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Das metabolische Syndrom und der Typ-2-Diabetes als Wegbereiter des Herzinfarktes
Begriffe: das metabolische SyndromBereits 1923 wurde die Kombination von Bluthochdruck, erhöhten Blutzuckerwerten und Gicht zu einem «Syndrom» zusammengefasst. Die auch als «Syndrom X» oder «deadly quartet» bezeichnete Kombination kardiovaskulärer Risikofaktoren hat unterdessen mehrmals ihren Namen geändert und ist mit weiteren Stoffwechselabnormitäten ergänzt worden. Gemäss den Richtlinien des amerikanischen National Cholesterol Education Program von 2001 umfasst der 1998 von der Weltgesundheitsorganisation als «metabolisches Syndrom» bezeichnete Symptomkomplex die bauchbetonte Fettleibigkeit, eine typische Konstellation der Blutfette, einen erhöhten Blutdruck sowie einen im nüchternen Zustand erhöhten Blutzuckerwert. Erfüllt eine Person mindestens drei dieser Kriterien, leidet sie an einem metabolischen Syndrom. Weitere Zeichen können eine «Mikroalbuminurie» - die Ausscheidung kleiner Bluteiweisse über die Niere -, Veränderungen der Blutgerinnung, vermehrt im Blut zirkulierende Entzündungseiweisse, Leberveränderungen oder erhöhte Harnsäurewerte sein. Laut neuesten Schätzungen weist rund ein Viertel der westlichen Bevölkerung Zeichen eines metabolischen Syndroms auf, wobei dessen Häufigkeit mit dem Alter ansteigt.
(ATP III, JAMA 2001)
Chronischer Arbeitsstress und die Verbindung zum Metabolischen SyndromIn dieser prospektiven Kohortenstudie haben britische Forscher versucht, einen Zusammenhang zwischen Arbeitsstress und dem Metabolischen Syndrom nachzuweisen. 10308 Männer und Frauen zwischen 35 und 55 Jahren wurden inkludiert und durchschnittlich 14 Jahre lang nachverfolgt (1985-1999). Man fand eine Dosis- Wirkungsbeziehung zwischen lange persistierenden Arbeitsstressfaktoren und dem Risiko, am Metabolischen Syndrom zu erkranken. Angestellte, die mindestens 3 Monate lang chronischem Arbeitsstress ausgesetzt waren, hatten ein doppelt so hohes Risiko als jene ohne Stressfaktoren (alters- und der beruflichen Position angepasste odds ratio: 2.25). Die Autoren schließen, dass Arbeitsstress ein wichtiger Risikofaktor für das Entstehen eines Metabolischen Syndroms ist. Diese Ergebnisse bekräftigen die Wahrscheinlichkeit eines kausalen biochemischen Zusammenhanges zwischen psychosozialen Stressfaktoren des täglichen Lebens und der Entstehung von Herzkreislauferkrankungen. (Chandola T. et al. BMJ 2006; doi:10.1136/bmj.38693.435301.80)
Was lässt sich tun?Gehen Sie in sich und suchen Sie nach bildhaften Erinnerungen von Situationen, in denen Sie gesund gelebt und sich gut dabei gefühlt haben. Vielleicht war es ein Urlaub: Sie machten lange Strandwanderungen mit einem Freund, und abends gab es mediterrane Küche bei Kerzenschein. Lassen Sie dieses Bild in sich leben und führen Sie sich vor Augen, dass Ihr Arzt genau das mit seinen Empfehlungen meint.
Tatsächlich, so haben in letzter Zeit gleich mehrere Studien gezeigt, lässt sich der Ausbruch eines Diabetes bei diesbezüglich gefährdeten Personen mit recht unspektakulären Massnahmen wenn nicht verhindern, so doch zumindest verzögern. Denn schon mit moderaten Veränderungen des Lebensstils - einem Gewichtsverlust von 5 bis 10 Prozent des Körpergewichts und regelmässiger körperlicher Bewegung - konnten die Studienteilnehmer ihr Risiko halbieren, in den kommenden Jahren zuckerkrank zu werden. Medikamente gegen Diabetes scheinen übrigens nicht gleich effektiv wie Änderungen des Lebensstils. Eine Verminderung des Arbeitsstresses ist ebenfalls unumgänglich! Oder anders gesagt: Pro 1 Kilogramm Gewichtsverlust ergibt
sich eine Reduktion des Diabetes um 13 Prozent.
