Freispruch für das Klimakterium

Fast alle Beschwerden von Frauen, die landläufig den Wechseljahren (oder Klimakterium oder Menopause) zugeschrieben werden, sind gar nicht typisch für dieses Lebensalter! Vielmehr treten Symptome wie Erschöpfung, Schlafstörungen, depressive Stimmung, Muskelschmerzen oder Harnwegsprobleme und selbst Trockenheit der Scheide und vermehrter Haarausfall in sämtlichen Lebensphasen, von der Jugend bis ins hohe Alter auf (K.Weidner u.a.: Klimakterische Beschwerden über die Lebensspanne? PPmP, 62/7, 2012, 266-275).

Man beobachtet einen Anstieg dieser "unspezifischen" Symptome (und vieler mehr...) gehäuft gegen und um die Zehnerjahre, also schon gegen 30, dann 40 und eben um 50jährig! Weiter dann auch wieder gegen 60 und 70. Diese runden Geburtstage haben es in sich: Man rekapituliert dann sein bisheriges Leben und schaut nach vorne. Was hat man "erreicht", was will man noch... Dies alles kann in eine eigentliche Krise führen. Man/frau nennt sie dann auch "Quarterlife-Crisis" oder "Midlife-Crisis".

Der einzige Symptomenkomplex, der sich in diesen Studien tatsächlich mit den "Wechseljahren" verknüpfen lässt, sind nächtliche Hitzewallungen und Schweissausbrüche! Diese Beschwerden nahmen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren merklich zu. Allerdings war auch hier nur eine Minderheit betroffen (ein Viertel aller Frauen klagt über mittlere bis sehr starke Beschwerden durch aufsteigende Hitze - vor allem nachts). Ab dem 60. Lebensjahr liessen die Symptome wieder stetig nach. Übrigens muss man bei Wallungen, die nur tagsüber auftreten an andere Ursachen denken (z.B. Schilddrüsenerkrankung, etc.).

Insgesamt standen die angeblichen "Wechseljahrbeschwerden" zwar nicht mit den Wechseljahren, wohl aber mit der Lebenssituation und der psychischen Belastung in Verbindung: Häufiger betroffen waren allein lebende Frauen, die sich gestresst, niedergeschlagen und erschöpft fühlten.

Dies alles lässt die Forscher eher einen psychosomatischen als einen hormonellen Hintergrund vermuten. Es handelt sich hier also um unspezifische, seelische, körperliche und kognitive Symptome, die bereits in jüngeren Lebensjahren, aber auch nach dem Klimakterium zu beobachten sind. Man zweifelt heute stark daran, dass diese Beschwerden auf einen Östrogenmangel zurückzuführen sind.

 

 

"Wechseljahre" der Frau, Osteoporose - das Aus für die Hormontherapie !

