Lyme-Borreliose

Zecken, in Europa vor allem der Holzbock, können durch ihren Stich auch (neben der viralen Frühsommer-Meningoenzephalitis = FSME-Virus und weiteren selteneren Krankheiten) die Lyme-Borreliose (durch das Bakterium Borrelia burgdorferi) übertragen. Diese Borrelien finden sich in ca. einem Drittel aller Zecken in allen Wäldern der Schweiz vor (während der FSME-Virus nur in gewissen umgrenzten Gebieten heimisch ist). Die grösste Stechaktivität zeigen die Tiere im Frühjahr und im Herbst. Die Zecken leben im Unterholz, sie besteigen keine Bäume. Beim Streifen eines solchen Busches klettert das kleine Tierchen dann auf uns. Menschen werden (wie bei Mücken) unterschiedlich stark befallen.
Sie klettert auf uns rum bis sie einen Hautbezirk gefunden hat, der für den Anstich und das Blutsaugen günstig ist. Das Saugen selbst benötigt 2 bis 9 Tage. Die Gefahr der Übertragung der Erreger nimmt mit der Dauer des Saugens zu. Deshalb ist es sehr wichtig, eine Zecke so schnell wie möglich (und zwar ohne Betäubung durch Öl oder Leim, etc. – dies hat nämlich ein Ausschütten des ganzen Zeckeninhalts und dadurch eine stärkere Übertragung zur Folge!) zu entfernen.

Die Lyme-Borreliose (ausgesprochen Laim-Borreliose) ist häufig, aber noch zu wenig bekannt. Sie ist medizinisch gesehen eine komplizierte Krankheit, da praktisch alle Organe erkranken können, wenn auch mit Vorliebe die Haut, die Gelenke, das Nervensystem, die Muskeln oder das Herz. Die Krankheit, die nur die wenigsten der gestochenen Menschen erleiden (unter einem Prozent - in der Schweiz seit Jahren konstant etwa 3000 bis 5000 jährlich.) kann in verschiedenen Stufen (Stadien) ablaufen:

 

 

Stadium I

Lokalstadium: "Leider" bemerken nur 20% diesen Hautausschlag (Erythema migrans) mit ev. grippeartigen Beschwerden. In diesem Stadium ist nämlich die Borreliose praktisch sicher mit 10 bis 14 Tage Antibiotikum heilbar. Wenige Tage bis 3 Wochen nach dem Stich erscheint dort eine ringartige Hautrötung, der gegen aussen fortwächst und im Zentrum wieder abblasst. Nach Tagen bis Wochen verschwindet die Rötung spontan, nach Behandlung mit Antibiotika in der Regel schon nach wenigen Tagen.

 

 

Stadium II

Gelangen die Erreger von der Haut ins Blut, dann können sie im ganzen Körper streuen. Es können diverse Krankheiten der Haut entstehen (Acrodermatitis chronica atrophicans, Morphaea, Lichen sclerosus et atrophicans, Lymphadenosis cutis benigna), dann auch der Gelenke, Muskeln und Bänder (Arthritis, Myositis, Fibromyalgie), des Herzes (Karditis) und des Nervensystems (Meningitis, Enzephalitis, Neuritis, Myelitis, Entzündung der Augen und des Innenohrs). Wenn im Stadium II rechtzeitig eine (längerdauernde, meist 4 Wochen lange) Therapie mit Antibiotika durchgeführt wird oder wenn die Krankheit spontan, d.h. ohne medizinische Hilfe heilt, entsteht an den Organen kein bleibender Schaden.

 

 

Stadium III

Wenn im Stadium II nicht rechtzeitig eine Heilung zustande kommt, so können bleibende Organschäden entstehen, die dann trotz Therapie nicht mehr geheilt werden können. Es entstehen an den Gelenken z.B. Arthrosen oder an den Nerven chronische Funktionsstörungen.

 

Ob ein Patient nun erst im Stadium II oder schon im III ist, wird erst der weitere Verlauf an den Tag bringen (Abklingen der Symptome oder eben nicht). Bei Gelenkentzündungen muss mit einer Heilungszeit von einem Jahr gerechnet werden!

