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Allgemeines zum Schwitzen siehe hier!
Vor Schweiss triefende Hände und Füsse...
Ca. 10% der
Bevölkerung leidet an einem emotionalen stärkeren Schwitzen, meist der
Fusssohlen,
Handflächen sowie der Achselregion. Feuchte Hände vor einer Prüfung kennt wohl jeder.
Einen Hyperhidrotiker lässt emotionaler Stress jedoch geradezu in Schweiss schwimmen.
Achten Sie aber auch darauf, dass ein simpler Namenswechsel vom altbekannten
"übermässigen Schwitzen" zur "Hyperhidrosis" weitreichende
Folgen für die Einschätzung der "Krankheit" haben kann! So glaubten
Teilnehmer an einer Studie (M.E. Young et al.: The role of
medical language in changing public perception of illness. PLoS ONE, 3/12, 2008,
e3875) nicht nur, dass etwa erektile Dysfunktion oder androgenetische
Alopezie sehr viel ernster zu nehmende Krankheiten seine als ihre alltäglichen
Namenvettern, sondern sie befürchteten obendrein, dass die medizinischen
Fachausdrücken beschriebene Wehwehchen auch noch besonders selten seien.
Ältere, bereits etablierte medizinische Fachbegriffe hatten diesen Effekt
allerdings nicht (hier also "Potenzstörungen" oder "männlicher,
genetischer Haarausfall"). Also Achtung vor Cyberchondrie!
Übermässiges Schwitzen sollten Sie aber auch mal so betrachten: Offensichtlich harmonisieren Ihr
Seelenleben und die täglichen Anforderungen nicht miteinander. Die wirksamste Massnahme
ist zugleich die schwierigste. Sie besteht darin, die Ursache für Unausgeglichenheit, ev.
Auch Schlafstörungen und Ruhelosigkeit ausfindig zu machen und zu korrigieren. Nicht
immer gelingt dies, oder es dauert eine Zeit, bis Änderungen herbeigeführt werden
können. Deshalb muss häufig auch symptomatisch therapiert werden.
Therapie
Bei der Achselhöhlen-Hyperhidrosis
erzielt man gute Erfolge mit Aluminiumchlorid-Hexahydrat. Der Apotheker mischt zunächst
eine Grundlage aus 1 bis 2% Methylzellulose (bei der Galenik dieser Lösung ist
es besonders wichtig, die Zellulose 24 Stunden vor Zugabe des Aluminiumchlorids
quellen zu lassen) und destilliertem Wasser an, und fügt dann 15
bis 20% Aluminiumverbindung dazu. Das so erhaltene Gel muss man vor der Nachtruhe
auftragen und sanft einmassieren. Nachts, wenn in der Regel kein Schweiss produziert wird,
kann der Wirkstoff in die Ausführungsgänge der Schweissdrüsen eindringen und dort als
festpappenden Pfropf die Drüse verschliessen. Allerdings sollte teure
Nachtwäsche während des Behandlungszeitraums nicht getragen werden, da die
Textilfasern angegriffen werden können.
Rp:
Aluminiumchlorid x 6H2O 6,25 (bis 10,00) g,
Adulsion MH
300
0,75 g,
Aqua purificata ad
50,00 g.
Zu Beginn sollte man jeden 2.Abend eincremen. So lange, bis ein Effekt zu verzeichnen ist
dies ist in der Regel nach 3 bis 5 Anwendungen der Fall. Darauf kann einmal
wöchentlich weitergefahren werden. Nach vielen Monaten bilden sich die Schweissdrüsen
vollständig zurück, so dass dann keine weitere Therapie erforderlich ist.
In den handelsüblichen Deos sind zwar teilweise ebenfalls Aluminiumverbindungen
enthalten, aber andere, unwirksamere Verbindungen und niemals die notwendigen
Konzentrationen von 15%. Sie sind somit in ihrer Wirksamkeit deutlich schwächer.