Nur noch wenige Gynäkologen/-Innen wollen den Frauen trotz katastrophalen neueren Studienresultaten Hormone schon prophylaktisch vor den Wechseljahren und dann bis ans Lebensende geben. Das weibliche Hormon Östrogen gibt man v.a. als Vorbeugung der Osteoporose (d.h. des Knochenschwunds) und der daraus resultierenden Knochenbrüche (v.a. Oberschenkelhalsbruch). Diese Frakturen treten aber erst 20-30 Jahre nach den Wechseljahren auf, weshalb man die Hormone mindestens solange, eigentlich aber bis zum Tode einnehmen müsste.
Es existieren nun endlich genug sehr kritische Stimmen und grosse Studien, welche den Nutzen dieses jahrzehntelangen Hormonschluckens massiv in Frage stellen: z.B. sind diese Knochenbrüche nicht nur die Folge der Osteoporose, sondern auch des altersbedingten Muskelschwunds und der Gangunsicherheit. Ein Nutzen des Östrogens auf die Osteoporose und diese Altersfrakturen ist nie schlüssig nachgewiesen worden. Experten der unbestechlichen Evidenz (Wissenschafts)-basierten Medizin (im Gegensatz zur Experten-/Meinungsbildner-/Marketing-basierten Medizin) wie Johannes Steurer (www.evimed.ch) sprechen sogar von einer "Osteoporose-Neurose": Die Zunahme der Knochendichte ist durch Hormone erwiesen (sog. Surrogatparameter, der nichts nützt!), jedoch ist in keiner Studie die Abnahme von Frakturen beobachtet worden!
Es ist erschütternd, dass die moderne Medizin Jahrzehnte benötigt hat, um festzustellen, dass die von den "Menopause-Experten" fast universell empfohlene Hormonsubstitution eine negative Nutzen-Schaden-Bilanz aufweisen kann. Die Pharmaindustrie stützte sich dabei auf fast kriminelle Art und Weise auf kleinere (und meist falsch) interpretierte Studien (siehe eine gute Sammlung dazu: www.infomed.org/pharma-kritik/oestrogen.php). Erst die grosse WHI-Studie (WHI-Studie: Writing Group for the Women's Health Initiative Investigators. Risks and benefits of estrogen plus progestin in healthy postmenopausal women. JAMA 2002 (17. Juli); 288: 321-33 [Medline]) überzeugt wohl nun den letzten Befürworter.
Östrogen war wie geschaffen zum Erwecken von alten Wunschträumen nach der verjüngenden Pille. Dies wurde von den Pharmariesen schamlos ausgenützt. Dabei existierte immer sehr wenig Forschung über die (erhofften) Resultate bei Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfälle oder die Wirkung auf Haut, Gelenken und Muskeln oder auf das Hirn (Hormon-Ersatz verdoppelt die Altersdemenz!). Ein positiver Effekt auf die psychische Befindlichkeit konnte ebenfalls bisher nie nachgewiesen werden. In Medizinlatein heisst das: Randomisierte Vergleichsstudien mit klinischen Endpunkten fehlten immer.
Es werden auch immer mehr (teils tödliche) Nebenwirkungen bekannt, welche das klare Aus für diese Hormontherapien bedeuten: 
Eine kleine Palette gefällig: stark erhöhtes Brustkrebsrisiko (JAMA 2002; 288, 321-33;366-68), mehr Schlaganfälle (Bath PMW, Gray L. Association between hormone replacement therapy and subsequent stroke: a metaanalysis. BMJ 2005;330:342-5), mehr Thrombosen, mehr Embolien, verdoppelte Demenzgefahr, erhöhtes Risiko für Nierensteine und Gallensteine und Cholezystitis (Simon JA et al., Effect of estrogen plus progestin on risk for biliary tract surgery in postmenopausal women ... Ann Intern Med 2001 (2.Oktober); 135:493-501 + WHI: Cirillo DJ et al.: Effect of estrogen therapy on gallblader diease. JAMA 2005;293(3):330-339); erhöhtes Risiko für Mikroalbuminurie (Nierenschädigung)(Arch Intern Med 2001 (10.September); 161: 2000-5); trockene Augen (JAMA 2001; 286: 2114-9); Frauen ohne Hitzewallungen, die Hormone einnehmen waren nachher energieloser und ihre geistigen Fähigkeiten liessen nach (Hlatky MA et al., JAMA 2002; 287: 591-7), Zunahme der Urininkontinenz unter Hormonen (Hendrix SL, et al. Effect of estrogen with and without progestin on urinary incontinence. JAMA 2005;293:935-48 )...
Im Schweiz.Medizin-Forum sichtet Maria Beckermann aus Köln sehr kritisch 260 relevante Studien über die Hormonbehandlung der weiblichen Wechseljahrsymptome – eine Pflichtlektüre jeder Frau, die darüber mündig werden will – und am anderen Ende des Stethoskops, jedem/jeder GynäkologIn oder HausärztIn, die damit herumhantiert (menopause.pdf)! Das Brecht-Zitat, das Frau Beckermann benützt, will ich hier auch etwas wirken lassen: "Eine Hauptursache der Armut in den Wissenschaften ist meist eingebildeter Reichtum. Es ist nicht das Ziel, der unendlichen Weisheit eine Tür zu öffnen, sondern eine Grenze zu setzen dem unendlichen Irrtum."

 

Neuerdings setzen aber weiterhin grosse gynäkologische Fachgesellschaften in der Hormontherapie - vor allem bei jüngeren Frauen - auf Desinformation: Lesen Sie dazu mehr hier in diesem sehr interessanten Artikel aus dem Arznei-Telegramm 6/16!

