keine Evidenz

Obwohl seit den sechziger Jahren untersucht, ist ein Konsens in weiter Ferne. Zum Nutzen der Mammographie liegen derzeit die Resultate von rund einem Dutzend Studien und mehreren Metaanalysen vor. Wenn man alle Resultate zusammennimmt, führt die Mammographie - wie häufig zitiert - bei Frauen zwischen 50 und 70 Jahren zu einer Verminderung der Sterblichkeit um 25 Prozent. 

nur eine Frau unter 2000 wird gerettet

Das ist aber nicht die ganze Wahrheit! Betrachtet man nämlich nur die methodisch hochstehenden Studien kritisch, ist keine Nutzen mehr nachweisbar! Eine Metaanalyse hat zudem ergeben, dass man 2000 Frauen zwischen 40 und 74 Jahren während 10 Jahren jährlich untersuchen muss, um einen einzigen krebsbedingten Todesfall zu verhindern. Und wie wäre dies "nur" mit regelmässigem Abtasten gewesen?!

10% werden aber verängstigt

Andere Beobachtungen zeigen, dass man zehn Prozent der Frauen in Mammographie-Programmen mit falsch-positiven Befunden unnötig verängstigt. Ist es Krebs? Oder doch nicht?

zehn von 2000 werden sogar zu Unrecht behandelt

Noch schlimmer: Von 1000 mammographierten Frauen werden 5 Gesunde zu Unrecht zu Krebspatientinnen gestempelt, unnötig behandelt, total oder partiell mastektomiert (die Brust abgenommen), chemotherapiert oder/und bestrahlt!
(BMJ.2009;338:446-8)

Abtasten der Brust

Für die Langzeitprognose des Brustkrebs spielt es offenbar keine Rolle, ob der Krebs frühzeitig durch Mammographie-Screening oder erst später durch Abtasten der Brust erkannt wird. Dies zeigen die Daten einer kanadischen Studie mit knapp 40'000 Frauen zwischen 50 und 59 Jahren. Zwar wurden die Karzinome durch die radiologische Untersuchung im Schnitt 2,1 Jahre früher diagnostiziert als durch das Abtasten. Dieser Vorsprung hatte jedoch keine geringere Sterblichkeit zur Folge. Im Beobachtungszeitraum von bis zu 13 Jahren starben von den Krebspatientinnen der Mammographiegruppe 107, von denen der Abtastgruppe 105. (British Medical Journal, Vol. 321, No. 7264 (2000) S. 785)
Dieselbe Studie zeigt, dass 1996 von 200'000 Mammographien-Screeninguntersuchungen 12'500 Verdacht auf Brustkrebs zeigten. Nach weiteren Tests wurde schliesslich nur bei rund jeder 13. Frau - also knapp 1000 Fällen - ein bösartiger Tumor gefunden. Das heisst, bei 1000 Mammographien wurden etwa fünf Krebsfälle entdeckt  und 60 Frauen zu Unrecht schwer geängstigt!
Man kann also auch sagen: Lieber noch zwei Jahre mit dem (unerkannten) Brustkrebs in Frieden leben und dann mit dem regelmässig angewandten und einfachen Selbsttest (siehe unten) den Krebs mit Abtasten finden.
(Siehe auch http://www.evimed.ch/JournalClub/Fachgebiete/045gynaekologie/jf80brestscreening.html mit dem klaren Verdickt: "Es gibt somit derzeit keine Evidenz von ausreichender Qualität, die einen Vorteil der Routine-Mammografie als Vorsorgeuntersuchung bei Brustkrebs belegen. Beim Entscheid für oder gegen Mammografie sollten beratende Ärzte auch die Folgen falsch positiver Befunde berücksichtigen" oder selbst das National Cancer Institute der USA, das seine (kritisch-negative) Meinung zum Mamma-Screening zu bekennen wagt! "Screening programmes bring in patients" - sagt der Editor des BMJ! (The ecstasy of sanctimony. Editor's choice. BMJ 2002;343:249.))

 

brust.jpg (240865 Byte)

 

 

Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, CH-8004 Zürich
Last updated 28.06.2009


Die Auskünfte in dieser Homepage erfolgen unverbindlich und ohne rechtliche Konsequenzen zu meinem Nachteil. Eine konkrete Beurteilung ist lediglich in Kenntnis des Einzelbestandes möglich (siehe auch Disclaimer).