Zweitens kann man auch hier Gleichstrombäder anwenden. Bei der generalisierten
Form der idiopathischen Hyperhidrosis kann man mit Erfolg Stanger-Bäder (zwei-
bis dreimal in der Woche) einsetzen (in einer dermatologischen Klinik).
Unterstützend empfehle ich drittens in jedem Falle
psycho-vegetative Umstimmungsbehandlungen in Form von Entspannungsübungen
(autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Meditationen) sowie das
Trinken von Salbeitee (mind. 2 Liter täglich).
Bei Schweissfüssen und händen
funktioniert die Therapie mit Aluminiumsalzen allerdings nicht! Hier kommt die
Leitungswasser-Iontophorese zur Anwendung: Mit einem Stromgenerator wird Gleichstrom von
10 bis 25 mA und 60 Volt (= ca. Stromstärke eines Weidezauns. Neuerdings auch Geräte mit
gepulstem Gleichstrom ohne diesen Weidezaun-Effekt) erzeugt. Beide Elektroden befinden
sich jeweils in einem Wasserbecken und sind durch Schwammtücher abgedeckt. Man taucht
dann in jedes Becken einen Fuss bzw. eine Hand. Eine Sitzung dauert 15 Minuten. Nach etwa
10 Anwendungen (mindestens dreimal pro Woche, höchstens einmal täglich) wird die Polung
für zehnmal gewechselt. Weiter mit 1 bis 2 Sitzungen pro Woche und jeweils alternierender
Polung. Dies ist eine Dauertherapie, die man aber gut zu Hause mit einem Heimgerät
durchführen kann.
Daneben und zuerst sollten Sie Ihren Füssen frische Luft verschaffen:
- Treiben Sie regelmässig Sport (3 Stunden pro Woche
in mindestens 3 Portionen). Je mehr der Körper natürlicherweise schwitzt, desto weniger
schwitzt er zwischendurch. Damit wird der Reglermechanismus der vegetativen
Steuerung wieder ins Gleichgewicht gebracht. Der Körper wird anders gesagt
auf das Niveau gebracht, welches das "unsinnige" Körpersymptom
(hier die Hyperhidrosis) vorgegeben hat. Mit demselben Prinzip kann man z.B.
auch das gutartige Herzrasen (supraventrikuläre Tachykardie) stoppen: Man
rennt kurz um den Block und bringt so den Körper auf das vorgegebene
Niveau.
Mit diesem Prinzip können auch regelmässige Saunabesuche helfen.
- Laufen Sie viel barfuss. So massieren Sie Ihre Fusssohle und reduzieren gleichzeitig die
Aktivität der Schweissdrüsen am Fuss.
- Heiss-kalte Fuss-Wechselbäder haben einen ähnlichen Effekt. In der Sauna lernt der
Körper ebenfalls, seine Schweissdrüsen zu regulieren.
- Mineralwasser, Kaffee und Alkohol fördern den Fussschweiss. Löschen Sie Ihren Durst
lieber mit klarem Wasser.
- Reduzieren Sie Übergewicht. Das vermindert auch den Fussschweiss.
- Waschen Sie Ihre Füsse jeden Tag mit einer ph-neutralen Seife. Sie bekämpft die
geruchsauslösenden Bakterien.
- Sprühen Sie vor dem Anziehen der Schuhe ein natürliches Deo auf Ihre Füsse und in die
Schuhe.
- Bestäuben Sie Ihre Füsse, besonders auch zwischen den Zehen, mit Fusspuder Es kühlt
die Haut und tötet Keime ab. Auch in Ihren Socken oder Strümpfen nützt der Puder.
- Wenn Sie orthopädische Einlagen tragen müssen, schaffen Sie sich drei oder vier an und
wechseln Sie sie täglich aus. Nach einem Tag sind sie ausgelüftet. Wechseln Sie auch
möglichst oft die Schuhe. Sie brauchen zum Auslüften zwei Tage.
- Baden Sie die Füsse 15 Minuten lang in lauwarmem Wasser, das sie mit einem Liter
Tomatensaft versetzt haben. Auch ein Salbeibad hilft schnell.
