Die Tatsachen oder: Räumen Sie mit falschen Vorurteilen auf!

  • Kinder bekommen keine Kopfläuse, weil sie schmutzig, vernachlässigt oder arm sind. Oder weil sie Mützen tauschen. Selbst peinliche Hygiene schützt nicht vor dem Insektenbefall. Läuse scheinen aber Kinder zu lieben, die gern eng zusammen spielen. Man bekommt die Kopfläuse durch direkten Kopf-zu-Kopf-Kontakt, etwa beim Spiel mit Klassenkameraden. Deshalb befallen sie auch häufiger Mädchen - nicht weil sie längere Haare haben, sondern weil sie mit engerem Körperkontakt spielen.
  • Das Schneiden der Haare bringt nichts. Die Infektion wird für die Laus sogar einfacher, da sie besser auf den Kopf oder weg vom Kopf klettern kann.
  • Kopfläuse haben keine Flügel, sie können nicht von einem Kopf zum anderen fliegen und auch nicht hüpfen. Sie können sich allerdings schnell fortbewegen.
  • Kopfläuse sind harmlos. Falls sie keinen Kontakt mehr mit einem Menschen haben, können sie nicht überleben und sind schnell tot. Läuse, die Sie auf Stühlen, Kissen und Hüten sehen, sind tot. Sie können nicht mehr infizieren. Man muss deshalb die Bettwäsche oder Kleider nicht speziell waschen.
  • Betroffene Kinder haben selten grosse Läuseschwärme im Haar. Die meisten sind von nur wenigen Insekten befallen.
  • Eine Behandlung soll nur gestartet werden falls lebendige Läuse gefunden werden. Eier (sehen aus wie kleine weisse Schüppchen, die fest an den Haaren hängen) sind noch kein Zeichen einer aktiven Infektion mit Kopfläusen.
  • Ein Schulausschluss von Kindern bis das letzte Ei entfernt ist, entbehrt jeder Evidenz. Weniger als 20% von Kinder mit Eier werden in den nächsten 14 Tagen wieder Kopfläuse tragen. Nach Studien haben nur die Hälfte aller Kinder, die wegen Läuse daheim bleiben müssen auch wirklich Kopfläuse.
  • Kopfläuse übertragen keine Krankheiten, sie sind unansehnlich, können jucken und unangenehm sein. An den Kratzstellen kann es ausserdem zu weiteren Hautinfektionen kommen. Daher sollten Sie zur "Ausrottung" der Tiere geeignete Medikamente verwenden.

 

Welche Anzeichen und Symptome können auftreten?

Häufig gibt es keine Beschwerden, manche Kinder klagen aber über Juckreiz. Wenn Kinder sich kratzen, beisst die Laus zuweilen. Diese Bissstellen können sich infizieren. Wenn Sie auf der Kopfhaut Ihres Kindes Schwellungen, Rötungen oder geschwollene Lymphdrüsen im Nackenbereich entdecken, sollten die Läuse bekämpft werden. Manchmal imponiert nur ein Ekzem im Nacken.

 

 

Wie können Sie nach Läusen suchen?

Wenn Sie von Läusebefall, beispielsweise in der Schule gehört haben, nehmen Sie einen feingliedrigen Kamm und machen Sie sich in einem gut ausgeleuchteten Raum auf die Suche: Kopfläuse sind nicht einfach zu finden, beim Kämmen und unter plötzlich leuchtendem starkem Licht verstecken sie sich gerne. Erwachsene Weibchen sind so gross wie ein Sesamkorn, entweder schwarz oder rötlich-braun. Die Eier, Nissen genannt, sind winzig, weisslich und kleben oft am Haaransatz, hinter dem Ohr oder am Hinterkopf. Sie werden oft mit Schuppen verwechselt. Sie sind aber nicht unbedingt ein Zeichen aktiven Läusebefalls.

 

 

Was kann man tun?

Wenn Sie tatsächlich fündig geworden sind, gehen Sie zu ihrem Hausarzt, der die Diagnose dann auch wirklich bestätigen kann. Direkt ein (meist sehr toxisches Shampoo) in der Apotheke zu kaufen, ist nicht der richtige Weg.

