Alzheimer-Krankheit

 

Eine progressive und fatale neurodegenerative Erkrankung tritt mit einer Frequenz von 1% bei Sechzigjährigen und bis zu 30% bei 85jährigen auf.

 

 

10 Warnsymptome der Alzheimer-Krankheit

  • zunehmende Gedächtnisprobleme:
    Daraus resultierende Einschränkung der beruflichen Fähigkeiten. Einfaches Sich-Nicht-Erinnern an Namen ist noch völlig normal (v.a. über 70). Hilft man etwas, erinnert man sich wieder. Alzheimerkranke dagegen zeigen nicht nur Schwierigkeiten mit Namen, sie erkennen auch die Person nicht oder haben entscheidende biografische Informationen der Person vergessen. Anfangsbuchstaben oder andere Hinweise, führen bei ihnen nicht zum Ziel.
    Als Frühsymptom haben dies aber nur Frauen - die Männer jedoch Schwierigkeiten mit instrumentellen Aktivitäten im täglichen Leben (IADL - v.a. beim Erledigen der finanziellen Angelegenheiten)!
  • Schwierigkeiten beim Erfüllen häuslicher Pflichten:
    Vergessen ganzer Erlebnissequenzen.
  • Sprachschwierigkeiten:
    Wortfindungsstörungen, falsches Verwenden bzw. Verstehen abstrakter Begriffe.
  • Zeitliche und räumliche Orientierung:
    Verlaufen in bekannter Umgebung, beeinträchtigte Zeichen- und Schreibfähigkeit, falsche Wiedergabe von Datum und Jahreszeit.
  • Urteilsvermögen herabgesetzt:
    Unpassende Kleidung.
  • Probleme beim abstrakten Denken:
    Formalitäten werden zum Problem, knifflige Aufgaben unlösbar.
  • Sachen verlegen:
    Versorgen von Gegenständen an inadäquaten Orten (z.B. Kleider in Kühlschrank).
  • Stimmungsschwankungen
  • Persönlichkeitsveränderungen:
    Verwirrung, Misstrauen, Ängstlichkeit
  • Antriebslosigkeit

 

Eine interessante Alzheimerfrüherkennung könnte das fehlende Unterscheiden von Gerüchen sein (z.B. Seife, Erdnüsse und Menthol kann frühzeitig nicht mehr unterschieden werden) (http://ajp.psychiatryonline.org/cgi/content/abstract/157/9/1399).

 

Überlebenszeit nach der Diagnosestellung M.Alzheimer:
Von 23'000 über 60jährigen Alzheimer-Patienten wurde 521 mit neu diagnostiziertem Alzheimer (in den Jahren 1987 bis 96) verfolgt. Das Überleben betrug im Mittel für Männer 4,2 und für Frauen 5,7 Jahre. Prädiktoren der Mortalität sind schlechte Kognition, signifikante funktionelle, vor allem frontale Ausfälle, Gangstörungen, Stürze und bedeutsame komorbide Erkrankungen (Diabetes, Herzinsuffizienz). 

Achtung: Es geht um das Überleben nach Diagnosestellung, nicht um das Gesamtüberleben! (Larson EB, et al. Survival after initial diagnosis of Alzheimer disease. Ann Intern Med 2004;140:501-9).

 

 

Demenz / M.Alzheimer (Prophylaxe und Therapie):