 

psychosoziale Krise

Wechseljährige Frauen zeigen eine ganze Palette von Symptomen, die - wie bereits ganz oben beschrieben - kaum mit dem Abfall der Hormonproduktion in Zusammenhang stehen. Die alternde Frau genoss bis Anhin in der Industriegesellschaft einen niedrigen Sozialstatus. Sie wird weder mehr als egosteigernder Potenzbeweis noch als Mutter gebraucht. Das Diktat der Jugendlichkeit tyrannisiert die Frauen im Westen. Der Mythos der asexuellen älteren Frau hatte zum Ende des 20. Jahrhunderts Bestand. Männer "reifen" und kommen in die "besten Jahre", die Frau "altert" und kommt ins "Klimakterium". Die Menopause schockiert Frauen, die ihr Alter verdrängt haben. Der Wechsel vom begehrten zum unsichtbaren Objekt wirkt um so traumatischer, je mehr sich eine Frau auf ihre traditionelle weibliche Rolle verlassen hat. Berufsfrauen leiden weniger darunter als Hausfrauen, gut ausgebildete weniger als ungebildete. Viele Frauen gleiten in eine eigentliche "psychosoziale Krise".

Dafür, dass hier eine psychische Dynamik vorliegt, spricht auch, dass neuere Studien mit medikamentösen Antidepressivatherapien ebenso wirksam waren wie mit Östrogen Womit nicht gesagt sei, dass ich nun rate, die eine Pille mit der anderen auszutauschen! Mehr darüber hier unten >>>
Den Verlusten an Selbstwertgefühl, an Attraktivität und an Fruchtbarkeit kann man aber, anstelle der illusorischen und gefährlichen Verlängerung der Jugend mit Hormonen, Gewinne entgegensetzen: Lebenserfahrungen, Freiräume, freie Zeit (in der Nach-Kinder-Phase), Potential für neue Beziehungen, kreative Lebensgestaltung, Wegfall des Kompetitionsdruckes. Viele Frauen erleben nach der Menopause einen Energieschub. Mann und Frau tragen Hormone des anderen Geschlechtes in sich. Wenn sich mit zunehmenden Alter die eigengeschlechtlichen Hormone vermindern, fallen die gegengeschlechtlichen relativ stärker ins Gewicht, und die Frauen haben die Möglichkeit, mehr "männliche" Energien zu mobilisieren (und umgekehrt beim Mann). Nach C.G.Jung könnte man sagen: Eine wesentliche Aufgabe der zweiten Lebenshälfte und eine unumgängliche Station auf dem Weg zur Individuation ist die Integration der eigenen Gegengeschlechtlichkeit (Er nannte dies Animus in der Frau und Anima im Mann). Östrogene verhindern diesen wichtigen Lebensschritt der Frau.
Warum sind dann die Gynäkologen so daran interessiert, Östrogene abzugeben, obwohl nun alle Gründe dagegen sprechen? Könnten es der Quell stetig fliessender Einnahmen sein, die aufwendigen Vorsorgeuntersuchungen der Brust, der Genitalschleimhäute und der Blutfette, die teuren Knochendichtemessungen? Angeheizt wird das Ganze auch durch mächtige Interessen der Pharmaindustrie.

 

 

Was aber bei starken Wechseljahrbeschwerden?

Zuerst mal dies zu den Wallungen:
Frauen, die am Anfang der Menopause häufig in Hitze  ausbrechen, haben ein stärkeres Herz und gesündere Blutgefässe. Das erkannte eine Forscherin der Northwestern University in Chicago, die mehr als 60000 Frauen untersuchte. Frauen, die früh Wallungen 
erlitten, bekamen am seltensten Herzkrankheiten und Schlaganfälle. Bislang glaubten Ärzte, das Gegenteil sei der Fall. (Menopause, 2011 Feb 19. Vasomotor symptoms and cardiovascular events in postmenopausal women.Szmuilowicz ED et al.)

Starke Wallungen mit massiven Schlafstörungen, also Hitzewallungen in der Nacht sprechen übrigens für das klimakterische Syndrom (Menopause). Hitzewallungen nur am Tag haben eher andere Ursachen , z.B. eine Schilddrüsenüberfunktion.

