Achtung!

Gemäss einer Untersuchung (Arch Intern Med, März 97) litten über die Hälfte der Patienten mit der Diagnose "Panikattacke" unter einer Herzrhythmusstörung mit schnellem Puls, der sog. paroxysmalen supraventrikulären Tachykardie, die während Jahren nicht erkannt worden war!

 

soziale Phobie

In der Bevölkerung sind Angststörungen weit verbreitet. Grosse Studien zeigen, dass jede vierte befragte Person in ihrem Leben schon an einer Angststörung litt. Neuerdings hat sich die soziale Phobie als häufigste Angststörung entpuppt. Hauptsächlich das Sprechen in der Öffentlichkeit oder vor einer Gruppe fällt den Betroffenen extrem schwer, weil sie eine Riesenangst vor den kritischen Blicken und dem vermeintlich vernichtenden Urteil ihrer Zuhörer haben. Aber auch die Kontaktaufnahme für Gespräche mit anderen Personen ist schwer beeinträchtigt, weil Patienten mit sozialer Phobie befürchten, Dummheiten zu sagen und sich lächerlich zu machen. Es handelt sich um ein stilles Leiden, auf das sich nicht selten noch eine Depression aufpfropft. Es ist wichtig zu wissen, dass Betroffene vermehrt Suizidgedanken haben und gehäuft Suizidversuche unternehmen.

 

generalisierte Angststörung

Das generalisierte Angstsyndrom (monatelang ununterbrochen anhaltende Angst und unnötige Sorgen) kommt einher mit eigentlichen Panikattacken, d.h. abgegrenzte, plötzliche Perioden mit Ängstlichkeit oder Furcht (ohne klare Ursache oder Phobie) mit diversen körperlichen Symptomen während der Attacken: Atemnot, Herzklopfen oder -rasen, Schmerzen oder Unwohlsein in der Brust, Erstickungs- oder Beklemmungsgefühlen, Benommenheit, Schwindel oder Gefühl der Unsicherheit oder der Unwirklichkeit, Kribbeln in Händen oder Füssen, Hitze- und Kältewellen, Schwitzen, Schwäche, Zittern oder Beben, Furcht zu sterben, verrückt zu werden oder während einer Attacke etwas Unkontrolliertes zu tun.

 

Phobien

Weitere häufige Angststörungen sind die einfachen Phobien (z.B. Furcht vor Sessel- oder Seilbahn, vor Tieren, vor dem Anblick von Blut), die Agoraphobie (Furcht vor Menschenmengen).

 

Jede zehnte Person, die sich an den Hausarzt wendet, schlägt sich mit einer Angststörung herum. Doch nur zur Hälfte werden die Angstkrankheit vom Arzt auch wirklich erkannt, da die Patienten selten von sich aus über ihre Angstgefühle sprechen, sondern in der Regel über körperliche Symptome berichten. Doch bereits mit 4 einfachen Screening-Fragen kann der Hausarzt einer Angststörung auf die Spur kommen:

Fühlten Sie sich in letzter Zeit angespannt, nervös, angetrieben?
Machten Sie sich viel unnötige Sorgen oder ängstigten Sie sich sehr?
Waren Sie in letzter Zeit reizbar?
Hatten Sie Mühe, sich zu entspannen?

 

Falls mindestens 2 dieser Fragen bejaht werden, sollten noch weitere 5 Screening-Fragen beantwortet werden:
Haben Sie in letzter Zeit schlecht geschlafen?
Hatten Sie Kopf- oder Nackenschmerzen?
Hatten Sie etwas von den folgenden Beschwerden: Zittern, Kribbelgefühle, Schwindelgefühle, Schwitzen, häufiges Wasserlassen, Durchfall?
Haben Sie sich unnötige Sorgen um Ihre Gesundheit gemacht?
Hatten Sie Mühe mit Einschlafen?

 

Total Punkte: 

  (Für jede der insgesamt 9 Screening-Fragen wird 1 Punkt gezählt.)
Beträgt das Total 5, so liegt mit 50% eine bedeutsame Angststörung vor. Mehr als 5 Punkte vergrössern diese Wahrscheinlichkeit!

 

Therapie

Angst ist primär ein lebenswichtiges Gefühl. Dies vor allem immer dann, wenn sie reale Gefahren anzeigt. Manchmal trauen sich die Menschen nicht, die reale Gefahr zu sehen, z.B. vor einer Trennung, einem Tod, einem atomaren Unfall. Angst sollte nicht mit allen "Huchs" und "Achs" zelebriert werden, sondern auf etwas bezogen werden, um in ihrer Bedeutung erkannt zu sein, Angst sollte immer als Impuls zum Nachdenken, zum Suchen genutzt werden.
Also nicht gegen die Angst etwas tun, sondern aus ihr etwas machen: Um die Angst herumgehen, sie von allen Seiten angucken, ihr zuhören. Gesprächstherapie z.B. wäre also eine Begleitung zu aktiverem, bewussterem Leben.