Wenn Sie Geschichten gehört haben, dass Läuse aufzuweichen sind mit Mayonnaise oder Olivenöl, oder dass der Kinderkopf über Nacht mit einer Duschhaube abzudecken ist: Vertrauen Sie nicht darauf! Diese Methoden sind auf ihre Wirksamkeit nicht geprüft und töten vor allem nicht die Nissen ab. Auch die Anwendung von Teebaumöl ist umstritten und viele Kinder reagieren allergisch darauf.

 

 

Nicht toxische Alternative!

Das renommierte British Medical Journal veröffentlichte 2005 eine Studie, die zeigt, dass Kämmen der Haare allein bei 60% aller Leute genügt um alle Läuse zu entfernen (z.B. mit dem Bug buster kit - siehe www.kopflaus.ch/nikamm.htm) - bei chemischer Lokal-Behandlung allein werden nur 13% geheilt!

Meist werden zur Läusebekämpfung lokal Pyrethrum und Gamma-Hexachlorcyclohexan (Lindan) gebraucht. Pyrethrum (Chrysantthemengift) ist ein Nervengift. Es ist allein nicht nissenabtötend, weshalb zusätzliche Zusatzstoffe benötigt werden, welche wiederum noch mehr Nebenwirkungen zeigen (Magen-Darm, zentralnervöse und Ekzeme). Nie sollte Pyrethrum oder synthetische Pyrethroide bei Säuglingen und in der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden. Bei Kleinkindern kann man diese Giftstoffe nur mit grosser Vorsicht anwenden.
Lindan wirkt auf Läuse als Berührungs- und Atemgift. Lindan ist ein Pestizid aus der Gruppe der halogenisierten Kohlenwasserstoffe (wie auch DDT). Dieselben Bedenken wie bei Pyrethrum müssen deshalb auch bei Lindan gelten.

 

Eine therapeutische Alternative zur Lokalbehandlung, falls das intensive Kämmen nicht ausreicht und welche nicht toxisch ist, gibt es in Form von Präparaten auf der Basis von Kokosnussöl (Aesculo-Gel L, Paranix u.a.). In der klinischen Anwendung haben sich die Öl-Präparate seit Jahren bewährt; die Verträglichkeit für Haar und Kopfhaut ist sehr gut, Nebenwirkungen wurden selten beobachtet. Das pflanzliche Öl wird in das nasse Haar eingerieben und umschliesst die Laus vollständig, auch seine Stigmen. Somit wird die Atmung der Läuse behindert und die Tiere ersticken. Nach einer etwa 60-minütigen Einwirkzeit können die Läuse ausgewaschen werden. Darüber hinaus wird die klebrige Substanz, mit der die Nissen an die Haare angeheftet werden, aufgelöst und die Eier können so ebenfalls ausgewaschen werden.

In einer grösseren Studie (Uni Münster 2003) zeigte sich das Kokosölpräparat in der Eradikation von Nymphen und adulten Läusen ebenso wirksam ist wie Pyrethrum-Extrakt. Es kann auch unbedenklich bei Säuglingen und Schwangeren angewendet werden. (siehe auch blitz-a-t im Anhang!)

 

Lokalbehandlungen wirken aber nur (zusammen mit kräftigen Kämmen) in etwa 85%. 
Bei lokalen Therapieversagern gibt man dann oral das Ivermectin. Dies wirkt dann in 95% - und mit denselben (wenigen) Nebenwirkungen. Die orale Einnahme von Ivermectin geschieht mit 2 Dosen am Tag 1 und 8 von 400 µg pro Kilogramm Körpergewicht.( N Engl J Med 362(10):896-905, 11 March 2010 © 2010 to the Massachusetts Medical Society
Oral Ivermectin versus Malathion Lotion for Difficult-to-Treat Head Lice. Olivier Chosidow, Bruno Giraudeau, Jeremy Cottrell, et al.)

 

 

 

Was ist zu beachten?

