise an höhere Dosen problematischer Stoffe gewöhnt werden, indem man über
einen Winter den Stoff in aufsteigender Konzentration unter die Haut spritzt
(und dann alle 4 Wochen in gleichbleibender maximaler Dosis über 3 oder
mehr Jahre lang). Die Resultate sind mit den
heutigen Austestungen und verfügbaren hochgereinigten Präparaten sehr ermutigend
(80 bis 90%ige
Befreiung von den Symptomen!) - wenn nicht die Hälfte der Patienten die Behandlung
frühzeitig abbrechen würden. Das Problem liegt dabei weniger an ungeduldigen Patienten,
sondern an immuntherapeutisch schlecht ausgebildeten Allgemein- oder Hausärzten.
- Antihistaminika gehören zu den klassischen Medikamenten gegen Heuschnupfen.
Starke Nebenwirkungen wie Ermüdung und verlangsamte Reaktionsfähigkeit machen ihre
Einnahme insbesondere für Autofahrer riskant. Eine neuere Generation (Teldane®,
Hismanal®) dieser Medikamente (welche weniger müde machen) kam aber in letzter Zeit in
Verruf, weil sie massive Herzrhythmusstörungen (bis zu Todesfällen!) verursachten.
Die Histaminausschüttung aus den Mastzellen (also ein Schritt früher)
verhindert eine
weitere Gruppe von Medikamenten, die praktisch keine Nebenwirkungen zeigen, da sie
eigentliche Oberflächensubstanzen sind: die Mastzellenstabilisatoren wie
Cromoglicinsäure (ein Extrakt aus dem Bischofskraut) oder Nedocromil.
Pestwurz scheint nach neuen Studien ebenbürtig mit starken Antihistaminika
zu sein (randomised controlled trial of butterbur and cetirizine for
treating seasonal allergic rhinitis, BMJ 2002;324:144
( 19 January )).
- Magnesium: Die problematische Histaminproduktion wird durch einen niederen
Calciumspiegel gesenkt. Da man Calcium selbst jedoch nicht einfach aus den Zellen spülen
kann, nimmt man Magnesium, das Calcium zu neutralisieren vermag. Die Heuschnupfensymptome
können dadurch um die Hälfte verkleinert werden.
Wie man bemerkte, macht eine entsprechende Ernährung künstliche Magnesium-Präparate
überflüssig: so sind neben Johannisbeeren, Gurken und Radieschen auch Paprika, Kopfsalat
und Pumpernickel besonders magnesiumreiche Nahrungsmittel.
- Auch homöopathische Mittel wie Euphrasia (Augentrost) oder Allium cepa (Zwiebel)
können Heuschnupfenbeschwerden beseitigen. Jedoch sollten tief wirkende homöopathische
genau auf den Kranken ausgerichtet sein - insbesondere für chronische Allergiker
empfiehlt sich ein Besuch bei einem klassischen Homöopathen zur Findung des
konstitutionellen Mittels.
- Pollenallergiker können allerdings auch selbst gegen ihre Allergie etwas tun:
- Keine Pollen ins Schlafzimmer tragen: Die Tageskleidung ausserhalb des Schlafzimmers
ausziehen, Haare vor dem Schlafengehen mit Wasser gut abspülen. Wäsche
nicht im Freien trocknen.
- Fenster und Türen zur Zeit des grössten Pollenflugs (Zeitungsberichte über
Pollenflugmenge beachten; Pollenflugkalender,
www.meteoschweiz.ch )
verschlossen halten oder spezielle Pollenschutzgitter am Fenster anbringen -
damit kann man tagsüber und auch in der Nacht selbst bei hohen
Pollenkonzentrationen problemlos lüften (dies auch im Auto und auch
dort nur Lüftung mit Pollenfilter).
- Wohnung und Haus vorzugsweise mit feuchten Lappen, Schwämmen
reinigen.
- Bettwäsche häufig waschen. Auch diese Wäsche nicht im Freien
trocknen.
- Allergenquellen (wie etwa das Roggenfeld am Ortsrand oder die Birkenallee auf dem Weg
zur Arbeit) genau lokalisieren und meiden.
- zur Zeit des stärksten Pollenflugs keinen Sport treiben und sich möglichst auf den
frühen Morgen oder die Zeit unmittelbar nach einem Regenschauer
beschränken
- Taschentücher nur einmal verwenden
- Urlaubsplanung gut planen: bei Pollenflug in der Heimat in den Norden reisen (dort
blüht alles später), ins südliche Europa bei Birkenallergie oder ins Gebirge, da ab
etwa 1500 Metern ohnehin eine deutlich geringere Pollenbelastung als im Flachland besteht.
- Das Essen kräftig würzen: Die Scharfstoffe von Chili, Senf und Meerrettich verflüssigen
den Nasenschleim und entlasten so die oberen Atemwege.
Kreuzallergien auf Nahrungsmittel
Vor 15 Jahren litten rund 15% der Heuschnupfen-Geplagten auch an einer
Nahrungsmittel-Allergie - heute sind es knapp 60%! Obwohl Kreuzallergien meist
eine milde Symptomatik zeigen, ist das Risiko eines anaphylaktischen Schocks
aber auch hier gegeben. Die Beschwerden beginnen typischerweise nach dem Essen:
Juckreiz und Schwellungen im Mundbereich, Niesreiz, Schwindel, Atembeschwerden
etc. Doch Vorsicht: Auch eine Histamin-Intoleranz
kann - was die Bandbreite allergischer Symptome betrifft - alle Stücke
spielen... bis zum tödlichen Ausgang: Deshalb ist es wichtig, dass ein
Kreuzallergiker auch immer sein Notfallset aus schnellwirksamen Antihistamin-,
Kortison-Tabletten und einem Adrenalin-Pen dabei hat.
Mehr über Kreuzallergien hier >>>
kreuzallergien.htm
Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, CH-8004 Zürich
Last updated 21.06.2006
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