Kurzfristig symptomorientiert ist noch die einzig vertretbare Form der Hormonanwendung (nach den neusten Studien steigt aber bereits im ersten Anwendungsjahr das Brustkrebsrisiko! Mein Vorschlag: Niedrig dosierte Östrogen/Gestagen-Therapie 6 bis höchstens 12 Monate. Es genügt dazu übrigens eine viel niedrigere Dosis als die von den Pharmafirmen empfohlene für den gleichen Therapieeffekt (0,3 mg konjugiertes Östrogen, 25 mikrogr. Estradiol transdermal)! Tibolon (Livial) soll übrigens im ersten Jahr nach der Menopause nicht gegeben werden.

Selbst darauf verzichten müssen auf jeden Fall Frauen mit: Brustkrebs (selbst oder familiär); venöse Thrombo-Embolien; magere, untergewichtige Frauen (Brustkrebsriskio mit Kombinationspräparaten höher!); Juckreiz oder Gelbsucht in einer früheren Schwangerschaft oder durch Antibabypille. (Quelle für Letzteres: M.Siepmann et al., Deutsche Med.Wochenschrift, 125. Jg., Nr. 18 (2000), S. 557 - 559)

 

Es gibt eine Alternative: Östrogene pflanzlichen Ursprungs aus Traubensilberkerze (Cimicifuga). Wir müssen aber hier aufpassen, dass wir nicht wieder dieselben Fehler machen wie bisher mit dem Östrogen (es fehlen Langzeitstudien z.B. zur Brustkrebsgefahr)! Dann auch Phytoöstrogene aus Soja- oder Jamswurzel-Steroiden (Conjugen, Östro-Feminal, Transamon). Hier fehlen aber grössere Studien! Es schadet aber sicher nichts, wenn Sie viele Sojaprodukte essen (auch krebsverhindernd!).

  • Traubensilberkerze (Wurzelextrakt - Cimicifuga racemosa; z.B. Remifemin® 2-3 x 40 Tropfen oder 4 Tabl.) v.a. gegen vegetative Beschwerden (50% verschwinden völlig, 30-40% besser) und psychische Störungen. Eignet sich aber nicht zur Osteoporose-Prophylaxe.
  • zu Beginn der Wechseljahre, wenn Symptome ähnlich wie bei PMS: Mönchspfeffer (siehe hier)
  • Nachtkerzenöl-Kapseln
  • Teemischung: 20 Teile Frauenmänteli, 15 Teile Johanniskraut, 10Teile Zitronenmelisse, 15 Teile Schafgarben, 15 Teile Rosmarin, 15 Teile Salbei
  • Durch Gewichtsabnahme zu weniger Beschwerden in der Menopause!
    Um herauszufinden, ob es durch eine Gewichtsabnahme zu einer Verbesserung der Hitzwallungen von übergewichtigen Frauen in der Menopause kommt, haben US-amerikanische Forscher/innen eine randomisierte, kontrollierte Studie mit 338 übergewichtigen bis fettleibigen Frauen in der Menopause konzipiert. Sechs Monate lang absolvierten die Frauen entweder ein intensives verhaltenstherapeutisches Programm zur Gewichtsreduktion oder ein Aufklärungsprogramm über gesundheitliche Folgen von Übergewicht (Kontrolle).
    Ergebnis: Die Gewichtsabnahme verbesserte die Hitzewallungs- Symptomatik deutlich.
    Die Forscher/innen errechneten z.B. eine Verbesserung der Symptomatik von OR 1.32 pro 5kg Gewichtsabnahme.
    (Arch Intern Med 170(13):1161-1167, 12 July 2010 © 2010 to the American Medical Association: An Intensive Behavioral Weight Loss Intervention and Hot Flushes in Women. Alison J. Huang, Leslee L. Subak, Rena Wing, et al. Link zum Abstract: http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/abstract/170/13/1161?etoc)

Wallungen

  • Gewichtsabnahme (siehe oben)!
  • Salbei alleine: bis dreimal täglich 40 Tropfen einer Salbeitinktur.
  • Teemischung: je 1/4 Frauenmänteli, Salbei, Zinnkraut und Mistel: 1 Essl. auf 1/4 l Wasser aufkochen, morgens nüchtern 1 Tasse trinken
  • Traubensilberkerze oder Mönchspfeffer (siehe gleich oben).
  • Wie oben bereits erwähnt, helfen gegen Hitzewallungen auch - gleich stark wie Östrogen - Antidepressive Medikamente. In einer Studie von 2014 (NEJM Journal Watch. 2014, May 27) half z.B. Venlafaxin  bei 50% aller Frauen mit einer starken Linderung (Östrogen auch 50%, Placebo bei 30%). Sicher wird auch hochdosiertes Johanniskraut gleich wirken (es wird aber keine Studien mehr geben, da niemand daran verdienen kann...)!