Mediterrane Kost mit etwas weniger Kohlenhydraten als gewöhnliche - die LOGI-Methode:In der LOGI-Methode (steht für Low Glycemic Index) sollen in der täglichen Nahrung Lebensmittel mit niedrigem GI bevorzugt, solche mit hohem GI dagegen eingeschränkt werden. Die GL (Glykämische Last >>> siehe auch hier: gi.htm) aller pro Tag verzehrten Lebensmittel sollte am besten unter 80 liegen. Im Unterschied zu Atkins und „South Beach“, etc. empfiehlt man viel Obst und Gemüse (und eine Handvoll Nüsse täglich) sowie ungesättigte Fette wie Raps- bzw. Olivenöl. Um die Stoffwechsellage zu verbessern, ist es einerseits wichtig, weniger Energie aufzunehmen. Andererseits ist insbesondere die Art der zugeführten Fette von grosser Bedeutung. Verschiedene Untersuchungen belegen in diesem Zusammenhang den Wert einfach ungesättigter Fettsäuren (besonders reichlich in Oliven- oder Rapsöl enthalten), die im Gegensatz zu den gesättigten Fetten die Insulinempfindlichkeit der Gewebe verbessern.
Gemäss Studien sind die Unterschiede nach sechs Wochen LOGI-Diät zwar klein, aber bedeutend. Insbesondere waren die Blutzucker- und Cholesterinwerte stärker als in der Kontrollgruppe gesunken (Journal of the American Medical Association JAMA 300, 2742-2753 (2008)).
Die wichtigste Massnahme überhaupt, ist neben dieser mediterranen Ernährung und mehr Bewegung auch das Stoppen eines eventuellen Nikotingebrauchs (wichtigster zusätzlicher Risikofaktor für die Arterienverkalkung)!
Ein Zustand der «metabolischen Fitness» wird auch durch längere Pausen zwischen den einzelnen Mahlzeiten erzielt. Dadurch reduzieren sich die für die Entwicklung arteriosklerotischer Veränderungen offenbar besonders kritischen Phasen nach einer Mahlzeit, während denen die Blutzucker-, Insulin- und vor allem Triglycerid-Werte im Blut erhöht sind (>>>siehe auch meine Seite über das Dinner-Canceling).
Eher wichtiger noch als der
Gewichtsverlust aber scheint regelmässige Bewegung zu sein. Zahlreiche Studien
haben unterdessen bestätigt, dass körperliche Betätigung das Risiko für
Herz- Kreislauf-Krankheiten reduziert, zumindest zum Teil über eine günstige
Beeinflussung der Faktoren des metabolischen Syndroms. Dass es für den erwünschten
Effekt keineswegs nötig ist, Spitzensport zu betreiben, zeigen die jüngsten
Empfehlungen der amerikanischen Centers of Disease Control and Prevention,
wonach Erwachsene an möglichst vielen Wochentagen mindestens 30 Minuten «moderat
körperlich aktiv» sein sollen. Als einfache Regel kann 3in3
gelten: mindestens 3 Stunden wöchentlich, verteilt auf mindestens 3mal!
(genügend Bewegung?! >>>
Test!) . Während die gesunde Skelettmuskulatur die Möglichkeit hat, neben Kohlehydraten auch Lipide zu verwerten, und je nach Bedarf, Stoffwechsellage und hormonellen Signalen zwischen diesen beiden Energiequellen wechseln kann, besteht bei adipösen Personen und Diabetikern durch die Einlagerung von Fettsäuren in die Muskeln eine metabolische Inflexibiliät. Durch regelmässigen Sport nun werden die für die Fettverbrennung notwendigen Enzyme wieder aktiviert - die Fettreserven am falschen Ort können mobilisiert werden. Besonders günstig ist körperliche Bewegung nüchtern vor oder mindestens 3 Stunden nach den Mahlzeiten. Dadurch werden die muskulären Fettspeicher entleert, und die nach einer Mahlzeit anfallenden Nahrungsfette können wenigstens zum Teil aufgenommen werden.
Ein stabiles Körpergewicht senkt das Risiko für das Metabolische SyndromIn einer 15jährigen Beobachtungsstudie (Donald M.Lloyd-Jones et al., Circulation 2007;115:1004-1011) mit 2700 Männern und Frauen wurde eindeutig gefunden, dass ein stabiles Körpergewicht (BMI) UNABHÄNGIG VOM AUSGANGSWERT langfristig das Risiko für ein Metabolisches Syndrom senken kann!
Schon 2 Softdrinks pro Tag erhöhen das Risiko eines Metabolischen SyndromsUm einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Genuss von
Softdrinks und der Entstehung des metabolischen Syndroms festzustellen haben
Forscher 6039 Personen (Durchschnittsalter 52.9 Jahre) aus der Framingham
Studie, welche keine Hinweise auf ein metabolisches Syndrom zeigten, untersucht.