  • Versuchen Sie zuerst nur durch kräftiges Kämmen mit einem extra feinen Läusekamm, die Läuse loszuwerden (in 60% möglich).
  • Als Zweites verwenden Sie ein Kokosölpräparat. Tragen Sie es in das leicht angefeuchtete Haar auf, und massieren Sie das ganze Kopfhaar damit. Warten Sie 60 Minuten, fügen Sie Wasser hinzu und spülen Sie anschliessend gründlich aus. Wenn das Haar nach der Behandlung schwer kämmbar ist, waschen Sie mit einem normalen Shampoo oder einer Spülung nach. Dies beeinflusst das Behandlungsergebnis nicht.
  • Nach der Behandlung kämmen Sie das Haar mit einem sehr feinen Kamm (ev. spez.  Lauskamm) aus, um die Nissen zu entfernen. Das braucht Zeit und ist zuweilen mühsam, aber es ist enorm wichtig. Wenn die Eier zurückbleiben, kann es zu erneutem Läusebefall kommen.
  • Wiederholen Sie die Behandlung nach 7 bis 12 Tagen, um sicher zu sein, dass alle Eier abgetötet sind.
  • Untersuchen Sie das Kopfhaar 24 bis 48 Stunden nach der Behandlung. Wenn Sie Läuse oder Nissen finden, wenden Sie sich an Ihren Arzt. Dann wird wohl nur noch die innerliche Therapie etwas helfen.
  • Verwenden Sie Präparate gegen Kopfläuse nicht vorbeugend, etwa um andere Familienmitglieder zu schützen.

 

 

Kopfjucken nach erfolgreicher Behandlung

Es kann sich hier um eine allergische Reaktion, beispielsweise auf die abgestorbenen Kopfläuse oder das Mittel handeln. Suchen Sie den Arzt/die Ärztin auf. Er/sie wird Ihnen ein hilfreiches Medikament verschreiben.

 

 

Filzläuse, Kleiderläuse

Abzugrenzen gegen die Kopfläuse, die nur im Kopfhaar leben, sind die Filz- und die Kleiderläuse. Die Filzläuse leben in den Scham- und Achselhaaren und werden während dem engen Kontakt dieser Regionen zweier Menschen (also v.a. durch Liebemachen) übertragen. Die Kleiderläuse leben in den Kleidern und können etliche Krankheiten übertragen. Man behandelt sie, indem man alle getragenen Kleider in einen Plastiksack steckt und diesen 48 Stunden in einen Tiefkühler stellt. Kleiderwaschen nützt nichts.

 

 

Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, CH-8004 Zürich
Last updated 23.03.2010


Die Auskünfte in dieser Homepage erfolgen unverbindlich und ohne rechtliche Konsequenzen zu meinem Nachteil. Eine konkrete Beurteilung ist lediglich in Kenntnis des Einzelbestandes möglich (siehe auch Disclaimer).

 

blitz-a-t 8. Juli 2009

 Eine pdf-Version dieses blitz-a-t finden Sie unter folgendem Link:

http://www.arznei-telegramm.de/blitz-pdf/b090708.pdf

 VORSICHT DESINFORMATION: UNGEBETENE RATSCHLÄGE ZUR KOPFLAUSTHERAPIE

Kinderärzte in Deutschland erhielten unlängst ungebeten Post von der Deutschen Gesellschaft für angewandte Humanparasitologie (DGAH), einer angeblich unabhängigen Vereinigung von "Experten aus Medizin, Psychologie und Rechtswissenschaften", die Fragen zur Kopflaustherapie stellt und auch gleich selbst beantwortet (1). Dominiert wird das Schreiben von der einseitigen Empfehlung eines "neuartigen 2-Stufen-Dimeticons", das zudem als einziges Präparat mit Handelsnamen genannt wird: NYDA L.* Unklar bleibt jedoch, welche Expertise in der Kopflaustherapie die Mitglieder der Gesellschaft eigentlich haben. Auf unsere entsprechende Anfrage erhalten wir weder von der DGAH noch von ihrem Vorsitzenden eine Antwort. Abgesehen von einem Kinderarzt und einem Allgemeinmediziner finden sich unter den neun Gründungsmitgliedern überwiegend fachfremde Hochschulprofessoren (z.B. für Anatomie oder medizinische Psychologie und Soziologie), Geschäftsleute und ein Rechtsanwalt (2), die alle bislang nicht durch besondere Sachkenntnis zu diesem Thema aufgefallen sind. Eine Ausnahme bildet der zweite Vizevorsitzende der Gesellschaft, der Zoologe W. BÖCKELER: Er gilt als Entdecker des Wirkmechanismus von NYDA (3).