 

Eine Immunität entsteht leider nach der Lyme-Borreliose nie (im Gegensatz zur FSME),

 

FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis)

Die Berichterstattung über Zecken hat sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Es ist von "Blutsaugern" die Rede, von "Mini-Vampiren", von "Angriff" - selbst unsere Armee ist "im Krieg" gegen unser gefährlichstes wildlebendes Tier. Andere Länder habe Klapperschlangen, weisse Haie oder hungrige Löwen - wir haben den gemeinen Holzbock...
Was in der ganzen Hysterie vergessen geht, ist, dass zeckenbedingte Erkrankungen sehr selten sind und nicht etwa zunehmen. Die gefürchtete Zeckenenzephalitis (FSME-Virus) nimmt nach einem Anstieg im 2005 deutlich ab - im Jahr 2008 waren es noch 123 Fälle, so viel wie vor zehn Jahren auch. Und an der Lyme-Borreliose (Bakterium) erkranken seit Jahren konstant 3000 bis 5000 Menschen in der Schweiz. Sie ist mit Antibiotika gut behandelbar.
Die Angst in der Bevölkerung ist also masslos übertrieben. Schuld sind nicht zuletzt überforderte und unseriöse Ärzte, die mit Abzock-Methoden und sinnlosen Laboruntersuchungen eine Menge Geld verdienen - und auch die Pharmaindustrie, die uns die Impfungen verkaufen will.
Doch all dieser Panikmache zum Trotz: Die Zeckenkrankheit FSME tritt in der Schweiz nicht häufiger auf als früher. Seit etwa acht Jahren bleibt die durchschnittliche Zahl der Erkrankungen konstant bei etwa 100 Fällen - auch wenn es von Jahr zu Jahr starke Schwankungen geben kann. Zudem treten die allermeisten Fälle noch immer in den bekannten Risikogebieten auf - wie am Beispiel der Schweiz in gewissen Regionen der Kantone Schaffhausen, Zürich und Thurgau.
Und selbst in diesen Risikogebieten ist die Gefahr klein, ernsthaft krank zu werden. Denn nur jede hunderste bis tausendste Zecke ist mit FSME-Viren verseucht. Und nur jeder zehnte Mensch, der von einer infizierten Zecke gestochen wird, erkrankt. Die meisten von ihnen an einer harmlosen Form, die einer Sommergrippe gleicht. Eine schwere FSME führt zu starken Kopfschmerzen, hohem Fieber, Bewusstseinsstörungen und manchmal auch Lähmungen.
Auch die Klimaerwärmung wird in Mitteleuropa nicht zu einer FSME-Epidemie führen - ganz im Gegenteil: Sie wird die Krankheit in der Schweiz wahrscheinlich zum Verschwinden bringen.
Die klimatischen Veränderungen haben zwar einen Einfluss auf die Zecken. Bei einem milden Winter sterben weniger Zecken in ihrer Winterruhe unter dem Boden. Die Folge: Im Frühling hat es mehr davon. Und das wärmere und mildere Klima lockt die Tiere zudem Richtung Norden und in die Berge. Bereits heute findet man Zecken auf 1500 Metern über Meer, wo es vor einigen Jahren noch keine gab.
Doch ein britisches Wissenschaftlerteam aus Oxford hat aufgrund von Klimadaten berechnet, dass es bereits im Jahr 2020 in der Schweiz und in Südeuropa keine FSME-infizierten Zecken mehr geben wird. Denn dann werden ihnen die Sommermonate zu trocken und zu heiss sein. Und die älteren Tiere können das Virus nicht mehr auf die jungen übertragen. Im Jahr 2080 finden sich vermutlich nur noch in Skandinavien infizierte Zecken, so die englischen Forscher.
Es gibt heute also kaum Gründe, die Impfempfehlungen auf weitere Personen auszuweiten. Laut BAG (Schweizer Bundesamt für Gesundheit) sollten sich Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren impfen lassen, wenn sie sich während der Zeckensaison an mindestens 14 Tagen in den Wäldern der Risikogebiete aufhalten oder ausgesprochen häufig von Zecken gestochen werden. Kleinkinder brauchen aber meistens keine Impfung. Denn sie erkranken nur höchst selten an FSME.
Also: Das Infektionsrisiko ist sehr gering. Deshalb kann man auf eine allgemeine Impfaktion bei der Bevölkerung der betroffenen Gebiete verzichten. Es sollten sich nur diejenigen Leute impfen, die in den letzten Jahren mit demselben Verhalten im Wald auch schon Zecken auf sich fanden.