Dann sollte man noch nützliche Dinge beachten:

  • Es existieren auch organische Krankheiten, die eine Angstsymptomatik zur Folge haben. Dann kann das Ganze natürlich auch durch Einnahme von Drogen oder auch von Arzneimitteln verursacht sein!
  • Kaffee und Koffein in jeglicher Form ist eine der Drogen, die am stärksten empfindlich auf Ängste macht. Mit Angststörungen sollte man Kaffee meiden!
  • Anregung des Speichelflusses kann eine Panikattacke beenden. Mit Einsetzen einer vermehrten Salivation (z.B. mit Zitronensaft, sauren Bonbons, Kaugummi,...) wird der X. Hirnnerv, der N. Vagus angeregt. Der Vagus ist der "Herrscher" des parasympathischen Teils des vegetativen Nervensystems. Dadurch wird der sympathische Teil davon gehemmt und damit die Panikattacke, die diesem Teil zugehörig ist, leichter.
  • Rennen hilft sehr gut gegen krankhafte Panik, "wegrennen" oder flüchten quasi: d.h. im Anfall sofort losrennen (und damit der Angst und dem schnellen Puls einen "Grund" geben) und auch zwischendurch viel Lauftraining.
  • Schaukeln hilft: ein bis zwei Stunden täglich im Schaukelstuhl verbringen, beruhigt ungemein (wie der Säugling in den Mutterarmen)!
  • Schafft man es durch ein gewisses mentales Training, während der Attacke positive Tagträume zu initiieren, kann man sich manchmal frühzeitig aus diesem Anfall "ausklinken".
  • Auch Kava-Kava-Extrakt (Pfefferartige Pflanze aus dem Pazifik) ist zur Behandlung generalisierter und diffuser Angstzustände mit körperlicher und vegetativer Symptomatik geeignet. Organische Ursachen oder endogene Depressionen sollten dabei ausgeschlossen sein. Als Stufenschema kann Kava-Kava im Anschluss an ev. primär gegebenen Benzodiazepinen genommen werden (nie in der Schwangerschaft). Im Gegensatz zu den Benzodiazepinen weisen Kava-Kava-Extrakte kein Suchtpotential auf, besitzen jedoch vergleichenden Studien zufolge eine ähnlich hohe Wirksamkeit. Eine Sedierung tritt ebenfalls nicht auf. Autofahren oder Arbeiten an Maschinen sind ungestört möglich.
  • Problem Solving Treatment ist eine Kurzform kognitiver Therapie. Sie fokussiert auf dem Hier und Jetzt und hilft Patienten ihre eigenen Fertigkeiten und Ressourcen besser zu nutzen. Es wird ihnen erklärt, dass ihre Beschwerden mit psychosozialen Problemen zusammenhängen. Gelingt es diese Probleme zu lösen, könnten sich ihre Symptome bessern. Problem Solving erfolgt in folgenden Schritten:  Klärung und Definition des Problems, Wahl erreichbarer Ziele, Lösungsoptionen generieren, Wahl bevorzugter Lösungen, Implementierung bevorzugter Lösungen, Evaluation. Wirksamkeitsstudie hier>>>
  • Adressen von Selbsthilfegruppen:
    Selbsthilfezentrum Hinterhuus, Feldbergstrasse 55, 4057 Basel, Telefon 061 692 81 00
    Pro Juventute, Frongartenstrasse 16., 9000 St.Gallen , Telefon 071 228 09 70
    Das Kantonsspital Basel führt Kurse für Angst- und Panikpatienten durch. Tel. Abteilung Psychiatrie 061 265 50 40; Tel. Abteilung Psychosomatik 061 265 52 94
    Buchtipps: 
    * Panikattacken - Angst ohne Grund? Ursachen, Therapie, Praktische Hilfe zur Selbsthilfe, Christine Barsch/Inga-Maria Richberg, Mosaik-Verlag, 1996
    * Ängste verstehen und hinter sich lassen. Wie Sie belastende Ängste und Depressionen aufgeben, eigene Stärken entdecken und endlich Ihr Leben leben. Cornelia Dehner-Rau, Harald Rau, Trias, Stuttgart 2007 - sehr gelungen und alltagstauglich! Botschaft: Die Befreiung aus dem "inneren Gefängnis" ist realisierbar!

 

 

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Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich kein "Spezialist" für obiges Thema bin. Es interessiert mich aber im bescheidenen Rahmen meiner hausärztlichen Tätigkeit. Melden Sie sich nicht in der falschen Hoffnung in meiner Sprechstunde an, um Patentrezepte zu erhalten.

Last updated 25.11.2007


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