Die Daten wurde für das Alter, Geschlecht, physische Aktivität,
Rauchverhalten, gesättigte Fettsäuren aus der Ernährung, Transfette,
Magnesium, Ballaststoffe, Gesamtkalorien und glykämischen Index angepasst. Man fand bei Personen, die mehr als 1 Softdrink/Tag zu sich nahmen
eine höhere Prävalenz des metabolischen Syndroms (OR=1.48) als bei jenen, die
weniger konsumierten. Beim Follow up nach ca. 4 Jahren hatten 18.7% der Personen
aus der Gruppe mit weniger als 1 Softdrink/Tag (n=4095) und 22.6% aus der Gruppe
mit mehr als 1/Tag (n=2059) ein metabolisches Syndrom entwickelt. Der Genuss von
mehr als 1 Softdrink/Tag war mit einem höheren Risiko zur Entwicklung eines
metabolischen Syndroms (OR=1.44), Adipositas (OR=1.31), erhöhtem Bauchumfang
(OR=1.30), erhöhtem Nüchternblutzucker (OR=1.25), erhöhtem Blutdruck
(OR=1.18), Hypertriglyceridämie (OR=1.25) sowie erniedrigtem HDL-Cholesterin
(OR=1.32) assoziiert. Die Forscher schliessen daraus, dass der Genuss von Softdrinks bei Personen im mittleren Alter zur Erhöhung mehrerer metabolischer Risikofaktoren führt. (Ravi Dhingra et al., Circulation 2007;116:480-488)
steigender Fruktosekonsum als Auslöser des metabolischen Syndroms?In den letzten Jahrzehnten kam es zu einem drastischen Anstieg des Konsums von freier Fruktose (welche etwa 1,6mal süsser ist als Glukose oder Saccharose), da das billigere Süssmittel "high fructose corn syrup" (HFCS) in vielen unseren Getränken, Backwaren und anderen süssen Lebensmitteln beigefügt wurde. Daten aus den USA zeigen eine parallele Entwicklung zwischen der rasanten Zunahme von Übergewicht und den Zusätzen an freier Fruktose. Im Gegensatz zur Glucose wird die Fructose insulinunabhängig verstoffwechselt. Da Insulin indirekt einen Anteil an der Erzeugung des Sättigungsgefühls hat, Fructose also den Appetit nicht nimmt, kann durch den starken Einsatz von HFCS als Süssstoff leicht Übergewicht entstehen. In grossen Mengen kann freie Fruktose möglicherweise auch Bluthochdruck begünstigen. Es beeinflusst auch das Lipidprofil (Blutfette) ungünstig, da es in höheren Mengen die Fettsynthese fördert und damit die postprandialen (nach dem Essen) Serumtriglyzeride (Art Blutfett) ansteigen lässt. Patienten mit metabolischem Syndrom muss v.a. vom Konsum von mit HCFS oder Saccharose gesüssten Getränken abgeraten werden. In der Schweiz gibt es aber bisher keine Deklarationspflicht für die Mengen einzelner zugesetzter Zuckerarten wie Fruktose, Saccharose, Maltose usw.!
Weitere Massnahmen, die sich leicht angehen lassen:Der Hausarzt sollte unbedingt den Blutdruck und die Blutfette (Cholesterin, etc.) kontrollieren und (ev. auch medikamentös) behandeln.
Das Fettgewebe als endokrines OrganIn den
letzten Jahren hat sich immer deutlicher gezeigt, dass das Fettgewebe nicht
einfach nur ein Energiespeicher, sondern vielmehr ein endokrines, also hormonell
aktives Organ ist, das proportional zur Menge der Fettzellen verschiedene
Substanzen in die Zirkulation abgibt. Dazu gehören Moleküle wie etwa der
Tumor-Nekrose-Faktor- (TNF-), Leptin, Resistin, Adipsin oder Adiponectin, die über
den Appetit und den Energieumsatz Körpergewicht und Fettdepots steuern. Weiter
beeinflussen sie die Blutgerinnung, den Tonus der Gefässe sowie die
Insulinempfindlichkeit der verschiedenen Zielgewebe. Die bei Fettleibigkeit erhöhte
Konzentration dieser hormonähnlichen Substanzen steht deshalb in engem
Zusammenhang mit der Entwicklung von Bluthochdruck, der Insulinresistenz sowie
Störungen der Blutgerinnung - alles Symptome, die mit dem metabolischen Syndrom
assoziiert sind. Bewege ich mich genug?Dass es für einen gesundheitsfördernden Effekt keineswegs nötig ist, Spitzensport zu betreiben, zeigen die jüngsten
Empfehlungen der amerikanischen Centers of Disease Control and Prevention,
wonach Erwachsene an möglichst vielen Wochentagen mindestens 30 Minuten «moderat
körperlich aktiv» sein sollen.
Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, CH-8004 Zürich
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