trockene Scheide

  • viel eigenen Speichel benützen!
  • Schleimhautpflege: Leinsamen, -öl innerlich als Budwig-Creme und lokal Rheum rhaponticum D2 Salbe Weleda, tgl. 2 x anzuwenden, ev. mit Applikator auch vaginal einführen. Auch Dorins Yams-Zäpfle aus der Berg-Apotheke könnten geeignet sein. Zur akuten Linderung eine Woche lang tgl., dann 2 x wö. anzuwenden.

 

 

Osteoporose-Prophylaxe

 

Zuallererst: KEINE HORMONE!

Wichtig ist die maximal im Leben (um 30jährig) erreichte Knochendichte. Frauen, die regelmässig Bewegung haben und keine Zigaretten rauchen, nicht untergewichtig sind und viel Kalzium essen (v.a. als Mädchen und junge Frauen bis 25 Jahren) und 2 bis 4 Gläser Alkohol wöchentlich trinken (aber nicht mehr!) erreichen eine grössere Knochendichte. Es existiert aber auch eine genetische Komponente, die vielleicht sogar am wichtigsten ist. Zudem verstärken eine früh eintretende Menopause, übermässigen Alkoholkonsum und eine frühere länger dauernde Kortisonbehandlung (mit Tabletten oder Spritzen) die spätere Osteoporose.
Aufnahme von 700 mg Kalzium täglich wird als ideal angesehen: Keine Kalziumtabletten  sondern nur aus natürlichen Quellen:
Der Kalziumgehalt wichtiger Nahrungsmittel in mg/100g: Milch 120, Joghurt 120, Quark 90, Emmentaler 1020, Gouda 820, Parmesan (Hartkäse!) 1300, Grünkohl 200, Broccoli 100, Fenchel 110, Haselnuss 225, Mandel 250, Sojabohnen 260, weisse Bohnen 105, Linsen 75, Weizenvollkornbrot 65, Schweinekotelett 10, Forelle 20, Kartoffeln 10.
Genau so wichtig ist reichlich Gemüse ("Nature", Bd.401, S.343: bestimmte Gemüsesorten hemmen der Abbau der Knochensubstanz bei Ratten: Petersilie, Salat, Rucola, Tomaten, Gurken, Knoblauch, Dill und Zwiebeln.) und Früchte essen und sehr sparsam tierische Fette.

 

 

Also könnte man auch raten:

  • Ernähren Sie sich schon vor der Menopause (ab 40) kalzium- und vitaminreich, mit wenig tierischen, dafür um so mehr pflanzlichen Eiweissen (Hülsenfrüchte, Tofu). 
    Kalzium stärkt die Knochen. Gute Kalziumquellen sind vor allem Milchprodukte (Hartkäse!), dann Haselnüsse, Gemüse (z.B. Kohlrabi), Früchte (z.B. Mandarine), auch Trockenfrüchte, Sardinen, Eier und Mineralwasser:
    Täglich können wir maximal 700 mg aufnehmen!
    Davon sollte alles aus natürlichen Quellen stammen (keine Tabletten: Erhöhen Arterienverkalkungs- und Herzinfarktsrisiko!).

    KALZIUMQUELLEN AUS DER NAHRUNG

    Nahrungsmittel

    Menge/gängige Portion

    Kalziumgehalt

    Milch

    1 Glas

    300 mg

    Joghurt

    1 Becher (180g)

    200 mg

    Hartkäse (z.B. Emmentaler, Parmesan)

    100 g

    1000 mg

    Weichkäse (z.B. Camembert)

    100 g

    600 mg

    Haselnüsse

    100 g

    225 mg

    Gemüse (z.B. Kohlrabi)

    100 g

    70 mg

    Früchte (z.B. Mandarine)

    100 g

    33 mg

    Eier

    100 g

    55 mg

    Sardinen

    100 g

    380 mg

    Mineralwasser

    1 Glas

    unterschiedlich – bis zu 50 mg

     

