Fernreisen mit dem Flugzeug können für Passagiere mit bestimmten Erkrankungen gefährlich werden. Aber auch bei gesunden Menschen kann es zu Beschwerden kommen. So ist das Ferienvergnügen schon dahin, bevor es überhaupt begonnen hat. Mit ein paar kleinen Tricks können Sie vorbeugen:

  • Allgemein kann man eigentlich sagen, dass derjenige mitfliegen darf, der ins Flugzeug steigen kann. Und etwas einschränkend: Jeder, der eine Passfahrt über  2000 Meter ü.M. Höhe erträgt.
  • Wichtig und beschränkend ist meist der Rummel vor und um den Abflug.
  • Sowohl beim Start des Flugzeugs wie auch bei dessen Landung muss die Druckdifferenz im Ohr ausgeglichen werden. Normalerweise hilft dabei ganz einfach schlucken. Nicht so, wenn Sie zu den Schnupfen-Kranken (ganz schlimm ist eine Nasennebenhöhlen- oder Ohr-Entzündung!) gehören: Wegen Ihrer geschwollenen Nasenschleimhaut gelingt Ihnen das meist nicht. Deshalb müssen Sie mit Ohrenschmerzen rechnen. Im schlimmsten Fall kann Ihnen das Trommelfell platzen oder es kann zu Blutungen im Mittelohr oder im Bereich der Nasennebenhöhlen kommen. Einfaches Mittel, um solchen Beschwerden vorzubeugen: jeweils etwa 15 Minuten vor dem Start und etwa 30 Minuten vor der Landung ein Schleimhaut-abschwellender Nasenspray verwenden.
  • Gefährlich kann ein Langsteckenflug auch sein für Patienten mit starken Krampfadern oder für übergewichtige Frauen, die zudem rauchen und die Pille schlucken. Ihnen droht eine Thrombose oder eine Lungenembolie. Tragen Sie während des Fluges unbedingt Stützstrümpfe und stehen Sie gelegentlich auf, nehmen Sie kein Schlaf- oder Beruhigungsmittel im Flugzeug (Sie bewegen sich dann kaum mehr) und trinken Sie viel (siehe unten), falls Sie zu dieser Risiko-Gruppe gehören. Und trinken Sie keinen Alkohol, da Sie damit noch mehr austrocknen und das Risiko steigt, ein Gerinnsel zu bilden.
  • Die Luftfeuchtigkeit im Flugzeug beträgt nur drei bis zehn Prozent. Das entspricht einem trockenen Wüstenklima. Deshalb sollten alle Passagiere jede Stunde mindestens einen Dezilliter trinken. Trinken Sie vorzugsweise Mineralwasser oder Säfte (Vermeiden Sie Alkohol und Kaffee, welche austrocknen).
    Auch Ihre Schleimhäute trocknen aus und sind dadurch anfälliger auf die Viren des hustenden Banknachbars. Ein hustender Fluggast sollte sich deshalb freundlicherweise angewöhnen, einen Mundschutz zu tragen.
  • Achten Sie darauf, dass Alkohol während dem Flug eine viel stärkere Wirkung als auf der Erde entfaltet. Ein Glas Bier oder Wein hat denselben Effekt wie zwei bis drei Gläser desselben Getränks auf der Erde.
  • Kontaklinsenträgerinnen und -träger sollten während Langstreckenflügen möglichst auf ihre Haftschalen verzichten und stattdessen die Brille anziehen. Denn die tiefe Luftfeuchtigkeit kann die Augen reizen und röten oder zu Entzündungen führen.
  • Taucherinnen und Taucher sollten 12, besser 24 Stunden vor dem Abflug aus dem Wasser steigen. Grund: im Flugzeug kommt es zu einem zusätzlichen Druckabfall. Von Juckreiz bis Hirnschlagähnliche Symptome können die Folge sein.
  • 4 Wochen vor der Geburt sollte in der Schwangerschaft nicht mehr geflogen werden.
  • Eine akut infektiöse Krankheit (und ev. auch übelriechende Leiden) sind für den Mitpassagier eine Zumutung!
  • Gegen Jet-Lag hilft das natürliche Hormon Melatonin leider herzlich wenig:
    Ein systematisches Review aus Canada untersuchte an Hand von 13 elektronischen Datenbanken und relevanten Referenzlisten die Effektivität einer Melatonin-Einnahme bei sekundären oder durch Tagesrhythmus- Änderungen hervorgerufenen Schlafstörungen, wie z.B. Jet Lag und Schichtarbeit. Sechs randomisierte Studien mit 97 Teilnehmern zeigten keinen Hinweis für eine Wirkung von Melatonin bezüglich der Einschlafphase bei Personen mit sekundären Schlafstörungen. Ebenso konnten 9 randomisierte Studien mit 427 Teilnehmern keine Wirkung bei Einschlafschlafstörungen wegen Schlafentzug nachweisen. Weitere 17 randomisierte Studien mit 651 Teilnehmern konnten die gute Verträglichkeit von Melatonin bei Kurzzeiteinnahme unter drei Monaten dokumentieren. Die Autoren schliessen daraus, dass es keinen Hinweis für eine Wirkung von Melatonin in der Behandlung sekundärer Schlafstörungen gibt. Melatonin ist in der Kurzzeittherapie nebenwirkungsarm und gut verträglich. (
    Buscemi N. et al. BMJ 2006; 332:385-393 Feb. 2006)
    Was hilft dann? Versuchen Sie bereits ein paar Tage vorher zu Hause die Nachtzeit am Ankunftsort zu imitieren und in dieser Zeit etwas Abzudunkeln und die Essenszeiten dem Ferienort anzugleichen. Das Licht und das Essen sind unsere Zeitgeber und müssen sich anpassen.

 

 

Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, CH-8004 Zürich

 

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich kein "Spezialist" für obiges Thema bin. Es interessiert mich aber im bescheidenen Rahmen meiner hausärztlichen Tätigkeit. Melden Sie sich nicht in der falschen Hoffnung in meiner Sprechstunde an, um Patentrezepte zu erhalten.

 

Last updated 15.04.2012

 

  Lassen Sie sich  über die News dieser Website durch meinen Blog informieren!

 

Die Auskünfte in dieser Homepage erfolgen unverbindlich und ohne rechtliche Konsequenzen zu meinem Nachteil. Eine konkrete Beurteilung ist lediglich in Kenntnis des Einzelbestandes möglich (siehe auch Disclaimer).