  • Prophylaktisch hilft das regelmässige Essen von Fisch. Senioren, die durchschnittlich einmal pro Woche Fisch assen, hatten ein um 60 Prozent geringeres Risiko, an Alzheimer zu erkranken, als solche, die kaum oder keinen Fisch zu sich nahmen (Rush-Presbyterian St.Luke's Medical Center, Chicago 2003).
  • Nach anderen Studien hatten Menschen die vermehrt Salat, Nüsse, Fisch, Tomaten, Geflügel, Gemüse, Früchte und wenig rotes Fleisch, Butter oder fettreichen Lebensmitteln zu sich nahmen, ein geringeres Risiko an M. Alzheimer zu erkranken (bereinigte HR 0,62) als die Teilnehmer/innen, bei welchen der Konsum von fettreichen Lebensmitteln und rotem Fleisch überwog.
    Zusätzlich positive kann angemerkt werden, dass diese Ernährungsweise auch das Risiko für Diabetes und Herzkreislauferkrankungen senkt.
    (Arch Neurol 67(6):699-706, June 2010 © 2010 to the American Medical Association
    Food Combination and Alzheimer Disease Risk-A Protective Diet. Yian Gu, Jeri W. Nieves, Yaakov Stern, Jose A. Luchsinger, Nikolaos Scarmeas.
    Link zum Abstract: http://archneur.ama-assn.org/cgi/content/abstract/67/6/699?etoc)
  • Regelmässiges Teetrinken hilft auch prophylaktisch: englische Forscher fanden, dass schwarzer (ca. ein Tag lang) oder grüner (ca. 7 Tage lang) Tee bestimmte Enzyme (Acetylcholinesterase-Hemmer u.a.) im Gehirn blockieren, die an der Entstehung von Alzheimer beteiligt sind. Die Inhaltstoffe von grünem Tee, die Catechine, haben sich als eigentliche multifunktionale neuroprotektive Substanzen erwiesen. Diese Polyphenole durchdringen die Blut-Hirn-Schranke und wirken unter anderem auch als Eisenchelatoren, Antioxidanzien und Entzündungshemmer.(Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson entstehen multifaktoriell durch komplexe toxische Einflüsse, die das Absterben von Neuronen provozieren. Wo Neurone absterben, wurde bei diesen Erkrankungen als zentrale biochemische Veränderung eine Ansammlung von Eisen festgestellt. Dadurch entstehen freie Sauerstoffradikale, die bei der Bildung toxischer Aggregate - Alpha-Synuclein bei der Parkinsonkrankheit und Beta-Amyloid bei der Alzheimerdemenz - beteiligt sind. Deshalb ist die Eisenbindungsfähigkeit der Polyphenole auch so wichtig.)

Was muss ich beachten, wenn Grünteetrinken wirklich einen medizinischen Wert haben soll:
- ein bis eineinhalb Liter täglich trinken
- drei gehäufte Esslöffel Pulver auf einen Liter
- pestizidfreien Grüntee wählen ("Bio")
- kalziumarmes Wasser benützen
- zwischen 60 und 80 Grad warmes Wasser zum Aufguss benützen
- (fünf bis) sieben Minuten ziehen lassen 
- ein paar Tropfen Zitronensaft im Tee schützt die Polyphenole vor den Verdauungssäften
- kann mit Traubensaft (auch Polyphenol-reich) ergänzt werden.

Grünteeregeln als PDF-Datei
  • Allgemein gilt präventiv eine sog. Mittelmeerkost:
    5 Portionen Früchte oder Gemüse pro Tag
    Fett, vor allem als Oliven-, Raps-, Senfsamen- oder Sojaöl
    Wenig rotes Fleisch und andere tierische Fette
    mehr als 2 Portionen Fisch pro Woche (vegetarische Variante: 25 g Walnüsse oder Mandeln pro Tag)
    Energie, vor allem durch Getreide- oder Kartoffelprodukte
    Gemäss einer Studie (Qi Dai. Fruit and vegetable juice may reduce Alzheimer's risk. Am J Med. 2006;119:751-9.) reichen nur drei Gläser Frucht- oder Gemüsesaft pro Woche zur Reduktion der Wahrscheinlichkeit, Zeichen einer Alzheimer-Krankheit zu entwickeln, um 75%!
  • Man sollte nicht näher als 50 Meter zu einer Hochspannungsleitung wohnen. Gemäss einer Schweizer Studie (American Journal of Epidemiology, 2008: http://aje.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/kwn297) war das Risiko, an einer Alzheimerkrankheit zu erkranken nach 15 Jahren stark erhöht.
  • Präventiv wirkt das Verhindern von Hirntraumas: Helmtragen beim Velofahren oder anderen gefährlichen Sportarten!
  • Präventiv gilt auch allgemein eine Verhinderung des Hirnschlags (optimaler Blutdruck, Diabetes gut behandelt und Blutfette nicht erhöht) und eine Erhöhung der zerebralen Reserve (Kombination von körperlicher Bewegung, die über 3 Stunden pro Woche zum Schwitzen führt und tägliches Gedächtnistraining).