  • Vitamin D:
    Nach 60jährig sollte man etwa (neben der Sonnenbestrahlung, die uns ja das Vitamin D schenkt) 800 IE pro Tag zu sich nehmen - oder auch alle 4 Wochen etwa 25'000 IE - vor allem von November bis Mai (wenig Wintersonne). Lassen Sie einmal vom Hausarzt Ihren Vitamin D-Spiegel (25-Hydroxi-Vitamin-D3 wichtig) im Blut messen, da in der ganzen EU heute etwa die Hälfte aller Menschen zuwenig Sonne auf der Haut hat, um genügend Vit.D zu bilden. Inder Nahrung ist es eher schwierig genügend davon zu kriegen (man müsste zweimal täglich fetten Fisch oder Austern essen - Mahlzeit!).
  • Achten Sie auf den Säurehaushalt. Die Ernährung soll zu rund vier Fünftel aus basebildenden und nur zu einem Fünftel aus säurebildenden Nahrungsmitteln bestehen. Milchprodukte sind zwar reich an Kalzium, sind aber säurebildend. Man sollte sie deshalb nicht im Übermass konsumieren. Listen mit säurebildenden Nahrungsmitteln erhalten Sie in guten Buchhandlungen. -
  • Ergänzen Sie Ihren Menüplan mit Soja-Produkten. Soja und andere Bohnenarten besitzen Inhaltsstoffe, die eine östrogenähnliche Wirkung haben.
  • Vermeiden Sie Koffein und Alkohol im Übermass (2 bis 4 Gläser Alkohol wöchentlich verbessert die Knochendichte - aber nicht mehr!).
  • Bewegen Sie sich häufig. Sportarten, die mehr Gewicht auf den Knochen bringen sind vor allem gut wirksam (Jogging, Springseilen,...). Kräftige Muskeln entlasten zudem das Skelett. Trainierte Menschen stürzen weniger und haben daher seltener Knochenbrüche.
  • Yoga, autogenes Training und Tai Chi helfen, psychische Schwankungen auszugleichen und geben ein gutes Körpergefühl.
  • Bauen Sie Stress ab. Nehmen Sie den Alltag im dritten Lebensabschnitt etwas gelassener.

 

Risikomessung (u.a. auch DEXA-Messung)

 

 
  • Ein einfacher klinischer Test, um das Osteoporose-Risiko bei der Frau nach den Wechseljahren zu beurteilen, wurde bei der Durchsicht von 191 Studien gefunden (siehe infomed-screen. April 2005 - Jahrgang 9/ Nr.4). 
    Die sog. Vortestwahrscheinlichkeit wird aus 
    - dem Gewicht (unter 51 kg), 
    - der sog. Flèche (Abstand Hinterkopf zur Wand über 0 - beim Aufrechtstehen mit dem Rücken an der Wand) und für 
    - den Rippenbogen-Beckenschaufel-Abstand (2 Querfinger oder weniger) berechnet.  
    Falls diese Faktoren eintreffen, sollte eine Knochenmineraldichte-Messung (DEXA) gemacht werden. 
    DEXA-Messung auch bei jedem Knochenbruch, der durch eine relativ kleine Gewalteinwirkung entstand (z.B. aus Stand umgefallen und das Bein gebrochen: sog. Niedrigtrauma-Fraktur - erst ab 40 Jahre). Rauchen (bei über 60jährigen) und eine mehrmonatige Kortison-Therapie mit Tabletten (über 5mg Prednison täglich) sind ebenfalls Gründe zur Knochendichtemessung.
    Man muss aber auch auf die unklare Datenlage zum DEXA-Screening hinweisen: siehe dazu die Kommentare der Evidenzbasierten Medizin: osteoporose_state_of_the_art.pdf
  • Hat man bereits eine DXA-Messung gemacht, zeigt dieser Test hier >>> mit allen Zusatzfaktoren, ob wirklich eine Therapie nötig ist!
  • Ein genauer Risikokalkulator kann auch mit 11 Faktoren erstellt werden und wurde anhand der Women's Health Initiative WHI im JAMA (2007;298:2389-2398) vorgestellt: siehe http://hipcalculator.fhcrc.org/ .
    Noch praktischer und in der Hausarztpraxis besser abschneidend ist Qfracture. Die Variablen, die hier für die Berechnung des Risikos gebraucht werden sind alle aus der Anamnese ohne weitere Untersuchungen (Labor, Knochendichte) erhebbar: www.qfracture.org
  • Als weiterer Risikofaktor, in diesem Kalkulator nicht berücksichtigt, könnte sich möglicherweise die Major Depression entpuppen. Das zumindest legen Ergebnisse einer Studie des US-National Institute of Mental Health NIMH in Bethesda/Maryland nahe. Dabei hatten depressive Frauen in 17% im Oberschenkelhals eine verminderte Knochendichte gegenüber nur 2% in der Kontrollgruppe.