Von operativen Verfahren,
die meist als letzte Verzweiflungstat angewendet werden, rate ich dringend ab, da sie ausgesprochen
unangenehme Begleiterscheinungen haben können. Bei der Ausschneidung der
Achsel-Schweissfelder schränkt die Narbenbildung oft die Beweglichkeit des Armes ein. Und
eine Sympathektomie (Durchtrennung der entsprechenden Nerven im Hals) kann ausser
Neuralgien eine ausgleichende Hyperhidrosis bislang unauffälliger Körperregionen nach
sich ziehen. In diesem Fall kommt der Patient buchstäblich vom Regen in die Traufe, wenn
die Achseln nach der Operation zwar trockener sind, dafür aber der Schweiss von den
Brustwarzen bis zum Bauchnabel rinnt. Daneben können Recurrensparese
(Durchtrennung des Recurrensnerven zur Stimmlippe mit Heiserkeit), Pleuraerguss
(Wasser auf der Lunge), Pneumothorax (Kolabieren eines Lungenteils), etc.
auftreten! Zum anderen ist ein anhaltender Erfolg trotz des mehrwöchigen
stationären Spitalaufenthaltes nicht zu garantieren.
Hierzu aber auch die Stimme von Betroffenen:
A.A. litt unter massivster Hyperhidrosis der Hände. Mit einem Schnitt durchtrennte ihr
der Aargauer Chirurg Peter Schmid unter örtlicher Betäubung jenen Nervenstrang, der
die Impulse zur Schweissabsonderung an die Schweissdrüsen weiterleitet. Seither schwitzt
sie nicht mehr an den Händen. Dafür um so mehr am Bauch, am Rücken und an den
Beinen. «Aber das stört mich viel weniger.» Auch sie beteuert: «Ich bin ein
anderer Mensch, seit ich nicht mehr ständig nasse Hände habe.» Die rund 4400
Franken teure Operation (2001) bezahlte die Krankenkasse. Die Wirkung der Operation
war hier dauerhaft: T.R. (33) liess sich vor vier Jahren operieren. Sie konnte nicht einmal
ihren Wunschberuf als Schneiderin erlernen, weil sie ständig nasse Hände hatte. Vor
vier Jahren sei sie «wie neu geboren», schwärmt sie noch heute.
«Die Operation wirkt immer bei Handschwitzen und meistens bei Kopfschwitzen. Je nach
Nervenstrang, den man durchtrennt, kann man die Hände und den Kopf oder die Füsse
<trocken legen>», sagt der Chirurg Peter Schmid. «Aber an der gesamten
Schweissmenge eines Menschen kann man damit nichts ändern. Wer an den
Händen weniger schwitzt, tut es dafür anderswo um so mehr.» Deshalb sei die
Operation kein Wundermittel. Ausserdem sei der Eingriff nicht wieder rückgängig zu
machen. Peter Schmid operiert nur sehr zurückhaltend. «Die Betroffenen sollen alle
anderen Behandlungsmöglichkeiten schon ausprobiert haben und stark unter ihrem Schwitzen
leiden», sagt er. Denn: «An den Folgen des Eingriffs kann man auch sterben.»
Auch der Zürcher Hautarzt Erich E. Küng empfiehlt die Operation nur als letzten Ausweg.
«Man weiss nicht genau, was man damit anrichtet, wenn man das Schwitzen
unterbindet», sagt er. (aus PulsTip, Juni 2000)
Die Behandlung der lokalisierten Hyperhidrosis mittels der Injektion von Botulinustoxin
hat in einzelnen Fällen zu einer vorübergehenden Besserung geführt. Für
grossflächige Fälle ist sie aber ungeeignet.
Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, CH-8004 Zürich
Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich kein "Spezialist" für obiges Thema bin. Es interessiert mich aber im bescheidenen Rahmen meiner hausärztlichen Tätigkeit. Melden Sie sich nicht in der falschen Hoffnung in meiner Sprechstunde an, um Patentrezepte zu erhalten.
Last updated 24.05.2009
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