 

  • Nicht medikamentöse Therapien von Frühstadien von Demenzkranken sind wirkungsvoller als die heute erhältlichen Pharmakotherapien, wenn sie in Kombination angewendet werden (Wettstein A, Nicht-pharmakologische Therapie der Demenz, Schweiz Med Forum 2004;4:632-635). Besonders wirkungsvoll ist die Kombination von Beratung, Schulung, Entlastungsangeboten und regelmässigen Besuchen von Aussenstehenden, was eine Heimverzögerung um etwa ein Jahr bewirken kann.
    Besuche, auch kurze, von Angehörigen verbessern zudem die Lebensqualität der Demenzkranken erheblich.
  • Es scheint, dass ein erhöhter (systolischer = oberer) Blutdruck und ein erhöhter Cholesterinwert im mittleren Lebensabschnitt das Risiko einer Alzheimerschen Krankheit im Alter erhöht. (BMJ 2001; 322: 1447-51; Kivipelto M et al.).
  • Von einem Gedächtnistraining profitieren Erkrankte, die im Mini-Mental-Status (MMS) Werte über 18 erreichen.
  • Zweimal täglich "therapeutisches Berühren" (im Schulter-Nackenbereich) während 5 - 7 Minuten führte zu einer signifikanten Reduktion von Agitation bei Alzheimerpatienten (Woods DL, Seattle). Voraussetzung ist genaues Beobachten, wann im Tagesablauf die Agitation jeweils einsetzt und die Anwendung der Massage ca. eine halbe Stunde vor diesem Zeitpunkt am nächsten Tag.
    Alzheimerkranke werden auch ruhiger, wenn sie regelmässig Fische in einem Aquarium beobachten können. Schon nach 4 Wochen waren diese weniger nervös und assen auch wieder mehr (Studie aus Indianapolis, USA).
  • Auch regelmässige Fussreflexzonenmassage scheint bei Demenzpatienten den Allgemeinzustand klar zu verbessern (Hodgson NA et al: The clinical efficacy of reflexology in nursing home residents with dementia. J Altern Complement Med 2008;14:269-275).

 

  • 2000 IE Vitamin E (Tocopherol) täglich bremst das Fortschreiten der Alzheimerschen Erkrankung um 6.5 Monate (N Engl J Med 1997 Apr 24;336(17):1216-22) .
  • Eine Metastudie zeigte einen deutlichen Effekt von Ginkgo biloba-Extrakt (3 bis 6 Monate 120 bis 240 mg täglich), der vergleichbar der bis 1997 verfügbaren Medikamente war (Arch Neurol 1998 Nov;55(11):1409-15).
  • Die Einnahme eines hoch dosierten Extraktes aus Zitronenmelisse besserte Gedächtnis, Aufmerksamkeit, die Agitiertheit und die Fähigkeit, Probleme zu lösen deutlich stärker als Plazebo (New Scientist 2003; 178: 20).
  • Entzündliche Prozesse spielen in der Entstehung der Alzheimerschen Krankheit eine wichtige Rolle (es trifft also die Betagten nicht schicksalhaft oder v.a. durch Vererbung!). Eine Vielzahl von Studien zeigte, dass Personen, die längere Zeit entzündungshemmende Medikamente einnahmen, ein deutlich niedrigeres Alzheimerrisiko haben (0.3 - 0.6). Billiger und nebenwirkungsärmer ist hier das Trinken von Grüntee (siehe oben)!
    Es laufen zur Zeit mehrere Interventionsstudien mit entzündungshemmenden Substanzen. Bis zum Vorliegen der Ergebnisse dieser kontrollierten Studien kann jedoch aufgrund von Resultaten epidemiologischer Studien allein die Einnahme von Entzündungshemmern noch nicht empfohlen werden.