 

 

Gibt es ein Androgenmangel-Syndrom bei der Frau?

Just zu einem Zeitpunkt, wo der Nutzen und die Sicherheit einer langfristigen Östrogengabe nach der Menopause zunehmend hinterfragt werden, ist immer öfter die Rede von einem Androgenmangel-Syndrom der Frau. Nicht nur der alternde Mann, so plädieren die Verfechter des neuen Syndroms, sondern auch Frauen nach der Menopause fühlten sich in gewissen Fällen dank der Gabe männlicher Geschlechtshormone vitaler und hätten eine grössere sexuelle Spannkraft. Die Existenz eines solchen Syndroms - zumindest bei gesunden, älteren Frauen - ist in Fachkreisen allerdings äusserst umstritten, denn die Rolle der Androgene im weiblichen Organismus ist wenig untersucht, allfällige Mangelsymptome äussern sich unspezifisch und mit breiten individuellen Schwankungen. Vor allem die Abgrenzung der Symptome gegenüber dem Ausdruck einer unbefriedigenden partnerschaftlichen Situation, einer Depression oder weiterer Krankheiten ist äusserst schwierig. Es fehlen auch grosse Studien, weshalb hier gar nicht weiter darauf eingegangen wird.

 

Hormonsubstitution erhöht Demenzrisiko!

blitz-a-t      27. Mai 2003

Über 65-jährige Frauen, die langfristig ein Östrogen-Gestagen-Präparat einnehmen, haben ein signifikant höheres Risiko als Nichtanwenderinnen, eine Demenz zu erleiden. Zu diesem unerwarteten Ergebnis kommt die jetzt publizierte Women's Health Initiative Memory-Studie (WHIMS), eine Teilstudie der im vergangenen Jahr wegen negativer Nutzen/Schaden-Bilanz vorzeitig gestoppten WHI-Studie (a-t 2002; 33: 81-3). Am Östrogen/Gestagen-Arm der WHIMS nehmen 4.532 Frauen teil, die zu Beginn mindestens 65 Jahre alt sind. Nach durchschnittlich vierjähriger Studiendauer haben 61 Frauen eine Demenz entwickelt: 40 (1,8%) von 2.229 Frauen in der Hormongruppe mit täglich 0,625 mg konjugierten Östrogenen plus 2,5 mg Medroxyprogesteronazetat (CLIMOPAX) im Vergleich zu 21 (0,9%) von 2.303 Frauen unter Plazebo. Die Hormoneinnahme erhöht somit das relative Risiko (RR) einer Demenz auf das Zweifache (95% Vertrauensintervall 1,21 bis 3,48; Number needed to harm (NNH) = 111). Bei gut der Hälfte der Betroffenen wird eine ALZHEIMER-Demenz diagnostiziert. Der Unterschied zwischen Verum- und Plazebogruppe zeigt sich ein Jahr nach Studienbeginn und nimmt im weiteren Verlauf zu. Als ein möglicher Pathomechanismus wird die Zunahme vaskulär bedingter Demenzen auf dem Boden von Mikroinfarkten diskutiert (1).
Erneut widerspricht hiermit das Ergebnis einer grossen randomisierten Langzeitstudie zur Hormonsubstitution vorangehenden epidemiologischen Untersuchungen. Diese sprachen eher dafür, dass Östrogene vor Demenz schützen. Das erhöhte Risiko, an Demenz zu erkranken, addiert sich zu der erhöhten Herzinfarkt-, Schlaganfall-, Thrombose- und Brustkrebsrate unter Langzeiteinnahme von Hormonen nach Wechseljahren und unterstreicht die negative Nutzen/Schaden-Bilanz dieser Therapie.