Als Nutzenbeleg für das Dimeticon-Präparat führen die "Experten" einen randomisierten Vergleich mit einer hierzulande nicht zugelassenen 1%igen Permethrinzubereitung an, an dem 145 brasilianische Kinder mit ausgeprägtem Kopflausbefall teilgenommen haben, die während der neuntägigen Prüfperiode in einem Ferienlager untergebracht wurden (4). Auf hiesige Verhältnisse ist die Studie daher nicht übertragbar. Auch ein zitierter In-vitro-Vergleich (5) mit mehreren Kopflausmitteln, von denen lediglich ein weiteres Dimeticon-haltiges Präparat hierzulande unter dem Namen ETOPRIL angeboten wird, bleibt ohne Aussagekraft, da die Läuse lediglich für drei Minuten in die jeweiligen Prüflösungen getaucht und nach weiteren 20 Minuten abgespült werden. Empfohlen wird aber, die klinische Anwendung möglichst genau zu simulieren, indem das fertige Produkt in der vorgesehenen Anwendungsweise (z.B. Spray) getestet wird, wobei die in der Gebrauchsinformation angegebenen Anweisungen hinsichtlich Einwirkzeit, Ausspülen etc. genau eingehalten werden müssen (6). Mit den Angaben in der Gebrauchsinformation nehmen es auch die "Experten" der DGAH nicht so genau: In dem Schreiben heißt es, das Dimeticon-Präparat solle "mindestens 30 Minuten einwirken" (1). Der NYDA-Beipackzettel gibt dagegen mindestens 8 Stunden Einwirkzeit an (7).

Angesichts der nach wie vor unbefriedigenden Datenlage für alle hierzulande angebotenen Produkte bei Kopflausbefall raten wir weiterhin, vom Umweltbundesamt geprüfte und in der so genannten Entwesungsmittelliste (8) aufgeführte Mittel zu verwenden (a-t 2006; 37: 79-83). Genannt werden dort derzeit GOLDGEIST FORTE (Pyrethrum plus Piperonylbutoxid), INFECTOPEDICUL (Permethrin), MOSQUITO Läuseshampoo (Sojaöl plus Kokosölderivate) und JACUTIN PEDICUL Fluid (Dimeticon). Von den ebenfalls gelisteten Sprayzubereitungen JACUTIN PEDICUL Spray (Allethrin plus Piperonylbutoxid) und NYDA raten wir hingegen ab, da sie das Risiko einer Aufnahme der Inhaltstoffe über die Lunge und die Gefahr von Verpuffungen mit der möglichen Folge schwerer Verbrennungen bergen, –Red.

       (R = randomisierte Studie)

    Deutsche Gesellschaft für angewandte Humanparasitologie: Schreiben vom Juni 2009

    http://www.humanparasitologie.de/index.php?view=1

    Pohl Boskamp: ÄP Pädiatrie 2009; Nr. 2: 21

R 4  HEUKELBACH, J. et al.: BMC Infectious Diseases 2008; 8: 115 (10 Seiten)

    OLIVEIRA, F.A.S. et al.: J. Eur. Acad. Dermatol. Venereol. 2007; 21: 1325-9

    BURKHART, C.G., BURKHART, C.N.: Expert. Opin. Drug Saf. 2006; 5: 169-79

    Pohl Boskamp: Gebrauchsinformation NYDA, Stand Febr. 2009

    Bundesamt für Verbraucherschutz u. Lebensmittelsicherheit: Bundesgesundheitsbl.-Gesundheitsforsch.-Gesundheitsschutz 2008, 51: 1220-38

* Gemeint ist NYDA - offenbar ist den Autoren entgangen, dass der Name 2008 geändert wurde, -Red.

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