 

Abgrenzung zur Depression:

In der Praxis ist die Unterscheidung zwischen einer Depression und einer Demenz durch die Alzheimer-Krankheit oft recht schwierig. Demenz und Depression können gleichzeitig auftreten. Depressionen bei demenzkranken Menschen sind nicht so leicht zu diagnostizieren, weil die Betroffenen oft nicht mehr in der Lage sind, ihre affektive Befindlichkeit mit Worten auszudrücken. Es gibt aber auch die sog. depressive Pseudodemenz, d.h. Leistungsstörungen bei Depressiven.
Es gibt aber doch klare Unterscheidungen:

Kriterien für die Diagnose einer Demenz (neben Alzheimer auch sog. Multi-Infarkt-Demenz durch Hirndurchblutungsstörungen oder Arzneimittelnebenwirkung, Mangelernährung.) sind Gedächtnisstörungen und Störungen in mindestens einem der folgenden kognitiven Funktionen: Sprache, räumliche Orientierung, logisches Denken, Abstraktionsvermögen, Urteilsvermögen, Konzentration. Dies bei erhaltenem Bewusstsein.

Für eine Depression spricht eine familiäre Belastung, eine persönliche Vorgeschichte mit Depressionen, rascher Beginn (Die Multi-Infarkt-Demenz beginnt aber auch rasch.), subjektive Klagen (Der Demente bagatellisiert.), detaillierte Klagen, depressive Stimmung (Der Demente ist allgemein gefühlslabil.), die Umgebung hat die Symptome wahrgenommen (Beim Dementen werden Symptome lange Zeit nicht wahrgenommen.), Schuldgefühle und Versagensangst (Der Demente verneint und fordert.), "ich weiss es nicht"-Antworten (Der Demente beschuldigt andere für eigenes Versagen.), depressive Symptome treten vor den kognitiven Verlusten auf (Beim Dementen umgekehrt.), keine Orientierungsstörungen.

Beim Depressiven heissen die klassischen Schlüsselfragen:

  • Verlust der Fähigkeit, Freude zu empfinden
  • Verlust des Interesses
  • Verlust von Elan, Entschlusskraft, Lustempfindung
  • Verlust der Konzentrationsfähigkeit und Hemmung des Denkens
  • Verlust des Selbstwertgefühls mit Suizidimpulsen
  • Schlafstörungen

    Depressive Symptome sind:
  • Hemmung, Verlangsamung, Antriebsschwäche, Apathie
  • Traurige Verstimmung, Bedrücktheit, Niedergeschlagenheit
  • Angst, Krankheitsangst, funktionelle Organbeschwerden

 

Überlappende (gemeinsame) Symptome von Demenz und Depression sind:

  • Antrieb
  • Energieverlust
  • Interessenverlust
  • Müdigkeit
  • Schlafstörung
  • Gewichtsverlust
  • Agitiertheit
  • Verlangsamung
  • Konzentrationsstörung
  • Merkfähigkeitsstörung

 

 

Sehr hilfreich ist die Cornell-Skala. Dieses Instrument umfasst 19 Items, welche Veränderungen der Stimmung, des Verhaltens, vegetativer Funktionen wie Appetit und Schlaf sowie weitere Störungen erfassen. Von anderen Depressionsskalen unterscheidet sich die Cornell-Skala dadurch, dass sie nicht nur durch ein Gespräch mit dem Patienten erhoben wird, sondern sich vor allem auf Beobachtungen der Pflegenden stützt, die im Zeitraum von einer Woche erhoben werden.

 

Therapeutisch wirkt übrigens unspezifisch bei beiden Störungen etwas Unvorhergesehenes: ein bis zwei Stunden Sitzen im Schaukelstuhl beruhigt und wirkt antidepressiv!
Siehe Weiteres hier!

 

 

Lesen Sie auch meine Seite über Alzheimer und Aluminium>>>hier!

 

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Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich kein "Spezialist" für obiges Thema bin. Es interessiert mich aber im bescheidenen Rahmen meiner hausärztlichen Tätigkeit. Melden Sie sich nicht in der falschen Hoffnung in meiner Sprechstunde an, um Patentrezepte zu erhalten.

 

Last updated 01.09.2010

 

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