(1   SHUMAKER, S.A. et al.: JAMA 2003; 289: 2651-62)
A.T.I. Arzneimittelinformation Berlin GmbH, www.arznei-telegramm.de

 

„Women´s Health Initiative": Brustkrebs und Hormonersatztherapie bei postmenopausalen Frauen

Eine weitere Studie im Rahmen der "Womens´s Health Initiative" untersuchte das Risiko des Auftretens von Brustkrebs im Zusammenhang mit der Einnahme einer Hormonersatztherapie. Die 16.608 eingeschlossenen postmenopausalen Frauen zwischen 50 und 79 Jahren wurden im Schnitt elf Jahre lang beobachtet.
Ergebnis: Frauen, welche Östrogen plus Progesteron einnahmen, erkrankten häufiger an invasivem Brustkrebs als diejenigen, welche Plazebo einnahmen (HR 1,25). Auch war der Brustkrebs unter Hormoneinnahme häufiger "node-positive" (HR 1,78) und die Sterblichkeit am Brustkrebs war größer (HR1,96).
(JAMA 304(15):1684-1692, 20 October 2010 © 2010 American Medical Association
Estrogen Plus Progestin and Breast Cancer Incidence and Mortality in Postmenopausal Women. Rowan T. Chlebowski, Garnet L. Anderson, Margery Gass, et al.
Link zum Abstract: http://jama.ama-assn.org/cgi/content/abstract/304/15/1684)

 

„Women´s Health Initiative": Die Einnahme von Hormonersatztherapeutika in der Postmenopause erhöht das Risiko von Nierensteinen

US-amerikanische Autor/inn/en untersuchten im Rahmen der "Women´s Health Initiative" den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Hormonersatztherapeutika und dem Risiko des Auftretens von Nephrolithiasis an 10.739 postmenopausalen hysterektomierten Frauen und 16.608 postmenopausalen Frauen.
Ergebnis: Die Einnahme von Östrogen erhöhte bei postmenopausalen Frauen das Risiko für das Auftreten einer Nephrolithiasis signifikant (HR 1,21).
(Arch Intern Med 170(18):1678-1685, 11 October 2010 © 2010 to the American Medical Association Postmenopausal Hormone Use and the Risk of Nephrolithiasis-Results From the Women's Health Initiative Hormone Therapy Trials. Naim M. Maalouf, Alicia H. Sato, Brian J. Welch, et al.
Link zum Abstract: http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/abstract/170/18/1678?etoc)

 

 

Nachtrag 02/2013

Studie:  Schierbeck LL, Rejnmark L, Tofeng CL et al. Effect of hormone replacement therapy on cardiovascular events in recently postmenopausal women: a randomised trial. BMJ 2012 (9.Oktober); 345: e6409 : http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?term=23048011 

"Nachträgliche Analysen der grossen Studie der «Women’s Health Initiative» konnten für Frauen, die schon kurz nach der Menopause Hormone erhielten, keinen signifikanten Vorteil zeigen. Auch bei frühem Einsatz der Hormone war das Risiko im kardiovaskulären Bereich, aber auch für einen Brustkrebs erhöht.1 Mit anderen Worten: es gibt kein sinnvolles therapeutisches Fenster für die Hormonsubstitution. Die vorliegende Studie ändert daran nichts. Die methodologischen Mängel sind zu gross (offene Studie, im Studienprotokoll keine kardiovaskulären Endpunkte definiert, kardiovaskuläre Ereignisse zu wenig verifiziert), als dass man annehmen dürfte, eine frühe Hormonsubstitution sei problemlos. Verwunderlich ist eigentlich nur, dass eine angesehene Zeitschrift wie das BMJ eine derart fragwürdige Studie veröffentlicht."

Etzel Gysling in infomed-screen Jan/Feb 2013

 

 

Literatur zu den Wechseljahren:

Dr.med. Christiane Northrup,

>Weisheit der Wechseljahre<; Goldmann Verlag, ISBN-10: 3-442-21907-8

 

Lesen Sie auch dies!
und über
die Wechseljahre beim Mann!

 

 

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Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich kein "Spezialist" für obiges Thema bin. Es interessiert mich aber im bescheidenen Rahmen meiner hausärztlichen Tätigkeit. Melden Sie sich nicht in der falschen Hoffnung in meiner Sprechstunde an, um Patentrezepte zu erhalten.

 

 

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