 

 

vor Zecken schützen

Zecken können nicht nur FSME übertragen, sondern auch die Bakterien-Infektion Borreliose (siehe zuoberst). Dagegen gibt es keine Impfung. Deshalb sollte jeder gewisse Vorsichtsmassnahmen einhalten:

  • Nicht barfuss, mit offenen Schuhen oder kurzen Hosen im Wald oder am Waldrand gehen. 
  • Bei anliegenden Kleidern haben es Zecken schwerer, an die Haut zu kommen. Das gilt auch, wenn die Hosenbeine in den Socken stecken.
  • Tragen Sie dunkle Kleider, auch wenn man darauf die Zecken schlechter sieht. Denn Zecken befallen häufiger Menschen mit heller Kleidung.
  • Wer im Wald war, sollte danach die Kleider absuchen.
  • Suchen Sie sich beim Duschen nochmals sorgfältig nach Zecken ab. Sie siedeln mit Vorliebe in den Kniekehlen, beim Bauchnabel, an den Innenseiten der Schenkel oder in den Achselhöhlen und auf den Schultern.
  • Spezielle Zeckenschutzmittel bieten zu wenig Schutz. Sie ersetzen auf keinen Fall obenstehende Vorsichtsmassnahmen. 
  • Eine interessante Methode wurde im JAMA vorgestellt (Stjernberg, Garlic as an insect repellent, JAMA 2000; 284: 831):Knoblauch in Kapselform, täglich 1200 mg weist auch Zecken ab (hoffentlich nicht auch die Mitmenschen...).

 

 

weitere Zeckenkrankheiten

  • Ehrlichiose
    Die humane granulocytäre Ehrlichiose (HGE), wird erst seit 1991 beschrieben (USA).
    (In der Tiermedizin sind verschiedene Ehrlichia-Arten als Krankheitserreger bekannt.)
    Meist etwa 10 Tage nach Zeckenstich bricht die Krankheit mit grippeartigen Symptomen aus.
    In seltenen Fällen schwere akute Krankheitsverläufe.
    Die Blutuntersuchung zeigt oft Leukopenie, Thrombopenie, Anämie, leicht erhöhte Transaminasen.
    Diagnose durch direkten mikroskopischen Erregernachweis in den Leukocyten und durch Nachweis der Serokonversion.
    Therapie mit geeigneten Antibiotika, Doxycyclin 2 x 100mg 7 bis 14 Tage lang.
  • Tularämie
    Die Hasenpest des Bakteriums Francisella tularensis - verschiedene Verlaufsformen: siehe hier: am häufigsten diejenige mit Fieber, Kopfschmerz und gerötetem Hautulkus und schmerzhaft vergrösserten Lymphknoten.
    Therapie mit Doxycyclin 2 x 100mg für 14 bis 21 Tage oder Ciprofloxacin 2 x 750mg.
  • Babesiose
    Teilweise monatelange Infekte, allerdings oft mild verlaufend.
    Tetrazykline mässig wirksam, Behandlung z.B. mit  iv Clindamycin +
    Chinin wird empfohlen.
  • Rickettsiosen
    Evtl. auch im Mittelmeergebiet. Sollen meist eher  harmlos verlaufen.
  • Rückfallfieber:
    .... (Rocky mountains, bei uns nicht bekannt)
    durch weiche, kurz saugende Zecken übertragen.

 

 

Literatur: "Zeckenkrankheiten" von Dr.med. Norbert Satz, Hospitalis-Buchverlag, ISBN 3-9520640-0-9

 

 

Copyright© by Dr. med. Thomas Walser, CH-8004 Zürich
Last updated 08.06.2009


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